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		<title>Turm trifft Titel: San Gimignano feiert 60 Jahre DOC</title>
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		<pubDate>Sat, 16 May 2026 12:10:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum. Sind wir immer noch berauscht von 75 Jahren Grundgesetz (2024) und 40 Jahren Microsoft Windows oder wahlweise 500 Jahren Bauernkrieg (2025) steht in diesem Jahr eine weitere Festivität ins Haus, damit die Party auch ja nicht endet: 60 Jahre geschützte Herkunftsbezeichnung des Vernaccia di San Gimignano. 1966 war diese kleine Appellation die erste Italiens, die das &#8222;DOC&#8220; (also Denominiazione di Origine Controllata) höchst offiziell auf der Flasche führen durfte. In Frankreich ist Châteauneuf-du-Pape bereits 30 Jahre zuvor als erste AOC (Appellation d&#8217;Origine Contrôlée) des Landes vorgeprescht, weltweit gilt allerdings das portugiesische Douro-Tal als erste behördlich klar eingegrenzte Weinregion &#8211; hier sind wir tief im 18. Jahrhundert. Turm oder Traube? Ein toskanisches Rätsel Für mich aber eine schöne Gelegenheit, diese kleine wie spannende Weißwein-Exklave im sonst so tiefroten Glutofen der Toskana einmal näher vorzustellen. Nähert man sich mit dem Auto oder Bus der rund 7.500 Einwohner zählenden Kleinstadt (eine Bahnanbindung gibt es nicht), sieht man bereits aus der Ferne die charakteristischen Türme, die die Stadtsilhouette ausmachen. Und die werden emsig auf T-Shirts, Caps oder Weinetiketten gedruckt – auf ihre mittelalterlichen und noch gut erhaltenen Geschlechtertürme sind die Sangimignanesi eben besonders stolz. Nicht minder stolz sind sie – auch hier zu Recht – auf ihren traditionsreichen Weißwein aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano. Interessanterweise gehen sowohl die Geschlechtertürme, die der Stadt den Beinamen Mittelalter-Manhatten einbrachten, als auch die Weinreben San Gimignanos auf das 13. Jahrhundert zurück – sodass abschließend nicht geklärt werden kann: Was war zuerst da – der Turm oder die Rebe? Sicher ist dagegen: Bereits in Dante Alighieris &#8222;Göttlicher Komödie&#8220; wird der Vernaccia erwähnt, weshalb parallel zum 60. Geburtstag der behördlichen Eingrenzung auch 600 Jahre Vernaccia di San Gimignano generell gefeiert wird (man kommt wirklich nicht aus dem Feiern raus oder sucht man vielleicht nur ständig nach Gründen zum Trinken?). Akazie, Harz und Hasenpanik: Vernaccia di San Gimignano im Glas Um den theoretischen Teil nun aber langsam abzubinden, müssen wir noch einmal ins Jahr 1993 springen, als aus der kontrollierten Herkunftsbezeichnung auch eine garantierte wurde: Aus der DOC wurde DOCG (Denominiazione di Origine Controllata e Garantita) und der Vernaccia di San Gimignano stieg in die höchste Qualitätsstufe empor. Aus weniger als 800 Hektar Rebfläche werden frische und elegante Weine gezaubert. Einen davon habe ich nun vor mir auf meinem Küchentisch stehen. Auf einen zweiten Wein kommen wir gleich zu sprechen – nur so viel: er kommt quasi aus der direkten Nachbarschaft. Beginnen wir aber mit einem klassischen Vertreter, dem Isola Blanca von Teruzzi. Hier haben wir einen Wein, der zu 100 Prozent aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano besteht &#8211; gesetzlich sind mindestens 85 Prozent vorgeschrieben. Was zunächst auffällt, ist das Etikett: Ein Hund mit Schild und Speer wird von einem Hasen in eine imaginäre Schlacht getragen &#8230; sehen so die Bremer Stadtmusikanten aus, wenn sie bei 37 Grad unter der toskanischen Sonne zu viel Weißwein getrunken haben? In den weit aufgerissenen Augen des Hasen ist jedenfalls die komplette Gefühlspalette von Ungläubigkeit bis Panik erkennbar. Ein Weißwein mit mediterranem Nervensystem Wir fassen uns ein Herz und schenken uns dennoch ein Glas ein. Markant ist zunächst nicht ein vordergründiges Fruchtaroma oder eine unmittelbar in die Nase steigende Frische, sondern vielmehr ein blumig-balsamischer Duft, der an Akazienblüten ebenso erinnert wie an feine Harznoten. Dies kontrastiert übrigens völlig mit den äußeren Umständen: Im Hamburger Frühling haben wir zu diesem Zeitpunkt (Mitte Mai!) sagenhafte 11 Grad Celsius. Dass dieser Wein nicht mit Sonnenhut und offenem Leinenhemd, sondern stattdessen im Rollkragenpullover und Filzhausschuhen verkostet wird, war sicher nicht im Sinne des Erfinders. Bei diesem angenehmen Bouquet versetzt es mich aber ruckartig in den Schatten einer Toskana-Kiefer. Am Gaumen haben wir eine sich nicht in den Vordergrund spielende Säure und Anklänge von Mandeln (Restzucker: 3,3 g/l, Gesamtsäure: 5,2 g/l), im Finale im Ansatz cremig. Mehr als solide! Supertoskaner mit Vernaccia-DNA In der anderen Flasche des Weinguts Teruzzi schlummert der Terre di Tufi (also Tuffstein-Boden). Dieser Wein stammt nicht direkt aus San Gimignano, hat aber dennoch eine Verbindung zu ersterem. Denn dieser Vino, dessen Reben vor den südlichen Toren Siennas stehen, besteht zur Hälfte ebenso aus Vernaccia. Den Rest machen 20 Prozent Trebbiano und 30 Prozent andere &#8222;aromatische Rebsorten&#8220; (Zitat: Homepage Teruzzi) aus. Bedeutet also: Auch wenn dieser Wein direkt aus San Gimignano käme, dürfte er nicht als DOCG-Produkt bezeichnet werden, da zur Hälfte aus anderen Rebsorten besteht. Bedeutet ebenso: Wir haben hier einen sogenannten weißen Supertoskaner vor uns. Kurzer Exkurs: Ein Supertoskaner (oder im Englischen: Super Tuscan) bezeichnet hochwertige Weine aus der&#160;Toskana, die seit den 1970er-Jahren bewusst mit den strengen traditionellen DOC- und DOCG-Regeln brachen, weil sie aus internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot gekeltert wurden und eben nicht aus der heimischen Sangiovese oder Vernaccia di San Gimignano. Viele dieser Weine überholten ihre Kollegen mit den ur-italienschen Rebsorten auf der Überholspur, sodass sie zu diesem Spitznamen kamen. Der Fruchtkorb bleibt gelb Aber zurück zum Terre di Tufi, der entsprechend als IGT-Wein (vergleichbar mit dem deutschen Landwein) eingestuft ist. Im Glas strahlt uns ein sattes Strohgelb an. Und spätestens in der Nase kann dieser Wein seine teilweise Vergangenheit im Holz nicht verhehlen: ausladend, ein Hauch Karamell und dazu reife Ananas. Mich erwartet also ein Nachtisch. So, probieren wir ihn mal: Ein mittlerer Körper mit nun deutlich wahrnehmbarer Eichennote, dazu Vanille. Die Ananas verflüchtigt sich nicht, bekommt vielmehr noch Besuch von Honigmelone und Aprikose &#8211; der Fruchtkorb bleibt auf jeden Fall gelb. Der Nachhall ist solide. Anders ausgedrückt: ein guter Wein, den man für rund 17 Euro bekommt. Ein großes Feuerwerk stellt sich am Gaumensegel aber nicht ein. Italienische Weißweine haben es in Deutschland traditionell nicht leicht: Sie sollten tunlichst nicht mehr als zehn Euro kosten und am ehesten wird zu Lugana oder Soave gegriffen. Dass aber auch jenseits der italienischen Alpenausläufer spannende Weißweine produziert werden, fällt oft hinten über beziehungsweise direkt den Stiefel hinab: Denken wir nur an den kräuterwürzigen Verdicchio dei Castelli di Jesi oder noch weiter im Süden: den vollmundigen Fiano. Und siehe da, auch in der Toskana darf man ruhig mal bei Weiß abbiegen. In San Gimignano weiß man das schon länger.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/turm-trifft-titel-san-gimignano-feiert-60-jahre-doc/">Turm trifft Titel: San Gimignano feiert 60 Jahre DOC</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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<p>Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum. Sind wir immer noch berauscht von 75 Jahren Grundgesetz (2024) und 40 Jahren Microsoft Windows oder wahlweise 500 Jahren Bauernkrieg (2025) steht in diesem Jahr eine weitere Festivität ins Haus, damit die Party auch ja nicht endet: 60 Jahre geschützte Herkunftsbezeichnung des <a href="https://vernaccia.it" type="link" id="https://vernaccia.it" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vernaccia di San Gimignano</a>.</p>



<p>1966 war diese kleine Appellation die erste Italiens, die das &#8222;DOC&#8220; (also Denominiazione di Origine Controllata) höchst offiziell auf der Flasche führen durfte. In Frankreich ist <a href="https://traubengucker.de/regionen/tavel-an-der-tafel-aber-nur-rose/">Châteauneuf-du-Pape</a> bereits 30 Jahre zuvor als erste AOC (Appellation d&#8217;Origine Contrôlée) des Landes vorgeprescht, weltweit gilt allerdings das portugiesische Douro-Tal als erste behördlich klar eingegrenzte Weinregion &#8211; hier sind wir tief im 18. Jahrhundert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Turm oder Traube? Ein toskanisches Rätsel</h2>



<p>Für mich aber eine schöne Gelegenheit, diese kleine wie spannende Weißwein-Exklave im sonst so tiefroten Glutofen der Toskana einmal näher vorzustellen. Nähert man sich mit dem Auto oder Bus der rund 7.500 Einwohner zählenden Kleinstadt (eine Bahnanbindung gibt es nicht), sieht man bereits aus der Ferne die charakteristischen Türme, die die Stadt<a href="https://www.youtube.com/shorts/-4glxL7OthU" target="_blank" rel="noreferrer noopener">silhouette</a> ausmachen. Und die werden emsig auf T-Shirts, Caps oder Weinetiketten gedruckt – auf ihre mittelalterlichen und noch gut erhaltenen Geschlechtertürme sind die Sangimignanesi eben besonders stolz.</p>



<p>Nicht minder stolz sind sie – auch hier zu Recht – auf ihren traditionsreichen Weißwein aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano. Interessanterweise gehen sowohl die Geschlechtertürme, die der Stadt den Beinamen Mittelalter-Manhatten einbrachten, als auch die Weinreben San Gimignanos auf das 13. Jahrhundert zurück – sodass abschließend nicht geklärt werden kann: Was war zuerst da – der Turm oder die Rebe?</p>



<p>Sicher ist dagegen: Bereits in Dante Alighieris &#8222;Göttlicher Komödie&#8220; wird der Vernaccia erwähnt, weshalb parallel zum 60. Geburtstag der behördlichen Eingrenzung auch 600 Jahre Vernaccia di San Gimignano generell gefeiert wird (man kommt wirklich nicht aus dem Feiern raus oder sucht man vielleicht nur ständig nach Gründen zum Trinken?).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1024x1024.jpeg" alt="Ich auf dem Weg durch die Straßen von San Gimignano." class="wp-image-1752" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ob auf zwei Beinen (ich, links) oder auf drei Rädern (Ape, rechts) – im August bewegt man sich besser im Schatten fort.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Akazie, Harz und Hasenpanik: Vernaccia di San Gimignano im Glas</h2>



<p>Um den theoretischen Teil nun aber langsam abzubinden, müssen wir noch einmal ins Jahr 1993 springen, als aus der kontrollierten Herkunftsbezeichnung auch eine garantierte wurde: Aus der DOC wurde DOCG (Denominiazione di Origine Controllata e Garantita) und der Vernaccia di San Gimignano stieg in die höchste Qualitätsstufe empor.</p>



<p>Aus weniger als 800 Hektar Rebfläche werden frische und elegante Weine gezaubert. Einen davon habe ich nun vor mir auf meinem Küchentisch stehen. Auf einen zweiten Wein kommen wir gleich zu sprechen – nur so viel: er kommt quasi aus der direkten Nachbarschaft. Beginnen wir aber mit einem klassischen Vertreter, dem <em>Isola Blanca</em> von <a href="https://www.teruzziwine.com/en/home/" type="link" id="https://www.teruzziwine.com/en/home/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teruzzi</a>. Hier haben wir einen Wein, der zu 100 Prozent aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano besteht &#8211; gesetzlich sind mindestens 85 Prozent vorgeschrieben. Was zunächst auffällt, ist das Etikett: Ein Hund mit Schild und Speer wird von einem Hasen in eine imaginäre Schlacht getragen &#8230; sehen so die Bremer Stadtmusikanten aus, wenn sie bei 37 Grad unter der toskanischen Sonne zu viel Weißwein getrunken haben? In den weit aufgerissenen Augen des Hasen ist jedenfalls die komplette Gefühlspalette von Ungläubigkeit bis Panik erkennbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1024x1024.jpeg" alt="Das Etikett des Isola Bianca" class="wp-image-1769" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Für dieses Etikett kamen eindeutig Tiere zu Schaden.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Weißwein mit mediterranem Nervensystem</h2>



<p>Wir fassen uns ein Herz und schenken uns dennoch ein Glas ein. Markant ist zunächst nicht ein vordergründiges Fruchtaroma oder eine unmittelbar in die Nase steigende Frische, sondern vielmehr ein blumig-balsamischer Duft, der an Akazienblüten ebenso erinnert wie an feine Harznoten. Dies kontrastiert übrigens völlig mit den äußeren Umständen: Im Hamburger Frühling haben wir zu diesem Zeitpunkt (Mitte Mai!) sagenhafte 11 Grad Celsius. Dass dieser Wein nicht mit Sonnenhut und offenem Leinenhemd, sondern stattdessen im Rollkragenpullover und Filzhausschuhen verkostet wird, war sicher nicht im Sinne des Erfinders. </p>



<p>Bei diesem angenehmen Bouquet versetzt es mich aber ruckartig in den Schatten einer Toskana-Kiefer. Am Gaumen haben wir eine sich nicht in den Vordergrund spielende Säure und Anklänge von Mandeln (Restzucker: 3,3 g/l, Gesamtsäure: 5,2 g/l), im Finale im Ansatz cremig. Mehr als solide!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Supertoskaner mit Vernaccia-DNA</h2>



<p>In der anderen Flasche des Weinguts Teruzzi schlummert der <em>Terre di Tufi </em>(also Tuffstein-Boden). Dieser Wein stammt nicht direkt aus San Gimignano, hat aber dennoch eine Verbindung zu ersterem. Denn dieser Vino, dessen Reben vor den südlichen Toren Siennas stehen, besteht zur Hälfte ebenso aus Vernaccia. Den Rest machen 20 Prozent Trebbiano und 30 Prozent andere &#8222;aromatische Rebsorten&#8220; (Zitat: Homepage Teruzzi) aus. Bedeutet also: Auch wenn dieser Wein direkt aus San Gimignano käme, dürfte er nicht als DOCG-Produkt bezeichnet werden, da zur Hälfte aus anderen Rebsorten besteht. Bedeutet ebenso: Wir haben hier einen sogenannten weißen Supertoskaner vor uns.</p>



<p>Kurzer Exkurs: Ein Supertoskaner (oder im Englischen: Super Tuscan) bezeichnet hochwertige Weine aus der&nbsp;Toskana, die seit den 1970er-Jahren bewusst mit den strengen traditionellen DOC- und DOCG-Regeln brachen, weil sie aus internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot gekeltert wurden und eben nicht aus der heimischen Sangiovese oder Vernaccia di San Gimignano. Viele dieser Weine überholten ihre Kollegen mit den ur-italienschen Rebsorten auf der Überholspur, sodass sie zu diesem Spitznamen kamen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1024x1024.jpeg" alt="Der Isola Bianca und der Terre di Tufi auf dem Küchentisch - beide aus dem Hause Teruzzi" class="wp-image-1768" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"> Den Toskana-Effekt nachgespielt: Der Isola Bianca und der Terre di Tuffi von Teruzzi auf dem heimischen Küchentisch.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der Fruchtkorb bleibt gelb</h2>



<p>Aber zurück zum <em>Terre di Tufi</em>, der entsprechend als IGT-Wein (vergleichbar mit dem deutschen Landwein) eingestuft ist. Im Glas strahlt uns ein sattes Strohgelb an. Und spätestens in der Nase kann dieser Wein seine teilweise Vergangenheit im Holz nicht verhehlen: ausladend, ein Hauch Karamell und dazu reife Ananas. Mich erwartet also ein Nachtisch.<br><br>So, probieren wir ihn mal: Ein mittlerer Körper mit nun deutlich wahrnehmbarer Eichennote, dazu Vanille. Die Ananas verflüchtigt sich nicht, bekommt vielmehr noch Besuch von Honigmelone und Aprikose &#8211; der Fruchtkorb bleibt auf jeden Fall gelb. Der Nachhall ist solide. Anders ausgedrückt: ein guter Wein, den man für rund 17 Euro bekommt. Ein großes Feuerwerk stellt sich am Gaumensegel aber nicht ein.</p>



