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	<title>Regionen Archive - Traubengucker</title>
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	<title>Regionen Archive - Traubengucker</title>
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		<title>Silvaner-Schisma vom Sonnenberg: Blauer und Roter Silvaner aus Franken</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 09:27:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Einmal mehr war ich im wunderbaren Weinland Franken unterwegs. So wenig man an der Ahr am Spätburgunder vorbeikommt, ist es hier der Silvaner, der einen nicht mehr aus dem wohlmeinenden Würgegriff lässt. Zeit, sich also einmal mit dem bunten Strauß an Silvaner-Mutationen auseinanderzusetzen: Neben dem bekannten Grünen Silvaner gibt es noch den Blauen, den Roten und sogar einen Gelben. Der Silvaner-Vielfalt scheinen also keine Grenzen gesetzt. Gänzlich in Schwarz gekleidet machte ich mich auf den Weg zu Menschen, die sich damit auskennen. 8. Mai, 16:09 Uhr: Das Taxi schmeißt mich am Oberen Maintor in Sulzfeld raus. Eigentlich wollte ich den rund einstündigen Weg von Kitzingen aus zu Fuß bewältigen. Spontane Planänderungen, die unter dem Oberbegriff Fußball einzuordnen sind, zwangen mich aber dazu, meinen Antrittsbesuch in Sulzfeld in größter Eile vorzuverlegen. Und da die Busse, anders als in meiner Heimatstadt, nicht im Fünf-, sondern günstigstenfalls im 55-Minuten-Takt fahren, ließ ich mich von einem angenehm schwermütigen Taxifahrer ins offizielle „Heimatdorf 2021“ (verliehen vom Bayerischen Heimatministerium) kutschieren. Von der Wurstspirale zum Weinberg Selbstredend habe ich mich im Vorfeld informiert: So ist Sulzfeld nicht nur Heimat verschiedener Top-Weingüter (ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass dies der primäre Grund für meinen Besuch ist), sondern auch die der Meterbratwurst – eine in Schneckenform gepresste Völlerei. Leider war es mir nicht möglich, die 100 Zentimeter Wurstbrät in Naturdarm zu fotografieren … wie schon angedeutet: Die Zeit pressierte.  Mein erster Weg führt mich in die Papiusgasse zum Weingut Brennfleck. Zwar schneie ich unangekündigt kurz vor Feierabend rein, anders als in jeder zweiten Galeria-Filiale werde ich aber dennoch mit einer überschwänglichen Herzlichkeit empfangen, die mich die gedämpfte Taxifahrt vergessen lässt.  Nicht nur, dass ich umgehend gefragt werde, welchen Wein ich probieren möchte – mir wird dreißig Minuten vor Toresschluss auch noch angeboten, einen Blick in den Keller zu werfen. Sulzfeld – die heimliche Hauptstadt vom Schlaraffenland. In die Weinfässer zu beißen, in der Hoffnung, sie seien aus Marzipan, kann ich mir gerade noch verkneifen &#8230; Verkneifen kann ich mir dagegen nicht, dass ich schon vor Ort den Blauen Silvaner vom Sulzfelder Sonnenberg probiere (dazu an späterer Stelle aber mehr). Sulzfeld selbst ist quasi eingerahmt von seinen beiden wichtigsten Lagen: der VDP Ersten Lage Sulzfelder Sonnenberg im Westen und der VDP Großen Lage Maustal im Süd-Westen – auf der anderen Seite ruht still der Main. Roter Silvaner: Die Spur führt ins Elsass Da sowohl Brennfleck als auch das Weingut Zehnthof Luckert in unmittelbarer Nachbarschaft um 17 Uhr schließen, mache ich mich von der Papiusgasse auf den Weg in die Kettengasse. Die nur knapp 200 Meter absolviere ich in weniger als drei Minuten – Zeitmanagement ist alles. Wirkte der Vorraum vom Weingut Brennfleck vornehm und altehrwürdig, bezirzt das Vestibül vom Zehnthof Luckert durch einen behaglichen Mix aus historisch und modern. Am vorwiegend modernen Verkaufstresen erstehe ich hier eine Flasche Roten Silvaner. Das VDP-Weingut füllt ihn als Ortswein ab, der Silvaner stammt also ausschließlich aus Sulzfeld. Mit den zwei Flaschen &#8211; rot und blau &#8211; im Rucksack lustwandele ich aus dem Dorf hinaus und mache mich zu Fuß auf ins rund sieben Kilometer entfernte Marktbreit, wo es einen Bahnhof gibt – um meine Taxi-Kosten für diesen Tag zu deckeln, nicht unerheblich. Selbstredend führt der Weg durch die wunderbare VDP Große Lage Maustal (Selfies im Weinberg sind ein Thema für sich &#8211; ich könnte mittlerweile einen Jahreskalender rausbringen). Gegen 17.04 Uhr endet also mein kurzer, aber inhaltlich vollgepackter Antrittsbesuch in Sulzfeld. Ich verlasse den Ort dort, wo ich ihn eine Stunde zuvor vorgefunden hatte: am Oberen Maintor. Gewissermaßen ist der Rote Silvaner eine doppelte Rarität. Nicht nur, dass die Rebsorte generell äußerst selten auftritt, das Weingut Luckert ist das einzige Weingut, welches in Deutschland diese Sorte führt. Dies bestätigte mir Wolfgang Luckert und fügte hinzu: &#8222;Wir haben Anfang der 2000er-Jahre das Pflanzgut über Umwege aus dem Elsass bezogen und offiziell als Rebsortenversuch aufgepflanzt und dürfen daher den Wein so benennen.“&#160; Feldversuch mit Frankenfaktor Zurück in Hamburg gieße ich mir den Roten Silvaner hochkonzentriert und quasi unter Laborbedingungen ins Glas (den weißen Kittel und die Schutzbrille lasse ich heute aber mal weg). Wie der Blaue hat auch der Rote Silvaner eine dunkle Traubenhaut, im Glas sieht man im gleißenden Strohgelb des Weins aber nichts davon. In der Nase fühlt er sich wie ein typischer Franken-Silvaner an mit einer rauchigen Note und Zitrustönen. Frei nach dem Ausspruch „ein Maul voll Wein“ sollte man bei der ersten haptischen Begegnung mit einem unbekannten Wein nie zurückhaltend sein. Freilich kann dies auch mal nach hinten losgehen, nicht so hier: Knackig, rauchig, mineralisch &#8211; an einem heißen Tag wie diesem wie ein willkommener Köpfer in die freigegebenen Badestellen des Mains. Dazu gesellen sich Limone, etwas Pfirsich und etwas angenehm Florales. Dabei ist die Spontanvergärung sowie der Ausbau in großen Holzfässern nachvollziehbar. Starker Stoff, aber das ist man vom „Weingut des Jahres 2025“ (Auszeichnung der Vinum) gewohnt. Und so deckt sich meine erste Einschätzung mit der Beschreibung des Weinvaters, Wolfgang Luckert höchstpersönlich, wenn dieser im Gespräch mit uns den Roten Silvaner im Vergleich zum Grünen beschreibt: &#8222;Der Rote Silvaner zeigt meines Erachtens nach mehr florale und blütige Komponenten, die ganz leicht an Traminer, eine der Elternsorten, erinnern.“ Und das ist ein perfektes Stichwort, denn der Rote Silvaner gilt zwar als eigene Mutation des Grünen Silvaners, letzterer stammt aber in der Tat von den Elternreben Traminer und Österreichisch Weiß ab.&#160; Blauer Silvaner: Mehr Extrakt, mehr Cremigkeit, mehr Potenzial? Schalten wir nun aber von Rot auf Blau: Grundsätzlich wird der Blaue Silvaner deutschlandweit auf nur rund 30 Hektar angebaut &#8211; und ist damit eine echte Rarität. Gute 26 Hektar finden sich allein in Franken, einen ganzen Hektar nennt das Weingut Brennfleck sein Eigen. Das könnte sich aber langsam ändern, da der Blaue Silvaner gegenüber dem gängigen Grünen deutliche Vorteile aufweist: „Er ist lockerbeerig&#8220;, erklärt mir Hugo Brennfleck ein paar Tage nach meinem Besuch am Telefon und fügt erklärend hinzu: &#8222;Zudem hat er kleinere Beeren, dadurch kann man ihn länger hängen lassen. Das ergibt wiederum höhere Oechslegrade.&#8220; Daraus ergebe sich ein entsprechend höherer Extraktgehalt im Most. Im Holzfass spontan vergoren und ausgebaut, entwickelt der Wein zudem eine ausgeprägte Cremigkeit. Gleichzeitig werde die Säure durch den Ausbau deutlich besser eingebunden, sodass der Wein insgesamt runder und harmonischer wirke. Typisch Silvaner &#8211; oder doch nicht?! Nun aber auch hier zum Praxis-Test: Freundlich strahlt mich der Blaue Silvaner hellgelb aus dem Glas an &#8211; ein zum Wein gewordener Smiley. In die Nase, wie auch schon beim Roten Silvaner von Luckert, strömen geradezu rauchige und mineralische Anklänge sowie eine kühle Eleganz, der ich nur wenig entgegenzusetzen habe. Und so muss ich direkt den ersten Schluck nehmen: Zunächst streiten sich zitrische Noten und Mineralik um die Hoheit im Glas, am Ende haben sie beide das Nachsehen, weil sich ein angenehmer kräutriger Schmelz am Gaumen ausbreitet und die kleine Rangelei zu Beginn fast schon vergessen macht. Dazu eine kreidige Note im Abgang. Ein Wein, der im Sommer zweifelsohne noch mehr beeindrucken sollte als im Winter. Ob ich den Blauen wie den Roten Silvaner aus dem Stegreif hätte blind vom Grünen hätte unterscheiden können?&#160;Diese mir selbst gestellte Frage lasse ich jetzt mal unbeantwortet. Die beim Roten Silvaner von Luckert aber recht präsenten floralen Noten sollen mir in Zukunft aber eine leuchtende Boje im wilden Silvaner-Meer sein. Silvaner-Schisma: Eine Glaubensfrage in Blau und Grün Interessanterweise hat sich rund um den Blauen Silvaner inzwischen so etwas wie eine kleine Glaubensfrage entwickelt: Ist er die Mutation des Grünen – oder war es am Ende genau andersherum? Die einschlägigen Rebsorten-Kompendien und auch das Bundessortenamt bleiben dabei ziemlich nüchtern und ordnen den Blauen Silvaner klar als Mutation des Grünen ein. In Franken sieht man das zum Teil inzwischen deutlich anders. Dort wird er gerne auch einmal als „Ur-Silvaner“ gehandelt – so etwa beim Weingut Brennfleck auf der eigenen Homepage. Als Begründung dient unter anderem die Farbe selbst: die Anthocyane in der Beerenhaut, also jenes bläuliche Pigment, das dem Blauen Silvaner seinen Namen gibt. Könnten diese Farbstoffe wirklich „aus dem Nichts“ im Grünen Silvaner entstanden sein, der sie nachweislich nicht ausprägt? Und haben sich nicht einst die Vögel aus größten Höhen bevorzugt an den blauen Trauben orientiert, weil grüne im Blätterdach praktisch unsichtbar blieben? In dieser Erzählung wäre es also nicht der Blaue, der aus dem Grünen hervorging – sondern genau umgekehrt. Fakten, Fährten und Fragezeichen Es wäre vermutlich Stoff für einen eigenen Artikel, vielleicht sogar für eine kleine wissenschaftliche Detektivgeschichte im Weinberg. Mehr als ein Anreißen soll hier deshalb nicht erfolgen. Um der Sache zumindest ein wenig den Boden der Spekulation zu entziehen, habe ich Rebveredler Reinhard Antes von der Hessischen Bergstraße um eine Einordnung gebeten. Seine Antwort fiel angenehm unspektakulär aus: „Wir haben leider keine weiteren Informationen über die Mutationsreihenfolge, die zur Farbänderung geführt hat.“ Damit bleibt es vorerst bei der klassischen Lesart: Blau-, Rot- (und Gelb-)Varianten sind aus dem Grünen Silvaner hervorgegangen. Ob das wirklich das letzte Wort ist? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und vielleicht ist genau das auch gar nicht so wichtig. Nicht jedes Detail eines Weines soll sich bis zum Grund aufdröseln – genauso wenig, wie sich ein komplexes Glas jemals vollständig in Worte fassen lässt. Ein bisschen Geheimnis bleibt eben immer übrig. Und genau das schmeckt meistens am besten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/silvaner-schisma-vom-sonnenberg-blauer-und-roter-silvaner-aus-franken/">Silvaner-Schisma vom Sonnenberg: Blauer und Roter Silvaner aus Franken</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Einmal mehr war ich im wunderbaren <a href="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/" type="link" id="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/">Weinland Franken</a> unterwegs. So wenig man an der Ahr am Spätburgunder vorbeikommt, ist es hier der <a href="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/oesterreicher/">Silvaner</a>, der einen nicht mehr aus dem wohlmeinenden Würgegriff lässt. Zeit, sich also einmal mit dem bunten Strauß an Silvaner-Mutationen auseinanderzusetzen: Neben dem bekannten Grünen Silvaner gibt es noch den Blauen, den Roten und sogar einen Gelben. Der Silvaner-Vielfalt scheinen also keine Grenzen gesetzt. Gänzlich in Schwarz gekleidet machte ich mich auf den Weg zu Menschen, die sich damit auskennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">8. Mai, 16:09 Uhr: Das Taxi schmeißt mich am Oberen Maintor in Sulzfeld raus. Eigentlich wollte ich den rund einstündigen Weg von Kitzingen aus zu Fuß bewältigen. Spontane Planänderungen, die unter dem Oberbegriff Fußball einzuordnen sind, zwangen mich aber dazu, meinen Antrittsbesuch in Sulzfeld in größter Eile vorzuverlegen. Und da die Busse, anders als in meiner Heimatstadt, nicht im Fünf-, sondern günstigstenfalls im 55-Minuten-Takt fahren, ließ ich mich von einem angenehm schwermütigen Taxifahrer ins offizielle „Heimatdorf 2021“ (verliehen vom Bayerischen Heimatministerium) kutschieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von der Wurstspirale zum Weinberg</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-1024x1024.jpeg" alt="Das Obere Maintor in Sulzfeld" class="wp-image-1799" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3901-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Zwei Taler, junger Wandersmann!&#8220; Ein wenig war ich enttäuscht davon, dass mir kein Stadtwächter zunächst den Zugang durchs Obere Maintor verwehrte.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstredend habe ich mich im Vorfeld informiert: So ist Sulzfeld nicht nur Heimat verschiedener Top-Weingüter (ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass dies der primäre Grund für meinen Besuch ist), sondern auch die der Meterbratwurst – eine in Schneckenform gepresste Völlerei. Leider war es mir nicht möglich, die 100 Zentimeter Wurstbrät in Naturdarm zu fotografieren … wie schon angedeutet: Die Zeit pressierte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Weg führt mich in die Papiusgasse zum <a href="https://www.weingut-brennfleck.de" type="link" id="https://www.weingut-brennfleck.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weingut Brennfleck</a>. Zwar schneie ich unangekündigt kurz vor Feierabend rein, anders als in jeder zweiten Galeria-Filiale werde ich aber dennoch mit einer überschwänglichen Herzlichkeit empfangen, die mich die gedämpfte Taxifahrt vergessen lässt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur, dass ich umgehend gefragt werde, welchen Wein ich probieren möchte – mir wird dreißig Minuten vor Toresschluss auch noch angeboten, einen Blick in den Keller zu werfen. Sulzfeld – die heimliche Hauptstadt vom Schlaraffenland. In die Weinfässer zu beißen, in der Hoffnung, sie seien aus Marzipan, kann ich mir gerade noch verkneifen &#8230; Verkneifen kann ich mir dagegen nicht, dass ich schon vor Ort den Blauen Silvaner vom Sulzfelder Sonnenberg probiere (dazu an späterer Stelle aber mehr). Sulzfeld selbst ist quasi eingerahmt von seinen beiden wichtigsten Lagen: der <a href="https://www.vdp.de/de/die-weine/die-vdp-regionen/franken" type="link" id="https://www.vdp.de/de/die-weine/die-vdp-regionen/franken">VDP</a> Ersten Lage Sulzfelder Sonnenberg im Westen und der VDP Großen Lage Maustal im Süd-Westen – auf der anderen Seite ruht still der Main.