Mit Buchstabennudeln steht auf dem Küchentisch "Hermitage" geschrieben.
Sy Sy - Sympathische Synonyme

Hermitage

Die Band Herman’s Hermits dürften nicht mehr allzu viele kennen. Ihren Welthit aber schon: „No Milk Today“ ist bis heute zuverlässig im Radio zu hören und fester Bestandteil des Pop-Kanons der 60er-Jahre. Der alliterative Bandname lässt sich mit Hermanns Einsiedler ins Deutsche übersetzen – okay, klingt nicht ganz so schmissig … vielleicht hätte sich das Quintett hierzulande Einars Einsiedler oder Eikes Einzelgänger genannt. Egal, jedenfalls wären wir hier beim Thema.

Das englische Hermit leitet sich vom Lateinischen Eremita ab: eben Einsiedler. Eine französische Hermitage ist entsprechend eine Einsiedelei (ebenso ein St. Petersburger Kunstmuseum, nur etwas anders geschrieben). Dies lässt uns direkt an die gleichnamige knochentrockene Lage an der nördlichen Rhône denken. Und schon sind wir im Ursprungsland dieser roten Rebe, nämlich in Frankreich.
An dieser Stelle lasse ich nun die Katze aus dem Sack respektive den Korken aus der Flasche und verrate den bekannteren Namen dieser Rebe: es ist Cinsault. 

Vom Einsiedler zum Globetrotter: Wie Cinsault zu Hermitage kam – und weiterzog

Der Süden Frankreichs: Perfektes Klima für Cinsault alias Hermitage
Der Süden Frankreichs: Perfektes Klima für Cinsault alias Hermitage

Wir kennen Cinsault vor allem als harmonisierende Verschnittpartnerin einer südfranzösischen Cuvée, zum Beispiel aus dem Languedoc oder von der südlichen Rhône. Dagegen kommt sie interessanterweise so gut wie nie an der nördlichen Rhône vor, also da, wo Hermitage liegt.
Kurzum: Es findet sich in der Weinliteratur und den einschlägigen Ecken des Internets kein Hinweis auf eine Verbindung von Rebsorte und Weinlage.

Vorwiegend wird das Synonym Hermitage aber fernab ihrer Heimat in Südafrika gebraucht. Und damit wird die Geschichte so langsam rund, denn – Achtung, jetzt kommt’s – Südafrikas rote Haus- und Hofsorte Pinotage ist eine Kreuzung aus Pinot noir und Cinsault alias Hermitage. Ha! Wer das gelesen hat, vergisst ab sofort nie wieder die Kreuzungseltern der Pinotage (ich frage euch gleich morgen noch mal ab!).

Sanft im Tannin, stark im Team: Cinsault als angenehme Kollegin

Cinsault selbst ist hitzebeständig und generiert verhältnismäßig wenig Gerbstoffe, was sie zu einer buchstäblich geschmeidigen Cuvéepartnerin macht. Neben ihrer Heimat Südfrankreich und Südafrika kommt die Rebe auch in Marokko in nennenswertem Ausmaß vor. Dort ist sie unter anderem fester Bestandteil des Boulaouane Gris, einem leichten roséfarbenen Wein aus dem Westen des Landes.

Wer also demnächst ein Glas Cinsault in der Hand hält, darf gerne kurz die Augen schließen und die weite Reise der kleinen tapferen Französin noch mal anerkennend Revue passieren lassen. Und wer weiß, vielleicht entsteht daraus ja das Bedürfnis, auch noch ihren Spross, den Pinotage, näher kennenzulernen.

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