<p>Italienische Weißweine haben es in Deutschland traditionell nicht leicht: Sie sollten tunlichst nicht mehr als zehn Euro kosten und am ehesten wird zu Lugana oder Soave gegriffen. Dass aber auch jenseits der italienischen Alpenausläufer spannende Weißweine produziert werden, fällt oft hinten über beziehungsweise direkt den Stiefel hinab: Denken wir nur an den kräuterwürzigen Verdicchio dei Castelli di Jesi oder noch weiter im Süden: den vollmundigen Fiano. Und siehe da, auch in der Toskana darf man ruhig mal bei Weiß abbiegen. In San Gimignano <em>weiß</em> man das schon länger.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/turm-trifft-titel-san-gimignano-feiert-60-jahre-doc/">Turm trifft Titel: San Gimignano feiert 60 Jahre DOC</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>In ungewohnten Höhen: Silvaner aus Südtirol</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 14:29:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Da dieser Blog bekanntermaßen den Subtitel „Weine abseits des Mainstreams“ in seinem Briefkopf führt, wäre ein Artikel über das mittlerweile alles andere als mainstreamige Südtirol etwas merkwürdig bis irreführend. Nun war ich aber trotzdem vor Ort und möchte den ein oder anderen interessanten Aspekt meiner Reise in dieses abwechslungsreiche (hier ist es zur Abwechslung wirklich keine Phrase) Weinanbaugebiet erzählen. Vielleicht zoomen wir einfach etwas stärker ran und picken uns eine Rebsorte raus, die – anders als Vernatsch, Pinot grigio, Weißburgunder oder Gewürztraminer – nicht schlagartig zuerst genannt wird, wenn es eben um Südtirol geht, zum Beispiel: Silvaner. Im Südtiroler Rebsortenspiegel rangiert der Silvaner im gerade noch zählbaren Bereich mit einem Prozent Anbaufläche auf dem drittletzten Platz – also quasi der Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga. Und Fußballfans wissen: Da tummeln sich meist die interessantesten und traditionsreichsten Vereine. Von der Spitze grüßt der FC Bayern der Südtiroler Rebsorten: der Pinot grigio mit satten zwölf Prozent Anbaufläche. Es folgen Chardonnay und Gewürztraminer (beide bei elf Prozent) – sozusagen sichere Champions-League-Plätze. Aber lassen wir die Fußball-Allegorien jetzt mal in der Mottenkiste &#8230; Der Silvaner ist eine Traube, die ursprünglich aus Österreich stammt. Dort spielt er heute aber allenfalls nur noch eine Statistenrolle. Adoptiert haben ihn besonders die deutschen Anbaugebiete Rheinhessen und vor allem Franken, wo er auch eindeutig zum Lieblingskind avancierte (und sich entsprechend alles erlauben darf: Edelstahltank, Holzfass, Secco, Schorle …) Aber auch im französischen Elsass gehört er zum hiesigen Rebsortenadel, allerdings zumeist mit einem Vokal weniger auf dem Etikett: Sylvaner. Interessanterweise hält sich die Schreibweise im Alto Adrige, also Südtirol, die Waage: Silvaner oder Sylvaner findet man beides. Die weiße Wende: Südtirols Aufstieg&#160; Und dass Silvaner immer häufiger in Südtirol zu finden ist, hat die Rebe dem besonderen Prozess zu verdanken, dem sich das Anbaugebiet unterzogen hat. In den letzten fünf Jahrzehnten wurde konsequent von Rot- auf Weißwein umgesattelt, konkret: von dünnen Rotweinen überschaubarer Qualität (das mit dem Niveau war in den 1960er-/1970er-Jahren in vielen Regionen Italiens ein Problem) zu teilweise hochwertigen Weißweinen mit Alleinstellungsmerkmal. Heute haben die Top-Restaurants des Landes von Mailand bis Palermo mit Sicherheit einen Weißwein aus Südtirol auf der Karte.&#160; Der Großteil der Weine kommt unter der umfassenden Mantel-DOC „Alto Adige“ in den Handel. Geradezu prädestiniert für Silvaner ist aber die DOC Eisacktal (Valle isarco). Auf kargen Böden und spektakulären Steillagen entspringen mineralische Weine mit lebendiger Säure flussabwärts von Brixen über Klausen bis vor die Tore Bozens.&#160; Apropos Klausen, in dem knapp über 5.000 Einwohner zählenden Örtchen habe ich den, Achtung hier mit Y, Sylvaner der Kellerei Eisacktal probiert, welcher hier auf 520 bis 850 Metern Höhe wächst – einer Dimension, bei der selbst geübte Moselfans schon gottesfürchtig nach oben schauen, sich Reinhold Messner aber gerade mal die Schuhe zuschnürt.&#160; Eisack Newton und die Relativität des Schmelzes Obwohl dieser Tropfen von der Kellerei selbst vor allem als „frisch am Gaumen“ vorgestellt wird (so weit so nachvollziehbar), wirkte er für mich – unerwarteterweise – schon recht reichhaltig und voll im Mund. Immerhin lag der Wein sechs Monate im Edelstahltank auf der Feinhefe, was ihn – wir haben selbstverständlich keinen BSA (biologischer Säureabbau, d.h. die Umwandlung von Äpfel- in Milchsäure) durchlaufen – fast schon mit einem angedeuteten Schmelz ausstattet. Zudem haben wir Limette in der Nase und einen Funken Mineralik. Im direkten gedanklichen Vergleich mit der einschlägigen fränkischen Fraktion aber eine weniger expressive Kräuteraromatik. Dennoch ein wunderbarer Auftakt, gerne mehr davon! Zwei Tage später hatte ich in der Landeshauptstadt Bozen, wo der Eisack in die Etsch mündet (selbstverständlich nach den Naturgesetzen von Eisack Newton), die Gelegenheit zu einem weiteren Silvaner aus der Region &#8211; diesmal mit i. Beim Besuch der Kloster-Kellerei Muri-Gries bekam ich gleich den neuen Jahrgang (2025) ins Glas. Der Silvaner stammt direkt aus dem im Tal liegenden Bozen und hat entsprechend etwas weniger Höhenluft geatmet – auf gut 500 Meter kommen wir hier aber auch. Und in der Tat haben wir nun einen wirklich frischen Vertreter im Glas, der ein willkommener und wohltuender Kontrapunkt zum ersten Sonnenbrand des Jahres ist. Am Gaumen: ein deutlich schlankerer Körper als sein Vetter aus dem Eisacktal, dazu aber eine interessante Feuerstein-Note. Und als ich den Blick, für einen Moment im Einklang mit der Welt, langsam über die Rebstöcke und entlang der Klostermauern streifen ließ, fragte ich mich, warum Silvaner weltweit eigentlich so selten angebaut wird. Schade. Mehr Kern als Kork: Südtirols heimliche Bilanz Aber sammeln wir uns kurz wieder und nutzen die Pause für ein kurzes Round-up, bevor es wieder zurück in die Praxis geht. Fährt man über den Brenner in Richtung Gardasee oder Venedig bekommt man den Eindruck, Südtirol bestehe ausschließlich aus Rebflächen. Das täuscht. Mit rund 5.900 Hektar Weinrebfläche ist Südtirol sogar ein sehr kleines Anbaugebiet (zum Vergleich: das überschaubare deutsche Qualitätsanbaugebiet Franken hat 6.100 Hektar). Demgegenüber steht, dass Südtirol als das größte geschlossene Anbaugebiet für Äpfel Europas gilt: Hier haben wir mit rund 18.000 Hektar eine mehr als dreimal so große Fläche wie die im Vergleich zum Wein. Nicht, dass irgendwer noch auf die Idee kommt, Cidre zu machen. Wir sind noch immer in Bozen, genauer im bevölkerungsreichsten Viertel der Stadt, in Gries-Quirein am rechten Ufer des Flüsschens Talfer (jetzt haben wir alle drei Flüsse rund um Bozen komplett). Die ursprünglich unabhängige Ortschaft Gries wurde durch die Faschisten 1925 ein Teil Bozens und als Konsequenz dessen von einer Vielzahl neuer und vor allem großer Straßen durchzogen sowie mit gewaltigen Gebäuden ausgestattet. Es sollte der vorzeigbare Teil des faschistischen Größenwahns von &#8222;Groß-Bozen&#8220; werden. Gries: Zwischen Kloster, Kult-Label und Kellerei-Quader Der Ortskern ist zum Glück noch immer erkennbar: Nur einen Steinwurf von der Kloster-Kellerei Muri-Gries entfernt, gibt es eine kleine Piazza, wo man zwischen Aperol und Americano gewohnt schnell auf typisch italienische Betriebstemperatur kommt. Dort stand auch knapp 100 Jahre die Kellerei Gries, bis sie sich 2001 mit der Kellerei St. Magdalena&#160;zur Kellerei Bozen zusammenschloss. Man zog etwas weiter in den Osten des Stadtgebiets und baute sich einen überdimensionalen Quader, in dem alle Produktionsschritte und die Verwaltung untergebracht (fast hätte ich gesagt zusammengewürfelt) sind &#8211; heute ist die Kellerei Bozen eine der wichtigsten und einflussreichsten Winzergenossenschaften der Region. Damit der Abschied aus Südtirol nicht so allzu schwer fällt, habe ich mir aus dieser Kellerei für zu Hause noch einen weiteren Silvaner eingepackt und – wir sind ja schließlich Connaisseurs – bis zur Spargelzeit mit dem Öffnen gewartet. Interessanterweise prangt auf dem Etikett noch das Logo und der Schriftzug der alten und nicht mehr in der Form existenten Kellerei (Cantina) Gries. Offenbar nutzt die Kellerei Bozen diesen historischen Namen (Vorabendmagazine würden sagen: das Kult-Label) weiterhin als Produktlinie. Auf dem Rücketikett ist jedenfalls offiziell die Kellerei Bozen als Abfüller zu erkennen &#8230; wine not. Der Silvaner bleibt hier cool &#8230; Ötzi auch Jedenfalls strahlt mich ein helles Goldgelb aus dem Glas an. Insgesamt bleibt dieser Silvaner aber erstmal vorsichtig zurückhaltend (verständlich &#8211; nicht jeder möchte eine fremde Nase in seiner Distanzzone haben), zugleich etwas zitrisch und durchaus klar. Am Gaumen ist er deutlich als Silvaner erkennbar: schlanker Körper, leichte Mineralik sowie eine präsente Kräuteraromatik, eventuell sogar etwas Pfeffer. Alles zusammen für meinen Geschmack aber etwas zu bescheiden, wenn nicht sogar karg. Dafür würde die Gletschermumie Ötzi, die drei Kilometer entfernt im Archäologiemuseum liegt, sich zweifellos nicht noch einmal bequemen und sich aus der Eiskammer herausschälen. Die drei verkosteten Einstiegssilvaner stellen sicherlich kein vollständig repräsentatives Abbild dar; ebenso lag der Verkostung keine vorab ausgearbeitete Methodik zugrunde. Dennoch vermittelt diese stichprobenartige Annäherung einen aufschlussreichen ersten Eindruck, mit welcher Stilistik man hier ins Rennen geht. Und gerade im Vergleich zum Silvaner-Freistaat Franken nehme ich hier eine deutlich weniger ausdrucksstarke Kräuteraromatik und Mineralik wahr. Am Ende könnte das auch ein wesentlicher Baustein sein, weshalb ich fränkischen Silvanern im direkten Vergleich eher das in der Weinsprache etwas überstrapazierte Wort „Grip“ – im Sinne von Spannung und Struktur – zuschreiben würde. Strukturiert ging es auf der Rückreise mit der Bahn jedenfalls nicht zu, was aber weniger an meiner klugen wie vorausschauenden Planung als am Transportunternehmen selbst lag. Das nächste Mal dann gerne mit dem Auto und sowieso unbedingt sofort wieder. Die Kiste Wein passt ja schließlich auch besser in den Kofferraum als in die Hutablage der zweiten Klasse. Ob&#8217;s dann aber eine Kiste Silvaner wird &#8230; mal schauen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/in-ungewohnten-hoehen-silvaner-aus-suedtirol/">In ungewohnten Höhen: Silvaner aus Südtirol</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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<p>Da dieser Blog bekanntermaßen den Subtitel „Weine abseits des Mainstreams“ in seinem Briefkopf führt, wäre ein Artikel über das mittlerweile alles andere als mainstreamige Südtirol etwas merkwürdig bis irreführend. Nun war ich aber trotzdem vor Ort und möchte den ein oder anderen interessanten Aspekt meiner Reise in dieses abwechslungsreiche (hier ist es zur <em>Abwechslung</em> wirklich keine Phrase) Weinanbaugebiet erzählen. Vielleicht zoomen wir einfach etwas stärker ran und picken uns eine Rebsorte raus, die – anders als Vernatsch, Pinot grigio, Weißburgunder oder Gewürztraminer – nicht schlagartig zuerst genannt wird, wenn es eben um Südtirol geht, zum Beispiel: Silvaner.</p>



<p>Im <a href="https://www.suedtirolwein.com/weinsorten/weinsorten" type="link" id="https://www.suedtirolwein.com/weinsorten/weinsorten">Südtiroler Rebsortenspiegel</a> rangiert der Silvaner im gerade noch zählbaren Bereich mit einem Prozent Anbaufläche auf dem drittletzten Platz – also quasi der Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga. Und Fußballfans wissen: Da tummeln sich meist die interessantesten und traditionsreichsten Vereine. Von der Spitze grüßt der FC Bayern der Südtiroler Rebsorten: der Pinot grigio mit satten zwölf Prozent Anbaufläche. Es folgen Chardonnay und Gewürztraminer (beide bei elf Prozent) – sozusagen sichere Champions-League-Plätze. Aber lassen wir die Fußball-Allegorien jetzt mal in der Mottenkiste &#8230;</p>



<p>Der Silvaner ist eine Traube, die ursprünglich <a href="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/oesterreicher/" type="link" id="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/oesterreicher/">aus Österreich</a> stammt. Dort spielt er heute aber allenfalls nur noch eine Statistenrolle. Adoptiert haben ihn besonders die deutschen Anbaugebiete Rheinhessen und vor allem Franken, wo er auch eindeutig zum Lieblingskind avancierte (und sich entsprechend alles erlauben darf: Edelstahltank, Holzfass, Secco, Schorle …) Aber auch im französischen Elsass gehört er zum hiesigen Rebsortenadel, allerdings zumeist mit einem Vokal weniger auf dem Etikett: Sylvaner. Interessanterweise hält sich die Schreibweise im Alto Adrige, also Südtirol, die Waage: Silvaner oder Sylvaner findet man beides.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die weiße Wende: Südtirols Aufstieg&nbsp;</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1024x1024.jpeg" alt="Ein Schild mit der Aufschrift &quot;Südtiroler Weinstraße&quot;." class="wp-image-1699" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Und sofort hat man einen Ohrwurm &#8222;Strada del Sole&#8220; von Rainhard Fendrich. Dagegen hilft nur ein Glas Silvaner. Ach komm, eine Flasche!</figcaption></figure>



<p>Und dass Silvaner immer häufiger in Südtirol zu finden ist, hat die Rebe dem besonderen Prozess zu verdanken, dem sich das Anbaugebiet unterzogen hat. In den letzten fünf Jahrzehnten wurde konsequent von Rot- auf Weißwein umgesattelt, konkret: von dünnen Rotweinen überschaubarer Qualität (das mit dem Niveau war in den 1960er-/1970er-Jahren in vielen Regionen Italiens ein Problem) zu teilweise hochwertigen Weißweinen mit Alleinstellungsmerkmal. Heute haben die Top-Restaurants des Landes von Mailand bis Palermo mit Sicherheit einen Weißwein aus Südtirol auf der Karte.&nbsp;</p>



<p>Der Großteil der Weine kommt unter der umfassenden Mantel-DOC <a href="https://www.suedtirolwein.com/unser-wein/herkunft-doc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Alto Adige“</a> in den Handel. Geradezu prädestiniert für Silvaner ist aber die DOC Eisacktal (Valle isarco). Auf kargen Böden und spektakulären Steillagen entspringen mineralische Weine mit lebendiger Säure flussabwärts von Brixen über Klausen bis vor die Tore Bozens.&nbsp;</p>



<p>Apropos Klausen, in dem knapp über 5.000 Einwohner zählenden Örtchen habe ich den, Achtung hier mit Y, Sylvaner der <a href="https://www.kellerei-eisacktal.it" type="link" id="https://www.kellerei-eisacktal.it" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kellerei Eisacktal</a> probiert, welcher hier auf 520 bis 850 Metern Höhe wächst – einer Dimension, bei der selbst geübte Moselfans schon gottesfürchtig nach oben schauen, sich Reinhold Messner aber gerade mal die Schuhe zuschnürt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eisack Newton und die Relativität des Schmelzes</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1024x1024.jpeg" alt="Blick auf Klausen am Eisack." class="wp-image-1697" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf Klausen am Eisack, wo großartige Bedingungen für frische Weine aus attraktiven Höhenlagen herrschen.</figcaption></figure>



<p>Obwohl dieser Tropfen von der Kellerei selbst vor allem als „frisch am Gaumen“ vorgestellt wird (so weit so nachvollziehbar), wirkte er für mich – unerwarteterweise – schon recht reichhaltig und voll im Mund. Immerhin lag der Wein sechs Monate im Edelstahltank auf der Feinhefe, was ihn – wir haben selbstverständlich keinen BSA (biologischer Säureabbau, d.h. die Umwandlung von Äpfel- in Milchsäure) durchlaufen – fast schon mit einem angedeuteten Schmelz ausstattet. Zudem haben wir Limette in der Nase und einen Funken Mineralik. Im direkten gedanklichen Vergleich mit der einschlägigen fränkischen Fraktion aber eine weniger expressive Kräuteraromatik. Dennoch ein wunderbarer Auftakt, gerne mehr davon!</p>



<p>Zwei Tage später hatte ich in der Landeshauptstadt Bozen, wo der Eisack in die Etsch mündet (selbstverständlich nach den Naturgesetzen von Eisack Newton), die Gelegenheit zu einem weiteren Silvaner aus der Region &#8211; diesmal mit i. Beim Besuch der <a href="https://www.muri-gries.com/de" type="link" id="https://www.muri-gries.com/de">Kloster-Kellerei Muri-Gries</a> bekam ich gleich den neuen Jahrgang (2025) ins Glas. Der Silvaner stammt direkt aus dem im Tal liegenden Bozen und hat entsprechend etwas weniger Höhenluft geatmet – auf gut 500 Meter kommen wir hier aber auch. </p>



<p>Und in der Tat haben wir nun einen wirklich frischen Vertreter im Glas, der ein willkommener und wohltuender Kontrapunkt zum ersten Sonnenbrand des Jahres ist. Am Gaumen: ein deutlich schlankerer Körper als sein Vetter aus dem Eisacktal, dazu aber eine interessante Feuerstein-Note. Und als ich den Blick, für einen Moment im Einklang mit der Welt, langsam über die Rebstöcke und entlang der Klostermauern streifen ließ, fragte ich mich, warum Silvaner weltweit eigentlich so selten angebaut wird. Schade.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1024x1024.jpeg" alt="Eine Parzelle Wein im Innenhof der Klosterkellerei Muri-Gries." class="wp-image-1696" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Innenhof der Klosterkellerei Muri-Gries. Habe spontan beschlossen, auf Abt oder zumindest Klosterbruder umzusatteln.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr Kern als Kork: Südtirols heimliche Bilanz</h2>



<p>Aber sammeln wir uns kurz wieder und nutzen die Pause für ein kurzes Round-up, bevor es wieder zurück in die Praxis geht. Fährt man über den Brenner in Richtung Gardasee oder Venedig bekommt man den Eindruck, Südtirol bestehe ausschließlich aus Rebflächen. Das täuscht. Mit rund 5.900 Hektar Weinrebfläche ist Südtirol sogar ein sehr kleines Anbaugebiet (zum Vergleich: das überschaubare deutsche Qualitätsanbaugebiet Franken hat 6.100 Hektar). Demgegenüber steht, dass Südtirol als das größte geschlossene Anbaugebiet für Äpfel Europas gilt: Hier haben wir mit rund <a href="https://www.suedtirolerapfel.com/de/suedtirol-und-der-apfelanbau/anbaugebiet.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">18.000 Hektar</a> eine mehr als dreimal so große Fläche wie die im Vergleich zum Wein. Nicht, dass irgendwer noch auf die Idee kommt, Cidre zu machen.</p>



<p>Wir sind noch immer in Bozen, genauer im bevölkerungsreichsten Viertel der Stadt, in Gries-Quirein am rechten Ufer des Flüsschens Talfer (jetzt haben wir alle drei Flüsse rund um Bozen komplett). Die ursprünglich unabhängige Ortschaft Gries wurde durch die Faschisten 1925 ein Teil Bozens und als Konsequenz dessen von einer Vielzahl neuer und vor allem großer Straßen durchzogen sowie mit gewaltigen Gebäuden ausgestattet. Es sollte der vorzeigbare Teil des faschistischen Größenwahns von &#8222;Groß-Bozen&#8220; werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gries: Zwischen Kloster, Kult-Label und Kellerei-Quader</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1024x1024.jpeg" alt="Praktisch, quadratisch, gut - der neue Sitz der Kellerei Bozen." class="wp-image-1713" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Praktisch, quadratisch, ruht &#8211; der neue Sitz der Kellerei Bozen. Typisches Habitat eines klassischen Bond-Bösewichts.</figcaption></figure>



<p>Der Ortskern ist zum Glück noch immer erkennbar: Nur einen Steinwurf von der Kloster-Kellerei Muri-Gries entfernt, gibt es eine kleine Piazza, wo man zwischen Aperol und Americano gewohnt schnell auf typisch italienische Betriebstemperatur kommt. Dort stand auch knapp 100 Jahre die Kellerei Gries, bis sie sich 2001 mit der Kellerei St. Magdalena&nbsp;zur <a href="https://www.kellereibozen.com" type="link" id="https://www.kellereibozen.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kellerei Bozen</a> zusammenschloss. Man zog etwas weiter in den Osten des Stadtgebiets und baute sich einen überdimensionalen Quader, in dem alle Produktionsschritte und die Verwaltung untergebracht (fast hätte ich gesagt <em>zusammengewürfelt</em>) sind &#8211; heute ist die Kellerei Bozen eine der wichtigsten und einflussreichsten Winzergenossenschaften der Region.</p>



<p>Damit der Abschied aus Südtirol nicht so allzu schwer fällt, habe ich mir aus dieser Kellerei für zu Hause noch einen weiteren Silvaner eingepackt und – wir sind ja schließlich Connaisseurs – bis zur Spargelzeit mit dem Öffnen gewartet. Interessanterweise prangt auf dem Etikett noch das Logo und der Schriftzug der alten und nicht mehr in der Form existenten Kellerei (Cantina) Gries. Offenbar nutzt die Kellerei Bozen diesen historischen Namen (Vorabendmagazine würden sagen: das Kult-Label) weiterhin als Produktlinie. Auf dem Rücketikett ist jedenfalls offiziell die Kellerei Bozen als Abfüller zu erkennen &#8230; wine not.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="1711" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1024x1024.jpeg" alt="Der Silvaner mit der Aufschrift &quot;Cantina Gries Bolzano&quot;" class="wp-image-1711" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Silvaner mit der Aufschrift &#8222;Cantina Gries Bolzano&#8220;</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="1710" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1024x1024.jpeg" alt="Rücketikett des Silvaners mit der Aufschrift &quot;Cantina Gries Bolzano&quot;" class="wp-image-1710" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Und hier das Rücketikett mit dem Hinweis, wo er abgefüllt wurde.</figcaption></figure>
</figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der Silvaner bleibt hier cool &#8230; Ötzi auch</h2>



<p>Jedenfalls strahlt mich ein helles Goldgelb aus dem Glas an. Insgesamt bleibt dieser Silvaner aber erstmal vorsichtig zurückhaltend (verständlich &#8211; nicht jeder möchte eine fremde Nase in seiner Distanzzone haben), zugleich etwas zitrisch und durchaus klar. Am Gaumen ist er deutlich als Silvaner erkennbar: schlanker Körper, leichte Mineralik sowie eine präsente Kräuteraromatik, eventuell sogar etwas Pfeffer. Alles zusammen für meinen Geschmack aber etwas zu bescheiden, wenn nicht sogar karg. Dafür würde die Gletschermumie Ötzi, die drei Kilometer entfernt im <a href="https://www.iceman.it/de" type="link" id="https://www.iceman.it/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Archäologiemuseum</a> liegt, sich zweifellos nicht noch einmal bequemen und sich aus der Eiskammer herausschälen.</p>



<p>Die drei verkosteten Einstiegssilvaner stellen sicherlich kein vollständig repräsentatives Abbild dar; ebenso lag der Verkostung keine vorab ausgearbeitete Methodik zugrunde. Dennoch vermittelt diese stichprobenartige Annäherung einen aufschlussreichen ersten Eindruck, mit welcher Stilistik man hier ins Rennen geht. Und gerade im Vergleich zum Silvaner-Freistaat <a href="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/" type="link" id="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/">Franken</a> nehme ich hier eine deutlich weniger ausdrucksstarke Kräuteraromatik und Mineralik wahr. Am Ende könnte das auch ein wesentlicher Baustein sein, weshalb ich fränkischen Silvanern im direkten Vergleich eher das in der Weinsprache etwas überstrapazierte Wort „Grip“ – im Sinne von Spannung und Struktur – zuschreiben würde.</p>



<p>Strukturiert ging es auf der Rückreise mit der Bahn jedenfalls nicht zu, was aber weniger an meiner klugen wie vorausschauenden  Planung als am Transportunternehmen selbst lag. Das nächste Mal dann gerne mit dem Auto und sowieso unbedingt sofort wieder. Die Kiste Wein passt ja schließlich auch besser in den Kofferraum als in die Hutablage der zweiten Klasse. Ob&#8217;s dann aber eine Kiste Silvaner wird &#8230; mal schauen.</p>