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-1024x1024.jpeg" alt="Die Lage Sulzfelder Sonnenberg" class="wp-image-1795" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3916-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Sulzfelder Sonnenberg &#8230; apropos Schlaraffenland.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Roter Silvaner: Die Spur führt ins Elsass</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Da sowohl Brennfleck als auch das <a href="https://www.weingut-zehnthof.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weingut Zehnthof Luckert</a> in unmittelbarer Nachbarschaft um 17 Uhr schließen, mache ich mich von der Papiusgasse auf den Weg in die Kettengasse. Die nur knapp 200 Meter absolviere ich in weniger als drei Minuten – Zeitmanagement ist alles. Wirkte der Vorraum vom Weingut Brennfleck vornehm und altehrwürdig, bezirzt das Vestibül vom Zehnthof Luckert durch einen behaglichen Mix aus historisch und modern. Am vorwiegend modernen Verkaufstresen erstehe ich hier eine Flasche Roten Silvaner. Das VDP-Weingut füllt ihn als Ortswein ab, der Silvaner stammt also ausschließlich aus Sulzfeld.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-1024x1024.jpeg" alt="Die Kirche St. Sebastian in Sulzfeld" class="wp-image-1796" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3914-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Kirche St. Sebastian in Sulzfeld. Fehlt nur noch die schläfrige Katze auf der Friedhofsmauer.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit den zwei Flaschen &#8211; rot und blau &#8211; im Rucksack lustwandele ich aus dem Dorf hinaus und mache mich zu Fuß auf ins rund sieben Kilometer entfernte Marktbreit, wo es einen Bahnhof gibt – um meine Taxi-Kosten für diesen Tag zu deckeln, nicht unerheblich. Selbstredend führt der Weg durch die wunderbare VDP Große Lage Maustal (Selfies im Weinberg sind ein Thema für sich &#8211; ich könnte mittlerweile einen Jahreskalender rausbringen). Gegen 17.04 Uhr endet also mein kurzer, aber inhaltlich vollgepackter Antrittsbesuch in Sulzfeld. Ich verlasse den Ort dort, wo ich ihn eine Stunde zuvor vorgefunden hatte: am Oberen Maintor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gewissermaßen ist der Rote Silvaner eine doppelte Rarität. Nicht nur, dass die Rebsorte generell äußerst selten auftritt, das Weingut Luckert ist das einzige Weingut, welches in Deutschland diese Sorte führt. Dies bestätigte mir Wolfgang Luckert und fügte hinzu: &#8222;Wir haben Anfang der 2000er-Jahre das Pflanzgut über Umwege aus dem Elsass bezogen und offiziell als Rebsortenversuch aufgepflanzt und dürfen daher den Wein so benennen.“&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Feldversuch mit Frankenfaktor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Hamburg gieße ich mir den Roten Silvaner hochkonzentriert und quasi unter Laborbedingungen ins Glas (den weißen Kittel und die Schutzbrille lasse ich heute aber mal weg). Wie der Blaue hat auch der Rote Silvaner eine dunkle Traubenhaut, im Glas sieht man im gleißenden Strohgelb des Weins aber nichts davon. In der Nase fühlt er sich wie ein typischer Franken-Silvaner an mit einer rauchigen Note und Zitrustönen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-1024x1024.jpeg" alt="Ein roter, ein blauer und ein grüner Silvaner auf einem Küchenstich stehend." class="wp-image-1793" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_4131-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Farbenspiele mit Silvaner: der Rote Silvaner (Luckert), der Blaue Silvaner (Brennfleck) und außer Konkurrenz der geläufige Grüner Silvaner (Bürgerspital). (Leider ist der Gelbe Silvaner nicht rechtzeitig angekommen.)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Frei nach dem Ausspruch „ein Maul voll Wein“ sollte man bei der ersten haptischen Begegnung mit einem unbekannten Wein nie zurückhaltend sein. Freilich kann dies auch mal nach hinten losgehen, nicht so hier: Knackig, rauchig, mineralisch &#8211; an einem heißen Tag wie diesem wie ein willkommener Köpfer in die freigegebenen Badestellen des Mains. Dazu gesellen sich Limone, etwas Pfirsich und etwas angenehm Florales. Dabei ist die Spontanvergärung sowie der Ausbau in großen Holzfässern nachvollziehbar. Starker Stoff, aber das ist man vom „Weingut des Jahres 2025“ (Auszeichnung der Vinum) gewohnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so deckt sich meine erste Einschätzung mit der Beschreibung des Weinvaters, Wolfgang Luckert höchstpersönlich, wenn dieser im Gespräch mit uns den Roten Silvaner im Vergleich zum Grünen beschreibt: &#8222;Der Rote Silvaner zeigt meines Erachtens nach mehr florale und blütige Komponenten, die ganz leicht an Traminer, eine der Elternsorten, erinnern.“<br><br>Und das ist ein perfektes Stichwort, denn der Rote Silvaner gilt zwar als eigene Mutation des Grünen Silvaners, letzterer stammt aber in der Tat von den Elternreben Traminer und Österreichisch Weiß ab.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Blauer Silvaner: Mehr Extrakt, mehr Cremigkeit, mehr Potenzial?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schalten wir nun aber von Rot auf Blau: Grundsätzlich wird der Blaue Silvaner deutschlandweit auf nur rund 30 Hektar angebaut &#8211; und ist damit eine echte Rarität. Gute 26 Hektar finden sich allein in Franken, einen ganzen Hektar nennt das Weingut Brennfleck sein Eigen. Das könnte sich aber langsam ändern, da der Blaue Silvaner gegenüber dem gängigen Grünen deutliche Vorteile aufweist: „Er ist lockerbeerig&#8220;, erklärt mir Hugo Brennfleck ein paar Tage nach meinem Besuch am Telefon und fügt erklärend hinzu: &#8222;Zudem hat er kleinere Beeren, dadurch kann man ihn länger hängen lassen. Das ergibt wiederum höhere Oechslegrade.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus ergebe sich ein entsprechend höherer Extraktgehalt im Most. Im Holzfass spontan vergoren und ausgebaut, entwickelt der Wein zudem eine ausgeprägte Cremigkeit. Gleichzeitig werde die Säure durch den Ausbau deutlich besser eingebunden, sodass der Wein insgesamt runder und harmonischer wirke.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-1024x1024.jpeg" alt="Der Weinkeller vom Weingut Hugo Brennfleck" class="wp-image-1797" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3910-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ab sofort mein Vorbild für einen aufgeräumten Keller: der Weinkeller vom Weingut Hugo Brennfleck</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Typisch Silvaner &#8211; oder doch nicht?!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nun aber auch hier zum Praxis-Test: Freundlich strahlt mich der Blaue Silvaner hellgelb aus dem Glas an &#8211; ein zum Wein gewordener Smiley. In die Nase, wie auch schon beim Roten Silvaner von Luckert, strömen geradezu rauchige und mineralische Anklänge sowie eine kühle Eleganz, der ich nur wenig entgegenzusetzen habe. Und so muss ich direkt den ersten Schluck nehmen: Zunächst streiten sich zitrische Noten und Mineralik um die Hoheit im Glas, am Ende haben sie beide das Nachsehen, weil sich ein angenehmer kräutriger Schmelz am Gaumen ausbreitet und die kleine Rangelei zu Beginn fast schon vergessen macht. Dazu eine kreidige Note im Abgang. Ein Wein, der im Sommer zweifelsohne noch mehr beeindrucken sollte als im Winter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ich den Blauen wie den Roten Silvaner aus dem Stegreif hätte blind vom Grünen hätte unterscheiden können?&nbsp;Diese mir selbst gestellte Frage lasse ich jetzt mal unbeantwortet. Die beim Roten Silvaner von Luckert aber recht präsenten floralen Noten sollen mir in Zukunft aber eine leuchtende Boje im wilden Silvaner-Meer sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Silvaner-Schisma: Eine Glaubensfrage in Blau und Grün</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanterweise hat sich rund um den Blauen Silvaner inzwischen so etwas wie eine kleine Glaubensfrage entwickelt: Ist er die Mutation des Grünen – oder war es am Ende genau andersherum? Die einschlägigen Rebsorten-Kompendien und auch das Bundessortenamt bleiben dabei ziemlich nüchtern und ordnen den Blauen Silvaner klar als Mutation des Grünen ein. In Franken sieht man das zum Teil inzwischen deutlich anders. Dort wird er gerne auch einmal als „Ur-Silvaner“ gehandelt – so etwa beim Weingut Brennfleck auf der eigenen Homepage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Begründung dient unter anderem die Farbe selbst: die Anthocyane in der Beerenhaut, also jenes bläuliche Pigment, das dem Blauen Silvaner seinen Namen gibt. Könnten diese Farbstoffe wirklich „aus dem Nichts“ im Grünen Silvaner entstanden sein, der sie nachweislich nicht ausprägt? Und haben sich nicht einst die Vögel aus größten Höhen bevorzugt an den blauen Trauben orientiert, weil grüne im Blätterdach praktisch unsichtbar blieben? In dieser Erzählung wäre es also nicht der Blaue, der aus dem Grünen hervorging – sondern genau umgekehrt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-1024x1024.jpeg" alt="Das Weingut Zehnhof Luckert in Sulzfeld" class="wp-image-1798" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/06/IMG_3912-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mehr als einladend: das Weingut Zehnthof Luckert</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Fakten, Fährten und Fragezeichen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre vermutlich Stoff für einen eigenen Artikel, vielleicht sogar für eine kleine wissenschaftliche Detektivgeschichte im Weinberg. Mehr als ein Anreißen soll hier deshalb nicht erfolgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um der Sache zumindest ein wenig den Boden der Spekulation zu entziehen, habe ich <a href="https://traubenshow.de/ueber-antes-weinbau-service-gmbh/ueber-uns" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rebveredler Reinhard Antes</a> von der Hessischen Bergstraße um eine Einordnung gebeten. Seine Antwort fiel angenehm unspektakulär aus: „Wir haben leider keine weiteren Informationen über die Mutationsreihenfolge, die zur Farbänderung geführt hat.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit bleibt es vorerst bei der klassischen Lesart: Blau-, Rot- (und Gelb-)Varianten sind aus dem Grünen Silvaner hervorgegangen. Ob das wirklich das letzte Wort ist? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und vielleicht ist genau das auch gar nicht so wichtig. Nicht jedes Detail eines Weines soll sich bis zum Grund aufdröseln – genauso wenig, wie sich ein komplexes Glas jemals vollständig in Worte fassen lässt. Ein bisschen Geheimnis bleibt eben immer übrig. Und genau das schmeckt meistens am besten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/silvaner-schisma-vom-sonnenberg-blauer-und-roter-silvaner-aus-franken/">Silvaner-Schisma vom Sonnenberg: Blauer und Roter Silvaner aus Franken</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Turm trifft Titel: San Gimignano feiert 60 Jahre DOC</title>
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		<pubDate>Sat, 16 May 2026 12:10:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum. Sind wir immer noch berauscht von 75 Jahren Grundgesetz (2024) und 40 Jahren Microsoft Windows oder wahlweise 500 Jahren Bauernkrieg (2025) steht in diesem Jahr eine weitere Festivität ins Haus, damit die Party auch ja nicht endet: 60 Jahre geschützte Herkunftsbezeichnung des Vernaccia di San Gimignano. 1966 war diese kleine Appellation die erste Italiens, die das &#8222;DOC&#8220; (also Denominiazione di Origine Controllata) höchst offiziell auf der Flasche führen durfte. In Frankreich ist Châteauneuf-du-Pape bereits 30 Jahre zuvor als erste AOC (Appellation d&#8217;Origine Contrôlée) des Landes vorgeprescht, weltweit gilt allerdings das portugiesische Douro-Tal als erste behördlich klar eingegrenzte Weinregion &#8211; hier sind wir tief im 18. Jahrhundert. Turm oder Traube? Ein toskanisches Rätsel Für mich aber eine schöne Gelegenheit, diese kleine wie spannende Weißwein-Exklave im sonst so tiefroten Glutofen der Toskana einmal näher vorzustellen. Nähert man sich mit dem Auto oder Bus der rund 7.500 Einwohner zählenden Kleinstadt (eine Bahnanbindung gibt es nicht), sieht man bereits aus der Ferne die charakteristischen Türme, die die Stadtsilhouette ausmachen. Und die werden emsig auf T-Shirts, Caps oder Weinetiketten gedruckt – auf ihre mittelalterlichen und noch gut erhaltenen Geschlechtertürme sind die Sangimignanesi eben besonders stolz. Nicht minder stolz sind sie – auch hier zu Recht – auf ihren traditionsreichen Weißwein aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano. Interessanterweise gehen sowohl die Geschlechtertürme, die der Stadt den Beinamen Mittelalter-Manhatten einbrachten, als auch die Weinreben San Gimignanos auf das 13. Jahrhundert zurück – sodass abschließend nicht geklärt werden kann: Was war zuerst da – der Turm oder die Rebe? Sicher ist dagegen: Bereits in Dante Alighieris &#8222;Göttlicher Komödie&#8220; wird der Vernaccia erwähnt, weshalb parallel zum 60. Geburtstag der behördlichen Eingrenzung auch 600 Jahre Vernaccia di San Gimignano generell gefeiert wird (man kommt wirklich nicht aus dem Feiern raus oder sucht man vielleicht nur ständig nach Gründen zum Trinken?). Akazie, Harz und Hasenpanik: Vernaccia di San Gimignano im Glas Um den theoretischen Teil nun aber langsam abzubinden, müssen wir noch einmal ins Jahr 1993 springen, als aus der kontrollierten Herkunftsbezeichnung auch eine garantierte wurde: Aus der DOC wurde DOCG (Denominiazione di Origine Controllata e Garantita) und der Vernaccia di San Gimignano stieg in die höchste Qualitätsstufe empor. Aus weniger als 