Die Rebsorte Emerald Riesling und der Rivaner haben eine Gemeinsamkeit: Beide würden heute anders heißen. Denn geht beim Rivaner alias Müller-Thurgau der Name auf die falsche Annahme zurück, dass Riesling und Silvaner die beiden „Elternreben“ seien (heute wissen wir: Es sind Riesling und Madeleine Royal), verhält es sich beim Emerald Riesling ganz ähnlich. Jahrelang wurde angenommen, dass die Neukreuzung von den Reben Muscadelle und Riesling abstamme (der Wikipedia-Artikel ist interessanterweise noch immer auf dem Stand). DNA-Analysen haben aber ans Licht gebracht, dass Malvasia Aromatica di Parma und Grenache die stolzen Rebeltern sind, so auch hochoffiziell im Vitis International Variety Catalogue (VIVC) des Julius-Kühn-Instituts festgehalten. Durch die Stängel des Emerald Rieslings fließt also kein Tropfen Riesling-Blut.
Der Traum vom Riesling unter sengender Sonne
Nachdem wir das kurz geklärt haben, kommen wir nun zum praktischen Teil des Porträts: Wo kommt diese merkwürdige Traube vor und wie schmeckt sie? Beginnen wir die Antwort auf die erste Frage vielleicht damit, wo sie herkommt. In den 1930er-Jahren entstand sie an der University of California beim Bestreben, einen Riesling zu entwickeln, der auch heißen Temperaturen standhalten kann. Auf den Markt kam die Rebe dann 1948 und seitdem … bleibt ihr Anbau überschaubar.
Da Hitzeresistenz aber eines der Hauptmotive beim bunten Herummendeln war, überrascht es wenig, dass der Emerald Riesling zuvorderst in wärmeren, wenn nicht sogar heißen Regionen vorzufinden ist. Namentlich sind das die USA, Südafrika, Spanien, allen voran aber Israel. Im Staat an der Levante waren es vor zehn Jahren rund 110 Hektar Anbaufläche, aktuelle Zahlen sind derzeit nicht verfügbar.
Sucht man nach Emerald-Riesling-Weinen im Netz erhält man a) ein recht übersichtliches Ergebnis und b) kommen gefühlt 99,9 Prozent der angezeigten Flaschen vom Weingut Barkan, das etwas westlich von Jerusalem liegt. Da der Import einer einzelnen Flasche aus dem heiligen Land alles andere als ein himmlisches Vergnügen ist, war ich froh, zumindest eine Cuvée vom angesprochenen Weingut in einem Restaurant entdeckt zu haben.
Exotik im Glas, Säure im Urlaub
Die Assemblage aus Emerald Riesling und der Cognac-Rebe Colombard hatten wir zu klassischen Mezze, also einem Konvolut verschiedener kleiner Vorspeisen. Wie viel Restzucker und Säure der Wein hatte, lässt sich im Nachhinein leider nicht mehr feststellen – ein weiterer Hinweis darauf, dass es sich hier um ein echtes Orchideenthema handelt. Wenn der Wein nicht knapp an der Grenze lag, bewegten wir uns sogar sicher im halbtrockenen Bereich. Das war, gerade wenn es bei den Mezze etwas pikanter wurde, aber eine nicht unwillkommene Gelegenheit, nochmal nachzugießen.
Neben dem deutlichen Anklang gelber, exotischer Früchte blieb zumindest diese Cuvée hinter unseren ohnehin schon moderaten Erwartungen weit zurück. Von einem straffen Säuregerüst wie das Riesling-Original ihn naturgemäß hat, kann sein Namens-Schwippschwager nur träumen.
Aber immerhin erklärte sich so auch aromatisch, warum der Emerald Riesling vor allem eines ist: kein Riesling, aber eine interessante Fußnote der Weingeschichte.