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		<title>Rosé &#8211; das Buch zum Wein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 15:38:40 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Rosé]]></category>
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		<category><![CDATA[Vin gris]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie wird Rosé hergestellt? Kannten die alten Griechen und Römer schon rosafarbenen Wein und wann wurde der moderne Provence-Rosé erfunden? Welche Pizza passt am besten zu welchem Rosé und was hat das alles mit Ludwig XIV. zu tun? Am 14. März erscheint mein Buch &#8222;Rosé&#8220;. Auf rund 100 Seiten erzähle ich die Geschichte dieser Weinfarbe, welche weltweiten Stilistiken es gibt und welche Food-Pairings sich am besten zu welchem Rosé-Typus eignen. Stilistik, Struktur und Speisen Mit dem Buch haben der mairisch Verlag und ich das erste deutschsprachige Fachbuch zum Thema Rosé auf den Markt gebracht, das &#8211; so zumindest der Gedanke dahinter &#8211; gleichsam erfahrenen Weinfans eine spannende Lektüre bieten, aber auch Neulingen und erst kürzlich Interessierten eine Orientierung im pinken Dschungel geben soll. &#8222;Aromatisch lassen sich Rosés in Provence-Stilistik als knackige Vertreter mit zarten Fruchtaromen (insbesondere Erdbeere), ausgesprochener Kräuternote (typisch sind hier Anklänge von Garrigue) und floralen Attributen einordnen – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Durch ihren zarten Körper und der herausstechenden, stilprägenden Säure sind sie die perfekten Begleiter für leichte wie fischlastige mediterrane Küche.&#8220; Aus &#8222;Rosé&#8220;, Pascal Strehler (mairisch Verlag) So beschreibe ich beispielsweise, welche verschiedenen Herstellungsverfahren es für Rosé gibt und erkläre den Unterschied zwischen Rosé und roséähnlichen Weinen wie Rotling oder Vin gris. Wer kantigere Weine bevorzugt, dem bringe ich mit Tavel oder burgenländischem Rosé aus Blaufränkisch interessante Optionen näher. Für alle leichten Rosé-Fans gibt es selbstverständlich einen Exkurs an die Côte d’Azur, einschließlich eines Stopps bei Brad Pitt. Von Finesse bis Fast Food – Rosé in der Küche Und dann gibt es natürlich den großen Rundumschlag zum Themenkomplex Rosé und Food-Pairing. Kleiner Spoiler: Ich habe nicht alle aufgezählten Speisen auch verzehrt (meine Cholesterin- und Leberwerte sind mir ausgesprochen dankbar dafür), aber zumindest probiert, die wichtigsten und damit gängigsten Gerichte – von Finesse bis Fast-Food – abzubilden. &#8222;Bei Paella mit Schalentieren – jetzt sind wir wieder auf dem alten Kontinent; und vielleicht sogar direkt in Villarriba oder Villabajo – bietet sich ein etwas kräftigerer Rosé an. Bleiben Sie gerne bei den Spaniern oder Portugiesen und stellen Sie eine Flasche trockenen Rosado oder als Gegengewicht einen frischen Rosé aus dem Vinho Verde auf den Tisch, der noch leicht moussiert – Spaniens Gitarren werden nur für Sie spielen.&#8220;&#160; Aus &#8222;Rosé&#8220;, Pascal Strehler (mairisch Verlag) Darf&#8217;s noch ein dritter Schluck sein? Das Buch gibt es regulär im Buchhandel zu kaufen, Ihr könnt es aber auch direkt hier auf der Seite des Verlages bestellen. Ganz besonders würde ich mich natürlich freuen, Euch bei einer der anstehenden Lesungen direkt kennenzulernen: Wir sehen uns!</p>
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<p>Wie wird Rosé hergestellt? Kannten die alten Griechen und Römer schon rosafarbenen Wein und wann wurde der moderne Provence-Rosé erfunden? Welche Pizza passt am besten zu welchem Rosé und was hat das alles mit Ludwig XIV. zu tun?</p>



<p>Am 14. März erscheint mein Buch &#8222;Rosé&#8220;. Auf rund 100 Seiten erzähle ich die Geschichte dieser Weinfarbe, welche weltweiten Stilistiken es gibt und welche Food-Pairings sich am besten zu welchem Rosé-Typus eignen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Stilistik, Struktur und Speisen</h2>



<p>Mit dem Buch haben der <a href="https://www.mairisch.de" type="link" id="https://www.mairisch.de">mairisch Verlag</a> und ich das erste deutschsprachige Fachbuch zum Thema Rosé auf den Markt gebracht, das &#8211; so zumindest der Gedanke dahinter &#8211; gleichsam erfahrenen Weinfans eine spannende Lektüre bieten, aber auch Neulingen und erst kürzlich Interessierten eine Orientierung im pinken Dschungel geben soll.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Aromatisch lassen sich Rosés in Provence-Stilistik als knackige Vertreter mit zarten Fruchtaromen (insbesondere Erdbeere), ausgesprochener Kräuternote (typisch sind hier Anklänge von Garrigue) und floralen Attributen einordnen – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Durch ihren zarten Körper und der herausstechenden, stilprägenden Säure sind sie die perfekten Begleiter für leichte wie fischlastige mediterrane Küche.&#8220;</p>
<cite>Aus &#8222;Rosé&#8220;, Pascal Strehler (mairisch Verlag)</cite></blockquote>



<p>So beschreibe ich beispielsweise, welche verschiedenen Herstellungsverfahren es für Rosé gibt und erkläre den Unterschied zwischen Rosé und roséähnlichen Weinen wie <a href="https://traubengucker.de/regionen/rotling-alles-andere-als-ein-rohling/" type="link" id="https://traubengucker.de/regionen/rotling-alles-andere-als-ein-rohling/">Rotling</a> oder <a href="https://traubengucker.de/regionen/lothringer-wein-jetzt-wirds-exotisch/" type="link" id="https://traubengucker.de/regionen/lothringer-wein-jetzt-wirds-exotisch/">Vin gris</a>. <br>Wer kantigere Weine bevorzugt, dem bringe ich mit Tavel oder burgenländischem Rosé aus Blaufränkisch interessante Optionen näher. Für alle leichten Rosé-Fans gibt es selbstverständlich einen Exkurs an die Côte d’Azur, einschließlich eines Stopps bei Brad Pitt.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Von Finesse bis Fast Food – Rosé in der Küche</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-1024x1024.jpg" alt="Der Gris der Domaine Régina (Côtes de Toul)" class="wp-image-579" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-1024x1024.jpg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-300x300.jpg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-150x150.jpg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-768x768.jpg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-1536x1536.jpg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-2048x2048.jpg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-1140x1140.jpg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/06/IMG_7949-75x75.jpg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Farblich passt dieser Vin gris aus Lothringen perfekt in die Provence &#8211; ein lupenreiner Rosé ist er aber dennoch nicht.</figcaption></figure>



<p>Und dann gibt es natürlich den großen Rundumschlag zum Themenkomplex Rosé und Food-Pairing. Kleiner Spoiler: Ich habe nicht alle aufgezählten Speisen auch verzehrt (meine Cholesterin- und Leberwerte sind mir ausgesprochen dankbar dafür), aber zumindest probiert, die wichtigsten und damit gängigsten Gerichte – von Finesse bis Fast-Food – abzubilden.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>&#8222;Bei Paella mit Schalentieren – jetzt sind wir wieder auf dem alten Kontinent; und vielleicht sogar direkt in Villarriba oder Villabajo – bietet sich ein etwas kräftigerer Rosé an. Bleiben Sie gerne bei den Spaniern oder Portugiesen und stellen Sie eine Flasche trockenen Rosado oder als Gegengewicht einen frischen Rosé aus dem Vinho Verde auf den Tisch, der noch leicht moussiert – Spaniens Gitarren werden nur für Sie spielen.&#8220;&nbsp;</p>
<cite>Aus &#8222;Rosé&#8220;, Pascal Strehler (mairisch Verlag)</cite></blockquote>



<p>Darf&#8217;s noch ein dritter Schluck sein? Das Buch gibt es regulär im Buchhandel zu kaufen, Ihr könnt es aber auch direkt <a href="https://www.mairisch.de/programm/pascal-strehler-rose/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> auf der Seite des Verlages bestellen.</p>



<p>Ganz besonders würde ich mich natürlich freuen, Euch bei einer der anstehenden Lesungen direkt kennenzulernen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>12. März: &#8222;<a href="https://www.der-bocksbeutel.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bocksbeutel</a>&#8222;, Hamburg (Premieren-Lesung!), Moderation: <a href="https://www.nefelikavouras.de" type="link" id="https://www.nefelikavouras.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nefeli Kavouras</a> <br>Veranstaltung ist leider ausverkauft</li>



<li>21. Mai: &#8222;<a href="https://www.genialokal.de/buchhandlung/hamburg/blattgold/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blattgold</a>&#8222;, Hamburg</li>



<li>6. August: Erfurt (Informationen folgen)</li>
</ul>



<p>Wir sehen uns!</p>



<p></p>
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		<title>Heiliger Holzschuh: Wein aus Holland!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 17:47:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Regionen]]></category>
		<category><![CDATA[Maasvallei]]></category>
		<category><![CDATA[Mergelland]]></category>
		<category><![CDATA[Müller-Thurgau]]></category>
		<category><![CDATA[Niederlande]]></category>
		<category><![CDATA[Riesling]]></category>
		<category><![CDATA[Rivaner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neulich war ich zu Besuch in den Niederlanden. Dass dort Wein angebaut wird, ist für den geneigten Weinfreund und die kenntnisreiche Weinliebhaberin inzwischen keine Neuigkeit mehr. Allerdings war ich in der nordöstlichen Region Groningen unterwegs. Hier gibt es zwar den ein oder anderen Betrieb, der Erzeugnisse der Kategorie Landwein produziert, mit Fine Wine aber ungefähr so viel zu tun hat wie die Rioja mit frischem Matjes. Immerhin habe ich mir aus einem hiesigen Fachgeschäft einen niederländischen Weißwein mitgebracht und einen weiteren bestellt (dazu später noch mehr). Aber reicht das aus, um einen Artikel über den Weinbau in den Niederlanden zu schreiben? Na klar, macht ja sonst keiner. Weinanbau in den Niederlanden: Von Römern, Reben und Rückschlägen Beginnen wir mit einem kurzen Round-up: Auf dem Gebiet der heutigen Niederlande wurde sehr wahrscheinlich bereits durch die Römer vor gut 2.000 Jahren Wein angebaut. Ob diese ihren Gladiatoren zu Hause ein paar Gouda-Laibe als Schutzschild mitgebracht haben, ist nicht gesichert, aber eine schöne Vorstellung. Erste schriftliche Nachweise, die Weinbau belegen, datieren aber erst aus dem 10. Jahrhundert.&#160; Gute vier Jahrhunderte später schien sich dann die südliche Provinz Limburg als Hotspot in Sachen Wein einen Namen zu machen. Aber wie schon in meinem Artikel über belgischen Wein beschrieben, war es auch hier die Kleine Eiszeit, die das zarte Flämmchen des niederländischen Weinbaus rasch in den Würgegriff nahm. Die anschließende napoleonische Ära brach Hollands Wirtschaft dann vollends den Rücken. Riesling statt Solaris: Der feine Unterschied im Norden So richtig weiter mit nederlandse wijnen ging es dann erst wieder Ende der 1960er-Jahre. Mittlerweile wird die Gesamtzahl an Hektar in unserem kleinen Nachbarland auf 400 geschätzt, also immer noch weniger Hektar, als das kleinste deutsche Anbaugebiet, die Hessische Bergstraße, hat (461 ha).Immerhin verfügen die Niederlande aber über zwei ausgewiesene Qualitätsanbaugebiete (also in EU-Deutsch: geschützte Ursprungsbezeichnung, g.U.): Maasvallei Limburg und Mergelland. Hinzu kommen einige Landwein-Areale (geschützte geografische Angabe, g.g.A.) wie schon das erwähnte Groningen, Flevoland oder Zeeland. Das reicht natürlich längst nicht aus, um den nationalen Weinbedarf annähernd zu decken: Die meisten Importe bezieht das Königreich aus Frankreich, Italien und Deutschland (in so einen Wohnwagen passt eine Menge rein …). Zum Vergleich: Das ebenso kleine Dänemark bringt es schätzungsweise nur auf 100 Hektar Weinanbaufläche und genau ein Qualitätsanbaugebiet. Und die Unterschiede zu vermeintlich aufkeimenden skandinavischen Weinnationen sind auf vielen Ebenen erheblich. So erfreuen sich viele belgische wie niederländische Winzerinnen und Winzer eines kalkhaltigen Bodens (unter anderem ein Grund, weshalb Chardonnay recht gut in Belgien funktioniert). Zudem lässt das &#8211; im Vergleich zu Dänemark oder Schweden &#8211; doch recht milde Wetter auch den Anbau von traditionellen Sorten wie Riesling, Müller-Thurgau oder Auxerrois zu. In Skandinavien, dem nördlichen Polen oder den vielen Landwein-Gebieten Norddeutschlands wird in der Regel im großen Stil auf klimabeständige PiWi-Sorten wie Solaris, Johanniter oder Regent gesetzt. Den Test der Zeit müssen diese jungen Neukreuzungen aber erst noch bestehen. Lieber Maas-Riesling statt eine Maß Bier Kommen wir aber nun nach der grauen bzw. orangenen Theorie zum belohnenden Praxis-Teil. Wie schon im ersten Absatz angedeutet, habe ich mir zwei niederländische Weine in die Küche gestellt (und geöffnet). Ich beginne mit einem Maas-Riesling (keiner Maß Riesling!) vom Weingut Thorn aus der Maasvallei in Limburg, welche grob zwischen Maastricht und Mönchengladbach liegt. Passend zu den olympischen Winterspielen, die nebenan im Fernseher laufen, strahlt mich hier ein sattes Goldgelb an. In der Nase macht sich sofort ein Bienenwachs-Aroma breit, das in reifen Pfirsich übergeht. Am Gaumen dann volle Lotte Grüner-Apfelaromen, später – und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Abgang ist beachtlich – wieder Bienenwachs. Erinnert mich von der Stilistik her etwas an die Rieslinge vom nördlichen Mittelrhein – so weit sind wir geografisch ja auch nicht auseinander. Ein beachtlicher Riesling, der an Fülle und Aroma wenig zu wünschen übrig lässt. Filigran oder gar lichtfüßig ist er nicht, aber insofern bleiben wir im Bild: eher Holz- als Ballettschuh. Caipi auf Niederländisch Kommen wir zu unserem zweiten Holländer: der Rivaner (also Müller-Thurgau) vom Weingut Hoeve Nekum aus dem anderen Qualitätsanbaugebiet Mergelland, das östlich von Maastricht beginnt und sich bis knapp vor die Tore Aachens erstreckt (oder wie wir frankophile Weinfreunde zu sagen pflegen: Aix-la-Chapelle). Farblich weniger intensiv als der Riesling von Thorn, dafür schon fast mit Grünstich. Und in der Nase bestätigt sich dies prompt: Limette trifft auf grünen Apfel, dazu eine Prise Muskatnuss. Am Gaumen öffnet sich dann vorsichtig ein Honigglas, das – gepaart mit der Limette – fast schon für Caipi-Stimmung mitten im tristen Februar sorgt. Wir haben hier einen vollmundigen Wein vor der Nase, der zwar Rivaner-typisch säurearm daherkommt, durch seine grüne Fruchtaromatik aber dennoch einen vitalen Frische-Kick hinten ans Zäpfchen hämmert. Auch dieser Wein aus den Niederlanden überrascht &#8230; positiv. Selbst wenn diese – zugegebenermaßen beschränkte Weinauswahl – niemals stellvertretend für die Weine aus den Niederlanden a priori stehen soll, ziehe ich dennoch ein höchst erfreuliches Fazit und freue mich auf mehr. Sowohl mit dem Riesling als auch mit dem Rivaner hatte ich zwei vollmundige Tropfen im Glas, die nicht nur – mehr oder weniger – typisch die jeweilige Rebsorte abbildeten (der Riesling etwas mehr als der Rivaner), sondern darüber hinaus im Gesamtbild überzeugten. Landweinpläne und letzte Pointe Der nächste logische Schritt wäre sicherlich die Verköstigung niederländischer Landweine sowie ein umfangreicherer Deep Dive in Sachen Weine aus der Maasvallei und Mergelland. Die Verlockung, vor Ort zu einer großen Portion Pommes ein belgisches Trappistenbier zu bestellen, ist allerdings nicht gering. Und hier nun noch der Kalauer, den ich mir bis zum Schluss aufgehoben habe: Wie nennt man in Holland maischevergorenen Weißwein aus Quevris? Richtig: Oranje Wein. Tot ziens!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Neulich war ich zu Besuch in den Niederlanden. Dass dort Wein angebaut wird, ist für den geneigten Weinfreund und die kenntnisreiche Weinliebhaberin inzwischen keine Neuigkeit mehr. Allerdings war ich in der nordöstlichen Region Groningen unterwegs. Hier gibt es zwar den ein oder anderen Betrieb, der Erzeugnisse der Kategorie Landwein produziert, mit Fine Wine aber ungefähr so viel zu tun hat wie die Rioja mit frischem Matjes.</p>



<p>Immerhin habe ich mir aus einem hiesigen Fachgeschäft einen niederländischen Weißwein mitgebracht und einen weiteren bestellt (dazu später noch mehr). Aber reicht das aus, um einen Artikel über den Weinbau in den Niederlanden zu schreiben? Na klar, macht ja sonst keiner.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weinanbau in den Niederlanden: Von Römern, Reben und Rückschlägen<br></h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1024x1024.jpeg" alt="Ein Boot mit Käselaiben in Alkmaar." class="wp-image-1637" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Holland in einem Bild: Mehr Käse als Weinlese.</figcaption></figure>



<p><br>Beginnen wir mit einem kurzen Round-up: Auf dem Gebiet der heutigen Niederlande wurde sehr wahrscheinlich bereits durch die Römer vor gut 2.000 Jahren Wein angebaut. Ob diese ihren Gladiatoren zu Hause ein paar Gouda-Laibe als Schutzschild mitgebracht haben, ist nicht gesichert, aber eine schöne Vorstellung. Erste schriftliche Nachweise, die Weinbau belegen, datieren aber erst aus dem 10. Jahrhundert.&nbsp;</p>



<p>Gute vier Jahrhunderte später schien sich dann die südliche Provinz Limburg als Hotspot in Sachen Wein einen Namen zu machen. Aber wie schon in meinem Artikel über <a href="https://traubengucker.de/regionen/belgischer-wein-muss-das-sein/">belgischen Wein</a> beschrieben, war es auch hier die Kleine Eiszeit, die das zarte Flämmchen des niederländischen Weinbaus rasch in den Würgegriff nahm. Die anschließende napoleonische Ära brach Hollands Wirtschaft dann vollends den Rücken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Riesling statt Solaris: Der feine Unterschied im Norden<br></h2>



<p>So richtig weiter mit <em>nederlandse wijnen</em> ging es dann erst wieder Ende der 1960er-Jahre. Mittlerweile wird die Gesamtzahl an Hektar in unserem kleinen Nachbarland auf <a href="https://www.designenwijn.com/de/wie-viele-weinguter-gibt-es-in-den-niederlanden/?utm_source=chatgpt.com" type="link" id="https://www.designenwijn.com/de/wie-viele-weinguter-gibt-es-in-den-niederlanden/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">400 geschätzt</a>, also immer noch weniger Hektar, als das kleinste deutsche Anbaugebiet, die Hessische Bergstraße, hat (461 ha).<br>Immerhin verfügen die Niederlande aber über zwei ausgewiesene Qualitätsanbaugebiete (also in EU-Deutsch: geschützte Ursprungsbezeichnung, g.U.): Maasvallei Limburg und Mergelland. Hinzu kommen einige Landwein-Areale (geschützte geografische Angabe, g.g.A.) wie schon das erwähnte Groningen, Flevoland oder Zeeland.</p>



<p>Das reicht natürlich längst nicht aus, um den nationalen Weinbedarf annähernd zu decken: Die meisten Importe bezieht das Königreich aus Frankreich, Italien und Deutschland (in so einen Wohnwagen passt eine Menge rein …).</p>



<p>Zum Vergleich: Das ebenso kleine <a href="https://traubengucker.de/regionen/skal-weinbau-in-daenemark/">Dänemark</a> bringt es schätzungsweise nur auf 100 Hektar Weinanbaufläche und genau ein Qualitätsanbaugebiet. Und die Unterschiede zu vermeintlich aufkeimenden skandinavischen Weinnationen sind auf vielen Ebenen erheblich. So erfreuen sich viele belgische wie niederländische Winzerinnen und Winzer eines kalkhaltigen Bodens (unter anderem ein Grund, weshalb Chardonnay recht gut in Belgien funktioniert). Zudem lässt das &#8211; im Vergleich zu Dänemark oder Schweden &#8211; doch recht milde Wetter auch den Anbau von traditionellen Sorten wie Riesling, Müller-Thurgau oder Auxerrois zu. In Skandinavien, dem nördlichen Polen oder den vielen Landwein-Gebieten Norddeutschlands wird in der Regel im großen Stil auf klimabeständige PiWi-Sorten wie Solaris, Johanniter oder Regent gesetzt. Den Test der Zeit müssen diese jungen Neukreuzungen aber erst noch bestehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lieber Maas-Riesling statt eine Maß Bier</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1024x1024.jpeg" alt="Der Riesling vom Wijngoed Thorn aus Maasvallei." class="wp-image-1643" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Maas halten lautet das Motto: Der Riesling vom Wijngoed Thorn aus dem Limburger Maasvallei.</figcaption></figure>



<p>Kommen wir aber nun nach der grauen bzw. orangenen Theorie zum belohnenden Praxis-Teil. Wie schon im ersten Absatz angedeutet, habe ich mir zwei niederländische Weine in die Küche gestellt (und geöffnet).</p>



<p>Ich beginne mit einem Maas-Riesling (keiner Maß Riesling!) vom Weingut Thorn aus der Maasvallei in Limburg, welche grob zwischen Maastricht und Mönchengladbach liegt. Passend zu den olympischen Winterspielen, die nebenan im Fernseher laufen, strahlt mich hier ein sattes Goldgelb an. In der Nase macht sich sofort ein Bienenwachs-Aroma breit, das in reifen Pfirsich übergeht. Am Gaumen dann volle Lotte Grüner-Apfelaromen, später – und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Abgang ist beachtlich – wieder Bienenwachs. Erinnert mich von der Stilistik her etwas an die Rieslinge vom nördlichen <a href="https://traubengucker.de/regionen/weine-aus-dem-siebengebirge/">Mittelrhein</a> – so weit sind wir geografisch ja auch nicht auseinander. Ein beachtlicher Riesling, der an Fülle und Aroma wenig zu wünschen übrig lässt. Filigran oder gar lichtfüßig ist er nicht, aber insofern bleiben wir im Bild: eher Holz- als Ballettschuh.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caipi auf Niederländisch</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1024x1024.jpeg" alt="Der Rivaner vom Weingut Hoeve Nekum aus Mergelland auf dem Küchentisch." class="wp-image-1660" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Oberste Regel bei Weinen aus Holland: Immer eine Vase Tulpen mit auf den Tisch stellen.</figcaption></figure>



<p>Kommen wir zu unserem zweiten Holländer: der Rivaner (also Müller-Thurgau) vom Weingut Hoeve Nekum aus dem anderen Qualitätsanbaugebiet Mergelland, das östlich von Maastricht beginnt und sich bis knapp vor die Tore Aachens erstreckt (oder wie wir frankophile Weinfreunde zu sagen pflegen: Aix-la-Chapelle). Farblich weniger intensiv als der Riesling von Thorn, dafür schon fast mit Grünstich. Und in der Nase bestätigt sich dies prompt: Limette trifft auf grünen Apfel, dazu eine Prise Muskatnuss. Am Gaumen öffnet sich dann vorsichtig ein Honigglas, das – gepaart mit der Limette – fast schon für Caipi-Stimmung mitten im tristen Februar sorgt. Wir haben hier einen vollmundigen Wein vor der Nase, der zwar Rivaner-typisch säurearm daherkommt, durch seine grüne Fruchtaromatik aber dennoch einen vitalen Frische-Kick hinten ans Zäpfchen hämmert. Auch dieser Wein aus den Niederlanden überrascht &#8230; positiv.</p>