800 Hektar Rebfläche werden frische und elegante Weine gezaubert. Einen davon habe ich nun vor mir auf meinem Küchentisch stehen. Auf einen zweiten Wein kommen wir gleich zu sprechen – nur so viel: er kommt quasi aus der direkten Nachbarschaft. Beginnen wir aber mit einem klassischen Vertreter, dem Isola Blanca von Teruzzi. Hier haben wir einen Wein, der zu 100 Prozent aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano besteht &#8211; gesetzlich sind mindestens 85 Prozent vorgeschrieben. Was zunächst auffällt, ist das Etikett: Ein Hund mit Schild und Speer wird von einem Hasen in eine imaginäre Schlacht getragen &#8230; sehen so die Bremer Stadtmusikanten aus, wenn sie bei 37 Grad unter der toskanischen Sonne zu viel Weißwein getrunken haben? In den weit aufgerissenen Augen des Hasen ist jedenfalls die komplette Gefühlspalette von Ungläubigkeit bis Panik erkennbar. Ein Weißwein mit mediterranem Nervensystem Wir fassen uns ein Herz und schenken uns dennoch ein Glas ein. Markant ist zunächst nicht ein vordergründiges Fruchtaroma oder eine unmittelbar in die Nase steigende Frische, sondern vielmehr ein blumig-balsamischer Duft, der an Akazienblüten ebenso erinnert wie an feine Harznoten. Dies kontrastiert übrigens völlig mit den äußeren Umständen: Im Hamburger Frühling haben wir zu diesem Zeitpunkt (Mitte Mai!) sagenhafte 11 Grad Celsius. Dass dieser Wein nicht mit Sonnenhut und offenem Leinenhemd, sondern stattdessen im Rollkragenpullover und Filzhausschuhen verkostet wird, war sicher nicht im Sinne des Erfinders. Bei diesem angenehmen Bouquet versetzt es mich aber ruckartig in den Schatten einer Toskana-Kiefer. Am Gaumen haben wir eine sich nicht in den Vordergrund spielende Säure und Anklänge von Mandeln (Restzucker: 3,3 g/l, Gesamtsäure: 5,2 g/l), im Finale im Ansatz cremig. Mehr als solide! Supertoskaner mit Vernaccia-DNA In der anderen Flasche des Weinguts Teruzzi schlummert der Terre di Tufi (also Tuffstein-Boden). Dieser Wein stammt nicht direkt aus San Gimignano, hat aber dennoch eine Verbindung zu ersterem. Denn dieser Vino, dessen Reben vor den südlichen Toren Siennas stehen, besteht zur Hälfte ebenso aus Vernaccia. Den Rest machen 20 Prozent Trebbiano und 30 Prozent andere &#8222;aromatische Rebsorten&#8220; (Zitat: Homepage Teruzzi) aus. Bedeutet also: Auch wenn dieser Wein direkt aus San Gimignano käme, dürfte er nicht als DOCG-Produkt bezeichnet werden, da zur Hälfte aus anderen Rebsorten besteht. Bedeutet ebenso: Wir haben hier einen sogenannten weißen Supertoskaner vor uns. Kurzer Exkurs: Ein Supertoskaner (oder im Englischen: Super Tuscan) bezeichnet hochwertige Weine aus der&#160;Toskana, die seit den 1970er-Jahren bewusst mit den strengen traditionellen DOC- und DOCG-Regeln brachen, weil sie aus internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot gekeltert wurden und eben nicht aus der heimischen Sangiovese oder Vernaccia di San Gimignano. Viele dieser Weine überholten ihre Kollegen mit den ur-italienschen Rebsorten auf der Überholspur, sodass sie zu diesem Spitznamen kamen. Der Fruchtkorb bleibt gelb Aber zurück zum Terre di Tufi, der entsprechend als IGT-Wein (vergleichbar mit dem deutschen Landwein) eingestuft ist. Im Glas strahlt uns ein sattes Strohgelb an. Und spätestens in der Nase kann dieser Wein seine teilweise Vergangenheit im Holz nicht verhehlen: ausladend, ein Hauch Karamell und dazu reife Ananas. Mich erwartet also ein Nachtisch. So, probieren wir ihn mal: Ein mittlerer Körper mit nun deutlich wahrnehmbarer Eichennote, dazu Vanille. Die Ananas verflüchtigt sich nicht, bekommt vielmehr noch Besuch von Honigmelone und Aprikose &#8211; der Fruchtkorb bleibt auf jeden Fall gelb. Der Nachhall ist solide. Anders ausgedrückt: ein guter Wein, den man für rund 17 Euro bekommt. Ein großes Feuerwerk stellt sich am Gaumensegel aber nicht ein. Italienische Weißweine haben es in Deutschland traditionell nicht leicht: Sie sollten tunlichst nicht mehr als zehn Euro kosten und am ehesten wird zu Lugana oder Soave gegriffen. Dass aber auch jenseits der italienischen Alpenausläufer spannende Weißweine produziert werden, fällt oft hinten über beziehungsweise direkt den Stiefel hinab: Denken wir nur an den kräuterwürzigen Verdicchio dei Castelli di Jesi oder noch weiter im Süden: den vollmundigen Fiano. Und siehe da, auch in der Toskana darf man ruhig mal bei Weiß abbiegen. In San Gimignano weiß man das schon länger.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum. Sind wir immer noch berauscht von 75 Jahren Grundgesetz (2024) und 40 Jahren Microsoft Windows oder wahlweise 500 Jahren Bauernkrieg (2025) steht in diesem Jahr eine weitere Festivität ins Haus, damit die Party auch ja nicht endet: 60 Jahre geschützte Herkunftsbezeichnung des <a href="https://vernaccia.it" type="link" id="https://vernaccia.it" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vernaccia di San Gimignano</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1966 war diese kleine Appellation die erste Italiens, die das &#8222;DOC&#8220; (also Denominiazione di Origine Controllata) höchst offiziell auf der Flasche führen durfte. In Frankreich ist <a href="https://traubengucker.de/regionen/tavel-an-der-tafel-aber-nur-rose/">Châteauneuf-du-Pape</a> bereits 30 Jahre zuvor als erste AOC (Appellation d&#8217;Origine Contrôlée) des Landes vorgeprescht, weltweit gilt allerdings das portugiesische Douro-Tal als erste behördlich klar eingegrenzte Weinregion &#8211; hier sind wir tief im 18. Jahrhundert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Turm oder Traube? Ein toskanisches Rätsel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich aber eine schöne Gelegenheit, diese kleine wie spannende Weißwein-Exklave im sonst so tiefroten Glutofen der Toskana einmal näher vorzustellen. Nähert man sich mit dem Auto oder Bus der rund 7.500 Einwohner zählenden Kleinstadt (eine Bahnanbindung gibt es nicht), sieht man bereits aus der Ferne die charakteristischen Türme, die die Stadt<a href="https://www.youtube.com/shorts/-4glxL7OthU" target="_blank" rel="noreferrer noopener">silhouette</a> ausmachen. Und die werden emsig auf T-Shirts, Caps oder Weinetiketten gedruckt – auf ihre mittelalterlichen und noch gut erhaltenen Geschlechtertürme sind die Sangimignanesi eben besonders stolz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht minder stolz sind sie – auch hier zu Recht – auf ihren traditionsreichen Weißwein aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano. Interessanterweise gehen sowohl die Geschlechtertürme, die der Stadt den Beinamen Mittelalter-Manhatten einbrachten, als auch die Weinreben San Gimignanos auf das 13. Jahrhundert zurück – sodass abschließend nicht geklärt werden kann: Was war zuerst da – der Turm oder die Rebe?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher ist dagegen: Bereits in Dante Alighieris &#8222;Göttlicher Komödie&#8220; wird der Vernaccia erwähnt, weshalb parallel zum 60. Geburtstag der behördlichen Eingrenzung auch 600 Jahre Vernaccia di San Gimignano generell gefeiert wird (man kommt wirklich nicht aus dem Feiern raus oder sucht man vielleicht nur ständig nach Gründen zum Trinken?).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1024x1024.jpeg" alt="Ich auf dem Weg durch die Straßen von San Gimignano." class="wp-image-1752" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_9874-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ob auf zwei Beinen (ich, links) oder auf drei Rädern (Ape, rechts) – im August bewegt man sich besser im Schatten fort.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Akazie, Harz und Hasenpanik: Vernaccia di San Gimignano im Glas</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um den theoretischen Teil nun aber langsam abzubinden, müssen wir noch einmal ins Jahr 1993 springen, als aus der kontrollierten Herkunftsbezeichnung auch eine garantierte wurde: Aus der DOC wurde DOCG (Denominiazione di Origine Controllata e Garantita) und der Vernaccia di San Gimignano stieg in die höchste Qualitätsstufe empor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus weniger als 800 Hektar Rebfläche werden frische und elegante Weine gezaubert. Einen davon habe ich nun vor mir auf meinem Küchentisch stehen. Auf einen zweiten Wein kommen wir gleich zu sprechen – nur so viel: er kommt quasi aus der direkten Nachbarschaft. Beginnen wir aber mit einem klassischen Vertreter, dem <em>Isola Blanca</em> von <a href="https://www.teruzziwine.com/en/home/" type="link" id="https://www.teruzziwine.com/en/home/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teruzzi</a>. Hier haben wir einen Wein, der zu 100 Prozent aus der Rebsorte Vernaccia di San Gimignano besteht &#8211; gesetzlich sind mindestens 85 Prozent vorgeschrieben. Was zunächst auffällt, ist das Etikett: Ein Hund mit Schild und Speer wird von einem Hasen in eine imaginäre Schlacht getragen &#8230; sehen so die Bremer Stadtmusikanten aus, wenn sie bei 37 Grad unter der toskanischen Sonne zu viel Weißwein getrunken haben? In den weit aufgerissenen Augen des Hasen ist jedenfalls die komplette Gefühlspalette von Ungläubigkeit bis Panik erkennbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1024x1024.jpeg" alt="Das Etikett des Isola Bianca" class="wp-image-1769" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4015-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Für dieses Etikett kamen eindeutig Tiere zu Schaden.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Weißwein mit mediterranem Nervensystem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wir fassen uns ein Herz und schenken uns dennoch ein Glas ein. Markant ist zunächst nicht ein vordergründiges Fruchtaroma oder eine unmittelbar in die Nase steigende Frische, sondern vielmehr ein blumig-balsamischer Duft, der an Akazienblüten ebenso erinnert wie an feine Harznoten. Dies kontrastiert übrigens völlig mit den äußeren Umständen: Im Hamburger Frühling haben wir zu diesem Zeitpunkt (Mitte Mai!) sagenhafte 11 Grad Celsius. Dass dieser Wein nicht mit Sonnenhut und offenem Leinenhemd, sondern stattdessen im Rollkragenpullover und Filzhausschuhen verkostet wird, war sicher nicht im Sinne des Erfinders. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei diesem angenehmen Bouquet versetzt es mich aber ruckartig in den Schatten einer Toskana-Kiefer. Am Gaumen haben wir eine sich nicht in den Vordergrund spielende Säure und Anklänge von Mandeln (Restzucker: 3,3 g/l, Gesamtsäure: 5,2 g/l), im Finale im Ansatz cremig. Mehr als solide!</p>



<h2 class="wp-block-heading">Supertoskaner mit Vernaccia-DNA</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der anderen Flasche des Weinguts Teruzzi schlummert der <em>Terre di Tufi </em>(also Tuffstein-Boden). Dieser Wein stammt nicht direkt aus San Gimignano, hat aber dennoch eine Verbindung zu ersterem. Denn dieser Vino, dessen Reben vor den südlichen Toren Siennas stehen, besteht zur Hälfte ebenso aus Vernaccia. Den Rest machen 20 Prozent Trebbiano und 30 Prozent andere &#8222;aromatische Rebsorten&#8220; (Zitat: Homepage Teruzzi) aus. Bedeutet also: Auch wenn dieser Wein direkt aus San Gimignano käme, dürfte er nicht als DOCG-Produkt bezeichnet werden, da zur Hälfte aus anderen Rebsorten besteht. Bedeutet ebenso: Wir haben hier einen sogenannten weißen Supertoskaner vor uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzer Exkurs: Ein Supertoskaner (oder im Englischen: Super Tuscan) bezeichnet hochwertige Weine aus der&nbsp;Toskana, die seit den 1970er-Jahren bewusst mit den strengen traditionellen DOC- und DOCG-Regeln brachen, weil sie aus internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot gekeltert wurden und eben nicht aus der heimischen Sangiovese oder Vernaccia di San Gimignano. Viele dieser Weine überholten ihre Kollegen mit den ur-italienschen Rebsorten auf der Überholspur, sodass sie zu diesem Spitznamen kamen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1024x1024.jpeg" alt="Der Isola Bianca und der Terre di Tufi auf dem Küchentisch - beide aus dem Hause Teruzzi" class="wp-image-1768" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/05/IMG_4019-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"> Den Toskana-Effekt nachgespielt: Der Isola Bianca und der Terre di Tuffi von Teruzzi auf dem heimischen Küchentisch.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der Fruchtkorb bleibt gelb</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zurück zum <em>Terre di Tufi</em>, der entsprechend als IGT-Wein (vergleichbar mit dem deutschen Landwein) eingestuft ist. Im Glas strahlt uns ein sattes Strohgelb an. Und spätestens in der Nase kann dieser Wein seine teilweise Vergangenheit im Holz nicht verhehlen: ausladend, ein Hauch Karamell und dazu reife Ananas. Mich erwartet also ein Nachtisch.<br><br>So, probieren wir ihn mal: Ein mittlerer Körper mit nun deutlich wahrnehmbarer Eichennote, dazu Vanille. Die Ananas verflüchtigt sich nicht, bekommt vielmehr noch Besuch von Honigmelone und Aprikose &#8211; der Fruchtkorb bleibt auf jeden Fall gelb. Der Nachhall ist solide. Anders ausgedrückt: ein guter Wein, den man für rund 17 Euro bekommt. Ein großes Feuerwerk stellt sich am Gaumensegel aber nicht ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Italienische Weißweine haben es in Deutschland traditionell nicht leicht: Sie sollten tunlichst nicht mehr als zehn Euro kosten und am ehesten wird zu Lugana oder Soave gegriffen. Dass aber auch jenseits der italienischen Alpenausläufer spannende Weißweine produziert werden, fällt oft hinten über beziehungsweise direkt den Stiefel hinab: Denken wir nur an den kräuterwürzigen Verdicchio dei Castelli di Jesi oder noch weiter im Süden: den vollmundigen Fiano. Und siehe da, auch in der Toskana darf man ruhig mal bei Weiß abbiegen. In San Gimignano <em>weiß</em> man das schon länger.