Bandol (Foto von Mr. Pierre (mrpierre_1) auf Unsplash)
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Rosé aus Bandol: Mach das Glas voll!

Knapp 17 Grad Celsius unter einer bleiernen Wolkendecke – der Spätsommer legt in Norddeutschland nochmal den Turbo ein. Mit anderen Worten: die passende Gelegenheit, den Blick auf einen besonderen Rosé-Landstrich zu richten.

In Sachen Rosé hat Südfrankreich vor allem die große AOP Côtes de Provence zu bieten. Die kleine AOP Bandol wirkt dagegen wie eine Attraktion aus dem Miniatur Wunderland. In nackten Zahlen sind das knapp 20.000 Hektar (Côtes de Provence) gegenüber läppischen 1.600 Hektar (Bandol). Warum es sich dennoch lohnt, Rosé aus Bandol genauer zu betrachten, möchte ich im Folgenden ausführen.

Mourvèdre – die Seele des Bandol

Also, was macht Bandol so toll? In „Rosé – das Buch zum Wein“ führe ich die Leserinnen und Leser durch die Rosé-Gebiete der Welt. Naturgemäß stellt Frankreich, speziell die Provence, in diesem Zusammenhang das Filetstück dar. Aber das kleine Bandol, das sich über wenige Kilometer zwischen La Ciotat und Toulon erstreckt, bietet besondere Bedingungen für den Weinbau: Neben einer Vielzahl an Terroirs (rote Lehmböden sowie Kalkstein- und Sandsteinböden wechseln sich hier ab) schützen Gebirgsketten die Reben vor dem einpeitschenden Nordwind. Hier fühlt sich speziell eine Sorte pudelwohl: die Mourvèdre (in Spanien als Monastrell bekannt).

Im Gegensatz zu Grenache oder Syrah gibt sie dem Wein noch etwas mehr Kraft und Kante. Bei Rosés aus dieser Appellation ist es sogar vorgeschrieben, dass der Mindestanteil an Mourvèdre bei 20 Prozent liegen muss, bei Rotweinen sind es gar 50 Prozent. In den Cuvées spielen neben Mourvèdre, Grenache und Syrah noch die Sorten Cinsault sowie Carignan eine nicht unwichtige Rolle.

Sonnenuntergang in der Provence
Am Abend kommt rosé an der Côte d’Azur oft von ganz allein.

Mistral statt Mehltau: Warum Bandols Reben gesund bleiben

Wie der Rest der Provence erlebte Bandol den Beginn seiner Weinbautradition vor rund 2.600 Jahren mit der Ankunft der Griechen. Aus dem Hafen des gleichnamigen Ortes wurden die Weine früher in alle Richtungen verschifft. 1941 erhielt es als eine der ersten Weingegenden des Landes den Status der geschützten Ursprungsbezeichnung (damals noch AOC, heute AOP). Rund 3.000 Sonnenstunden gibt es hier im Jahr, dem gegenüber steht eine Niederschlagsmenge von 600 Millimetern pro Jahr – Berlin hat nicht unbedingt weniger Regen, nur setzt im Bandol nach dem Regen oft der scharfe Mistral ein und trocknet die Weinberge schnell wieder. So bleiben die Reben auf natürliche Weise gesund und Pilzkrankheiten die absolute Seltenheit.

Nase rein, der Spaß beginnt

Für den kleinen Praxis-Test zu Hause habe ich mir zwei Rosés aus dem Bandol bestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wir starten mit dem „Les Adrets“ (58 Prozent Mourvèdre, 30 Prozent Grenache, 12 Prozent Cinsault) von 2025 aus dem Hause Moulin de la Roque, immerhin ausgezeichnet mit dem Gold Concours Mondial de Bruxelles. Im Glas haben wir ein helles Lachs-Rosa, das spontan an einen typischen Provence-Rosé erinnert … aber eben eher aus den AOPs Côtes de Provence, Coteaux Varois oder Coteaux d’Aix-en-Provence.

Der Bandol-Rosé "Terrebrune" und der "Les Adrets" auf einem Küchentisch
Zwei Typen aus der Provinz … äh … Provence: der Bandol-Rosé „Terrebrune“ und der „Les Adrets“

In die Nase rückt zunächst eine enorme Frische vor, dann Wassermelone, etwas Rose sowie zitrische Noten (Grapefruit). Am Gaumen entwickelt sich durch die angenehm belebende Säure und den schlanken Körper augenblicklich eine enorme Zugkraft. Gedanklich befinden wir uns spätestens jetzt am Plage de Renecros des alten Fischerörtchens Bandol und springen kopfüber in die Wellen. Dabei nehmen wir trotzdem Anklänge von Rose, Grapefruit und Andeutungen dunkler Kirschen wahr. Der Abgang ist herrlich würzig, garniert mit allen Kräutern, die zwischen den Pinien hinter den Steinmauern wachsen, welche die Ferienhäuser der Schönen und Reichen vom lauten Touristenpöbel am Strand trennen.
Kurzum: Ein Wein, den man auch genüsslich wegsüffeln kann, wenn das Wassereis aus sein sollte. Für rund 14 Euro bekommt man mit dem „Les Adrets“ einen wirklich guten Rosé ins Glas.