<p>Selbst wenn diese – zugegebenermaßen beschränkte Weinauswahl – niemals stellvertretend für die Weine aus den Niederlanden a priori stehen soll, ziehe ich dennoch ein höchst erfreuliches Fazit und freue mich auf mehr. Sowohl mit dem Riesling als auch mit dem Rivaner hatte ich zwei vollmundige Tropfen im Glas, die nicht nur – mehr oder weniger – typisch die jeweilige Rebsorte abbildeten (der Riesling etwas mehr als der Rivaner), sondern darüber hinaus im Gesamtbild überzeugten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Landweinpläne und letzte Pointe</h2>



<p>Der nächste logische Schritt wäre sicherlich die Verköstigung niederländischer Landweine sowie ein umfangreicherer Deep Dive in Sachen Weine aus der Maasvallei und Mergelland. Die Verlockung, vor Ort zu einer großen Portion Pommes ein belgisches Trappistenbier zu bestellen, ist allerdings nicht gering. </p>



<p>Und hier nun noch der Kalauer, den ich mir bis zum Schluss aufgehoben habe: Wie nennt man in Holland maischevergorenen Weißwein aus Quevris? Richtig: Oranje Wein. Tot ziens!</p>
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		<title>Cool Climate Down Under: Australische Weißweine unter der Lupe</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 16:54:45 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Denk ich an Deutschland … denk ich an Heinrich Heine.Denk ich an Australien … zunächst an rote Weine.﻿ … joa, ein einigermaßen kultivierter Einstieg ins neue Jahr. Während wir uns gerade mit Wärm- und Rotweinflasche durch die kalten Nächte bibbern, sieht es auf der südlichen Erdhalbkugel genau anders aus. In Australien etwa dürfte man bei Temperaturen um die 38 Grad Celsius am Strand eher in Richtung gekühltem Weißwein schielen. Was viele hierzulande oft überrascht: Auch in Down Under verfügt man über ausgewiesene Cool-Climate-Zonen, die ideal für weiße Rebsorten wie Riesling sind. Wer Australien also nur mit schwerem Shiraz aus Barossa Valley verbindet, hat eine echte Bildungslücke (die sich bei mir aber auch erst nach meiner WSET2-Ausbildung schloss). Nun finden wir selbst in gut aufgestellten Weinläden von Flensburg bis Füssen im Australien-Regal überwiegend rote Weine und hie und da maximal mal einen oft ebenso wuchtigen Chardonnay, der nicht nur im Holz lag, sondern ausgiebig darin badete. Mein Glück ist, dass ich einen reisefreudigen Schwager habe, der um meine Weinleidenschaft nicht nur weiß, sondern auch höflichst vorher fragt, was dem Herrn denn so beliebe. Zudem ist er Ingenieur und entsprechend erfindungsreich und gut darin, möglichst viele Flaschen in seinem kleinen Trolley zu verstauen – beneidenswert, wenn man, wie ich, schon mit der kleidungstechnischen Grundausstattung für ein Wochenende am Main an seine Grenzen kommt.  Nicht gebeutelt von Känguru-Hitze: Kühle Weißweine aus dem modernen Australien Aber kommen wir zurück zum Thema. Australien baut rund 55 Prozent rote Rebsorten an. Satte 45 Prozent entfallen auf weiße Rebsorten. Unangefochtene Nummer 1 bei Weißweinen ist Chardonnay. Die Sorte nimmt rund 18 Prozent der Anbaufläche ein und ist damit die zweithäufigste Rebsorte des Kontinents nach Shiraz. Es folgen Sémillon, bekannt aus dem Bordeaux, und Sauvignon Blanc, bekannt von der Loire. Letztere erlebt weiter östlich in Neuseeland gerade ihren zweiten Frühling. Um nun aber nochmals auf den weiter oben bereits angesprochenen Riesling zurückzukommen, geht es nach Südaustralien: Dort liegen die beiden Cool-Climate-Zonen Clare Valley und Eden Valley. Diese beiden Riesling-Anbaugebiete liegen nördlich der Stadt Adelaide. In Clare Valley dominieren kalkhaltige Terra-rossa-Böden. Vom südlich gelegenen Spencer Golf ziehen kühle Winde, teilweise mit antarktischer Frische, vom Meer durch die Weinreben, die teilweise auf 400 bis 500 Metern Höhe wachsen. Riesling mit Rheingau-Gefühl Stellvertretend für Clare Valley habe ich den Riesling „Traditionale“ von Pikes aus den Ausläufern der Mount Lofty Ranges, einer Bergkette, im Glas (Jahrgang 2024). Dieser Riesling hat einen derart schlanken Körper, dass er auch durch jedes Heizungsrohr gepasst hätte – kommt aber aus dem Stahltank. Will sagen: Hier haben wir einen Wein mit straffer Säure, einem Hauch Limette und wunderbar rauchiger Note im Glas, der quasi nach Austern und Meeresfrüchten schreit (der Fischkopf auf dem Etikett gibt also schon die Richtung vor). Von der Stilistik her, denke ich hier spontan an den Rheingau. Niemals wäre mir bei einer Blindverkostung Australien in den Kopf gekommen.Gleichzeitig ist dies, durch die europäische Brille betrachtet, aber auch sein Problem: Für diesen Wein, so gefällig er auch sein mag, muss man nicht bis ans andere Ende der Welt reisen. Es reicht die RB10 ab Wiesbaden Hauptbahnhof in Richtung Koblenz. Die Söhne von Eden machen von sich Reden Etwas südlicher, direkt neben dem Barossa Valley, liegt Eden Valley. Auch hier hängen die Trauben hoch. Höhenunterschiede von bis zu 500 Metern zeigen, warum in diesen Lagen Riesling gedeiht. In den tiefer gelegenen Bereichen, wie dem Barossa Valley, wächst hingegen Shiraz. Das Weingut Sons of Eden produziert hier in Eden Valley unter anderem Riesling &#8211; und was für einen. Der „Freya“, benannt nach der nordischen Liebesgöttin, hat im direkten Vergleich zum Pikes-Riesling zwar weniger Rauch und Mineralik in der Nase, dafür aber bereits jetzt – wir haben den Jahrgang 2025 im Glas (die Weinlese findet hier im Frühjahr statt) – Anklänge von Petrol. Zudem zeichnet er sich durch eine feine Gelbfruchtigkeit aus, welche sicherlich auch der längeren kühlen Gärung geschuldet sein wird. Im Anschluss lässt das Weingut die Jungweine noch vier Monate auf der Hefe ruhen. Alles in allem gute Argumente, den 25er-Jahrgang noch das ein oder andere Jahr im Keller nachreifen zu lassen. Eine sachte Honignote im Nachhall sorgt allerdings wiederum dafür, dass die zweite Flasche doch schon gleich im Anschluss geöffnet werden soll. Ach so, wir haben nur eine? Hm, schade … Werther’s Echte im Glas – aber bitte mit Säure Riesling, Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay wachsen auch weiter südlich in den Adelaide Hills – ein relativ kühles Klima und viel Wald machen’s möglich. Sogar Schaumweine erhalten hier ihr notwendiges Säuregerüst. Im Winter, also wenn es bei uns Sommer ist, kann es für australische Verhältnisse recht viel regnen (also wie bei uns im Sommer). Und so ist etwa der Chardonnay vom Weingut Acmé einerseits ein typischer Vertreter seiner Zunft, weil er  – im Holz ausgebaut – mit Vanille- und Karamell-Noten nicht nur nicht geizt, sondern auch Werther’s Echten schon Konkurrenz macht. Andererseits ist er von der Haptik her keine fette Chardonnay-Bombe. Er verfügt über einen maximal mittelschweren Körper bei nicht fehlender Säure &#8211; hier schmeckt man das kühlere Klima deutlich. Und apropos Chardonnay: Hervorragende Bedingungen für burgundische Rebsorten finden Winzerinnen und Winzer im Weinstaat Victoria, allen voran im Yarra Valley um und bei Melbourne. Hier sind Pinot noir und Chardonnay die Stars. In den 1980er-Jahren gründete die französische Luxusmarke Moët &#38; Chandon hier ihren Ableger Domaine Chandon und produziert seit ehedem dort australische Schaumweine auf Spitzenniveau. Das prickelt! Australien und Austria liegen auf Tasmanien dicht beieinander Schauen wir noch kurz, dass keine Haie in Sichtweite sind, und schwimmen rasch rüber nach Tasmanien. Die Insel vor der Südküste des Kontinents bietet grundsätzlich beste Bedingungen für Rebsorten, die ein kühleres Klima brauchen. Geografisch liegt Tasmanien etwa auf Höhe von Neuseelands Südinsel und ist auch ein fruchtbarer Boden für Schaumweine: Pinot noir und Chardonnay zählen hier folgerichtig zu den wichtigsten Sorten. Sogar das wichtigste Weingut des Landes, Penfolds, baut immer mehr Chardonnay auf Tasmanien an.  Entsprechend sind die Weine leichter und frischer als die Konkurrenz vom Festland. Interessanterweise hat mir mein Schwager das genau Gegenteil mitgebracht. Achtung, jetzt kommt’s: einen Grünen Veltliner vom Weingut Sinapius, dessen Trauben zur Hälfte im Eichenfass ausgebaut wurden und der die malolaktische Gärung durchlaufen hat (die straffe Äpfelsäure wird in Milchsäure umgewandelt). In Österreich hätte ein solcher Wein den Hinweis „Reserve“ auf dem Etikett. Diese Vorwarnung hatte ich nicht …Auf ein typisches „Pfefferl“ eingestellt, hatte ich einen Wein von mittlerem Körper und deutlichem Vanille-Aroma im Glas. Dennoch: Trotz des wunderbaren Schmelzes im Nachhall, verfügte dieser Grüne Veltliner noch immer über eine vitale Frische und leichte Kräuternote, die ihn so wiederum von einem typischen fetten Aussie-Chardonnay unterscheidet. Eine echt spannende Überraschung und gleichzeitig ein Gaumenschmeichler. Wenn Tasmanien jetzt noch Mozartkugeln herstellt, wird’s aber langsam unheimlich.  Spät gelesen, früh begeistert: Tasmanischer Riesling zum Finale Unheimlich interessant soll auch der lukullische Abschluss dieser australischen Weißweinreise werden. Die Trauben für den Riesling vom tasmanischen Weingut Mewstone wurden erst Ende April gelesen. Anschließend erfolgte die Verarbeitung per Ganztraubenpressung – bei Riesling nicht ungewöhnlich.  Die Stängel und Stiele fungieren als sperriges Netz. So werden die Traubenkerne beim Pressen nicht aufgebrochen und Bitterstoffe gelangen nicht in den Wein. Die Spontanvergärung findet ganz gemächlich in alten Holzfässern statt. Und das merkt man sofort: Wir haben einen kräftigen Wein im Glas, der von der Konstruktion her an ein deutsches Großes Gewächs erinnert. In der Nase macht sich zugleich eine buttrige Note breit, dazu Dill und Gurke. Am Gaumen präsentiert sich ein ausbalancierter Wein von mittlerem Körper. Gut eingebundenes Holz und eine vitale Säure machen Lust auf einen zweiten Schluck. Im langen Nachhall klopft noch kurz der Honigtopf hinten ans Zäpfchen. Bei diesem Wein stimmt einfach alles. In seinem Online-Shop bietet Mewstone den Wein für 60 australische Dollar, umgerechnet rund 34 Euro, an &#8211; für dieses Geschmackserlebnis fast schon ein Schnäppchen. Zum Ende unseres Weißweinexkurses nach Down Under sei noch erwähnt, dass auch Marsanne, Chenin Blanc, Rousanne, Viognier sowie Gewürztraminer unter australischen Winzerinnen und Winzern eine feste Größe sind. Letzterer ist besonders im Zusammenhang mit der buchstäblich naheliegenden asiatischen Küche in halbtrockener Form (ab und an auch mit Riesling verschnitten) eine populäre und bestens funktionierende Weinbegleitung. Zwischen Eukalyptus und Schiefer Ganz ohne lange Flugstrecken mit Thrombosestrümpfen und handtellergroßen Spinnen endet hier unser Australien-Trip. Und klar, geneigte Wein-Fans in Oslo, Madrid oder London würden ihre Rieslinge sicherlich auch in zwanzig Jahren noch aus dem Rheingau, von der Mosel oder aus dem Elsass beziehen. Andersherum haben Weinfreunde in Sydney, Canberra oder Melbourne ihren Garten Eden auch direkt vor der Tür. Und ob wir bei einem Blind-Tasting (gute Idee!) Elsass und Eden Valley spontan hätten unterscheiden können, steht auch auf einem anderen Eukalyptus-Blatt.Um also mit einem leicht abgewandelten Zitat von Andi Möller zu enden: Mosel oder Melbourne – Hauptsache Riesling.  </p>
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<p id="block-7c43e50f-5ddc-4bf8-9d70-cb74df6be205"><strong><br>Denk ich an Deutschland … denk ich an Heinrich Heine.<br>Denk ich an Australien … zunächst an rote Weine.</strong><br>﻿</p>
</blockquote>



<p id="block-6974d4d7-c951-4184-8dff-4d4db3e97888">… joa, ein einigermaßen kultivierter Einstieg ins neue Jahr. Während wir uns gerade mit Wärm- und Rotweinflasche durch die kalten Nächte bibbern, sieht es auf der südlichen Erdhalbkugel genau anders aus. In Australien etwa dürfte man bei Temperaturen um die 38 Grad Celsius am Strand eher in Richtung gekühltem Weißwein schielen. Was viele hierzulande oft überrascht: Auch in Down Under verfügt man über ausgewiesene Cool-Climate-Zonen, die ideal für weiße Rebsorten wie Riesling sind. Wer Australien also nur mit schwerem Shiraz aus Barossa Valley verbindet, hat eine echte Bildungslücke (die sich bei mir aber auch erst nach meiner WSET2-Ausbildung schloss).</p>



<p id="block-f061c307-db30-4f68-887a-68250a8930c6">Nun finden wir selbst in gut aufgestellten Weinläden von Flensburg bis Füssen im Australien-Regal überwiegend rote Weine und hie und da maximal mal einen oft ebenso wuchtigen Chardonnay, der nicht nur im Holz lag, sondern ausgiebig darin badete. Mein Glück ist, dass ich einen reisefreudigen Schwager habe, der um meine Weinleidenschaft nicht nur weiß, sondern auch höflichst vorher fragt, was dem Herrn denn so beliebe. Zudem ist er Ingenieur und entsprechend erfindungsreich und gut darin, möglichst viele Flaschen in seinem kleinen Trolley zu verstauen – beneidenswert, wenn man, wie ich, schon mit der kleidungstechnischen Grundausstattung für ein Wochenende am Main an seine Grenzen kommt. </p>



<figure class="wp-block-image" id="block-ca318332-a337-424a-a234-dfbeaa8edf1c"><img decoding="async" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/7840dbf7-8a46-4656-9dea-e59468e9a00d-1024x1024.jpeg" alt="Australische Verhältnisse: Zwei Kängurus in freier Wildbahn gucken in die Kamera. (Copyright: Fabian Laukotka)"/><figcaption class="wp-element-caption">Boxtraining im Busch – mit diesen Typen legt man sich besser nicht an. (Copyright: Fabian Laukotka)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-9ff9a3a4-f5fc-401f-a258-abc2a90975b9">Nicht gebeutelt von Känguru-Hitze: Kühle Weißweine aus dem modernen Australien</h2>



<p id="block-e1e83f07-be23-438f-8c0f-658a8cbe09f1">Aber kommen wir zurück zum Thema. Australien baut rund 55 Prozent rote Rebsorten an. Satte 45 Prozent entfallen auf weiße Rebsorten. Unangefochtene Nummer 1 bei Weißweinen ist Chardonnay. Die Sorte nimmt rund 18 Prozent der Anbaufläche ein und ist damit die zweithäufigste Rebsorte des Kontinents nach Shiraz. Es folgen Sémillon, bekannt aus dem Bordeaux, und Sauvignon Blanc, bekannt von der Loire. Letztere erlebt weiter östlich in Neuseeland gerade ihren zweiten Frühling.</p>



<p id="block-cd748054-13da-421a-b94a-4f6373af10ab">Um nun aber nochmals auf den weiter oben bereits angesprochenen <a href="https://traubengucker.de/regionen/weine-aus-dem-siebengebirge/">Riesling</a> zurückzukommen, geht es nach Südaustralien: Dort liegen die beiden Cool-Climate-Zonen Clare Valley und Eden Valley. Diese beiden Riesling-Anbaugebiete liegen nördlich der Stadt Adelaide. In Clare Valley dominieren kalkhaltige Terra-rossa-Böden. Vom südlich gelegenen Spencer Golf ziehen kühle Winde, teilweise mit antarktischer Frische, vom Meer durch die Weinreben, die teilweise auf 400 bis 500 Metern Höhe wachsen.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-452aa322-ba83-42c9-aa32-0334b8dbb0cc">Riesling mit Rheingau-Gefühl</h2>



<figure class="wp-block-image" id="block-2bd56baa-2d31-44d3-b483-26dc26db1037"><img decoding="async" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_2565-1024x1024.jpeg" alt="Der &quot;Freya&quot; von &quot;Sons of Eden&quot; aus dem Eden Valley und der Riesling von &quot;Mikes&quot; aus dem Clare Valley auf dem Küchentisch."/><figcaption class="wp-element-caption">Eden Valley und Clare Valley liegen dicht beieinander (Achtung: Serviervorschlag)</figcaption></figure>



<p id="block-6dbd865e-5d80-482b-90d5-bd18ed819254">Stellvertretend für Clare Valley habe ich den Riesling „Traditionale“ von <a href="https://pikeswines.com.au/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pikes</a> aus den Ausläufern der Mount Lofty Ranges, einer Bergkette, im Glas (Jahrgang 2024). Dieser Riesling hat einen derart schlanken Körper, dass er auch durch jedes Heizungsrohr gepasst hätte – kommt aber aus dem Stahltank. Will sagen: Hier haben wir einen Wein mit straffer Säure, einem Hauch Limette und wunderbar rauchiger Note im Glas, der quasi nach Austern und Meeresfrüchten schreit (der Fischkopf auf dem Etikett gibt also schon die Richtung vor). Von der Stilistik her, denke ich hier spontan an den Rheingau. Niemals wäre mir bei einer Blindverkostung Australien in den Kopf gekommen.<br>Gleichzeitig ist dies, durch die europäische Brille betrachtet, aber auch sein Problem: Für diesen Wein, so gefällig er auch sein mag, muss man nicht bis ans andere Ende der Welt reisen. Es reicht die RB10 ab Wiesbaden Hauptbahnhof in Richtung Koblenz.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-d70195ff-b48c-48c9-b082-f4259e11c512">Die Söhne von Eden machen von sich Reden</h2>



<p id="block-19548788-d105-4325-81f2-4ca8e3f68041">Etwas südlicher, direkt neben dem Barossa Valley, liegt Eden Valley. Auch hier hängen die Trauben hoch. Höhenunterschiede von bis zu 500 Metern zeigen, warum in diesen Lagen Riesling gedeiht. In den tiefer gelegenen Bereichen, wie dem Barossa Valley, wächst hingegen Shiraz.</p>



<p id="block-1a701221-cc36-47ec-9bb7-426d6e5ec0d8">Das Weingut <a href="https://sonsofeden.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sons of Eden</a> produziert hier in Eden Valley unter anderem Riesling &#8211; und was für einen. Der „Freya“, benannt nach der nordischen Liebesgöttin, hat im direkten Vergleich zum Pikes-Riesling zwar weniger Rauch und Mineralik in der Nase, dafür aber bereits jetzt – wir haben den Jahrgang 2025 im Glas (die Weinlese findet hier im Frühjahr statt) – Anklänge von Petrol. Zudem zeichnet er sich durch eine feine Gelbfruchtigkeit aus, welche sicherlich auch der längeren kühlen Gärung geschuldet sein wird. Im Anschluss lässt das Weingut die Jungweine noch vier Monate auf der Hefe ruhen. Alles in allem gute Argumente, den 25er-Jahrgang noch das ein oder andere Jahr im Keller nachreifen zu lassen. Eine sachte Honignote im Nachhall sorgt allerdings wiederum dafür, dass die zweite Flasche doch schon gleich im Anschluss geöffnet werden soll. Ach so, wir haben nur eine? Hm, schade …</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-e06a1922-23e4-470a-8c4e-96eeb28815b6">Werther’s Echte im Glas – aber bitte mit Säure</h2>



<p id="block-ca44e712-0747-41ea-8c37-e977c44b008d">Riesling, Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Chardonnay wachsen auch weiter südlich in den Adelaide Hills – ein relativ kühles Klima und viel Wald machen’s möglich. Sogar Schaumweine erhalten hier ihr notwendiges Säuregerüst. Im Winter, also wenn es bei uns Sommer ist, kann es für australische Verhältnisse recht viel regnen (also wie bei uns im Sommer).</p>



<p id="block-1471d655-03c1-4d6f-b2ad-3cb9df1b8c51">Und so ist etwa der Chardonnay vom Weingut <a href="https://acmevineyards.com.au" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Acmé</a> einerseits ein typischer Vertreter seiner Zunft, weil er  – im Holz ausgebaut – mit Vanille- und Karamell-Noten nicht nur nicht geizt, sondern auch Werther’s Echten schon Konkurrenz macht. Andererseits ist er von der Haptik her keine fette Chardonnay-Bombe. Er verfügt über einen maximal mittelschweren Körper bei nicht fehlender Säure &#8211; hier schmeckt man das kühlere Klima deutlich.</p>