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>In ungewohnten Höhen: Silvaner aus Südtirol</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2026 14:29:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Da dieser Blog bekanntermaßen den Subtitel „Weine abseits des Mainstreams“ in seinem Briefkopf führt, wäre ein Artikel über das mittlerweile alles andere als mainstreamige Südtirol etwas merkwürdig bis irreführend. Nun war ich aber trotzdem vor Ort und möchte den ein oder anderen interessanten Aspekt meiner Reise in dieses abwechslungsreiche (hier ist es zur Abwechslung wirklich keine Phrase) Weinanbaugebiet erzählen. Vielleicht zoomen wir einfach etwas stärker ran und picken uns eine Rebsorte raus, die – anders als Vernatsch, Pinot grigio, Weißburgunder oder Gewürztraminer – nicht schlagartig zuerst genannt wird, wenn es eben um Südtirol geht, zum Beispiel: Silvaner. Im Südtiroler Rebsortenspiegel rangiert der Silvaner im gerade noch zählbaren Bereich mit einem Prozent Anbaufläche auf dem drittletzten Platz – also quasi der Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga. Und Fußballfans wissen: Da tummeln sich meist die interessantesten und traditionsreichsten Vereine. Von der Spitze grüßt der FC Bayern der Südtiroler Rebsorten: der Pinot grigio mit satten zwölf Prozent Anbaufläche. Es folgen Chardonnay und Gewürztraminer (beide bei elf Prozent) – sozusagen sichere Champions-League-Plätze. Aber lassen wir die Fußball-Allegorien jetzt mal in der Mottenkiste &#8230; Der Silvaner ist eine Traube, die ursprünglich aus Österreich stammt. Dort spielt er heute aber allenfalls nur noch eine Statistenrolle. Adoptiert haben ihn besonders die deutschen Anbaugebiete Rheinhessen und vor allem Franken, wo er auch eindeutig zum Lieblingskind avancierte (und sich entsprechend alles erlauben darf: Edelstahltank, Holzfass, Secco, Schorle …) Aber auch im französischen Elsass gehört er zum hiesigen Rebsortenadel, allerdings zumeist mit einem Vokal weniger auf dem Etikett: Sylvaner. Interessanterweise hält sich die Schreibweise im Alto Adrige, also Südtirol, die Waage: Silvaner oder Sylvaner findet man beides. Die weiße Wende: Südtirols Aufstieg&#160; Und dass Silvaner immer häufiger in Südtirol zu finden ist, hat die Rebe dem besonderen Prozess zu verdanken, dem sich das Anbaugebiet unterzogen hat. In den letzten fünf Jahrzehnten wurde konsequent von Rot- auf Weißwein umgesattelt, konkret: von dünnen Rotweinen überschaubarer Qualität (das mit dem Niveau war in den 1960er-/1970er-Jahren in vielen Regionen Italiens ein Problem) zu teilweise hochwertigen Weißweinen mit Alleinstellungsmerkmal. Heute haben die Top-Restaurants des Landes von Mailand bis Palermo mit Sicherheit einen Weißwein aus Südtirol auf der Karte.&#160; Der Großteil der Weine kommt unter der umfassenden Mantel-DOC „Alto Adige“ in den Handel. Geradezu prädestiniert für Silvaner ist aber die DOC Eisacktal (Valle isarco). Auf kargen Böden und spektakulären Steillagen entspringen mineralische Weine mit lebendiger Säure flussabwärts von Brixen über Klausen bis vor die Tore Bozens.&#160; Apropos Klausen, in dem knapp über 5.000 Einwohner zählenden Örtchen habe ich den, Achtung hier mit Y, Sylvaner der Kellerei Eisacktal probiert, welcher hier auf 520 bis 850 Metern Höhe wächst – einer Dimension, bei der selbst geübte Moselfans schon gottesfürchtig nach oben schauen, sich Reinhold Messner aber gerade mal die Schuhe zuschnürt.&#160; Eisack Newton und die Relativität des Schmelzes Obwohl dieser Tropfen von der Kellerei selbst vor allem als „frisch am Gaumen“ vorgestellt wird (so weit so nachvollziehbar), wirkte er für mich – unerwarteterweise – schon recht reichhaltig und voll im Mund. Immerhin lag der Wein sechs Monate im Edelstahltank auf der Feinhefe, was ihn – wir haben selbstverständlich keinen BSA (biologischer Säureabbau, d.h. die Umwandlung von Äpfel- in Milchsäure) durchlaufen – fast schon mit einem angedeuteten Schmelz ausstattet. Zudem haben wir Limette in der Nase und einen Funken Mineralik. Im direkten gedanklichen Vergleich mit der einschlägigen fränkischen Fraktion aber eine weniger expressive Kräuteraromatik. Dennoch ein wunderbarer Auftakt, gerne mehr davon! Zwei Tage später hatte ich in der Landeshauptstadt Bozen, wo der Eisack in die Etsch mündet (selbstverständlich nach den Naturgesetzen von Eisack Newton), die Gelegenheit zu einem weiteren Silvaner aus der Region &#8211; diesmal mit i. Beim Besuch der Kloster-Kellerei Muri-Gries bekam ich gleich den neuen Jahrgang (2025) ins Glas. Der Silvaner stammt direkt aus dem im Tal liegenden Bozen und hat entsprechend etwas weniger Höhenluft geatmet – auf gut 500 Meter kommen wir hier aber auch. Und in der Tat haben wir nun einen wirklich frischen Vertreter im Glas, der ein willkommener und wohltuender Kontrapunkt zum ersten Sonnenbrand des Jahres ist. Am Gaumen: ein deutlich schlankerer Körper als sein Vetter aus dem Eisacktal, dazu aber eine interessante Feuerstein-Note. Und als ich den Blick, für einen Moment im Einklang mit der Welt, langsam über die Rebstöcke und entlang der Klostermauern streifen ließ, fragte ich mich, warum Silvaner weltweit eigentlich so selten angebaut wird. Schade. Mehr Kern als Kork: Südtirols heimliche Bilanz Aber sammeln wir uns kurz wieder und nutzen die Pause für ein kurzes Round-up, bevor es wieder zurück in die Praxis geht. Fährt man über den Brenner in Richtung Gardasee oder Venedig bekommt man den Eindruck, Südtirol bestehe ausschließlich aus Rebflächen. Das täuscht. Mit rund 5.900 Hektar Weinrebfläche ist Südtirol sogar ein sehr kleines Anbaugebiet (zum Vergleich: das überschaubare deutsche Qualitätsanbaugebiet Franken hat 6.100 Hektar). Demgegenüber steht, dass Südtirol als das größte geschlossene Anbaugebiet für Äpfel Europas gilt: Hier haben wir mit rund 18.000 Hektar eine mehr als dreimal so große Fläche wie die im Vergleich zum Wein. Nicht, dass irgendwer noch auf die Idee kommt, Cidre zu machen. Wir sind noch immer in Bozen, genauer im bevölkerungsreichsten Viertel der Stadt, in Gries-Quirein am rechten Ufer des Flüsschens Talfer (jetzt haben wir alle drei Flüsse rund um Bozen komplett). Die ursprünglich unabhängige Ortschaft Gries wurde durch die Faschisten 1925 ein Teil Bozens und als Konsequenz dessen von einer Vielzahl neuer und vor allem großer Straßen durchzogen sowie mit gewaltigen Gebäuden ausgestattet. Es sollte der vorzeigbare Teil des faschistischen Größenwahns von &#8222;Groß-Bozen&#8220; werden. Gries: Zwischen Kloster, Kult-Label und Kellerei-Quader Der Ortskern ist zum Glück noch immer erkennbar: Nur einen Steinwurf von der Kloster-Kellerei Muri-Gries entfernt, gibt es eine kleine Piazza, wo man zwischen Aperol und Americano gewohnt schnell auf typisch italienische Betriebstemperatur kommt. Dort stand auch knapp 100 Jahre die Kellerei Gries, bis sie sich 2001 mit der Kellerei St. Magdalena&#160;zur Kellerei Bozen zusammenschloss. Man zog etwas weiter in den Osten des Stadtgebiets und baute sich einen überdimensionalen Quader, in dem alle Produktionsschritte und die Verwaltung untergebracht (fast hätte ich gesagt zusammengewürfelt) sind &#8211; heute ist die Kellerei Bozen eine der wichtigsten und einflussreichsten Winzergenossenschaften der Region. Damit der Abschied aus Südtirol nicht so allzu schwer fällt, habe ich mir aus dieser Kellerei für zu Hause noch einen weiteren Silvaner eingepackt und – wir sind ja schließlich Connaisseurs – bis zur Spargelzeit mit dem Öffnen gewartet. Interessanterweise prangt auf dem Etikett noch das Logo und der Schriftzug der alten und nicht mehr in der Form existenten Kellerei (Cantina) Gries. Offenbar nutzt die Kellerei Bozen diesen historischen Namen (Vorabendmagazine würden sagen: das Kult-Label) weiterhin als Produktlinie. Auf dem Rücketikett ist jedenfalls offiziell die Kellerei Bozen als Abfüller zu erkennen &#8230; wine not. Der Silvaner bleibt hier cool &#8230; Ötzi auch Jedenfalls strahlt mich ein helles Goldgelb aus dem Glas an. Insgesamt bleibt dieser Silvaner aber erstmal vorsichtig zurückhaltend (verständlich &#8211; nicht jeder möchte eine fremde Nase in seiner Distanzzone haben), zugleich etwas zitrisch und durchaus klar. Am Gaumen ist er deutlich als Silvaner erkennbar: schlanker Körper, leichte Mineralik sowie eine präsente Kräuteraromatik, eventuell sogar etwas Pfeffer. Alles zusammen für meinen Geschmack aber etwas zu bescheiden, wenn nicht sogar karg. Dafür würde die Gletschermumie Ötzi, die drei Kilometer entfernt im Archäologiemuseum liegt, sich zweifellos nicht noch einmal bequemen und sich aus der Eiskammer herausschälen. Die drei verkosteten Einstiegssilvaner stellen sicherlich kein vollständig repräsentatives Abbild dar; ebenso lag der Verkostung keine vorab ausgearbeitete Methodik zugrunde. Dennoch vermittelt diese stichprobenartige Annäherung einen aufschlussreichen ersten Eindruck, mit welcher Stilistik man hier ins Rennen geht. Und gerade im Vergleich zum Silvaner-Freistaat Franken nehme ich hier eine deutlich weniger ausdrucksstarke Kräuteraromatik und Mineralik wahr. Am Ende könnte das auch ein wesentlicher Baustein sein, weshalb ich fränkischen Silvanern im direkten Vergleich eher das in der Weinsprache etwas überstrapazierte Wort „Grip“ – im Sinne von Spannung und Struktur – zuschreiben würde. Strukturiert ging es auf der Rückreise mit der Bahn jedenfalls nicht zu, was aber weniger an meiner klugen wie vorausschauenden Planung als am Transportunternehmen selbst lag. Das nächste Mal dann gerne mit dem Auto und sowieso unbedingt sofort wieder. Die Kiste Wein passt ja schließlich auch besser in den Kofferraum als in die Hutablage der zweiten Klasse. Ob&#8217;s dann aber eine Kiste Silvaner wird &#8230; mal schauen.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Da dieser Blog bekanntermaßen den Subtitel „Weine abseits des Mainstreams“ in seinem Briefkopf führt, wäre ein Artikel über das mittlerweile alles andere als mainstreamige Südtirol etwas merkwürdig bis irreführend. Nun war ich aber trotzdem vor Ort und möchte den ein oder anderen interessanten Aspekt meiner Reise in dieses abwechslungsreiche (hier ist es zur <em>Abwechslung</em> wirklich keine Phrase) Weinanbaugebiet erzählen. Vielleicht zoomen wir einfach etwas stärker ran und picken uns eine Rebsorte raus, die – anders als Vernatsch, Pinot grigio, Weißburgunder oder Gewürztraminer – nicht schlagartig zuerst genannt wird, wenn es eben um Südtirol geht, zum Beispiel: Silvaner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im <a href="https://www.suedtirolwein.com/weinsorten/weinsorten" type="link" id="https://www.suedtirolwein.com/weinsorten/weinsorten">Südtiroler Rebsortenspiegel</a> rangiert der Silvaner im gerade noch zählbaren Bereich mit einem Prozent Anbaufläche auf dem drittletzten Platz – also quasi der Relegationsplatz der Fußball-Bundesliga. Und Fußballfans wissen: Da tummeln sich meist die interessantesten und traditionsreichsten Vereine. Von der Spitze grüßt der FC Bayern der Südtiroler Rebsorten: der Pinot grigio mit satten zwölf Prozent Anbaufläche. Es folgen Chardonnay und Gewürztraminer (beide bei elf Prozent) – sozusagen sichere Champions-League-Plätze. Aber lassen wir die Fußball-Allegorien jetzt mal in der Mottenkiste &#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Silvaner ist eine Traube, die ursprünglich <a href="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/oesterreicher/" type="link" id="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/oesterreicher/">aus Österreich</a> stammt. Dort spielt er heute aber allenfalls nur noch eine Statistenrolle. Adoptiert haben ihn besonders die deutschen Anbaugebiete Rheinhessen und vor allem Franken, wo er auch eindeutig zum Lieblingskind avancierte (und sich entsprechend alles erlauben darf: Edelstahltank, Holzfass, Secco, Schorle …) Aber auch im französischen Elsass gehört er zum hiesigen Rebsortenadel, allerdings zumeist mit einem Vokal weniger auf dem Etikett: Sylvaner. Interessanterweise hält sich die Schreibweise im Alto Adrige, also Südtirol, die Waage: Silvaner oder Sylvaner findet man beides.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die weiße Wende: Südtirols Aufstieg&nbsp;</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1024x1024.jpeg" alt="Ein Schild mit der Aufschrift &quot;Südtiroler Weinstraße&quot;." class="wp-image-1699" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3486-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Und sofort hat man einen Ohrwurm &#8222;Strada del Sole&#8220; von Rainhard Fendrich. Dagegen hilft nur ein Glas Silvaner. Ach komm, eine Flasche!</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass Silvaner immer häufiger in Südtirol zu finden ist, hat die Rebe dem besonderen Prozess zu verdanken, dem sich das Anbaugebiet unterzogen hat. In den letzten fünf Jahrzehnten wurde konsequent von Rot- auf Weißwein umgesattelt, konkret: von dünnen Rotweinen überschaubarer Qualität (das mit dem Niveau war in den 1960er-/1970er-Jahren in vielen Regionen Italiens ein Problem) zu teilweise hochwertigen Weißweinen mit Alleinstellungsmerkmal. Heute haben die Top-Restaurants des Landes von Mailand bis Palermo mit Sicherheit einen Weißwein aus Südtirol auf der Karte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Großteil der Weine kommt unter der umfassenden Mantel-DOC <a href="https://www.suedtirolwein.com/unser-wein/herkunft-doc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Alto Adige“</a> in den Handel. Geradezu prädestiniert für Silvaner ist aber die DOC Eisacktal (Valle isarco). Auf kargen Böden und spektakulären Steillagen entspringen mineralische Weine mit lebendiger Säure flussabwärts von Brixen über Klausen bis vor die Tore Bozens.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Klausen, in dem knapp über 5.000 Einwohner zählenden Örtchen habe ich den, Achtung hier mit Y, Sylvaner der <a href="https://www.kellerei-eisacktal.it" type="link" id="https://www.kellerei-eisacktal.it" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kellerei Eisacktal</a> probiert, welcher hier auf 520 bis 850 Metern Höhe wächst – einer Dimension, bei der selbst geübte Moselfans schon gottesfürchtig nach oben schauen, sich Reinhold Messner aber gerade mal die Schuhe zuschnürt.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eisack Newton und die Relativität des Schmelzes</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1024x1024.jpeg" alt="Blick auf Klausen am Eisack." class="wp-image-1697" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3574-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blick auf Klausen am Eisack, wo großartige Bedingungen für frische Weine aus attraktiven Höhenlagen herrschen.