Mehr als Sommerwein: Bandol zeigt, wie komplex Rosé sein kann

Als nächstes gieße ich mir den „Domaine de Terrebrune“ ins Glas. Im aktuellen Rosé-Test der Vinum belegt dieser in der Kategorie „Rosé trocken über 20 Euro“ den zweiten Platz. Der Unterschied zum „Les Adrets“ macht sich schon farblich bemerkbar. Hier haben wir einen deutlich dunkleren Farbton, der ins orangefarbene geht und bei der Aperol-Fraktion für Freude sorgen sollte.

Schon in der Nase nehme ich gleich mehr Tiefe und Komplexität wahr als bei Wein Nummer eins, konkret: reifer Apfel, Cassis und – durch den Ausbau im Holz – etwas Kokos sowie Vanille. Zudem macht sich ein animalischer Duft breit, der auf die rassige Mourvèdre zurückzuführen ist. Die Traube ergibt von Haus aus alkoholstarke Weine, die vor Tanninen nur so strotzen. Bei dieser Cuvée haben wir 60 Prozent Mourvèdre, 20 Prozent Grenache, 20 Prozent Cinsault – ergibt 100 Prozent Bandol. Preislich sind wir hier bei rund 24 Euro, also in Sachen Rosé schon im Prestige-Segment.

Zwei Gläser mit Roséwein aus dem Bandol auf einem Küchentisch
Von Zwiebelschale bis Holland-Trikot – die Farbenlehre der Provence

Speedboat oder Steinpfad? Zwei Bandol-Rosés, zwei Charaktere

Am Gaumen setzt sich dieser erste Eindruck aromatisch nicht nur logisch fort, hier entfaltet dieser Wein seine volle Wucht: bei einem zumindest mittleren Körper verfügt er über eine erstaunliche Frische und wirkt gleichzeitig umfangreich und komplex. Ein Rosé, der einen erstmal zum Innehalten und Nachfühlen animiert – mag ich.

Glich der „Les Adrets“ einem sportlichen Ritt auf einem Speedboat entlang der Küste, ist der „Terrebrune“ ein Spaziergang hurtigen Schenkels durch die karge Landschaft der südlichen Provence. Und auch in Sachen Essensbegleitung haben wir mit diesen zwei Rosés alle Trümpfe in der Hand: Zu „Les Adrets“ stehen die typischen Provence-Leckereien auf dem Tisch: gebratener Fisch, Austern, Salat und Aïoli. Beim „Terrebrune“ dürfen wir noch eine Schippe drauflegen: Hier passt sogar ein opulentes Grill-Menü – ja, auch unbedingt mit Fleisch!

Rosé statt Super Plus: Warum sich der Tankstopp in Bandol lohnt

In „Rosé – das Buch zum Wein“ gehe ich häufig auf Tavel und Bandol ein, wenn es darum geht, Rosés mit Muckis auf den Tisch zu stellen, die auch mit Fleischgerichten mithalten können. Zumindest der „Terrebrune“ ist ein Beispiel, wo ich dieses Pairing sofort unterschreiben würde. Gleichzeitig zeigt unser Mini-Test, wie umfangreich beziehungsweise unterschiedlich das Ergebnis einer kleinen AOP wie Bandol mit einer überschaubaren Anbaufläche von nur circa 1.600 Hektar ausfallen kann – und das bei einer identischen Rebsortenzusammenstellung mit nur leichten Unterschieden in der Verteilung.

Wenn Ihr also das nächste Mal auf der A50 auf dem Weg von Marseille nach Monaco seid, einfach mal die Abfahrt Bandol nehmen und dort einmal mit Rosé volltanken (anschließend den Wagen aber stehen lassen!). Noch dürfte der Liter für hochwertige Lagen-Rosés zwar dezent teurer sein als der für Benzin, bei Diesel sollten wir aber bereits deutlich drüber liegen.

Bleibt nur noch eine Frage: Kommt nach dem Tank- bald auch der Rosé-Rabatt?!

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