<p id="block-81f85d79-0048-44c0-834d-bb0b5c8ebbde">Und apropos Chardonnay: Hervorragende Bedingungen für burgundische Rebsorten finden Winzerinnen und Winzer im Weinstaat Victoria, allen voran im Yarra Valley um und bei Melbourne. Hier sind Pinot noir und Chardonnay die Stars. In den 1980er-Jahren gründete die französische Luxusmarke <a href="https://www.moet.com/de-de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Moët &amp; Chandon</a> hier ihren Ableger Domaine Chandon und produziert seit ehedem dort australische Schaumweine auf Spitzenniveau. Das prickelt!</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-dec56129-791d-4d6e-b7b3-7315cbf10172">Australien und Austria liegen auf Tasmanien dicht beieinander</h2>



<figure class="wp-block-image" id="block-a4c2e0bd-14ac-48aa-8e47-f5caaa75403d"><img decoding="async" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_2329-1024x1024.jpeg" alt="Der Grüne Veltliner vom Weingut Sinapius aus Tasmanien."/><figcaption class="wp-element-caption">Ein weitgereister Gast am Esstisch: Der Grüne Veltliner vom Weingut Sinapius aus Tasmanien</figcaption></figure>



<p id="block-0a5f6d5d-eadc-45a9-9609-054417504627">Schauen wir noch kurz, dass keine Haie in Sichtweite sind, und schwimmen rasch rüber nach Tasmanien. Die Insel vor der Südküste des Kontinents bietet grundsätzlich beste Bedingungen für Rebsorten, die ein kühleres Klima brauchen. Geografisch liegt Tasmanien etwa auf Höhe von Neuseelands Südinsel und ist auch ein fruchtbarer Boden für Schaumweine: Pinot noir und Chardonnay zählen hier folgerichtig zu den wichtigsten Sorten. Sogar das wichtigste Weingut des Landes, <a href="https://www.penfolds.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Penfolds</a>, baut immer mehr Chardonnay auf Tasmanien an. </p>



<p id="block-354f8f8d-31f1-4f3c-b1a2-d641f025843c">Entsprechend sind die Weine leichter und frischer als die Konkurrenz vom Festland. Interessanterweise hat mir mein Schwager das genau Gegenteil mitgebracht. Achtung, jetzt kommt’s: einen Grünen Veltliner vom Weingut <a href="https://sinapius.com.au" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sinapius</a>, dessen Trauben zur Hälfte im Eichenfass ausgebaut wurden und der die malolaktische Gärung durchlaufen hat (die straffe Äpfelsäure wird in Milchsäure umgewandelt). In Österreich hätte ein solcher Wein den Hinweis „Reserve“ auf dem Etikett. Diese Vorwarnung hatte ich nicht …<br>Auf ein typisches „Pfefferl“ eingestellt, hatte ich einen Wein von mittlerem Körper und deutlichem Vanille-Aroma im Glas. Dennoch: Trotz des wunderbaren Schmelzes im Nachhall, verfügte dieser Grüne Veltliner noch immer über eine vitale Frische und leichte Kräuternote, die ihn so wiederum von einem typischen fetten Aussie-Chardonnay unterscheidet. Eine echt spannende Überraschung und gleichzeitig ein Gaumenschmeichler. Wenn Tasmanien jetzt noch Mozartkugeln herstellt, wird’s aber langsam unheimlich. </p>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-c478d9a4-77cd-4d58-881b-1d4d9691c4d6">Spät gelesen, früh begeistert: Tasmanischer Riesling zum Finale</h2>



<figure class="wp-block-image" id="block-09722d35-c589-4deb-ad74-f2f7c1f17b36"><img decoding="async" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/01/IMG_2609-1024x1024.jpeg" alt="Australische Buddys: Der Riesling von Mewstone und der Chardonnay von Acmé auf einem Tisch."/><figcaption class="wp-element-caption">Beeren statt Böller: Silvester mit dem Riesling von Mewstone und dem Chardonnay von Acmé. Das knallt!</figcaption></figure>



<p id="block-0c834c89-041a-46d2-8f8e-f33adfa9ae93">Unheimlich interessant soll auch der lukullische Abschluss dieser australischen Weißweinreise werden. Die Trauben für den Riesling vom tasmanischen Weingut <a href="https://www.mewstonewines.com.au" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mewstone</a> wurden erst Ende April gelesen. Anschließend erfolgte die Verarbeitung per Ganztraubenpressung – bei Riesling nicht ungewöhnlich.  Die Stängel und Stiele fungieren als sperriges Netz. So werden die Traubenkerne beim Pressen nicht aufgebrochen und Bitterstoffe gelangen nicht in den Wein.</p>



<p id="block-da33a7ee-32a2-4f29-a138-a235930e4e78">Die Spontanvergärung findet ganz gemächlich in alten Holzfässern statt. Und das merkt man sofort: Wir haben einen kräftigen Wein im Glas, der von der Konstruktion her an ein deutsches Großes Gewächs erinnert. In der Nase macht sich zugleich eine buttrige Note breit, dazu Dill und Gurke. Am Gaumen präsentiert sich ein ausbalancierter Wein von mittlerem Körper. Gut eingebundenes Holz und eine vitale Säure machen Lust auf einen zweiten Schluck. Im langen Nachhall klopft noch kurz der Honigtopf hinten ans Zäpfchen. Bei diesem Wein stimmt einfach alles. In seinem Online-Shop bietet Mewstone den Wein für 60 australische Dollar, umgerechnet rund 34 Euro, an &#8211; für dieses Geschmackserlebnis fast schon ein Schnäppchen.</p>



<figure class="wp-block-image" id="block-cbe868be-69ec-4486-beb1-595e9f0e2642"><img decoding="async" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/01/Bild-05.01.26-um-16.33-1024x1024.jpeg" alt="Grüne Landschaft auf Tasmanien. (Copyright: Torben Deutschmann)"/><figcaption class="wp-element-caption">Tasmanische Träume – sehr viel grüner ist es zwischen Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues auch nicht. (Copyright: Torben Deutschmann)</figcaption></figure>



<p id="block-4810bab0-d220-49f3-a5a5-8de09ef9c7a0">Zum Ende unseres Weißweinexkurses nach Down Under sei noch erwähnt, dass auch Marsanne, Chenin Blanc, Rousanne, Viognier sowie Gewürztraminer unter australischen Winzerinnen und Winzern eine feste Größe sind. Letzterer ist besonders im Zusammenhang mit der buchstäblich naheliegenden asiatischen Küche in halbtrockener Form (ab und an auch mit Riesling verschnitten) eine populäre und bestens funktionierende Weinbegleitung.</p>



<h2 class="wp-block-heading" id="block-494ba748-0ded-480d-9224-aa992001cdec">Zwischen Eukalyptus und Schiefer</h2>



<p id="block-51e802e4-cc6d-443f-8bb1-8b2bf2a9c6e7">Ganz ohne lange Flugstrecken mit Thrombosestrümpfen und handtellergroßen Spinnen endet hier unser Australien-Trip. Und klar, geneigte Wein-Fans in Oslo, Madrid oder London würden ihre Rieslinge sicherlich auch in zwanzig Jahren noch aus dem Rheingau, von der Mosel oder aus dem Elsass beziehen. Andersherum haben Weinfreunde in Sydney, Canberra oder Melbourne ihren Garten Eden auch direkt vor der Tür. Und ob wir bei einem Blind-Tasting (gute Idee!) Elsass und Eden Valley spontan hätten unterscheiden können, steht auch auf einem anderen Eukalyptus-Blatt.<br>Um also mit einem leicht abgewandelten Zitat von Andi Möller zu enden: Mosel oder Melbourne – Hauptsache Riesling.  </p>
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		<title>Marokko und Algerien: Weine aus der Wüste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 15:18:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der sogenannte Rebengürtel bietet optimale Bedingungen für den Anbau von Qualitätswein. Er deckt ein Gebiet ab, das sich auf der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 40. und 50. Breitengrad erstreckt (seine Entsprechung auf der Südhalbkugel liegt zwischen dem 30. und 40. Breitengrad). Dabei ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass sich diese Zonen in Zeiten des Klimawandels dynamisch verändern. Umso schwerer haben es teilweise Regionen, die im Süden jenseits des Rebengürtels liegen: etwa Sizilien, Teile Griechenlands und der Iberischen Halbinsel sowie eben der Maghreb. Spielen Weine aus Algerien, Marokko und Tunesien aus europäischer Sicht nur noch eine Exotenrolle, liegt das jedoch allem voran an politischen und gesellschaftlichen Motiven. In diesen Ländern ist Alkohol zwar nicht so restriktiv untersagt wie in anderen muslimisch geprägten Staaten wie dem Iran oder Saudi-Arabien, der öffentliche Konsum von Wein (wie auch anderen Alkoholika) wird aber auch hier nicht so gerne gesehen. Dennoch gibt es eine traditionsreiche Weinbauindustrie: Begonnen hatte das Geschäft mit den Reben bereits in der Antike mit der Ankunft der Phönizier (rund 500 v. Chr.), seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Weinproduktion im Norden Afrikas schließlich durch die unrühmliche Kolonisierung durch ein anderes Weinland: Frankreich. Der große Durst und die Rettung aus dem Süden Nehmen wir Algerien mal genauer unter die Lupe. 1830 besetzten die Franzosen erste Teile des Landes, 1847 ging Algerien schließlich komplett in eine französische Kolonie über. Und hier wird natürlich auch die Verbindung zum Wein offensichtlich, denn Frankreich sah die Ländereien jenseits des Mittelmeers als eine Art Verlängerung seines Weinanbaugebietes Languedoc. Tatsächlich entstanden auch viele Weine durch die Cuvéetierung von algerischem und südfranzösischem Wein. Als in den 1860er-Jahren die Reblauskatastrophe mit voller Härte auf Frankreich und den europäischen Kontinent traf, wurde algerischem Wein sogar die Hauptrolle zuteil. Damit vor allem der große Durst der Metropolregion Paris gelöscht werden konnte, importierte man eiligst Wein aus dem afrikanischen Norden. Von der Stilistik war das eine Cuvée aus Carignan, Mourvédre und Alicante &#8211; quasi der typisch südfranzösische und hitzebeständige Rebsortenadel -, die aber wiederum nicht an die perfekt ausbalancierten Weine des Bordeaux&#8216; rankam. Aber in der Not isst der Teufel fliegen … Algerien – koloniales Kraftwerk der Weinwelt In Zahlen: Bewirtschaftete das französische Algerien 1878 noch 60.000 Hektar Weinreben, waren es 1885 schon 100.000 Hektar*, Tendenz steigend. Betrachtet man die französische Kolonie Algerien zu Beginn der 1960er-Jahre als eigenständiges Land, wäre es zu der Zeit sogar viertgrößter Weinproduzent der Welt (hinter Italien, Frankreich und Spanien) gewesen. So sehr sich die Algerier 1962 über die Unabhängigkeit ihres Landes freuten, umso schwieriger war es, den wirtschaftlichen Einbruch durch den Quasi-Wegfall der Weinindustrie zu kompensieren. Denn nach der Unabhängigkeit blieben viele Weingüter verwaist und in den 1980ern wurde nur noch ein Zehntel dessen produziert, was noch zwei Jahrzehnte zuvor erwirtschaftet wurde. Für mehr Oran-Anreicherung! Heute zählt Algerien immerhin, hinter Südafrika, zu den größten Weinproduzenten des Kontinents. Auf knapp 70.000 Hektar Rebfläche teilen sich sieben Appellationen (AOGs) auf, die meisten davon in Küstennähe. Auf meinem Küchentisch habe ich mit dem Royal Mascara einen Vertreter der AOG Côteaux de Mascara stehen, einem Gebiet, welches sich rund um die weißglänzende Küstenstadt Oran schlängelt. So manchem Bücherfreund dürfte diese Stadt bereits als jene wenig rühmliche Kulisse vertraut sein, in die Albert Camus die Handlung seines Romans&#160;Die Pest&#160;verlegte. Auf der Seite des Maghreb-Wein-Anbieters Marokkanische Weine habe ich diesen Rotwein für 13,66 Euro bestellt, eine Cuvée aus Cinsault, Carignan, Grenache, Mourastel, Mourvèdre und Alicante Bouschet (quasi Südfrankreich in Reinform). Sein Baujahr – 2017 – fällt einem beim Einschenken direkt ins Auge: Typisch für die Region ist der Wein nahezu schwarz, im hellen Gegenlicht blitzen aber rostbraune Farbreflexe auf. In der Nase tummeln sich dann Brombeere, rotes Paprikapulver, etwas Holz, Pfeffer und tertiär: Leder. Am Gaumen zeigt er sich zunächst angenehm ausgeglichen bei seidigen Tanninen und einem doch nur mittelschweren Körper (trotz der 14 Prozent Alkohol), dazu ein langer Nachhall, der in Süßholz endet. Einziger Kritikpunkt: Etwas mehr Säure hätte ihm gutgetan, so wirkt er nach dem zweiten Glas etwas dumpf. Das kann aber natürlich auch seinem Alter geschuldet sein, immerhin hatte er sein achtes Lebensjahr bereits überschritten. Marokko: Reben für Resorts Eine sehr ähnliche Weinhistorie weist Algeriens westlicher Nachbar Marokko auf. Die Römer brachten Weinreben vor allem rund um ihre Siedlung Volubilis, in der Nähe der heutigen Stadt Meknès, zum Blühen. Heute stehen auf rund 50.000 Hektar Reben, die zu Wein verarbeitet werden, den zuvorderst Touristen in Bars und Hotels trinken &#8211; ein Markt: Immerhin ist Marokko das meistbesuchte Land des Kontinents. Eine prominente Ausnahme bildet aber der Vin gris aus Boulaouane, der bis heute in den französischen Supermärkten überlebt hat. Bei Vinatis habe ich mir diese Cuvée aus Cinsault und Grenache von der Domaine de Khmis für 7,20 Euro bestellt. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin begeistert. Für diesen Preis bekommt man einen wirklich freundlichen und spaßbringenden Aperitif ins Haus, der aber auch als seriöser Essensbegleiter (etwa zu Muscheln oder Fisch) taugt. Das helle Lachsrosa changiert dabei schon deutlich ins Orangefarbene (typisch für Vin gris, mehr zum Thema gibt es hier). In der Nase: reife Erdbeeren, am Gaumen bleiben die roten Früchte natürlich weiter hängen, dazu gesellt sich etwas Pfirsich und eine Kräuternote. Insgesamt ein leichter Körper mit wirklich genau dem richtigen Maß an Säure. So bringt Sommer auch im Winter Spaß! Wenig Reife und Lederjacke – wie der Mensch so der Wein Etwas enttäuscht bin ich dagegen vom dritten Wein im Bunde, dem MD Excellence Cabernet. Dieser Wein der Domaine des Ouled Thaleb, einem der ältesten Weingüter an Marokkos Westküste in der AOG Zenata, ist ein reinsortiger Cabernet Sauvignon (bestellt habe ich ihn über Conder Wines). Und das merkt man auch gleich in der Nase: Wuchtiges Leder, Erde, etwas Pfeffer und dunkle Früchte. Im Mund wird&#8217;s dann aber rasch einseitig: Der 2022er Jahrgang zeigt sich noch sehr pubertär und unreif mit rüden Tanninen und einer sich zu sehr in den Mittelpunkt spielenden Säure. Alles andere als ein harmonischer Wein, dem sein jugendlicher Leichtsinn vielleicht noch durch ein paar Jahre im dunklen Keller ausgetrieben werden kann. Traubenhaftes Tunesien mit französisch-italienischem Einfluss Ganze sieben Appellationen (AOCs) weist das kleine Tunesien auf. Bis auf die AOC Thibar tummelt sich der Rest vom Fest in mittel- und unmittelbarer Küstennähe. Insgesamt kommt man auf knapp unter 30.000 Hektar Weinanbaufläche. Neben dem französischen Einfluss durch die unrühmliche Kolonialzeit, gab es aber auch immer wieder italienische Siedler, die hier auf der anderen Seite des Mittelmeeres ihr Glück versuchten. Und auch der Weinbau profitiert bis heute vielerorts vom Einfluss der italienischen Gemeinschaft. Die Voraussetzungen dafür, dass Weine aus Marokko, Algerien oder Tunesien sich ihrer Exotenrolle entledigen und weltweit Karriere machen, sind derzeit nicht gegeben. Zu sehr wird die Produktion und der Verkauf von Alkohol in den muslimischen Ländern unter der Knute gehalten. Der stetig wachsende Tourismus in Marokko ist aber beispielsweise eine hervorragende Basis für einen Austausch von hiesigen Weinen und der Welt dort draußen. Und, wer weiß, vielleicht animieren meine beschaulichen Kurzrezensionen aus diesem Artikel hier ja auch den ein oder anderen Leser zum Kauf eines maghrebinischen Weines, Sahara-Staub inklusive. Apropos, ich werde gleich mal meine angestaubte Tajine aus dem Keller holen und schauen, welches Gericht aus 1001 Nacht ich zum nächsten Schluck Boulaouane kredenzen kann. *(Quelle: &#8222;French Wine: A History&#8220;, Rod Phillips)</p>
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<p>Der sogenannte Rebengürtel bietet optimale Bedingungen für den Anbau von Qualitätswein. Er deckt ein Gebiet ab, das sich auf der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 40. und 50. Breitengrad erstreckt (seine Entsprechung auf der Südhalbkugel liegt zwischen dem 30. und 40. Breitengrad). Dabei ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass sich diese Zonen in Zeiten des Klimawandels dynamisch verändern.</p>



<p>Umso schwerer haben es teilweise Regionen, die im Süden jenseits des Rebengürtels liegen: etwa Sizilien, Teile Griechenlands und der Iberischen Halbinsel sowie eben der Maghreb.</p>



<p>Spielen Weine aus Algerien, Marokko und Tunesien aus europäischer Sicht nur noch eine Exotenrolle, liegt das jedoch allem voran an politischen und gesellschaftlichen Motiven. In diesen Ländern ist Alkohol zwar nicht so restriktiv untersagt wie in anderen muslimisch geprägten Staaten wie dem Iran oder Saudi-Arabien, der öffentliche Konsum von Wein (wie auch anderen Alkoholika) wird aber auch hier nicht so gerne gesehen. Dennoch gibt es eine traditionsreiche Weinbauindustrie: Begonnen hatte das Geschäft mit den Reben bereits in der Antike mit der Ankunft der Phönizier (rund 500 v. Chr.), seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Weinproduktion im Norden Afrikas schließlich durch die unrühmliche Kolonisierung durch ein anderes Weinland: Frankreich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der große Durst und die Rettung aus dem Süden</h2>



<p>Nehmen wir Algerien mal genauer unter die Lupe. 1830 besetzten die Franzosen erste Teile des Landes, 1847 ging Algerien schließlich komplett in eine französische Kolonie über. Und hier wird natürlich auch die Verbindung zum Wein offensichtlich, denn Frankreich sah die Ländereien jenseits des Mittelmeers als eine Art Verlängerung seines Weinanbaugebietes Languedoc. Tatsächlich entstanden auch viele Weine durch die Cuvéetierung von algerischem und südfranzösischem Wein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1024x1024.jpeg" alt="Abendstimmung: Der Hafen von Sète im Languedoc." class="wp-image-1499" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die französische Stadt Sète im Languedoc war besonders während der Reblauskatastrophe der wichtigste Einfuhrhafen für algerischen Wein.</figcaption></figure>



<p>Als in den 1860er-Jahren die Reblauskatastrophe mit voller Härte auf Frankreich und den europäischen Kontinent traf, wurde algerischem Wein sogar die Hauptrolle zuteil. Damit vor allem der große Durst der Metropolregion Paris gelöscht werden konnte, importierte man eiligst Wein aus dem afrikanischen Norden. Von der Stilistik war das eine Cuvée aus Carignan, Mourvédre und Alicante &#8211; quasi der typisch südfranzösische und hitzebeständige Rebsortenadel -, die aber wiederum nicht an die perfekt ausbalancierten Weine des Bordeaux&#8216; rankam. Aber in der Not isst der Teufel fliegen …</p>



<h2 class="wp-block-heading">Algerien – koloniales Kraftwerk der Weinwelt</h2>



<p>In Zahlen: Bewirtschaftete das französische Algerien 1878 noch 60.000 Hektar Weinreben, waren es 1885 schon 100.000 Hektar*, Tendenz steigend. Betrachtet man die französische Kolonie Algerien zu Beginn der 1960er-Jahre als eigenständiges Land, wäre es zu der Zeit sogar viertgrößter Weinproduzent der Welt (hinter Italien, Frankreich und Spanien) gewesen.</p>



<p>So sehr sich die Algerier 1962 über die Unabhängigkeit ihres Landes freuten, umso schwieriger war es, den wirtschaftlichen Einbruch durch den Quasi-Wegfall der Weinindustrie zu kompensieren. Denn nach der Unabhängigkeit blieben viele Weingüter verwaist und in den 1980ern wurde nur noch ein Zehntel dessen produziert, was noch zwei Jahrzehnte zuvor erwirtschaftet wurde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1024x1024.jpeg" alt="Drei Weinflaschen aus dem Maghreb auf dem Tisch: der MD Excellence, der Royal Mascara and der Boulaouane (Vin gris)" class="wp-image-1482" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Orient-Dreier: der MD Excellence (Marokko), der Royal Mascara (Algerien) and der Boulaouane (Marokko)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Für mehr Oran-Anreicherung!</h2>



<p>Heute zählt Algerien immerhin, hinter Südafrika, zu den größten Weinproduzenten des Kontinents. Auf knapp 70.000 Hektar Rebfläche teilen sich sieben Appellationen (AOGs) auf, die meisten davon in Küstennähe. Auf meinem Küchentisch habe ich mit dem Royal Mascara einen Vertreter der AOG Côteaux de Mascara stehen, einem Gebiet, welches sich rund um die weißglänzende Küstenstadt Oran schlängelt. So manchem Bücherfreund dürfte diese Stadt bereits als jene wenig rühmliche Kulisse vertraut sein, in die Albert Camus die Handlung seines Romans&nbsp;<em>Die Pest</em>&nbsp;verlegte.</p>