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl dieser Tropfen von der Kellerei selbst vor allem als „frisch am Gaumen“ vorgestellt wird (so weit so nachvollziehbar), wirkte er für mich – unerwarteterweise – schon recht reichhaltig und voll im Mund. Immerhin lag der Wein sechs Monate im Edelstahltank auf der Feinhefe, was ihn – wir haben selbstverständlich keinen BSA (biologischer Säureabbau, d.h. die Umwandlung von Äpfel- in Milchsäure) durchlaufen – fast schon mit einem angedeuteten Schmelz ausstattet. Zudem haben wir Limette in der Nase und einen Funken Mineralik. Im direkten gedanklichen Vergleich mit der einschlägigen fränkischen Fraktion aber eine weniger expressive Kräuteraromatik. Dennoch ein wunderbarer Auftakt, gerne mehr davon!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Tage später hatte ich in der Landeshauptstadt Bozen, wo der Eisack in die Etsch mündet (selbstverständlich nach den Naturgesetzen von Eisack Newton), die Gelegenheit zu einem weiteren Silvaner aus der Region &#8211; diesmal mit i. Beim Besuch der <a href="https://www.muri-gries.com/de" type="link" id="https://www.muri-gries.com/de">Kloster-Kellerei Muri-Gries</a> bekam ich gleich den neuen Jahrgang (2025) ins Glas. Der Silvaner stammt direkt aus dem im Tal liegenden Bozen und hat entsprechend etwas weniger Höhenluft geatmet – auf gut 500 Meter kommen wir hier aber auch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und in der Tat haben wir nun einen wirklich frischen Vertreter im Glas, der ein willkommener und wohltuender Kontrapunkt zum ersten Sonnenbrand des Jahres ist. Am Gaumen: ein deutlich schlankerer Körper als sein Vetter aus dem Eisacktal, dazu aber eine interessante Feuerstein-Note. Und als ich den Blick, für einen Moment im Einklang mit der Welt, langsam über die Rebstöcke und entlang der Klostermauern streifen ließ, fragte ich mich, warum Silvaner weltweit eigentlich so selten angebaut wird. Schade.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1024x1024.jpeg" alt="Eine Parzelle Wein im Innenhof der Klosterkellerei Muri-Gries." class="wp-image-1696" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/03/IMG_3607-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Innenhof der Klosterkellerei Muri-Gries. Habe spontan beschlossen, auf Abt oder zumindest Klosterbruder umzusatteln.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr Kern als Kork: Südtirols heimliche Bilanz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sammeln wir uns kurz wieder und nutzen die Pause für ein kurzes Round-up, bevor es wieder zurück in die Praxis geht. Fährt man über den Brenner in Richtung Gardasee oder Venedig bekommt man den Eindruck, Südtirol bestehe ausschließlich aus Rebflächen. Das täuscht. Mit rund 5.900 Hektar Weinrebfläche ist Südtirol sogar ein sehr kleines Anbaugebiet (zum Vergleich: das überschaubare deutsche Qualitätsanbaugebiet Franken hat 6.100 Hektar). Demgegenüber steht, dass Südtirol als das größte geschlossene Anbaugebiet für Äpfel Europas gilt: Hier haben wir mit rund <a href="https://www.suedtirolerapfel.com/de/suedtirol-und-der-apfelanbau/anbaugebiet.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">18.000 Hektar</a> eine mehr als dreimal so große Fläche wie die im Vergleich zum Wein. Nicht, dass irgendwer noch auf die Idee kommt, Cidre zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind noch immer in Bozen, genauer im bevölkerungsreichsten Viertel der Stadt, in Gries-Quirein am rechten Ufer des Flüsschens Talfer (jetzt haben wir alle drei Flüsse rund um Bozen komplett). Die ursprünglich unabhängige Ortschaft Gries wurde durch die Faschisten 1925 ein Teil Bozens und als Konsequenz dessen von einer Vielzahl neuer und vor allem großer Straßen durchzogen sowie mit gewaltigen Gebäuden ausgestattet. Es sollte der vorzeigbare Teil des faschistischen Größenwahns von &#8222;Groß-Bozen&#8220; werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gries: Zwischen Kloster, Kult-Label und Kellerei-Quader</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1024x1024.jpeg" alt="Praktisch, quadratisch, gut - der neue Sitz der Kellerei Bozen." class="wp-image-1713" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3502-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Praktisch, quadratisch, ruht &#8211; der neue Sitz der Kellerei Bozen. Typisches Habitat eines klassischen Bond-Bösewichts.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ortskern ist zum Glück noch immer erkennbar: Nur einen Steinwurf von der Kloster-Kellerei Muri-Gries entfernt, gibt es eine kleine Piazza, wo man zwischen Aperol und Americano gewohnt schnell auf typisch italienische Betriebstemperatur kommt. Dort stand auch knapp 100 Jahre die Kellerei Gries, bis sie sich 2001 mit der Kellerei St. Magdalena&nbsp;zur <a href="https://www.kellereibozen.com" type="link" id="https://www.kellereibozen.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kellerei Bozen</a> zusammenschloss. Man zog etwas weiter in den Osten des Stadtgebiets und baute sich einen überdimensionalen Quader, in dem alle Produktionsschritte und die Verwaltung untergebracht (fast hätte ich gesagt <em>zusammengewürfelt</em>) sind &#8211; heute ist die Kellerei Bozen eine der wichtigsten und einflussreichsten Winzergenossenschaften der Region.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit der Abschied aus Südtirol nicht so allzu schwer fällt, habe ich mir aus dieser Kellerei für zu Hause noch einen weiteren Silvaner eingepackt und – wir sind ja schließlich Connaisseurs – bis zur Spargelzeit mit dem Öffnen gewartet. Interessanterweise prangt auf dem Etikett noch das Logo und der Schriftzug der alten und nicht mehr in der Form existenten Kellerei (Cantina) Gries. Offenbar nutzt die Kellerei Bozen diesen historischen Namen (Vorabendmagazine würden sagen: das Kult-Label) weiterhin als Produktlinie. Auf dem Rücketikett ist jedenfalls offiziell die Kellerei Bozen als Abfüller zu erkennen &#8230; wine not.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="1711" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1024x1024.jpeg" alt="Der Silvaner mit der Aufschrift &quot;Cantina Gries Bolzano&quot;" class="wp-image-1711" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3795-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Silvaner mit der Aufschrift &#8222;Cantina Gries Bolzano&#8220;</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" data-id="1710" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1024x1024.jpeg" alt="Rücketikett des Silvaners mit der Aufschrift &quot;Cantina Gries Bolzano&quot;" class="wp-image-1710" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/04/IMG_3809-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Und hier das Rücketikett mit dem Hinweis, wo er abgefüllt wurde.</figcaption></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Der Silvaner bleibt hier cool &#8230; Ötzi auch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls strahlt mich ein helles Goldgelb aus dem Glas an. Insgesamt bleibt dieser Silvaner aber erstmal vorsichtig zurückhaltend (verständlich &#8211; nicht jeder möchte eine fremde Nase in seiner Distanzzone haben), zugleich etwas zitrisch und durchaus klar. Am Gaumen ist er deutlich als Silvaner erkennbar: schlanker Körper, leichte Mineralik sowie eine präsente Kräuteraromatik, eventuell sogar etwas Pfeffer. Alles zusammen für meinen Geschmack aber etwas zu bescheiden, wenn nicht sogar karg. Dafür würde die Gletschermumie Ötzi, die drei Kilometer entfernt im <a href="https://www.iceman.it/de" type="link" id="https://www.iceman.it/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Archäologiemuseum</a> liegt, sich zweifellos nicht noch einmal bequemen und sich aus der Eiskammer herausschälen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die drei verkosteten Einstiegssilvaner stellen sicherlich kein vollständig repräsentatives Abbild dar; ebenso lag der Verkostung keine vorab ausgearbeitete Methodik zugrunde. Dennoch vermittelt diese stichprobenartige Annäherung einen aufschlussreichen ersten Eindruck, mit welcher Stilistik man hier ins Rennen geht. Und gerade im Vergleich zum Silvaner-Freistaat <a href="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/" type="link" id="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/">Franken</a> nehme ich hier eine deutlich weniger ausdrucksstarke Kräuteraromatik und Mineralik wahr. Am Ende könnte das auch ein wesentlicher Baustein sein, weshalb ich fränkischen Silvanern im direkten Vergleich eher das in der Weinsprache etwas überstrapazierte Wort „Grip“ – im Sinne von Spannung und Struktur – zuschreiben würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Strukturiert ging es auf der Rückreise mit der Bahn jedenfalls nicht zu, was aber weniger an meiner klugen wie vorausschauenden  Planung als am Transportunternehmen selbst lag. Das nächste Mal dann gerne mit dem Auto und sowieso unbedingt sofort wieder. Die Kiste Wein passt ja schließlich auch besser in den Kofferraum als in die Hutablage der zweiten Klasse. Ob&#8217;s dann aber eine Kiste Silvaner wird &#8230; mal schauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/in-ungewohnten-hoehen-silvaner-aus-suedtirol/">In ungewohnten Höhen: Silvaner aus Südtirol</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Heiliger Holzschuh: Wein aus Holland!</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 17:47:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Neulich war ich zu Besuch in den Niederlanden. Dass dort Wein angebaut wird, ist für den geneigten Weinfreund und die kenntnisreiche Weinliebhaberin inzwischen keine Neuigkeit mehr. Allerdings war ich in der nordöstlichen Region Groningen unterwegs. Hier gibt es zwar den ein oder anderen Betrieb, der Erzeugnisse der Kategorie Landwein produziert, mit Fine Wine aber ungefähr so viel zu tun hat wie die Rioja mit frischem Matjes. Immerhin habe ich mir aus einem hiesigen Fachgeschäft einen niederländischen Weißwein mitgebracht und einen weiteren bestellt (dazu später noch mehr). Aber reicht das aus, um einen Artikel über den Weinbau in den Niederlanden zu schreiben? Na klar, macht ja sonst keiner. Weinanbau in den Niederlanden: Von Römern, Reben und Rückschlägen Beginnen wir mit einem kurzen Round-up: Auf dem Gebiet der heutigen Niederlande wurde sehr wahrscheinlich bereits durch die Römer vor gut 2.000 Jahren Wein angebaut. Ob diese ihren Gladiatoren zu Hause ein paar Gouda-Laibe als Schutzschild mitgebracht haben, ist nicht gesichert, aber eine schöne Vorstellung. Erste schriftliche Nachweise, die Weinbau belegen, datieren aber erst aus dem 10. Jahrhundert.&#160; Gute vier Jahrhunderte später schien sich dann die südliche Provinz Limburg als Hotspot in Sachen Wein einen Namen zu machen. Aber wie schon in meinem Artikel über belgischen Wein beschrieben, war es auch hier die Kleine Eiszeit, die das zarte Flämmchen des niederländischen Weinbaus rasch in den Würgegriff nahm. Die anschließende napoleonische Ära brach Hollands Wirtschaft dann vollends den Rücken. Riesling statt Solaris: Der feine Unterschied im Norden So richtig weiter mit nederlandse wijnen ging es dann erst wieder Ende der 1960er-Jahre. Mittlerweile wird die Gesamtzahl an Hektar in unserem kleinen Nachbarland auf 400 geschätzt, also immer noch weniger Hektar, als das kleinste deutsche Anbaugebiet, die Hessische Bergstraße, hat (461 ha).Immerhin verfügen die Niederlande aber über zwei ausgewiesene Qualitätsanbaugebiete (also in EU-Deutsch: geschützte Ursprungsbezeichnung, g.U.): Maasvallei Limburg und Mergelland. Hinzu kommen einige Landwein-Areale (geschützte geografische Angabe, g.g.A.) wie schon das erwähnte Groningen, Flevoland oder Zeeland. Das reicht natürlich längst nicht aus, um den nationalen Weinbedarf annähernd zu decken: Die meisten Importe bezieht das Königreich aus Frankreich, Italien und Deutschland (in so einen Wohnwagen passt eine Menge rein …). Zum Vergleich: Das ebenso kleine Dänemark bringt es schätzungsweise nur auf 100 Hektar Weinanbaufläche und genau ein Qualitätsanbaugebiet. Und die Unterschiede zu vermeintlich aufkeimenden skandinavischen Weinnationen sind auf vielen Ebenen erheblich. So erfreuen sich viele belgische wie niederländische Winzerinnen und Winzer eines kalkhaltigen Bodens (unter anderem ein Grund, weshalb Chardonnay recht gut in Belgien funktioniert). Zudem lässt das &#8211; im Vergleich zu Dänemark oder Schweden &#8211; doch recht milde Wetter auch den Anbau von traditionellen Sorten wie Riesling, Müller-Thurgau oder Auxerrois zu. In Skandinavien, dem nördlichen Polen oder den vielen Landwein-Gebieten Norddeutschlands wird in der Regel im großen Stil auf klimabeständige PiWi-Sorten wie Solaris, Johanniter oder Regent gesetzt. Den Test der Zeit müssen diese jungen Neukreuzungen aber erst noch bestehen. Lieber Maas-Riesling statt eine Maß Bier Kommen wir aber nun nach der grauen bzw. orangenen Theorie zum belohnenden Praxis-Teil. Wie schon im ersten Absatz angedeutet, habe ich mir zwei niederländische Weine in die Küche gestellt (und geöffnet). Ich beginne mit einem Maas-Riesling (keiner Maß Riesling!) vom Weingut Thorn aus der Maasvallei in Limburg, welche grob zwischen Maastricht und Mönchengladbach liegt. Passend zu den olympischen Winterspielen, die nebenan im Fernseher laufen, strahlt mich hier ein sattes Goldgelb an. In der Nase macht sich sofort ein Bienenwachs-Aroma breit, das in reifen Pfirsich übergeht. Am Gaumen dann volle Lotte Grüner-Apfelaromen, später – und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Abgang ist beachtlich – wieder Bienenwachs. Erinnert mich von der Stilistik her etwas an die Rieslinge vom nördlichen Mittelrhein – so weit sind wir geografisch ja auch nicht auseinander. Ein beachtlicher Riesling, der an Fülle und Aroma wenig zu wünschen übrig lässt. Filigran oder gar lichtfüßig ist er nicht, aber insofern bleiben wir im Bild: eher Holz- als Ballettschuh. Caipi auf Niederländisch Kommen wir zu unserem zweiten Holländer: der Rivaner (also Müller-Thurgau) vom Weingut Hoeve Nekum aus dem anderen Qualitätsanbaugebiet Mergelland, das östlich von Maastricht beginnt und sich bis knapp vor die Tore Aachens erstreckt (oder wie wir frankophile Weinfreunde zu sagen pflegen: Aix-la-Chapelle). Farblich weniger intensiv als der Riesling von Thorn, dafür schon fast mit Grünstich. Und in der Nase bestätigt sich dies prompt: Limette trifft auf grünen Apfel, dazu eine Prise Muskatnuss. Am Gaumen öffnet sich dann vorsichtig ein Honigglas, das – gepaart mit der Limette – fast schon für Caipi-Stimmung mitten im tristen Februar sorgt. Wir haben hier einen vollmundigen Wein vor der Nase, der zwar Rivaner-typisch säurearm daherkommt, durch seine grüne Fruchtaromatik aber dennoch einen vitalen Frische-Kick hinten ans Zäpfchen hämmert. Auch dieser Wein aus den Niederlanden überrascht &#8230; positiv. Selbst wenn diese – zugegebenermaßen beschränkte Weinauswahl – niemals stellvertretend für die Weine aus den Niederlanden a priori stehen soll, ziehe ich dennoch ein höchst erfreuliches Fazit und freue mich auf mehr. Sowohl mit dem Riesling als auch mit dem Rivaner hatte ich zwei vollmundige Tropfen im Glas, die nicht nur – mehr oder weniger – typisch die jeweilige Rebsorte abbildeten (der Riesling etwas mehr als der Rivaner), sondern darüber hinaus im Gesamtbild überzeugten. Landweinpläne und letzte Pointe Der nächste logische Schritt wäre sicherlich die Verköstigung niederländischer Landweine sowie ein umfangreicherer Deep Dive in Sachen Weine aus der Maasvallei und Mergelland. Die Verlockung, vor Ort zu einer großen Portion Pommes ein belgisches Trappistenbier zu bestellen, ist allerdings nicht gering. Und hier nun noch der Kalauer, den ich mir bis zum Schluss aufgehoben habe: Wie nennt man in Holland maischevergorenen Weißwein aus Quevris? Richtig: Oranje Wein. Tot ziens!