<p>Auf der Seite des Maghreb-Wein-Anbieters <a href="https://marokkanische-weine.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marokkanische Weine</a> habe ich diesen Rotwein für 13,66 Euro bestellt, eine Cuvée aus Cinsault, Carignan, Grenache, Mourastel, Mourvèdre und Alicante Bouschet (quasi Südfrankreich in Reinform). Sein Baujahr – 2017 – fällt einem beim Einschenken direkt ins Auge: Typisch für die Region ist der Wein nahezu schwarz, im hellen Gegenlicht blitzen aber rostbraune Farbreflexe auf. In der Nase tummeln sich dann Brombeere, rotes Paprikapulver, etwas Holz, Pfeffer und tertiär: Leder. Am Gaumen zeigt er sich zunächst angenehm ausgeglichen bei seidigen Tanninen und einem doch nur mittelschweren Körper (trotz der 14 Prozent Alkohol), dazu ein langer Nachhall, der in Süßholz endet. Einziger Kritikpunkt: Etwas mehr Säure hätte ihm gutgetan, so wirkt er nach dem zweiten Glas etwas dumpf. Das kann aber natürlich auch seinem Alter geschuldet sein, immerhin hatte er sein achtes Lebensjahr bereits überschritten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1024x1024.jpeg" alt="Der schwarze Royal Mascara, einer weißen Blume gegenübergestellt." class="wp-image-1483" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Man muss nicht immer gleich schwarzsehen. Beim Royal Mascara fällt alles andere aber wirklich schwer.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Marokko: Reben für Resorts</h2>



<p>Eine sehr ähnliche Weinhistorie weist Algeriens westlicher Nachbar Marokko auf. Die Römer brachten Weinreben vor allem rund um ihre Siedlung Volubilis, in der Nähe der heutigen Stadt Meknès, zum Blühen. Heute stehen auf rund 50.000 Hektar Reben, die zu Wein verarbeitet werden, den zuvorderst Touristen in Bars und Hotels trinken &#8211; ein Markt: Immerhin ist Marokko das meistbesuchte Land des Kontinents. Eine prominente Ausnahme bildet aber der Vin gris aus <a href="https://www.boulaouane.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boulaouane</a>, der bis heute in den französischen Supermärkten überlebt hat.</p>



<p>Bei <a href="https://www.vinatis.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vinatis</a> habe ich mir diese Cuvée aus Cinsault und Grenache von der Domaine de Khmis für 7,20 Euro bestellt. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin begeistert. Für diesen Preis bekommt man einen wirklich freundlichen und spaßbringenden Aperitif ins Haus, der aber auch als seriöser Essensbegleiter (etwa zu Muscheln oder Fisch) taugt. Das helle Lachsrosa changiert dabei schon deutlich ins Orangefarbene (typisch für Vin gris, mehr zum Thema gibt es <a href="https://traubengucker.de/regionen/lothringer-wein-jetzt-wirds-exotisch/">hier</a>). In der Nase: reife Erdbeeren, am Gaumen bleiben die roten Früchte natürlich weiter hängen, dazu gesellt sich etwas Pfirsich und eine Kräuternote. Insgesamt ein leichter Körper mit wirklich genau dem richtigen Maß an Säure. So bringt Sommer auch im Winter Spaß!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1024x1024.jpeg" alt="Vin gris aus Marokko: der Boulaouane der Domaine de Khmis" class="wp-image-1486" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ist das eine Fata Morgana? Nein, es ist echt: Trink das, es wird dir guttun.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wenig Reife und Lederjacke – wie der Mensch so der Wein</h2>



<p>Etwas enttäuscht bin ich dagegen vom dritten Wein im Bunde, dem MD Excellence Cabernet. Dieser Wein der Domaine des Ouled Thaleb, einem der ältesten Weingüter an Marokkos Westküste in der AOG Zenata, ist ein reinsortiger Cabernet Sauvignon (bestellt habe ich ihn über <a href="https://www.conderwines.de/domaine-ouled-thaleb-md-excellence-red">Conder Wines</a>). Und das merkt man auch gleich in der Nase: Wuchtiges Leder, Erde, etwas Pfeffer und dunkle Früchte. Im Mund wird&#8217;s dann aber rasch einseitig: Der 2022er Jahrgang zeigt sich noch sehr pubertär und unreif mit rüden Tanninen und einer sich zu sehr in den Mittelpunkt spielenden Säure. Alles andere als ein harmonischer Wein, dem sein jugendlicher Leichtsinn vielleicht noch durch ein paar Jahre im dunklen Keller ausgetrieben werden kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Traubenhaftes Tunesien mit französisch-italienischem Einfluss</h2>



<p>Ganze sieben Appellationen (AOCs) weist das kleine Tunesien auf. Bis auf die AOC Thibar tummelt sich der Rest vom Fest in mittel- und unmittelbarer Küstennähe. Insgesamt kommt man auf knapp unter 30.000 Hektar Weinanbaufläche. Neben dem französischen Einfluss durch die unrühmliche Kolonialzeit, gab es aber auch immer wieder italienische Siedler, die hier auf der anderen Seite des Mittelmeeres ihr Glück versuchten. Und auch der Weinbau profitiert bis heute vielerorts vom Einfluss der italienischen Gemeinschaft.</p>



<p>Die Voraussetzungen dafür, dass Weine aus Marokko, Algerien oder Tunesien sich ihrer Exotenrolle entledigen und weltweit Karriere machen, sind derzeit nicht gegeben. Zu sehr wird die Produktion und der Verkauf von Alkohol in den muslimischen Ländern unter der Knute gehalten. Der stetig wachsende Tourismus in Marokko ist aber beispielsweise eine hervorragende Basis für einen Austausch von hiesigen Weinen und der Welt dort draußen. Und, wer weiß, vielleicht animieren meine beschaulichen Kurzrezensionen aus diesem Artikel hier ja auch den ein oder anderen Leser zum Kauf eines maghrebinischen Weines, Sahara-Staub inklusive. Apropos, ich werde gleich mal meine angestaubte Tajine aus dem Keller holen und schauen, welches Gericht aus 1001 Nacht ich zum nächsten Schluck Boulaouane kredenzen kann.</p>



<p>*<em>(Quelle: &#8222;French Wine: A History&#8220;, Rod Phillips)</em></p>
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		<title>Weinland Moldau: Im Reich des schlafenden Riesen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2025 15:15:46 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Fetească Neagră]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unter den lauten Straßen der moldauischen Hauptstadt Chișinău verbirgt sich ein Reich der Stille, ein wahres Labyrinth. In einem Stollensystem mit einer Gesamtlänge von rund 250 Kilometern – also der Strecke Hamburg-Kassel – dienen rund 55 Kilometer allein der Weinlagerung. Unter perfekten Bedingungen werden dort etwa 1,5 Millionen Flaschen gelagert. Damit ist Mileștii Mici der größte Weinkeller der Welt (also gleich nach meinem …). Mit diesem Superlativ beginnend, möchte ich diesen Monat ein Land auf die Bühne bitten, das – neben Rumänien – als ewiger Geheimfavorit in der Weinwelt gilt: die Republik Moldau. Und ich lege gleich nach: Moldau ist das am dichtesten bepflanzte Weinbauland des Planeten; ganze vier Prozent des Landes bestehen aus Reben. Merkt euch das ruhig, falls ihr auf dem Hocker bei „Wer wird Millionär?“&#160;einmal mit einer Frage aus dieser Richtung konfrontiert werdet. Perestroika statt Pulle um Pulle Auf demselben Breitengrad wie das Burgund liegend, kann Moldau eine Rebfläche von rund 130.000 Hektar vorweisen, etwas mehr als alle deutschen Qualitätsanbaugebiete zusammen. Gleichzeitig würde das kleine Moldau flächenmäßig zehnmal in Deutschland hineinpassen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Moldau während seiner Zeit als Teil der Sowjetunion sogar doppelt so viel Rebfläche besaß. Durch eine Anti-Alkoholkampagne von Michail Gorbatschow Ende der 1980er-Jahre schrumpfte die Rebfläche aber wie eine zu heiß gewaschene Fellmütze der Roten Armee. Sein Nachfolger Boris Jelzin war dem Alkoholkonsum bekanntermaßen etwas weniger kritisch gegenüber eingestellt. Unterteilt wird das Weinland Moldau in drei große Weinregionen, nach EU-Lesart allesamt mit geschützter geografischer Angabe (Kategorie Landwein): Das nördlichste der drei Anbaugebiete Codru, das kleine Ștefan Vodă (klingt wie ein Neuzugang des Zweitligisten SC Paderborn) und Valul lui Trajan ganz im Südwesten. Rebsortenmäßig orientiert sich das junge Land zum einen an Frankreich, vor allem mit der Rebsorte Aligoté (hier blitzt das Burgund wieder auf) oder auch Cabernet Sauvignon. Andererseits werden auch traditionell osteuropäische Sorten wie die rumänische Fetească Neagră (Schwarze Mädchentraube) oder die georgische Rkatsiteli angebaut.  Zwischen Raritäten und Rhabarber Bei einem kürzlichen Weinabend, zu dem&#160;Moldawine&#160;– ein in Deutschland ansässiger Vertrieb moldauischer Premiumweine – eingeladen hatte, wurde ich erneut auf dieses Thema gestoßen. Das Œuvre reichte vom obligatorischen Schaumwein als Büchsenöffner des Abends über Weiß- und Orangeweine bis hin zu wuchtigen Roten. Interessanterweise standen bei den Weißweinen zwei Neuzüchtungen im Mittelpunkt: Das Weingut Domeniile Vorniceni schickte seinen &#8222;Veroica&#8220; aus der gleichnamigen Rebsorte ins Rennen. Mit einem Bukett aus floralen Aromen und Honigmelone wird zunächst viel versprochen – im Abgang aber leider wenig gehalten. Schneller wieder verschwunden ist in diesem Jahr nur der Hamburger Sommer. Ganz anders der Kandidat vom Weingut Novak, das seinen Wein ebenso nach der Rebsorte benannt hat: &#8222;Floricia&#8220; (eine Neuzüchtung, die unter anderem von unserem Riesling abstammt). In der Nase gleich von null auf hundert mit einem betörenden Rhabarberaroma und etwas Gelbfrucht. Im Mund opulent wie ein fetter Viognier von der Rhône. Das Gelbfruchtige bleibt während des wirklich langen Nachhalls vertraut am Gaumen und wechselt im Finish ins Nussige. Wunderbar! (Findet auch meine Weinbegleitung Hans an diesem Abend.) Und wir halten kurz fest: Das germanische System, also den Wein nach der Rebsorte zu benennen, ist doch noch nicht ganz tot. Moldaus Dreiklang und die Mädchentraube Für Veroica Samson von Moldawine verkörpert die Sorte Floricia gar &#8222;das Weibliche im moldauischen Wein&#8220; per se: &#8222;duftend, klar, strahlend und dabei erstaunlich ausdrucksstark.&#8220; Und überhaupt wird die Latte beim Vergleich mit renommierten Anbaugebieten selbstbewusst hoch angesetzt: &#8222;Wenn ich uns vergleichen müsste, dann mit einem Dreiklang aus Bordeaux, dem Piemont und dem Burgenland&#8220;, bemerkt Samson und fügt hinzu: &#8222;Doch am Ende bleibt Moldau einzigartig – eine alte Weinwelt, die gerade beginnt, sich neu zu erzählen.&#8220; Den einzigen Rotwein-Flight des Abends entschied der „Larga Valley“ (2018) von Novak im Duell mit dem „Metafora Alta“ (2019) der Gogu Winery knapp für sich (für meinen Geschmack, versteht sich). Die Cuvée aus Fetească Neagră und Merlot erinnerte mich spontan an Pomerol. Macht sich da der Merlot bemerkbar oder hat die Schwarze Mädchentraube Zauberkräfte? Jedenfalls ist der „Larga Valley“ herrlich ausgewogen, die Tannine sanft einmassiert. In der Nase zeigen sich Kirsche, Gewürze (Nelke) und eine Messerspitze Cassis. Fetească Neagră: Mal noble Diva, mal Discounter-Debakel Und dass ich mit dem mutigen Bordeaux-Vergleich nicht ganz danebenliege, unterstreicht Veroica Samson mit ihrem Plädoyer für die Fetească Neagră: &#8222;Sie ist unser moldauischer Cabernet Sauvignon. Wenn man sie einmal richtig versteht, erkennt man, wie viel Potenzial in ihr steckt – Struktur, Würze, dunkle Frucht und eine ganz eigene, fast mystische Weichheit.&#8220; Eine treffende Beschreibung, die sich rückblickend auf bereits verkostete Fetească-Neagră-Weine gut anwenden lässt. Das bedeutet freilich nicht, dass die ab und an bei Discountern im untersten Regal stehenden lieblichen Ausgaben der „Schwarzen Mädchentraube“ nun reflexartig aufgekauft werden sollten – die 2,99 Euro würde ich dann doch lieber in drei Packungen Schokorosinen investieren. Falscher Fluss, echter Genuss Bleibt am Ende nur noch zu klären, was das Land Moldau eigentlich mit dem gleichnamigen Fluss zu tun hat – wo dieser doch gar nicht durchs Staatsgebiet fließt. Nun, tatsächlich gibt es einen weiteren Fluss namens Moldau, auf welchen auch der Name zurückzuführen ist. Dieser fließt ärgerlicherweise aber ebenso nicht durch moldauisches Staatsgebiet, sondern ausschließlich durch den Nordosten Rumäniens. Zu Zeiten des Fürstentum Moldaus – wir befinden uns jetzt im 14. Jahrhundert – war das jedoch anders. Aber das wollen wir jetzt an dieser Stelle nicht ausufern lassen. Wer sich mehr für diesen geschichtlichen Aspekt interessiert, dem empfehle ich diesen wirklich spannenden Wikipedia-Artikel (ruhig zwei Tage dazu freinehmen) oder die knackigere Variante auf der Seite der Konrad-Adenauer-Stiftung. Fest steht für mich jedenfalls: Das nächste Glas moldauischen Weines trinke ich direkt vor Ort oder zumindest in direkter Nachbarschaft am Hamburger Moldau-Hafen (falscher Fluss, ich weiß!).</p>
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<p>Unter den lauten Straßen der moldauischen Hauptstadt Chișinău verbirgt sich ein Reich der Stille, ein wahres Labyrinth. In einem Stollensystem mit einer Gesamtlänge von rund 250 Kilometern – also der Strecke Hamburg-Kassel – dienen rund 55 Kilometer allein der Weinlagerung. Unter perfekten Bedingungen werden dort etwa 1,5 Millionen Flaschen gelagert. Damit ist Mileștii Mici der größte Weinkeller der Welt (also gleich nach meinem …).</p>



<p>Mit diesem Superlativ beginnend, möchte ich diesen Monat ein Land auf die Bühne bitten, das – neben Rumänien – als ewiger Geheimfavorit in der Weinwelt gilt: die Republik Moldau. Und ich lege gleich nach: Moldau ist das am dichtesten bepflanzte Weinbauland des Planeten; ganze vier Prozent des Landes bestehen aus Reben. Merkt euch das ruhig, falls ihr auf dem Hocker bei „Wer wird Millionär?“<em>&nbsp;</em>einmal mit einer Frage aus dieser Richtung konfrontiert werdet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="948" height="948" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.52.jpeg" alt="Blick in den Weinkeller Mileștii Mici unter Moldau Hauptstadt Chișinău. (Copyright: MOLDAWINE e.K.)" class="wp-image-1428" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.52.jpeg 948w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.52-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.52-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.52-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.52-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 948px) 100vw, 948px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lange Spaziergänge ohne Regenschirm: Im Mileștii Mici gibt es das passende Getränk dazu.<em> </em>(Copyright: Moldawine e.K.)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Perestroika statt Pulle um Pulle<br></h2>



<p>Auf demselben Breitengrad wie das Burgund liegend, kann Moldau eine Rebfläche von rund 130.000 Hektar vorweisen, etwas mehr als alle deutschen Qualitätsanbaugebiete zusammen. Gleichzeitig würde das kleine Moldau flächenmäßig zehnmal in Deutschland hineinpassen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Moldau während seiner Zeit als Teil der Sowjetunion sogar doppelt so viel Rebfläche besaß. Durch eine Anti-Alkoholkampagne von Michail Gorbatschow Ende der 1980er-Jahre schrumpfte die Rebfläche aber wie eine zu heiß gewaschene Fellmütze der Roten Armee. Sein Nachfolger Boris Jelzin war dem Alkoholkonsum bekanntermaßen etwas weniger kritisch gegenüber eingestellt.</p>



<p>Unterteilt wird das Weinland Moldau in drei große Weinregionen, nach EU-Lesart allesamt mit geschützter geografischer Angabe (Kategorie <em>Landwein</em>): Das nördlichste der drei Anbaugebiete <strong>Codru</strong>, das kleine <strong>Ștefan Vodă</strong> (klingt wie ein Neuzugang des Zweitligisten SC Paderborn) und <strong>Valul lui Trajan</strong> ganz im Südwesten. Rebsortenmäßig orientiert sich das junge Land zum einen an Frankreich, vor allem mit der Rebsorte Aligoté (hier blitzt das Burgund wieder auf) oder auch Cabernet Sauvignon. Andererseits werden auch traditionell osteuropäische Sorten wie die rumänische Fetească Neagră (Schwarze Mädchentraube) oder die georgische Rkatsiteli angebaut. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Raritäten und Rhabarber</h2>



<p>Bei einem kürzlichen Weinabend, zu dem&nbsp;<a href="https://www.moldawine.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Moldawine</a>&nbsp;– ein in Deutschland ansässiger Vertrieb moldauischer Premiumweine – eingeladen hatte, wurde ich erneut auf dieses Thema gestoßen. Das Œuvre reichte vom obligatorischen Schaumwein als Büchsenöffner des Abends über Weiß- und Orangeweine bis hin zu wuchtigen Roten.</p>



<p>Interessanterweise standen bei den Weißweinen zwei Neuzüchtungen im Mittelpunkt: Das Weingut <a href="https://www.instagram.com/domeniile_vorniceni/">Domeniile Vorniceni</a> schickte seinen &#8222;Veroica&#8220; aus der gleichnamigen Rebsorte ins Rennen. Mit einem Bukett aus floralen Aromen und Honigmelone wird zunächst viel versprochen – im Abgang aber leider wenig gehalten. Schneller wieder verschwunden ist in diesem Jahr nur der Hamburger Sommer.</p>



<p>Ganz anders der Kandidat vom <a href="https://www.facebook.com/NovakWinery">Weingut Novak</a>, das seinen Wein ebenso nach der Rebsorte benannt hat: &#8222;Floricia&#8220; (eine Neuzüchtung, die unter anderem von unserem Riesling abstammt). In der Nase gleich von null auf hundert mit einem betörenden Rhabarberaroma und etwas Gelbfrucht. Im Mund opulent wie ein fetter Viognier von der Rhône. Das Gelbfruchtige bleibt während des wirklich langen Nachhalls vertraut am Gaumen und wechselt im Finish ins Nussige. Wunderbar! (Findet auch meine Weinbegleitung Hans an diesem Abend.) Und wir halten kurz fest: Das germanische System, also den Wein nach der Rebsorte zu benennen, ist doch noch nicht ganz tot.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-1024x1024.jpeg" alt="Der &quot;Floricica&quot; des moldauischen Weinguts Novak." class="wp-image-1401" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1726-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine Neukreuzung, die man sich merken darf: der &#8222;Floricica&#8220; des moldauischen Weinguts Novak.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Moldaus Dreiklang und die Mädchentraube</h2>



<p>Für Veroica Samson von Moldawine verkörpert die Sorte Floricia gar &#8222;das Weibliche im moldauischen Wein&#8220; per se: &#8222;duftend, klar, strahlend und dabei erstaunlich ausdrucksstark.&#8220; Und überhaupt wird die Latte beim Vergleich mit renommierten Anbaugebieten selbstbewusst hoch angesetzt: &#8222;Wenn ich uns vergleichen müsste, dann mit einem Dreiklang aus Bordeaux, dem Piemont und dem Burgenland&#8220;, bemerkt Samson und fügt hinzu: &#8222;Doch am Ende bleibt Moldau einzigartig – eine alte Weinwelt, die gerade beginnt, sich neu zu erzählen.&#8220;</p>



<p>Den einzigen Rotwein-Flight des Abends entschied der „Larga Valley“ (2018) von Novak im Duell mit dem „Metafora Alta“ (2019) der <a href="https://goguwinery.md/en/main/">Gogu Winery</a> knapp für sich (für meinen Geschmack, versteht sich). Die Cuvée aus Fetească Neagră und Merlot erinnerte mich spontan an Pomerol. Macht sich da der Merlot bemerkbar oder hat die Schwarze Mädchentraube Zauberkräfte? Jedenfalls ist der „Larga Valley“ herrlich ausgewogen, die Tannine sanft einmassiert. In der Nase zeigen sich Kirsche, Gewürze (Nelke) und eine Messerspitze Cassis. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-1024x1024.jpeg" alt="Daria Berndt und Viorica Samson von Moldawine (Copyright: Moldawine)" class="wp-image-1427" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53-1320x1320.jpeg 1320w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/Bild-21.10.25-um-16.53.jpeg 1440w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zwei, die sich mit Moldaus Weinen bestens auskennen: Daria Berndt und Viorica Samson von Moldawine (Copyright: Moldawine e.K.)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Fetească Neagră: Mal noble Diva, mal Discounter-Debakel</h2>



<p>Und dass ich mit dem mutigen Bordeaux-Vergleich nicht ganz danebenliege, unterstreicht Veroica Samson mit ihrem Plädoyer für die Fetească Neagră: &#8222;Sie ist unser moldauischer Cabernet Sauvignon. Wenn man sie einmal richtig versteht, erkennt man, wie viel Potenzial in ihr steckt – Struktur, Würze, dunkle Frucht und eine ganz eigene, fast mystische Weichheit.&#8220; Eine treffende Beschreibung, die sich rückblickend auf bereits verkostete Fetească-Neagră-Weine gut anwenden lässt.</p>



<p>Das bedeutet freilich nicht, dass die ab und an bei Discountern im untersten Regal stehenden lieblichen Ausgaben der „Schwarzen Mädchentraube“ nun reflexartig aufgekauft werden sollten – die 2,99 Euro würde ich dann doch lieber in drei Packungen Schokorosinen investieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-1024x1024.jpeg" alt="Der &quot;Metafora Alta&quot; der Gogu Winery und der &quot;Larga Valley&quot; von Novak." class="wp-image-1402" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/10/IMG_1722-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zum Schluss sieht man traditionell rot: der &#8222;Metafora Alta&#8220; der Gogu Winery und der &#8222;Larga Valley&#8220; von Novak.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Falscher Fluss, echter Genuss</h2>



<p>Bleibt am Ende nur noch zu klären, was das Land Moldau eigentlich mit dem gleichnamigen Fluss zu tun hat – wo dieser doch gar nicht durchs Staatsgebiet fließt. Nun, tatsächlich gibt es einen weiteren Fluss namens Moldau, auf welchen auch der Name zurückzuführen ist. Dieser fließt ärgerlicherweise aber ebenso nicht durch moldauisches Staatsgebiet, sondern ausschließlich durch den Nordosten Rumäniens. Zu Zeiten des Fürstentum Moldaus – wir befinden uns jetzt im 14. Jahrhundert – war das jedoch anders. Aber das wollen wir jetzt an dieser Stelle nicht aus<em>ufern</em> lassen. Wer sich mehr für diesen geschichtlichen Aspekt interessiert, dem empfehle ich diesen wirklich spannenden <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstentum_Moldau">Wikipedia-Artikel</a> (ruhig zwei Tage dazu freinehmen) oder die <a href="https://www.kas.de/de/web/geschichtsbewusst/essay/-/content/moldau-ein-historischer-ueberblick" target="_blank" rel="noreferrer noopener">knackigere Variante</a> auf der Seite der Konrad-Adenauer-Stiftung.</p>



<p>Fest steht für mich jedenfalls: Das nächste Glas moldauischen Weines trinke ich direkt vor Ort oder zumindest in direkter Nachbarschaft am Hamburger Moldau-Hafen (falscher Fluss, ich weiß!).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/weinland-moldau-im-reich-des-schlafenden-riesen/">Weinland Moldau: Im Reich des schlafenden Riesen</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Cabernet Gernischt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 14:22:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sy Sy - Sympathische Synonyme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Osten geht für die Weinindustrie derzeit die Sonne unter. Anfang des Jahres schrieb das österreichische Weinmagazin Falstaff, dass sich der Weinkonsum in China in den letzten fünf Jahren glatt halbiert habe. Dies überrascht einerseits, weil die boomende (und oft kopierende) chinesische Weinindustrie in den vergangenen 20 Jahren mit Bleifuß von der Überholspur grüßte. Andererseits ist die weltweit darbende Luxusindustrie vor allem in ihrem einstigen Prestige-Land stark am Schwächeln. Und Wein ist im Reich der Mitte vielerorts ein Luxusgut. Eine Rebsorte, die einem beim Thema China fast zwangsläufig über den Weg läuft, ist Cabernet Gernischt. Was hat es damit auf sich? Neben den traditionellen und bekannten Bordelaiser Rotweinsorten Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc gibt es mittlerweile eine ganze Fülle an pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen (PiWis) wie Cabernet Cortis, Cabernet Dorsa oder Cabernet Carbon. Die Cabernet Gernischt zählt hier jedoch nicht zu, vielmehr galt sie jahrelang als ureigene chinesische Sorte. Diese Geschichte hatte sich aber spätestens mit der Möglichkeit von DNA-Analysen auserzählt, die offenlegten, dass es sich bei der Rebsorte um Carménère handelt. Carménère stammt ursprünglich ebenfalls aus dem Bordeaux, ist nach der Reblauskatastrophe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch nahezu komplett aus Frankreich verschwunden. In Chile hat Carmenère aber eine neue Heimat gefunden und ist dort sogar zur Leitsorte avanciert. Aus Jiddisch oder Deutsch wurde Kauderwelsch Das Interessante ist und bleibt das merkwürdige Synonym Cabernet Gernischt. Wie es etymologisch dazu kam, erzählen zwei Legenden: Die erste führt in die chinesische Hafenstadt Shanghai, in der es seit jeher jüdische Händler gab, die unter anderem auch Wein vertrieben. Einer dieser Händler ahnte wohl schon, dass es sich bei jenem Wein eben nicht um eine Cabernet-Sorte handelte, und schrieb auf Jiddisch &#8222;gornischt&#8220; (also gar nicht!) hinter das Wort Cabernet. Und nach dem Stille-Post-Prinzip wurde daraus irgendwann &#8222;gernischt&#8220;. Das andere Narrativ der Namensherkunft beruft sich auf die Annahme, dass man die Rebsorte für eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc hielt – genauer: ein österreichischer Weinmacher der Kellerei Yantai Changyu, der diese vermeintliche Kreuzung als Cabernet &#8222;gemischt&#8220; beschrieb. Und aus &#8222;gemischt&#8220; wurde auch hier &#8222;gernischt&#8220;. Welche der beiden Geschichten am Ende der Wahrheit entspricht, ist dabei eigentlich egal – beide sind einfach zu gut, um widerlegt zu werden. Und wer weiß, vielleicht fällt einem nach dem zweiten Glas auch eine ganz eigene ein. Sicher ist dagegen: Zu einem kräftigen Fondue Chinoise greifen Sie mit einem Cabernet Gernischt gornischt daneben. Und auch die traditionelle Pekingente ist in Sachen Weinbegleitung recht flexibel.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/cabernet-gernischt/">Cabernet Gernischt</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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<p>Im Osten geht für die Weinindustrie derzeit die Sonne unter. Anfang des Jahres schrieb das österreichische Weinmagazin <a href="https://www.falstaff.com/de/news/chinas-weinkrise-erkenntnisse-aus-erster-hand-von-lenz-maria-moser" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Falstaff</a>, dass sich der Weinkonsum in China in den letzten fünf Jahren glatt halbiert habe. Dies überrascht einerseits, weil die boomende (und oft kopierende) chinesische Weinindustrie in den vergangenen 20 Jahren mit Bleifuß von der Überholspur grüßte. Andererseits ist die weltweit darbende Luxusindustrie vor allem in ihrem einstigen Prestige-Land stark am Schwächeln. Und Wein ist im Reich der Mitte vielerorts ein Luxusgut.</p>



<p>Eine Rebsorte, die einem beim Thema China fast zwangsläufig über den Weg läuft, ist Cabernet Gernischt. Was hat es damit auf sich? Neben den traditionellen und bekannten Bordelaiser Rotweinsorten Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc gibt es mittlerweile eine ganze Fülle an pilzwiderstandsfähigen Neuzüchtungen (<a href="https://traubengucker.de/regionen/skal-weinbau-in-daenemark/">PiWis</a>) wie Cabernet Cortis, Cabernet Dorsa oder Cabernet Carbon. Die Cabernet Gernischt zählt hier jedoch nicht zu, vielmehr galt sie jahrelang als ureigene chinesische Sorte. Diese Geschichte hatte sich aber spätestens mit der Möglichkeit von DNA-Analysen auserzählt, die offenlegten, dass es sich bei der Rebsorte um Carménère handelt. Carménère stammt ursprünglich ebenfalls aus dem Bordeaux, ist nach der Reblauskatastrophe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch nahezu komplett aus Frankreich verschwunden. In Chile hat Carmenère aber eine neue Heimat gefunden und ist dort sogar zur Leitsorte avanciert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aus Jiddisch oder Deutsch wurde Kauderwelsch</h2>



<p>Das Interessante ist und bleibt das merkwürdige Synonym Cabernet Gernischt. Wie es etymologisch dazu kam, erzählen zwei Legenden: Die erste führt in die chinesische Hafenstadt Shanghai, in der es seit jeher jüdische Händler gab, die unter anderem auch Wein vertrieben. Einer dieser Händler ahnte wohl schon, dass es sich bei jenem Wein eben nicht um eine Cabernet-Sorte handelte, und schrieb auf Jiddisch &#8222;gornischt&#8220; (also gar nicht!) hinter das Wort Cabernet. Und nach dem Stille-Post-Prinzip wurde daraus irgendwann &#8222;gernischt&#8220;.</p>



<p>Das andere Narrativ der Namensherkunft beruft sich auf die Annahme, dass man die Rebsorte für eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc hielt – genauer: ein österreichischer Weinmacher der Kellerei Yantai Changyu, der diese vermeintliche Kreuzung als Cabernet &#8222;gemischt&#8220; beschrieb. Und aus &#8222;gemischt&#8220; wurde auch hier &#8222;gernischt&#8220;.<br><br>Welche der beiden Geschichten am Ende der Wahrheit entspricht, ist dabei eigentlich egal – beide sind einfach zu gut, um widerlegt zu werden. Und wer weiß, vielleicht fällt einem nach dem zweiten Glas auch eine ganz eigene ein. Sicher ist dagegen: Zu einem kräftigen Fondue Chinoise greifen Sie mit einem Cabernet Gernischt <em>gornischt</em> daneben. Und auch die traditionelle Pekingente ist in Sachen Weinbegleitung recht flexibel.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/cabernet-gernischt/">Cabernet Gernischt</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Mittelburgenland: Blaufränkisch als Lebenskonzept</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Sep 2025 12:56:38 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Blaufränkisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Blickt man von Norddeutschland aus hinunter ins Weinbauland Österreich, bleibt das Auge oft im Weinviertel hängen: ein Schlaraffenland, in dem die Donau nicht aus Wasser, sondern Grünem Veltliner zu bestehen scheint. Hie und da, zwischen Wiesen aus Wachauer Marillenknödeln, fließt vielleicht noch ein Bächlein mit Riesling oder Pinot durch die Landschaft. Dabei lohnt es sich durchaus, über die Bundeshauptstadt Wien und die hiesigen Gemischten Sätze hinweg bis ins Burgenland an die ungarische Grenze zu gucken. Denn diese Ecke des Landes ist – um mich eines Hamburger Idioms zu bemühen – ein ganz anderer Schnack. Durch das pannonische Klima sind die Sommer hier deutlich heißer als im Rest der Republik. Insofern geben im äußersten Südosten die roten Sorten Blaufränkisch und Zweigelt den Ton an, während der Grüne Veltliner im Rebsortenspiegel mit einem Anteil von unter zehn Prozent nur auf Platz drei kommt (in Niederösterreich stellt er dagegen jede zweite Rebe). Rund um den Neusiedler See kommen Süßwein-Fans natürlich auch auf ihre Kosten: Neblig-kühle Morgen sind ideale Edelfäule-Bedingungen – ein Pilz (Botrytis), den sich die Winzer auf der ungarischen Seite unter anderem für ihren Tokaji Aszú zunutze machen. Hier regiert Blaufränkisch – die &#8222;Queen of Rosé&#8220; macht den Hofstaat komplett Alles andere als edelfaul springe ich jedenfalls am Wiener Hauptbahnhof in den Zug Richtung Mittelburgenland. Das Mittelburgenland ist eine von sechs DACs (Districtus Austria Controllatus, die Herkunftsbezeichnung für Qualitätswein) im Burgenland. Und überraschenderweise sind alle sechs Appellationen doch recht unterschiedlich: Während beispielsweise in Rosalia versucht wird, den Winzern in der Provence in Sachen Rosé Konkurrenz zu machen, steht Ruster Ausbruch für Süßweine und Leithaberg wiederum für Weißweine aus Chardonnay oder Grünem Veltliner. Das Mittelburgenland jedenfalls trägt den Spitznamen „Blaufränkischland“ – und spätestens jetzt weiß man auch, was einen für gewöhnlich hier erwartet: kräftige, rote Weine aus ebendieser Sorte. Ich schreibe für gewöhnlich, denn ich habe mich hier mit Pia Strehn verabredet, die zwar für Blaufränkisch-Weine steht, vor allem aber mit ihren Rosés für Furore sorgt, was ihr nicht zu Unrecht den Beinamen „Queen of Rosé“ eingebracht hat. Und, offen gestanden, stimmt mich die Aussicht auf gekühlten Rosé auch milde, als ich den Bahnsteig in Deutschkreutz an diesem Augusttag bei 35 Grad im Schatten betrete (den Zusatz kann man sich hier übrigens sparen, hier ist kein Schatten, nirgendwo). Erinnerungen an ein Amarone-Tasting im Valpolicella-Gebiet vor acht Jahren werden wach, wo ich bei ähnlichen Temperaturen meine erste E-Bike-Erfahrung gemacht habe … nicht zu empfehlen.Sehr zu empfehlen ist dagegen, sich in ländlichen Gegenden vor Reiseantritt mit der Route zu beschäftigen. Die Netzabdeckung ist manchmal eine Lotterie, aber ein gut aufgelegter Schutzmann weist mir sicher den Weg durch das gleißende Licht zum Weingut Strehn, das am Ende der Ortsstraße einen deutlich mondänen Ton ins beschauliche Deutschkreutz bringt. Von rosa Elefanten und der Magie des Mittelburgenlandes Verschiedene Weine Pia Strehns wurden bereits mehrfach als „Bester Rosé Österreichs“ ausgezeichnet, unter anderem von Falstaff oder Meininger. Und auch ich finde, dass ihr Premium-Rosé „Der Elefant im Porzellanladen“ mit zu dem Besten gehört, was ich an rosafarbenen Weinen bislang probieren durfte. Sechs Monate reift dieser aus 100 Prozent Blaufränkisch bestehende Wein im Holzfass und bringt nicht nur ordentlich Grip an den Gaumen, sondern auch ein feines Vanille-Aroma in die Nase. Schon das leuchtende Orange im Glas zeigt an, dass uns hier kein gewöhnlicher Rosé erwartet, sondern wir eine ernst zu nehmende Richtung einschlagen. Am Tisch mit Pia Strehn erwähne ich jedenfalls, dass mich die Farbe spontan an einen echten Rosé-Klassiker erinnert: den Cru Classé Rosé von Clos Cibonne aus der Rebsorte Tibouren. Prompt fällt mir die Winzerin ins Wort und berichtet von ihrem Erweckungserlebnis als junge Frau in der Provence,&#160;als sie genau diesen Wein dort erstmals erleben durfte – und fortan die Vision hatte, aus dem elterlichen, Blaufränkisch-treuen Winzerbetrieb einen ähnlichen Zauber zu erzeugen. Hat geklappt. Apropos Zauber und damit zurück zur Region, frage ich Pia Strehn, was genau die DAC Mittelburgenland hier ausmache. „Das Mittelburgenland liegt einfach magisch“, erklärt sie mir: „Im Norden, Süden und Westen sind wir durch drei Hügelketten geschützt, die kalte Winde und Unwetter abhalten. Und vom Osten her fließt die warme Luft vom Neusiedler See ein.“ Hinzu kämen sehr unterschiedliche Böden wie Sand, Lehm, Schotter, aber auch Kalk, die viele Möglichkeiten zum Ausprobieren böten. Blaufränkisch: Schönling mit Substanz Nun ist „Der Elefant im Porzellanladen“ mit gut 30 Euro kein Dienstagabend-Wein, dafür aber ein Tropfen, mit dem man essenstechnisch auch schwerere Geschütze aus rotem Fleisch, etwa ein Steak oder gar Wild, flankieren kann. Die Einstiegsvariante „Blaufränkisch Rosé“ (kein Holzausbau) aus ebenso 100 Prozent Blaufränkisch gibt es schon für einen Zehner zu haben und bietet einen guten Einstieg in die Rebsorte der Region mit einem Fruchtspektrum von Erdbeere bis Blutorange. Bleiben wir aber noch kurz beim Blaufränkisch, der hier in der Region, aber auch im Weingut Strehn, eine so gewichtige Rolle spielt. Warum ist Blaufränkisch hier einfach die ideale Sorte? „Weil Blaufränkisch jeden Beauty-Contest im Weingarten gewinnt“, antwortet die Winzerin und führt aus: „Er ist immer der Schönste, wächst komplett gerade und hat dunkle, große Blätter, die die Trauben vor der Sonne schützen.“ Und das erfahre ich an diesem August-Tag ja am eigenen Leib: Sind die Sommer im Burgenland schon jetzt knallheiß und sonnenintensiv, wird der Klimawandel künftig noch weiter an der Kurbel drehen. Zudem sei der Blaufränkisch als mittel- und spätreifende Traube nicht so krankheitsanfällig, also insgesamt pflegeleicht. Und im Ergebnis bringt er Körper ins Glas, Druck an den Gaumen, gleichzeitig aber – und das betont Pia Strehn wiederholt – besäße er „keine plakative Frucht“.  Insofern verbindet diese Würze das südliche Burgenland dann doch auf eine schöne Weise mit dem Norden, wo der Grüne Veltliner im Weinviertel das typische „Pfefferl“ in die Nase zaubert. Magie oder Maggi? Purple Rain im Glas Etwas weiter zurück in Richtung Ortskern liegt das Weingut Ernst. Seit 2005 hat sich Bernhard Ernst hier ernsthaften Weinen verschrieben, wie er auf seiner Homepage betont. Und natürlich findet sich hier auf den 12 Hektar auch der Blaufränkisch wieder. &#8222;Die Blaufränkisch-Traube kann – angefangen von Rosé über klassische Ortsweine bis hin zu vollkommenen Premium-Weinen – alles abdecken&#8220;, gerät der Winzer ins Schwärmen und setzt sein Loblied fort: &#8222;Es ist für mich eindeutig die beste Rotweinsorte, um das Terroir perfekt zu transportieren.&#8220; Die DAC Mittelburgenland stehe für ihn generell für &#8222;qualitativ sehr hochwertigen Wein in allen Segmenten.&#8220; Ein Paradebeispiel dafür ist sicherlich sein „Blaufränkisch Alte Reben“. Für rund 15 Euro bekommt man eine Menge geboten: Zunächst färbt ein fast undurchdringliches Purpur mein Glas dunkel. Und dann ist es auch sofort präsent, das typische Blaufränkisch-Aroma: Veilchen, Brombeere, etwas Cassis. Am Gaumen dann die bleibenden Erinnerungen an den Ausbau im Eichenfass, vielleicht auch ein Hauch Vanille. Womöglich hätte ich den 2023er Jahrgang auch noch das eine oder andere Jahr im Keller lagern können, kommt er zugleich doch auch noch etwas ungestüm daher. Zu einem Hüftsteak vom Rind aber die absolut richtige Begleitung. Blaufränkisch und Karl der Große: Eine historische Rebsortenreise In Deutschland ist Blaufränkisch übrigens unter dem Namen Lemberger bekannt. Der Begriff geht zurück auf die slowenische Stadt Lemberg in der Untersteiermark, aus der Ende des 19. Jahrhunderts rauhe Mengen an Wein dieser Sorte nach Deutschland exportiert wurden. Nach aktuellem Stand der Forschung stammt der Blaufränkisch wohl aber aus der Thermenregion, südlich von Wien. Ins Burgenland kam die Rebe aber schon gute neun bis zehn Jahrhunderte zuvor. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Karl der Große. Der Herrscher war großer Bewunderer des Weines im Allgemeinen. Dabei trank er, anders als beispielsweise Ludwig XIV., stets maßvoll und verabscheute Trunkenheit. Jedenfalls geht auf Karl den Großen eine grundsätzliche Trennung von Rebsorten zurück: die Minderwertigen, meist aus dem Osten stammend, wurden als „heunisch“/„hunnisch“, die (aus seiner Sicht) qualitativ hochwertigen als „fränkisch“ bezeichnet. Aus dieser Kategorisierung dürfte der Blaufränkisch hervorgegangen sein. Sopron statt Sopran – ein Lobgesang auf die pannonische Perle Und weil wir gerade so schön mit den Bezeichnungen jonglieren und auch langsam zum Ende kommen wollen, erzähle ich nun noch, dass man auf der Rückfahrt aus dem Mittelburgenland nach Wien ganz hervorragend im wirklich anmutigen Sopron (deutsch: Ödenburg) aussteigen kann. Das gleichnamige Weinanbaugebiet Ungarns streckt sich wie eine Zunge ins Burgenland hinein. Auch hier ist die Leitsorte Blaufränkisch, die diesseitig aber auf den Namen Kekfrankos hört. Renommierte Weingüter sind Pfneiszl Birtok oder Bónis-Reitter. Überflüssig zu erwähnen, dass das Preisniveau aus Geldbörsen-Sicht hier zu spontanen Lustkäufen anregt (zum Beispiel eine Flasche Tokajer bei Spar, her damit!). Zurück am Wiener Hauptbahnhof zeige ich mich dankbar für die klimatisierte Haupthalle und begebe mich direkt auf die Suche nach einer Magnumflasche Cola Zero – selbst als hitzeerprobter Jogger steckt mir der Glutofen der vergangenen Stunden noch etwas in den Knochen. Auch eine Erfahrung. Aber der Herbst kommt schneller, als man denkt, und das Ende der Sommerzeit ist ja quasi synonym mit dem Beginn der Rotweinzeit. Und spätestens dann werde ich mir, bevor ich abends mit Wärmflasche und Wollsocken vor dem Fernseher darbe, den mittelburgenländischen Sommer mit einem Glas Blaufränkisch zurückholen. Zum Woi!</p>
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<p>Blickt man von Norddeutschland aus hinunter ins Weinbauland Österreich, bleibt das Auge oft im Weinviertel hängen: ein Schlaraffenland, in dem die Donau nicht aus Wasser, sondern Grünem Veltliner zu bestehen scheint. Hie und da, zwischen Wiesen aus Wachauer Marillenknödeln, fließt vielleicht noch ein Bächlein mit Riesling oder Pinot durch die Landschaft.</p>



<p>Dabei lohnt es sich durchaus, über die Bundeshauptstadt Wien und die hiesigen Gemischten Sätze hinweg bis ins Burgenland an die ungarische Grenze zu gucken. Denn diese Ecke des Landes ist – um mich eines Hamburger Idioms zu bemühen – ein <em>ganz anderer Schnack</em>. Durch das pannonische Klima sind die Sommer hier deutlich heißer als im Rest der Republik. Insofern geben im äußersten Südosten die roten Sorten Blaufränkisch und Zweigelt den Ton an, während der Grüne Veltliner im Rebsortenspiegel mit einem Anteil von unter zehn Prozent nur auf Platz drei kommt (in Niederösterreich stellt er dagegen jede zweite Rebe). Rund um den Neusiedler See kommen Süßwein-Fans natürlich auch auf ihre Kosten: Neblig-kühle Morgen sind ideale Edelfäule-Bedingungen – ein Pilz (Botrytis), den sich die Winzer auf der ungarischen Seite unter anderem für ihren Tokaji Aszú zunutze machen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1024x1024.jpeg" alt="Blaufränkischreben in der DAC Mittelburgenland" class="wp-image-1268" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tapfer trotzen diese Blaufränkisch-Reben der unerbittlichen Sonne.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Hier regiert Blaufränkisch – die &#8222;Queen of Rosé&#8220; macht den Hofstaat komplett</h2>