</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Neulich war ich zu Besuch in den Niederlanden. Dass dort Wein angebaut wird, ist für den geneigten Weinfreund und die kenntnisreiche Weinliebhaberin inzwischen keine Neuigkeit mehr. Allerdings war ich in der nordöstlichen Region Groningen unterwegs. Hier gibt es zwar den ein oder anderen Betrieb, der Erzeugnisse der Kategorie Landwein produziert, mit Fine Wine aber ungefähr so viel zu tun hat wie die Rioja mit frischem Matjes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immerhin habe ich mir aus einem hiesigen Fachgeschäft einen niederländischen Weißwein mitgebracht und einen weiteren bestellt (dazu später noch mehr). Aber reicht das aus, um einen Artikel über den Weinbau in den Niederlanden zu schreiben? Na klar, macht ja sonst keiner.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weinanbau in den Niederlanden: Von Römern, Reben und Rückschlägen<br></h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1024x1024.jpeg" alt="Ein Boot mit Käselaiben in Alkmaar." class="wp-image-1637" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_4662-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Holland in einem Bild: Mehr Käse als Weinlese.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Beginnen wir mit einem kurzen Round-up: Auf dem Gebiet der heutigen Niederlande wurde sehr wahrscheinlich bereits durch die Römer vor gut 2.000 Jahren Wein angebaut. Ob diese ihren Gladiatoren zu Hause ein paar Gouda-Laibe als Schutzschild mitgebracht haben, ist nicht gesichert, aber eine schöne Vorstellung. Erste schriftliche Nachweise, die Weinbau belegen, datieren aber erst aus dem 10. Jahrhundert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gute vier Jahrhunderte später schien sich dann die südliche Provinz Limburg als Hotspot in Sachen Wein einen Namen zu machen. Aber wie schon in meinem Artikel über <a href="https://traubengucker.de/regionen/belgischer-wein-muss-das-sein/">belgischen Wein</a> beschrieben, war es auch hier die Kleine Eiszeit, die das zarte Flämmchen des niederländischen Weinbaus rasch in den Würgegriff nahm. Die anschließende napoleonische Ära brach Hollands Wirtschaft dann vollends den Rücken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Riesling statt Solaris: Der feine Unterschied im Norden<br></h2>



<p class="wp-block-paragraph">So richtig weiter mit <em>nederlandse wijnen</em> ging es dann erst wieder Ende der 1960er-Jahre. Mittlerweile wird die Gesamtzahl an Hektar in unserem kleinen Nachbarland auf <a href="https://www.designenwijn.com/de/wie-viele-weinguter-gibt-es-in-den-niederlanden/?utm_source=chatgpt.com" type="link" id="https://www.designenwijn.com/de/wie-viele-weinguter-gibt-es-in-den-niederlanden/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">400 geschätzt</a>, also immer noch weniger Hektar, als das kleinste deutsche Anbaugebiet, die Hessische Bergstraße, hat (461 ha).<br>Immerhin verfügen die Niederlande aber über zwei ausgewiesene Qualitätsanbaugebiete (also in EU-Deutsch: geschützte Ursprungsbezeichnung, g.U.): Maasvallei Limburg und Mergelland. Hinzu kommen einige Landwein-Areale (geschützte geografische Angabe, g.g.A.) wie schon das erwähnte Groningen, Flevoland oder Zeeland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das reicht natürlich längst nicht aus, um den nationalen Weinbedarf annähernd zu decken: Die meisten Importe bezieht das Königreich aus Frankreich, Italien und Deutschland (in so einen Wohnwagen passt eine Menge rein …).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Vergleich: Das ebenso kleine <a href="https://traubengucker.de/regionen/skal-weinbau-in-daenemark/">Dänemark</a> bringt es schätzungsweise nur auf 100 Hektar Weinanbaufläche und genau ein Qualitätsanbaugebiet. Und die Unterschiede zu vermeintlich aufkeimenden skandinavischen Weinnationen sind auf vielen Ebenen erheblich. So erfreuen sich viele belgische wie niederländische Winzerinnen und Winzer eines kalkhaltigen Bodens (unter anderem ein Grund, weshalb Chardonnay recht gut in Belgien funktioniert). Zudem lässt das &#8211; im Vergleich zu Dänemark oder Schweden &#8211; doch recht milde Wetter auch den Anbau von traditionellen Sorten wie Riesling, Müller-Thurgau oder Auxerrois zu. In Skandinavien, dem nördlichen Polen oder den vielen Landwein-Gebieten Norddeutschlands wird in der Regel im großen Stil auf klimabeständige PiWi-Sorten wie Solaris, Johanniter oder Regent gesetzt. Den Test der Zeit müssen diese jungen Neukreuzungen aber erst noch bestehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lieber Maas-Riesling statt eine Maß Bier</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1024x1024.jpeg" alt="Der Riesling vom Wijngoed Thorn aus Maasvallei." class="wp-image-1643" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3092-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Maas halten lautet das Motto: Der Riesling vom Wijngoed Thorn aus dem Limburger Maasvallei.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kommen wir aber nun nach der grauen bzw. orangenen Theorie zum belohnenden Praxis-Teil. Wie schon im ersten Absatz angedeutet, habe ich mir zwei niederländische Weine in die Küche gestellt (und geöffnet).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich beginne mit einem Maas-Riesling (keiner Maß Riesling!) vom Weingut Thorn aus der Maasvallei in Limburg, welche grob zwischen Maastricht und Mönchengladbach liegt. Passend zu den olympischen Winterspielen, die nebenan im Fernseher laufen, strahlt mich hier ein sattes Goldgelb an. In der Nase macht sich sofort ein Bienenwachs-Aroma breit, das in reifen Pfirsich übergeht. Am Gaumen dann volle Lotte Grüner-Apfelaromen, später – und das ist wörtlich zu nehmen, denn der Abgang ist beachtlich – wieder Bienenwachs. Erinnert mich von der Stilistik her etwas an die Rieslinge vom nördlichen <a href="https://traubengucker.de/regionen/weine-aus-dem-siebengebirge/">Mittelrhein</a> – so weit sind wir geografisch ja auch nicht auseinander. Ein beachtlicher Riesling, der an Fülle und Aroma wenig zu wünschen übrig lässt. Filigran oder gar lichtfüßig ist er nicht, aber insofern bleiben wir im Bild: eher Holz- als Ballettschuh.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Caipi auf Niederländisch</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1024x1024.jpeg" alt="Der Rivaner vom Weingut Hoeve Nekum aus Mergelland auf dem Küchentisch." class="wp-image-1660" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2026/02/IMG_3143-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Oberste Regel bei Weinen aus Holland: Immer eine Vase Tulpen mit auf den Tisch stellen.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Kommen wir zu unserem zweiten Holländer: der Rivaner (also Müller-Thurgau) vom Weingut Hoeve Nekum aus dem anderen Qualitätsanbaugebiet Mergelland, das östlich von Maastricht beginnt und sich bis knapp vor die Tore Aachens erstreckt (oder wie wir frankophile Weinfreunde zu sagen pflegen: Aix-la-Chapelle). Farblich weniger intensiv als der Riesling von Thorn, dafür schon fast mit Grünstich. Und in der Nase bestätigt sich dies prompt: Limette trifft auf grünen Apfel, dazu eine Prise Muskatnuss. Am Gaumen öffnet sich dann vorsichtig ein Honigglas, das – gepaart mit der Limette – fast schon für Caipi-Stimmung mitten im tristen Februar sorgt. Wir haben hier einen vollmundigen Wein vor der Nase, der zwar Rivaner-typisch säurearm daherkommt, durch seine grüne Fruchtaromatik aber dennoch einen vitalen Frische-Kick hinten ans Zäpfchen hämmert. Auch dieser Wein aus den Niederlanden überrascht &#8230; positiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn diese – zugegebenermaßen beschränkte Weinauswahl – niemals stellvertretend für die Weine aus den Niederlanden a priori stehen soll, ziehe ich dennoch ein höchst erfreuliches Fazit und freue mich auf mehr. Sowohl mit dem Riesling als auch mit dem Rivaner hatte ich zwei vollmundige Tropfen im Glas, die nicht nur – mehr oder weniger – typisch die jeweilige Rebsorte abbildeten (der Riesling etwas mehr als der Rivaner), sondern darüber hinaus im Gesamtbild überzeugten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Landweinpläne und letzte Pointe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der nächste logische Schritt wäre sicherlich die Verköstigung niederländischer Landweine sowie ein umfangreicherer Deep Dive in Sachen Weine aus der Maasvallei und Mergelland. Die Verlockung, vor Ort zu einer großen Portion Pommes ein belgisches Trappistenbier zu bestellen, ist allerdings nicht gering. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und hier nun noch der Kalauer, den ich mir bis zum Schluss aufgehoben habe: Wie nennt man in Holland maischevergorenen Weißwein aus Quevris? Richtig: Oranje Wein. Tot ziens!</p>
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		<title>Mittelburgenland: Blaufränkisch als Lebenskonzept</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Sep 2025 12:56:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Blickt man von Norddeutschland aus hinunter ins Weinbauland Österreich, bleibt das Auge oft im Weinviertel hängen: ein Schlaraffenland, in dem die Donau nicht aus Wasser, sondern Grünem Veltliner zu bestehen scheint. Hie und da, zwischen Wiesen aus Wachauer Marillenknödeln, fließt vielleicht noch ein Bächlein mit Riesling oder Pinot durch die Landschaft. Dabei lohnt es sich durchaus, über die Bundeshauptstadt Wien und die hiesigen Gemischten Sätze hinweg bis ins Burgenland an die ungarische Grenze zu gucken. Denn diese Ecke des Landes ist – um mich eines Hamburger Idioms zu bemühen – ein ganz anderer Schnack. Durch das pannonische Klima sind die Sommer hier deutlich heißer als im Rest der Republik. Insofern geben im äußersten Südosten die roten Sorten Blaufränkisch und Zweigelt den Ton an, während der Grüne Veltliner im Rebsortenspiegel mit einem Anteil von unter zehn Prozent nur auf Platz drei kommt (in Niederösterreich stellt er dagegen jede zweite Rebe). Rund um den Neusiedler See kommen Süßwein-Fans natürlich auch auf ihre Kosten: Neblig-kühle Morgen sind ideale Edelfäule-Bedingungen – ein Pilz (Botrytis), den sich die Winzer auf der ungarischen Seite unter anderem für ihren Tokaji Aszú zunutze machen. Hier regiert Blaufränkisch – die &#8222;Queen of Rosé&#8220; macht den Hofstaat komplett Alles andere als edelfaul springe ich jedenfalls am Wiener Hauptbahnhof in den Zug Richtung Mittelburgenland. Das Mittelburgenland ist eine von sechs DACs (Districtus Austria Controllatus, die Herkunftsbezeichnung für Qualitätswein) im Burgenland. Und überraschenderweise sind alle sechs Appellationen doch recht unterschiedlich: Während beispielsweise in Rosalia versucht wird, den Winzern in der Provence in Sachen Rosé Konkurrenz zu machen, steht Ruster Ausbruch für Süßweine und Leithaberg wiederum für Weißweine aus Chardonnay oder Grünem Veltliner. Das Mittelburgenland jedenfalls trägt den Spitznamen „Blaufränkischland“ – und spätestens jetzt weiß man auch, was einen für gewöhnlich hier erwartet: kräftige, rote Weine aus ebendieser Sorte. Ich schreibe für gewöhnlich, denn ich habe mich hier mit Pia Strehn verabredet, die zwar für Blaufränkisch-Weine steht, vor allem aber mit ihren Rosés für Furore sorgt, was ihr nicht zu Unrecht den Beinamen „Queen of Rosé“ eingebracht hat. Und, offen gestanden, stimmt mich die Aussicht auf gekühlten Rosé auch milde, als ich den Bahnsteig in Deutschkreutz an diesem Augusttag bei 35 Grad im Schatten betrete (den Zusatz kann man sich hier übrigens sparen, hier ist kein Schatten, nirgendwo). Erinnerungen an ein Amarone-Tasting im Valpolicella-Gebiet vor acht Jahren werden wach, wo ich bei ähnlichen Temperaturen meine erste E-Bike-Erfahrung gemacht habe … nicht zu empfehlen.Sehr zu empfehlen ist dagegen, sich in ländlichen Gegenden vor Reiseantritt mit der Route zu beschäftigen. Die Netzabdeckung ist manchmal eine Lotterie, aber ein gut aufgelegter Schutzmann weist mir sicher den Weg durch das gleißende Licht zum Weingut Strehn, das am Ende der Ortsstraße einen deutlich mondänen Ton ins beschauliche Deutschkreutz bringt. Von rosa Elefanten und der Magie des Mittelburgenlandes Verschiedene Weine Pia Strehns wurden bereits mehrfach als „Bester Rosé Österreichs“ ausgezeichnet, unter anderem von Falstaff oder Meininger. Und auch ich finde, dass ihr Premium-Rosé „Der Elefant im Porzellanladen“ mit zu dem Besten gehört, was ich an rosafarbenen Weinen bislang probieren durfte. Sechs Monate reift dieser aus 100 Prozent Blaufränkisch bestehende Wein im Holzfass und bringt nicht nur ordentlich Grip an den Gaumen, sondern auch ein feines Vanille-Aroma in die Nase. Schon das leuchtende Orange im Glas zeigt an, dass uns hier kein gewöhnlicher Rosé erwartet, sondern wir eine ernst zu nehmende Richtung einschlagen. Am Tisch mit Pia Strehn erwähne ich jedenfalls, dass mich die Farbe spontan an einen echten Rosé-Klassiker erinnert: den Cru Classé Rosé von Clos Cibonne aus der Rebsorte Tibouren. Prompt fällt mir die Winzerin ins Wort und berichtet von ihrem Erweckungserlebnis als junge Frau in der Provence,&#160;als sie genau diesen Wein dort erstmals erleben durfte – und fortan die Vision hatte, aus dem elterlichen, Blaufränkisch-treuen Winzerbetrieb einen ähnlichen Zauber zu erzeugen. Hat geklappt. Apropos Zauber und damit zurück zur Region, frage ich Pia Strehn, was genau die DAC Mittelburgenland hier ausmache. „Das Mittelburgenland liegt einfach magisch“, erklärt sie mir: „Im Norden, Süden und Westen sind wir durch drei Hügelketten geschützt, die kalte Winde und Unwetter abhalten. Und vom Osten her fließt die warme Luft vom Neusiedler See ein.“ Hinzu kämen sehr unterschiedliche Böden wie Sand, Lehm, Schotter, aber auch Kalk, die viele Möglichkeiten zum Ausprobieren böten. Blaufränkisch: Schönling mit Substanz Nun ist „Der Elefant im Porzellanladen“ mit gut 30 Euro kein Dienstagabend-Wein, dafür aber ein Tropfen, mit dem man essenstechnisch auch schwerere Geschütze aus rotem Fleisch, etwa ein Steak oder gar Wild, flankieren kann. Die Einstiegsvariante „Blaufränkisch Rosé“ (kein Holzausbau) aus ebenso 100 Prozent Blaufränkisch gibt es schon für einen Zehner zu haben und bietet einen guten Einstieg in die Rebsorte der Region mit einem Fruchtspektrum von Erdbeere bis Blutorange. Bleiben wir aber noch kurz beim Blaufränkisch, der hier in der Region, aber auch im Weingut Strehn, eine so gewichtige Rolle spielt. Warum ist Blaufränkisch hier einfach die ideale Sorte? „Weil Blaufränkisch jeden Beauty-Contest im Weingarten gewinnt“, antwortet die Winzerin und führt aus: „Er ist immer der Schönste, wächst komplett gerade und hat dunkle, große Blätter, die die Trauben vor der Sonne schützen.“ Und das erfahre ich an diesem August-Tag ja am eigenen Leib: Sind die Sommer im Burgenland schon jetzt knallheiß und sonnenintensiv, wird der Klimawandel künftig noch weiter an der Kurbel drehen. Zudem sei der Blaufränkisch als mittel- und spätreifende Traube nicht so krankheitsanfällig, also insgesamt pflegeleicht. Und im Ergebnis bringt er Körper ins Glas, Druck an den Gaumen, gleichzeitig aber – und das betont Pia Strehn wiederholt – besäße er „keine plakative Frucht“.  Insofern verbindet diese Würze das südliche Burgenland dann doch auf eine schöne Weise mit dem Norden, wo der Grüne Veltliner im Weinviertel das typische „Pfefferl“ in die Nase zaubert. Magie oder Maggi? Purple Rain im Glas Etwas weiter zurück in Richtung Ortskern liegt das Weingut Ernst. Seit 2005 hat sich Bernhard Ernst hier ernsthaften Weinen verschrieben, wie er auf seiner Homepage betont. Und natürlich findet sich hier auf den 12 Hektar auch der Blaufränkisch wieder. &#8222;Die Blaufränkisch-Traube kann – angefangen von Rosé über klassische Ortsweine bis hin zu vollkommenen Premium-Weinen – alles abdecken&#8220;, gerät der Winzer ins Schwärmen und setzt sein Loblied fort: &#8222;Es ist für mich eindeutig die beste Rotweinsorte, um das Terroir perfekt zu transportieren.&#8220; Die DAC Mittelburgenland stehe für ihn generell für &#8222;qualitativ sehr hochwertigen Wein in allen Segmenten.&#8220; Ein Paradebeispiel dafür ist sicherlich sein „Blaufränkisch Alte Reben“. Für rund 15 Euro bekommt man eine Menge geboten: Zunächst färbt ein fast undurchdringliches Purpur mein Glas dunkel. Und dann ist es auch sofort präsent, das typische Blaufränkisch-Aroma: Veilchen, Brombeere, etwas Cassis. Am Gaumen dann die bleibenden Erinnerungen an den Ausbau im Eichenfass, vielleicht auch ein Hauch Vanille. Womöglich hätte ich den 2023er Jahrgang auch noch das eine oder andere Jahr im Keller lagern können, kommt er zugleich doch auch noch etwas ungestüm daher. Zu einem Hüftsteak vom Rind aber die absolut richtige Begleitung. Blaufränkisch und Karl der Große: Eine historische Rebsortenreise In Deutschland ist Blaufränkisch übrigens unter dem Namen Lemberger bekannt. Der Begriff geht zurück auf die slowenische Stadt Lemberg in der Untersteiermark, aus der Ende des 19. Jahrhunderts rauhe Mengen an Wein dieser Sorte nach Deutschland exportiert wurden. Nach aktuellem Stand der Forschung stammt der Blaufränkisch wohl aber aus der Thermenregion, südlich von Wien. Ins Burgenland kam die Rebe aber schon gute neun bis zehn Jahrhunderte zuvor. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Karl der Große. Der Herrscher war großer Bewunderer des Weines im Allgemeinen. Dabei trank er, anders als beispielsweise Ludwig XIV., stets maßvoll und verabscheute Trunkenheit. Jedenfalls geht auf Karl den Großen eine grundsätzliche Trennung von Rebsorten zurück: die Minderwertigen, meist aus dem Osten stammend, wurden als „heunisch“/„hunnisch“, die (aus seiner Sicht) qualitativ hochwertigen als „fränkisch“ bezeichnet. Aus dieser Kategorisierung dürfte der Blaufränkisch hervorgegangen sein. Sopron statt Sopran – ein Lobgesang auf die pannonische Perle Und weil wir gerade so schön mit den Bezeichnungen jonglieren und auch langsam zum Ende kommen wollen, erzähle ich nun noch, dass man auf der Rückfahrt aus dem Mittelburgenland nach Wien ganz hervorragend im wirklich anmutigen Sopron (deutsch: Ödenburg) aussteigen kann. Das gleichnamige Weinanbaugebiet Ungarns streckt sich wie eine Zunge ins Burgenland hinein. Auch hier ist die Leitsorte Blaufränkisch, die diesseitig aber auf den Namen Kekfrankos hört. Renommierte Weingüter sind Pfneiszl Birtok oder Bónis-Reitter. Überflüssig zu erwähnen, dass das Preisniveau aus Geldbörsen-Sicht hier zu spontanen Lustkäufen anregt (zum Beispiel eine Flasche Tokajer bei Spar, her damit!). Zurück am Wiener Hauptbahnhof zeige ich mich dankbar für die klimatisierte Haupthalle und begebe mich direkt auf die Suche nach einer Magnumflasche Cola Zero – selbst als hitzeerprobter Jogger steckt mir der Glutofen der vergangenen Stunden noch etwas in den Knochen. Auch eine Erfahrung. Aber der Herbst kommt schneller, als man denkt, und das Ende der Sommerzeit ist ja quasi synonym mit dem Beginn der Rotweinzeit. Und spätestens dann werde ich mir, bevor ich abends mit Wärmflasche und Wollsocken vor dem Fernseher darbe, den mittelburgenländischen Sommer mit einem Glas Blaufränkisch zurückholen. Zum Woi!</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Blickt man von Norddeutschland aus hinunter ins Weinbauland Österreich, bleibt das Auge oft im Weinviertel hängen: ein Schlaraffenland, in dem die Donau nicht aus Wasser, sondern Grünem Veltliner zu bestehen scheint. Hie und da, zwischen Wiesen aus Wachauer Marillenknödeln, fließt vielleicht noch ein Bächlein mit Riesling oder Pinot durch die Landschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei lohnt es sich durchaus, über die Bundeshauptstadt Wien und die hiesigen Gemischten Sätze hinweg bis ins Burgenland an die ungarische Grenze zu gucken. Denn diese Ecke des Landes ist – um mich eines Hamburger Idioms zu bemühen – ein <em>ganz anderer Schnack</em>. Durch das pannonische Klima sind die Sommer hier deutlich heißer als im Rest der Republik. Insofern geben im äußersten Südosten die roten Sorten Blaufränkisch und Zweigelt den Ton an, während der Grüne Veltliner im Rebsortenspiegel mit einem Anteil von unter zehn Prozent nur auf Platz drei kommt (in Niederösterreich stellt er dagegen jede zweite Rebe). Rund um den Neusiedler See kommen Süßwein-Fans natürlich auch auf ihre Kosten: Neblig-kühle Morgen sind ideale Edelfäule-Bedingungen – ein Pilz (Botrytis), den sich die Winzer auf der ungarischen Seite unter anderem für ihren Tokaji Aszú zunutze machen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1024x1024.jpeg" alt="Blaufränkischreben in der DAC Mittelburgenland" class="wp-image-1268" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1309-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tapfer trotzen diese Blaufränkisch-Reben der unerbittlichen Sonne.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Hier regiert Blaufränkisch – die &#8222;Queen of Rosé&#8220; macht den Hofstaat komplett</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Alles andere als <em>edelfaul</em> springe ich jedenfalls am Wiener Hauptbahnhof in den Zug Richtung Mittelburgenland. Das Mittelburgenland ist eine von sechs DACs (Districtus Austria Controllatus, die Herkunftsbezeichnung für Qualitätswein) im Burgenland. Und überraschenderweise sind alle sechs Appellationen doch recht unterschiedlich: Während beispielsweise in Rosalia versucht wird, den Winzern in der Provence in Sachen Rosé Konkurrenz zu machen, steht Ruster Ausbruch für Süßweine und Leithaberg wiederum für Weißweine aus Chardonnay oder Grünem Veltliner. Das Mittelburgenland jedenfalls trägt den Spitznamen „Blaufränkischland“ – und spätestens jetzt weiß man auch, was einen für gewöhnlich hier erwartet: kräftige, rote Weine aus ebendieser Sorte. Ich schreibe <em>für gewöhnlich</em>, denn ich habe mich hier mit Pia Strehn verabredet, die zwar für Blaufränkisch-Weine steht, vor allem aber mit ihren Rosés für Furore sorgt, was ihr nicht zu Unrecht den Beinamen „Queen of Rosé“ eingebracht hat.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1024x1024.jpeg" alt="Das Ortsschild von Deutschkreutz" class="wp-image-1267" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1311-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Deutschkreutz: Drehkreuz für Blaufränkisch</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und, offen gestanden, stimmt mich die Aussicht auf gekühlten Rosé auch milde, als ich den Bahnsteig in Deutschkreutz an diesem Augusttag bei 35 Grad im Schatten betrete (den Zusatz kann man sich hier übrigens sparen, hier ist kein Schatten, nirgendwo). Erinnerungen an ein Amarone-Tasting im Valpolicella-Gebiet vor acht Jahren werden wach, wo ich bei ähnlichen Temperaturen meine erste E-Bike-Erfahrung gemacht habe … nicht zu empfehlen.<br>Sehr zu empfehlen ist dagegen, sich in ländlichen Gegenden <em>vor</em> Reiseantritt mit der Route zu beschäftigen. Die Netzabdeckung ist manchmal eine Lotterie, aber ein gut aufgelegter Schutzmann weist mir sicher den Weg durch das gleißende Licht zum Weingut Strehn, das am Ende der Ortsstraße einen deutlich mondänen Ton ins beschauliche Deutschkreutz bringt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1024x1024.jpeg" alt="Traubengucker-Redakteur Pascal Strehler und Winzerin Pia Strehn" class="wp-image-1266" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1314-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Elefant im Raum (unten, mittig) mit Pia Strehn und mir.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Von rosa Elefanten und der Magie des Mittelburgenlandes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Verschiedene Weine <a href="https://www.strehn.at">Pia Strehns</a> wurden bereits mehrfach als „Bester Rosé Österreichs“ ausgezeichnet, unter anderem von <a href="https://www.falstaff.com/de">Fa</a><a href="https://www.falstaff.com/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">l</a><a href="https://www.falstaff.com/de">staff</a> oder <a href="https://www.meininger.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Meininger</a>. Und auch ich finde, dass ihr Premium-Rosé „Der Elefant im Porzellanladen“ mit zu dem Besten gehört, was ich an rosafarbenen Weinen bislang probieren durfte. Sechs Monate reift dieser aus 100 Prozent Blaufränkisch bestehende Wein im Holzfass und bringt nicht nur ordentlich Grip an den Gaumen, sondern auch ein feines Vanille-Aroma in die Nase. Schon das leuchtende Orange im Glas zeigt an, dass uns hier kein gewöhnlicher Rosé erwartet, sondern wir eine ernst zu nehmende Richtung einschlagen. Am Tisch mit Pia Strehn erwähne ich jedenfalls, dass mich die Farbe spontan an einen echten Rosé-Klassiker erinnert: den Cru Classé Rosé von <a href="https://www.clos-cibonne.com/gb/accueil.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Clos Cibonne</a> aus der Rebsorte Tibouren. Prompt fällt mir die Winzerin ins Wort und berichtet von ihrem Erweckungserlebnis als junge Frau in der Provence,&nbsp;als sie genau diesen Wein dort erstmals erleben durfte – und fortan die Vision hatte, aus dem elterlichen, Blaufränkisch-treuen Winzerbetrieb einen ähnlichen Zauber zu erzeugen. Hat geklappt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Zauber und damit zurück zur Region, frage ich Pia Strehn, was genau die DAC Mittelburgenland hier ausmache. „Das Mittelburgenland liegt einfach magisch“, erklärt sie mir: „Im Norden, Süden und Westen sind wir durch drei Hügelketten geschützt, die kalte Winde und Unwetter abhalten. Und vom Osten her fließt die warme Luft vom Neusiedler See ein.“ Hinzu kämen sehr unterschiedliche Böden wie Sand, Lehm, Schotter, aber auch Kalk, die viele Möglichkeiten zum Ausprobieren böten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1024x1024.jpeg" alt="Ein Schild mit dem Aufdruck &quot;Blaufränkisch im Blut und die Sonne im Herzen&quot;" class="wp-image-1265" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1329-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Blaufränkisch als Lebenskonzept – im Mittelburgenland geht nichts ohne die Rebe. Auch der örtliche Fußballverein hat den Zusatz <a href="https://vereine.oefb.at/FcDeutschkreutz/Strategie-des-FC-Blaufraenkisch-Deutschkreutz-2025.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FC <em>Blaufränkisch</em> Deutschkreutz</a> mit in seinen Namen aufgenommen – Trauben zieren das Wappen seit ehedem.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Blaufränkisch: Schönling mit Substanz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist „Der Elefant im Porzellanladen“ mit gut 30 Euro kein Dienstagabend-Wein, dafür aber ein Tropfen, mit dem man essenstechnisch auch schwerere Geschütze aus rotem Fleisch, etwa ein Steak oder gar Wild, flankieren kann. Die Einstiegsvariante „Blaufränkisch Rosé“ (kein Holzausbau) aus ebenso 100 Prozent Blaufränkisch gibt es schon für einen Zehner zu haben und bietet einen guten Einstieg in die Rebsorte der Region mit einem Fruchtspektrum von Erdbeere bis Blutorange.