<p>Alles andere als <em>edelfaul</em> springe ich jedenfalls am Wiener Hauptbahnhof in den Zug Richtung Mittelburgenland. Das Mittelburgenland ist eine von sechs DACs (Districtus Austria Controllatus, die Herkunftsbezeichnung für Qualitätswein) im Burgenland. Und überraschenderweise sind alle sechs Appellationen doch recht unterschiedlich: Während beispielsweise in Rosalia versucht wird, den Winzern in der Provence in Sachen Rosé Konkurrenz zu machen, steht Ruster Ausbruch für Süßweine und Leithaberg wiederum für Weißweine aus Chardonnay oder Grünem Veltliner. Das Mittelburgenland jedenfalls trägt den Spitznamen „Blaufränkischland“ – und spätestens jetzt weiß man auch, was einen für gewöhnlich hier erwartet: kräftige, rote Weine aus ebendieser Sorte. Ich schreibe <em>für gewöhnlich</em>, denn ich habe mich hier mit Pia Strehn verabredet, die zwar für Blaufränkisch-Weine steht, vor allem aber mit ihren Rosés für Furore sorgt, was ihr nicht zu Unrecht den Beinamen „Queen of Rosé“ eingebracht hat.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1024x1024.jpeg" alt="Das Ortsschild von Deutschkreutz" class="wp-image-1267" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Deutschkreutz: Drehkreuz für Blaufränkisch</figcaption></figure>



<p>Und, offen gestanden, stimmt mich die Aussicht auf gekühlten Rosé auch milde, als ich den Bahnsteig in Deutschkreutz an diesem Augusttag bei 35 Grad im Schatten betrete (den Zusatz kann man sich hier übrigens sparen, hier ist kein Schatten, nirgendwo). Erinnerungen an ein Amarone-Tasting im Valpolicella-Gebiet vor acht Jahren werden wach, wo ich bei ähnlichen Temperaturen meine erste E-Bike-Erfahrung gemacht habe … nicht zu empfehlen.<br>Sehr zu empfehlen ist dagegen, sich in ländlichen Gegenden <em>vor</em> Reiseantritt mit der Route zu beschäftigen. Die Netzabdeckung ist manchmal eine Lotterie, aber ein gut aufgelegter Schutzmann weist mir sicher den Weg durch das gleißende Licht zum Weingut Strehn, das am Ende der Ortsstraße einen deutlich mondänen Ton ins beschauliche Deutschkreutz bringt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1024x1024.jpeg" alt="Traubengucker-Redakteur Pascal Strehler und Winzerin Pia Strehn" class="wp-image-1266" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Elefant im Raum (unten, mittig) mit Pia Strehn und mir.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Von rosa Elefanten und der Magie des Mittelburgenlandes</h2>



<p>Verschiedene Weine <a href="https://www.strehn.at">Pia Strehns</a> wurden bereits mehrfach als „Bester Rosé Österreichs“ ausgezeichnet, unter anderem von <a href="https://www.falstaff.com/de">Fa</a><a href="https://www.falstaff.com/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">l</a><a href="https://www.falstaff.com/de">staff</a> oder <a href="https://www.meininger.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Meininger</a>. Und auch ich finde, dass ihr Premium-Rosé „Der Elefant im Porzellanladen“ mit zu dem Besten gehört, was ich an rosafarbenen Weinen bislang probieren durfte. Sechs Monate reift dieser aus 100 Prozent Blaufränkisch bestehende Wein im Holzfass und bringt nicht nur ordentlich Grip an den Gaumen, sondern auch ein feines Vanille-Aroma in die Nase. Schon das leuchtende Orange im Glas zeigt an, dass uns hier kein gewöhnlicher Rosé erwartet, sondern wir eine ernst zu nehmende Richtung einschlagen. Am Tisch mit Pia Strehn erwähne ich jedenfalls, dass mich die Farbe spontan an einen echten Rosé-Klassiker erinnert: den Cru Classé Rosé von <a href="https://www.clos-cibonne.com/gb/accueil.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Clos Cibonne</a> aus der Rebsorte Tibouren. Prompt fällt mir die Winzerin ins Wort und berichtet von ihrem Erweckungserlebnis als junge Frau in der Provence,&nbsp;als sie genau diesen Wein dort erstmals erleben durfte – und fortan die Vision hatte, aus dem elterlichen, Blaufränkisch-treuen Winzerbetrieb einen ähnlichen Zauber zu erzeugen. Hat geklappt.</p>



<p>Apropos Zauber und damit zurück zur Region, frage ich Pia Strehn, was genau die DAC Mittelburgenland hier ausmache. „Das Mittelburgenland liegt einfach magisch“, erklärt sie mir: „Im Norden, Süden und Westen sind wir durch drei Hügelketten geschützt, die kalte Winde und Unwetter abhalten. Und vom Osten her fließt die warme Luft vom Neusiedler See ein.“ Hinzu kämen sehr unterschiedliche Böden wie Sand, Lehm, Schotter, aber auch Kalk, die viele Möglichkeiten zum Ausprobieren böten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1024x1024.jpeg" alt="Ein Schild mit dem Aufdruck &quot;Blaufränkisch im Blut und die Sonne im Herzen&quot;" class="wp-image-1265" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blaufränkisch als Lebenskonzept – im Mittelburgenland geht nichts ohne die Rebe. Auch der örtliche Fußballverein hat den Zusatz <a href="https://vereine.oefb.at/FcDeutschkreutz/Strategie-des-FC-Blaufraenkisch-Deutschkreutz-2025.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FC <em>Blaufränkisch</em> Deutschkreutz</a> mit in seinen Namen aufgenommen – Trauben zieren das Wappen seit ehedem.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Blaufränkisch: Schönling mit Substanz</h2>



<p>Nun ist „Der Elefant im Porzellanladen“ mit gut 30 Euro kein Dienstagabend-Wein, dafür aber ein Tropfen, mit dem man essenstechnisch auch schwerere Geschütze aus rotem Fleisch, etwa ein Steak oder gar Wild, flankieren kann. Die Einstiegsvariante „Blaufränkisch Rosé“ (kein Holzausbau) aus ebenso 100 Prozent Blaufränkisch gibt es schon für einen Zehner zu haben und bietet einen guten Einstieg in die Rebsorte der Region mit einem Fruchtspektrum von Erdbeere bis Blutorange.</p>



<p>Bleiben wir aber noch kurz beim Blaufränkisch, der hier in der Region, aber auch im Weingut Strehn, eine so gewichtige Rolle spielt. Warum ist Blaufränkisch hier einfach die ideale Sorte? „Weil Blaufränkisch jeden Beauty-Contest im Weingarten gewinnt“, antwortet die Winzerin und führt aus: „Er ist immer der Schönste, wächst komplett gerade und hat dunkle, große Blätter, die die Trauben vor der Sonne schützen.“<br><br>Und das erfahre ich an diesem August-Tag ja am eigenen Leib: Sind die Sommer im Burgenland schon jetzt knallheiß und sonnenintensiv, wird der Klimawandel künftig noch weiter an der Kurbel drehen. Zudem sei der Blaufränkisch als mittel- und spätreifende Traube nicht so krankheitsanfällig, also insgesamt pflegeleicht. Und im Ergebnis bringt er Körper ins Glas, Druck an den Gaumen, gleichzeitig aber – und das betont Pia Strehn wiederholt – besäße er „keine plakative Frucht“.  Insofern verbindet diese Würze das südliche Burgenland dann doch auf eine schöne Weise mit dem Norden, wo der Grüne Veltliner im Weinviertel das typische „Pfefferl“ in die Nase zaubert. Magie oder Maggi?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1024x1024.jpeg" alt="Das Rathaus von Deutschkreutz" class="wp-image-1269" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Touristen aus Gelsenkirchen dürften beim Anblick des Deutschkreutzer Rathauses Heimatgefühle bekommen.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Purple Rain im Glas</h2>



<p>Etwas weiter zurück in Richtung Ortskern liegt das <a href="https://www.weinguternst.at">Weingut Ernst</a>. Seit 2005 hat sich Bernhard Ernst hier <em>ernst</em>haften Weinen verschrieben, wie er auf seiner Homepage betont. Und natürlich findet sich hier auf den 12 Hektar auch der Blaufränkisch wieder. &#8222;Die Blaufränkisch-Traube kann – angefangen von Rosé über klassische Ortsweine bis hin zu vollkommenen Premium-Weinen – alles abdecken&#8220;, gerät der Winzer ins Schwärmen und setzt sein Loblied fort: &#8222;Es ist für mich eindeutig die beste Rotweinsorte, um das Terroir perfekt zu transportieren.&#8220; Die DAC Mittelburgenland stehe für ihn generell für &#8222;qualitativ sehr hochwertigen Wein in allen Segmenten.&#8220;<br><br>Ein Paradebeispiel dafür ist sicherlich sein „Blaufränkisch Alte Reben“. Für rund 15 Euro bekommt man eine Menge geboten: Zunächst färbt ein fast undurchdringliches Purpur mein Glas dunkel. Und dann ist es auch sofort präsent, das typische Blaufränkisch-Aroma: Veilchen, Brombeere, etwas Cassis. Am Gaumen dann die bleibenden Erinnerungen an den Ausbau im Eichenfass, vielleicht auch ein Hauch Vanille. Womöglich hätte ich den 2023er Jahrgang auch noch das eine oder andere Jahr im Keller lagern können, kommt er zugleich doch auch noch etwas ungestüm daher. Zu einem Hüftsteak vom Rind aber die absolut richtige Begleitung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1024x1024.jpeg" alt="Eine Flasche &quot;Blaufränkisch Alte Reben&quot; vom Weingut Ernst aus Deutschkreutz steht auf einem Küchentisch." class="wp-image-1263" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jetzt wird’s Ernst: der Blaufränkisch Alte Reben aus Deutschkreutzer Lagen.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Blaufränkisch und Karl der Große: Eine historische Rebsortenreise</h2>



<p>In Deutschland ist Blaufränkisch übrigens unter dem Namen Lemberger bekannt. Der Begriff geht zurück auf die slowenische Stadt Lemberg in der Untersteiermark, aus der Ende des 19. Jahrhunderts rauhe Mengen an Wein dieser Sorte nach Deutschland exportiert wurden. Nach aktuellem Stand der Forschung stammt der Blaufränkisch wohl aber aus der <a href="https://traubengucker.de/regionen/einfach-mal-runterkommen-weine-aus-der-thermenregion/">Thermenregion</a>, südlich von Wien.<br><br>Ins Burgenland kam die Rebe aber schon gute neun bis zehn Jahrhunderte zuvor. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Karl der Große. Der Herrscher war großer Bewunderer des Weines im Allgemeinen. Dabei trank er, anders als beispielsweise Ludwig XIV., stets maßvoll und verabscheute Trunkenheit. Jedenfalls geht auf Karl den Großen eine grundsätzliche Trennung von Rebsorten zurück: die Minderwertigen, meist aus dem Osten stammend, wurden als „heunisch“/„hunnisch“, die (aus seiner Sicht) qualitativ hochwertigen als „fränkisch“ bezeichnet. Aus dieser Kategorisierung dürfte der Blaufränkisch hervorgegangen sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sopron statt Sopran – ein Lobgesang auf die pannonische Perle</h2>



<p>Und weil wir gerade so schön mit den Bezeichnungen jonglieren und auch langsam zum Ende kommen wollen, erzähle ich nun noch, dass man auf der Rückfahrt aus dem Mittelburgenland nach Wien ganz hervorragend im wirklich anmutigen Sopron (deutsch: Ödenburg) aussteigen kann. Das gleichnamige Weinanbaugebiet Ungarns streckt sich wie eine Zunge ins Burgenland hinein. Auch hier ist die Leitsorte Blaufränkisch, die diesseitig aber auf den Namen Kekfrankos hört. Renommierte Weingüter sind <a href="https://pfneiszl.hu" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pfneiszl Birtok</a> oder <a href="https://bonis-reitter.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bónis-Reitter</a>. Überflüssig zu erwähnen, dass das Preisniveau aus Geldbörsen-Sicht hier zu spontanen Lustkäufen anregt (zum Beispiel eine Flasche Tokajer bei Spar, her damit!).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1024x1024.jpeg" alt="Altstadt von Sopron" class="wp-image-1264" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pizza, Cola und ein Glas Kekfrankos, inklusive Trinkgeld, für 16 Euro. Ich komme wieder.</figcaption></figure>



<p>Zurück am Wiener Hauptbahnhof zeige ich mich dankbar für die klimatisierte Haupthalle und begebe mich direkt auf die Suche nach einer Magnumflasche Cola Zero – selbst als hitzeerprobter Jogger steckt mir der Glutofen der vergangenen Stunden noch etwas in den Knochen. Auch eine Erfahrung. </p>



<p>Aber der Herbst kommt schneller, als man denkt, und das Ende der Sommerzeit ist ja quasi synonym mit dem Beginn der Rotweinzeit. Und spätestens dann werde ich mir, bevor ich abends mit Wärmflasche und Wollsocken vor dem Fernseher darbe, den mittelburgenländischen Sommer mit einem Glas Blaufränkisch zurückholen. Zum Woi!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen-2/mittelburgenland-blaufraenkisch-als-lebenskonzept/">Mittelburgenland: Blaufränkisch als Lebenskonzept</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Agiorgitiko – mehr als eine Herkulesaufgabe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Aug 2025 13:05:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rubrik]]></category>
		<category><![CDATA[Wat, wer bist Du denn?! Seltene Rebsorten]]></category>
		<category><![CDATA[Agiorgitiko]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Athen gilt als Wiege der Demokratie, Vorderasien als Wiege des Weins. Dass die Helenen in der Antike in Sachen Wein aber ein gehöriges Wort mitzureden hatten, ist unbestritten. Ihr Gestaltungseifer hallt gewissermaßen bis heute nach: So drückt die EU bei griechischem Retsina-Wein ein dickes Auge zu – hier und nur hier ist es ausdrücklich erlaubt, dem Wein einen fremden Zusatzstoff, in diesem Fall Kiefernharz, hinzuzufügen. Das Ganze ist natürlich historisch gewachsen: Die alten Griechen hatten ihre Amphoren, in denen der Wein produziert und gelagert wurde, mit Harz abgedichtet. Bis heute ist dieser leicht ätherische Geschmack als Stilmittel erhalten geblieben. Harz, aber fair. Beim Zeus! Warum erzähle ich das? Heute geht es um eine der ältesten Rebsorten überhaupt, die man erst nach dem dritten Glas flüssig aussprechen kann: Agiorgitiko (A-ji-or-ji-ti-ko!). Die hierzulande noch recht unbekannte Sorte wird in Griechenland auf gut 3.000 Hektar angebaut, also in etwa so viel wie Chardonnay heutzutage in Deutschland – das ist durchaus eine Hausnummer. Eine blutige Angelegenheit Ursprünglich – und hier kommt der entscheidende Hinweis, dass es sich um eine Rotweinsorte handelt – wurde die Sorte auch „Blut des Herkules“ genannt. Der Legende nach kämpfte Herkules gegen den Löwen von Nemea.&#160; Natürlich ging der Halbgott aus diesem Battle als Sieger hervor. Ob Unachtsamkeit oder Arroganz: In jedem Fall gelang dem Löwen auch ein Treffer. Er verletzte den griechischen Helden mit seiner Pranke und dessen Blut benetzte ein paar nahe stehende Trauben. Sie färbten sich tiefrot. Am Ende zog Herkules dem Löwen gar das Fell ab und zog damit von dannen. Wäre es hingegen sein Vater Zeus gewesen, der gegen den Löwen kämpfte, hätte dieser – quasi als erste Amtshandlung – zunächst eine Löwin aus ihm gemacht und mit ihr zahlreiche Kinder gezeugt.&#160;Und mit den Kindern dann dasselbe, aber ich schweife ab … Eine Sandale beziehungsweise ein Schuh wird draus, wenn man bedenkt, dass der Ort des Geschehens, nämlich Nemea, heute eine der prestigeträchtigsten Weinregionen Griechenlands ist. Und dreimal darf geraten werden, für welche eine Sorte sie bekannt ist. Und wie schmeckt Agiorgitiko jetzt? In jedem Fall stürzen wir uns heldenhaft in den Praxistest. Im Gegensatz zum deutschen Schlager mangelt es vielen noch so gut sortierten Weinhändlern an griechischem Wein. Für einen ersten Eindruck muss also eine Flasche reichen, in diesem Fall ist es der Nemea von Zacharias aus dem Jahr 2022. Zunächst fällt auf, dass Herkules&#8216; Blut doch etwas dünner erscheint als angenommen – litt der Halbgott am Ende etwa unter Anämie? In der Nase: dunkle Früchte, etwas Rauch, Veilchen und ein deutlich vernehmbarer Holzeinsatz. Für einen Alkoholgehalt von 14,5 Prozent erscheint dieser Nemea aber erstaunlich beweglich, definitiv eher ein mittelschweres Körpergewicht. Und für sein Alter von drei Jahren arbeitet sich mein Gaumen noch vehement an Säure und Tanninen ab, was allerdings eher untypisch für die Rebsorte ist. Wer seinen Rotwein-Horizont also erweitern möchte, der sollte hier unbedingt mal zugreifen. Eine blutige Alternative bieten die Ungarn mit ihrem Eger Stierblut. Und wer gar kein Blut sehen mag, bleibt einfach am linken oder rechten Bordeaux-Ufer. Yamas!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Athen gilt als Wiege der Demokratie, Vorderasien als Wiege des Weins. Dass die Helenen in der Antike in Sachen Wein aber ein gehöriges Wort mitzureden hatten, ist unbestritten. Ihr Gestaltungseifer hallt gewissermaßen bis heute nach: So drückt die EU bei griechischem Retsina-Wein ein dickes Auge zu – hier und nur hier ist es ausdrücklich erlaubt, dem Wein einen fremden Zusatzstoff, in diesem Fall Kiefernharz, hinzuzufügen. Das Ganze ist natürlich historisch gewachsen: Die alten Griechen hatten ihre Amphoren, in denen der Wein produziert und gelagert wurde, mit Harz abgedichtet. Bis heute ist dieser leicht ätherische Geschmack als Stilmittel erhalten geblieben. Harz, aber fair.</p>



<p>Beim Zeus! Warum erzähle ich das? Heute geht es um eine der ältesten Rebsorten überhaupt, die man erst nach dem dritten Glas flüssig aussprechen kann: Agiorgitiko <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iYAqnozxx5Y" target="_blank" rel="noreferrer noopener">(A-ji-or-ji-ti-ko!)</a>.</p>



<p>Die hierzulande noch recht unbekannte Sorte wird in Griechenland auf gut 3.000 Hektar angebaut, also in etwa so viel wie <a href="https://traubengucker.de/regionen/belgischer-wein-muss-das-sein/">Chardonnay</a> heutzutage in Deutschland – das ist durchaus eine Hausnummer.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-1024x1024.jpeg" alt="Eine Banderole auf den Korken, aber unter der Kapsel." class="wp-image-1249" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1558-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">In der Tat Ouzus: Die zwischen Kapsel und Korken angebrachte Banderole mit dem Hekunftsnachweis.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Eine blutige Angelegenheit</h2>



<p>Ursprünglich – und hier kommt der entscheidende Hinweis, dass es sich um eine Rotweinsorte handelt – wurde die Sorte auch „Blut des Herkules“ genannt. Der Legende nach kämpfte Herkules gegen den Löwen von Nemea.&nbsp; Natürlich ging der Halbgott aus diesem Battle als Sieger hervor. Ob Unachtsamkeit oder Arroganz: In jedem Fall gelang dem Löwen auch ein Treffer. Er verletzte den griechischen Helden mit seiner Pranke und dessen Blut benetzte ein paar nahe stehende Trauben. Sie färbten sich tiefrot.</p>



<p>Am Ende zog Herkules dem Löwen gar das Fell ab und zog damit von dannen. Wäre es hingegen sein Vater Zeus gewesen, der gegen den Löwen kämpfte, hätte dieser – quasi als erste Amtshandlung – zunächst eine Löwin aus ihm gemacht und mit ihr zahlreiche Kinder gezeugt.&nbsp;Und mit den Kindern dann dasselbe, aber ich schweife ab …</p>



<p>Eine Sandale beziehungsweise ein Schuh wird draus, wenn man bedenkt, dass der Ort des Geschehens, nämlich Nemea, heute eine der prestigeträchtigsten Weinregionen Griechenlands ist. Und dreimal darf geraten werden, für welche eine Sorte sie bekannt ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Und wie schmeckt Agiorgitiko jetzt?</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-1024x1024.jpeg" alt="Eine Flasche Nemea vom Weingut Zacharias auf einem Tisch neben einem gefüllten Glas." class="wp-image-1248" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1567-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Nemea (frei übersetzt: nimm mehr!) vom Weingut Zacharias</figcaption></figure>



<p>In jedem Fall stürzen wir uns heldenhaft in den Praxistest. Im Gegensatz zum deutschen Schlager mangelt es vielen noch so gut sortierten Weinhändlern an griechischem Wein. Für einen ersten Eindruck muss also eine Flasche reichen, in diesem Fall ist es der Nemea von <a href="https://zacharias.gr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zacharias</a> aus dem Jahr 2022. </p>



<p>Zunächst fällt auf, dass Herkules&#8216; Blut doch etwas dünner erscheint als angenommen – litt der Halbgott am Ende etwa unter Anämie?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-1024x1024.jpeg" alt="Ein Glas Agiorgitiko aus der Vogelperspektive." class="wp-image-1247" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/08/IMG_1568-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Agiorgitiko aus der Vogelperspektive, Gattung Schluckspecht.</figcaption></figure>



<p>In der Nase: dunkle Früchte, etwas Rauch, Veilchen und ein deutlich vernehmbarer Holzeinsatz. Für einen Alkoholgehalt von 14,5 Prozent erscheint dieser Nemea aber erstaunlich beweglich, definitiv eher ein mittelschweres Körpergewicht. Und für sein Alter von drei Jahren arbeitet sich mein Gaumen noch vehement an Säure und Tanninen ab, was allerdings eher untypisch für die Rebsorte ist.</p>



<p>Wer seinen Rotwein-Horizont also erweitern möchte, der sollte hier unbedingt mal zugreifen. Eine blutige Alternative bieten die Ungarn mit ihrem <a href="https://traubengucker.de/regionen/stierblut-saufen-bis-die-bullen-kommen/">Eger Stierblut</a>. Und wer gar kein Blut sehen mag, bleibt einfach am linken oder rechten Bordeaux-Ufer.</p>



<p>Yamas!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/rubrik/wat-wer-bist-du-denn-seltene-rebsorten/agiorgitiko-mehr-als-eine-herkulesaufgabe/">Agiorgitiko – mehr als eine Herkulesaufgabe</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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