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleiben wir aber noch kurz beim Blaufränkisch, der hier in der Region, aber auch im Weingut Strehn, eine so gewichtige Rolle spielt. Warum ist Blaufränkisch hier einfach die ideale Sorte? „Weil Blaufränkisch jeden Beauty-Contest im Weingarten gewinnt“, antwortet die Winzerin und führt aus: „Er ist immer der Schönste, wächst komplett gerade und hat dunkle, große Blätter, die die Trauben vor der Sonne schützen.“<br><br>Und das erfahre ich an diesem August-Tag ja am eigenen Leib: Sind die Sommer im Burgenland schon jetzt knallheiß und sonnenintensiv, wird der Klimawandel künftig noch weiter an der Kurbel drehen. Zudem sei der Blaufränkisch als mittel- und spätreifende Traube nicht so krankheitsanfällig, also insgesamt pflegeleicht. Und im Ergebnis bringt er Körper ins Glas, Druck an den Gaumen, gleichzeitig aber – und das betont Pia Strehn wiederholt – besäße er „keine plakative Frucht“.  Insofern verbindet diese Würze das südliche Burgenland dann doch auf eine schöne Weise mit dem Norden, wo der Grüne Veltliner im Weinviertel das typische „Pfefferl“ in die Nase zaubert. Magie oder Maggi?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1024x1024.jpeg" alt="Das Rathaus von Deutschkreutz" class="wp-image-1269" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1305-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Touristen aus Gelsenkirchen dürften beim Anblick des Deutschkreutzer Rathauses Heimatgefühle bekommen.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Purple Rain im Glas</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas weiter zurück in Richtung Ortskern liegt das <a href="https://www.weinguternst.at">Weingut Ernst</a>. Seit 2005 hat sich Bernhard Ernst hier <em>ernst</em>haften Weinen verschrieben, wie er auf seiner Homepage betont. Und natürlich findet sich hier auf den 12 Hektar auch der Blaufränkisch wieder. &#8222;Die Blaufränkisch-Traube kann – angefangen von Rosé über klassische Ortsweine bis hin zu vollkommenen Premium-Weinen – alles abdecken&#8220;, gerät der Winzer ins Schwärmen und setzt sein Loblied fort: &#8222;Es ist für mich eindeutig die beste Rotweinsorte, um das Terroir perfekt zu transportieren.&#8220; Die DAC Mittelburgenland stehe für ihn generell für &#8222;qualitativ sehr hochwertigen Wein in allen Segmenten.&#8220;<br><br>Ein Paradebeispiel dafür ist sicherlich sein „Blaufränkisch Alte Reben“. Für rund 15 Euro bekommt man eine Menge geboten: Zunächst färbt ein fast undurchdringliches Purpur mein Glas dunkel. Und dann ist es auch sofort präsent, das typische Blaufränkisch-Aroma: Veilchen, Brombeere, etwas Cassis. Am Gaumen dann die bleibenden Erinnerungen an den Ausbau im Eichenfass, vielleicht auch ein Hauch Vanille. Womöglich hätte ich den 2023er Jahrgang auch noch das eine oder andere Jahr im Keller lagern können, kommt er zugleich doch auch noch etwas ungestüm daher. Zu einem Hüftsteak vom Rind aber die absolut richtige Begleitung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1024x1024.jpeg" alt="Eine Flasche &quot;Blaufränkisch Alte Reben&quot; vom Weingut Ernst aus Deutschkreutz steht auf einem Küchentisch." class="wp-image-1263" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/D0D949CD-0CEA-4A74-95C1-9C0F101B5265-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jetzt wird’s Ernst: der Blaufränkisch Alte Reben aus Deutschkreutzer Lagen.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Blaufränkisch und Karl der Große: Eine historische Rebsortenreise</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland ist Blaufränkisch übrigens unter dem Namen Lemberger bekannt. Der Begriff geht zurück auf die slowenische Stadt Lemberg in der Untersteiermark, aus der Ende des 19. Jahrhunderts rauhe Mengen an Wein dieser Sorte nach Deutschland exportiert wurden. Nach aktuellem Stand der Forschung stammt der Blaufränkisch wohl aber aus der <a href="https://traubengucker.de/regionen/einfach-mal-runterkommen-weine-aus-der-thermenregion/">Thermenregion</a>, südlich von Wien.<br><br>Ins Burgenland kam die Rebe aber schon gute neun bis zehn Jahrhunderte zuvor. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Karl der Große. Der Herrscher war großer Bewunderer des Weines im Allgemeinen. Dabei trank er, anders als beispielsweise Ludwig XIV., stets maßvoll und verabscheute Trunkenheit. Jedenfalls geht auf Karl den Großen eine grundsätzliche Trennung von Rebsorten zurück: die Minderwertigen, meist aus dem Osten stammend, wurden als „heunisch“/„hunnisch“, die (aus seiner Sicht) qualitativ hochwertigen als „fränkisch“ bezeichnet. Aus dieser Kategorisierung dürfte der Blaufränkisch hervorgegangen sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sopron statt Sopran – ein Lobgesang auf die pannonische Perle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und weil wir gerade so schön mit den Bezeichnungen jonglieren und auch langsam zum Ende kommen wollen, erzähle ich nun noch, dass man auf der Rückfahrt aus dem Mittelburgenland nach Wien ganz hervorragend im wirklich anmutigen Sopron (deutsch: Ödenburg) aussteigen kann. Das gleichnamige Weinanbaugebiet Ungarns streckt sich wie eine Zunge ins Burgenland hinein. Auch hier ist die Leitsorte Blaufränkisch, die diesseitig aber auf den Namen Kekfrankos hört. Renommierte Weingüter sind <a href="https://pfneiszl.hu" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pfneiszl Birtok</a> oder <a href="https://bonis-reitter.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bónis-Reitter</a>. Überflüssig zu erwähnen, dass das Preisniveau aus Geldbörsen-Sicht hier zu spontanen Lustkäufen anregt (zum Beispiel eine Flasche Tokajer bei Spar, her damit!).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1024x1024.jpeg" alt="Altstadt von Sopron" class="wp-image-1264" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/09/IMG_1337-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pizza, Cola und ein Glas Kekfrankos, inklusive Trinkgeld, für 16 Euro. Ich komme wieder.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück am Wiener Hauptbahnhof zeige ich mich dankbar für die klimatisierte Haupthalle und begebe mich direkt auf die Suche nach einer Magnumflasche Cola Zero – selbst als hitzeerprobter Jogger steckt mir der Glutofen der vergangenen Stunden noch etwas in den Knochen. Auch eine Erfahrung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Herbst kommt schneller, als man denkt, und das Ende der Sommerzeit ist ja quasi synonym mit dem Beginn der Rotweinzeit. Und spätestens dann werde ich mir, bevor ich abends mit Wärmflasche und Wollsocken vor dem Fernseher darbe, den mittelburgenländischen Sommer mit einem Glas Blaufränkisch zurückholen. Zum Woi!</p>
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		<title>Bocksbeutel &#8211; Keine Regel ohne Ausnahme</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jun 2025 15:33:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt erstaunlich viele Alltagsbegriffe, die auf -beutel enden: Teebeutel, Jutebeutel, Kulturbeutel, Herzbeutel &#8230; Ich könnte diese Reihe noch etwas weiterführen, habe aber die diffuse Angst, dass Beutel am Ende so ein Begriff sein könnte, der mich &#8211; wenn ich länger darüber nachdenke &#8211; zielsicher in die nächste Anstalt führt. Deshalb setze ich nun den Punkt hinter: Bocksbeutel. Der Bocksbeutel steht, durch die deutsche Brille betrachtet, für Qualitätsweine aus dem Anbaugebiet Franken. Seit 1989 wurde dies auch in EU-Recht gegossen. So unterliegt er einer strengen Qualitätsweinprüfung und muss bei der Lese mindestens 72 Grad Oechsle vorweisen – Letzteres ist in Zeiten des Klimawandels besonders im knallheißen Franken allerdings keine allzu große Kunst mehr. Das war im angehenden 18. Jahrhundert noch anders und so beschloss der Stadtrat von Würzburg 1728 die gelungensten Weine des Bürgerspitals, zunächst die von der Toplage Würzburger Stein, in diese charakteristische Flaschenform zu gießen. Alsbald wurde die Eingrenzung auf andere Frankenweine erweitert. Mehr &#8222;PS&#8220;, weniger Tradition beim neuen Bocksbeutel Eine, die sich zweifelsfrei mit der Materie auskennt, ist Dietlinde Harm-Reber, Inhaberin der Hamburger Frankenwein-Vinothek &#8222;Der Bocksbeutel&#8220;. Dass der traditionelle Bocksbeutel für die waschechte Fränkin eine Herzensangelegenheit ist, wäre noch allzu vorsichtig formuliert – sie lebt das Format: &#8222;Die Philosophie hinter einem Wein im Bocksbeutel ist so genial wie einfach&#8220;, beginnt sie ihre Lobeshymne und fährt fort: &#8222;Die sinnliche Harmonie, die diese runde, zum Streicheln einladende Form signalisiert, ist dem Wein darin auf den Leib geschrieben. Bei allen meinen Winzern war der Wein im Bocksbeutel immer der authentischste und in höchster Qualität; Signature-Weine würde man heute sagen.&#8220; 2015 wurde die gemütlich fränkische Weinordnung aber jäh auf die Probe gestellt, als eine Neuauflage der ikonischen Flaschenform aus der Taufe gehoben wurde: Am eckigen Bocksbeutel &#8222;PS&#8220;, benannt nach dessen Designer Peter Schmidt (ausgerechnet ein Hamburger), scheiden sich die Geister. Während beispielsweise die große wie einflussreiche Winzergenossenschaft Franken ihre Weine von nun an munter in die neue Form schießt, lehnen vor allem die Mitglieder des VDP, darunter das Bürgerspital Würzburg, den neuen Bocksbeutel ab. Und auch im altehrwürdigen Hamburger &#8222;Bocksbeutel&#8220; hat die neudesignte Version quasi Hausverbot: &#8222;Mit seinen abgekanteten Ecken erinnert er mehr an einen Parfümflakon als an dionysischen Genuss&#8220;, bemängelt Inhaberin Harm-Reber das neue Modell und macht deutlich: &#8222;All meine Weinlieferanten füllen, nach wie vor, ihre besten Weine in das Original. Wer das nicht für mich tut, fliegt aus der Listung.&#8220; Bock auf Ausnahmen? Hier gibt&#8217;s auch Wein im Bocksbeutel Aber nicht nur in Franken stößt man auf diese Flaschenform in Zusammenhang mit Wein. Innerdeutsch gibt es Ausnahmen für Tauberfranken (beispielsweise die in Baden-Württemberg liegenden Orte Bad Mergentheim oder Wertheim) und &#8211; komplett fernab von Franken – für Teile des Baden-Badener Reblandes, konkret für die Stadtteile Neuweier, Steinbach-Umweg und Varnhalt. Die Baden-Badener hatten dies in den 1970er-Jahren vor dem Bundesgerichtshof erfolgreich erstritten (andernfalls wären die Badener baden gegangen &#8230;). Aber auch im äußersten Südwesten unseres Kontinents springt uns diese Flaschenform ins Auge: In Portugal ist sie historisch ebenso gewachsen. Bekanntester Vertreter ist der Mateus, ein halbtrockener Rosé, der seinen weltweiten Bekanntheitshöhepunkt vielleicht in den 1970er-Jahren hatte, als Weine mit ordentlich Restsüße noch en vogue waren. So existiert ein Foto, auf dem Jimi Hendrix – in Sachen Genussmittel sicherlich kein Kostverächter – bestens gelaunt direkt aus einer Flasche Mateus trinkt. Später fand man heraus, dass auch Saddam Hussein davon ein paar Paletten in seinen Kellern bunkerte. Auch ein gestresster Diktator muss abends nach getaner Arbeit schließlich mal Fünfe gerade sein lassen, da wollen wir ihm keinen Strick draus drehen. Weitere Flaschenformen, die dem Bocksbeutel stark ähneln, gibt es beispielsweise für den französischen Armagnac, den Moscato Giallo aus Südtirol sowie für Weine des chilenischen Weinguts Undurraga. Ach ja, die Sache mit dem Namen Bleibt zu guter Letzt noch das Stochern in der Mystik rund um die Namensgebung. Nun erinnert die Form fast schon automatisch an die klassische Feldflasche, deren Ursprung wiederum bis ins Altertum zurückreicht. Nicht ganz so alt ist dagegen die kreative Auseinandersetzung, was die Wortherkunft betrifft. Um mit der harmlosen Variante zu beginnen, finden wir uns im Niederdeutschen wieder, wo der Booksbüdel für einen Bücherbeutel steht, den Mönche ab dem 14. Jahrhundert, später auch Ratsherren, mit sich herumtrugen. Heute würde man Herrenhandtasche dazu sagen. Etwas mehr Esprit hat die Lesart, nach der die Flaschenform an den Hodensack eines Ziegenbocks erinnert. Und wer wurde fast immer von einem solchen Bock begleitet? Richtig: Weingott Dionysos! Plötzlich wird die Sache rund. Gleichwohl mag dieser Aspekt nur nebensächlich sein. Statt muffigen Bücherbeuteln oder pelzigen Tier-Scrota sollten wir beim Öffnen eines Bocksbeutels vielmehr der aus dem Flaschenhals strömenden Aromen gedenken, die von erlesenen Qualitätsweinen Frankens (und wenigen anderen Regionen) wissen lassen. Auf dass diese traditionsreiche Flaschenform auch in Zukunft für Qualitätsweine steht: Stößchen!</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Es gibt erstaunlich viele Alltagsbegriffe, die auf -beutel enden: Teebeutel, Jutebeutel, Kulturbeutel, Herzbeutel &#8230; Ich könnte diese Reihe noch etwas weiterführen, habe aber die diffuse Angst, dass Beutel am Ende so ein Begriff sein könnte, der mich &#8211; wenn ich länger darüber nachdenke &#8211; zielsicher in die nächste Anstalt führt. Deshalb setze ich nun den Punkt hinter: Bocksbeutel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bocksbeutel steht, durch die deutsche Brille betrachtet, für Qualitätsweine aus dem Anbaugebiet <a href="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/">Franken</a>. Seit 1989 wurde dies auch in EU-Recht gegossen. So unterliegt er einer strengen Qualitätsweinprüfung und muss bei der Lese mindestens 72 Grad Oechsle vorweisen – Letzteres ist in Zeiten des Klimawandels besonders im knallheißen Franken allerdings keine allzu große Kunst mehr. Das war im angehenden 18. Jahrhundert noch anders und so beschloss der Stadtrat von Würzburg 1728 die gelungensten Weine des <a href="https://www.buergerspital.de/weingut/weinmacher/index.html?gad_source=1&amp;gad_campaignid=21141232946&amp;gbraid=0AAAAADqHvPxqc9J9iSK_JZBzD8t_EjXuD&amp;gclid=CjwKCAjw3rnCBhBxEiwArN0QE4LkJ2FmIw2EAGeEMxJccImySjwVZg9zOf-168vacryMPfcPnlfigRoCnkgQAvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bürgerspitals</a>, zunächst die von der Toplage Würzburger Stein, in diese charakteristische Flaschenform zu gießen. Alsbald wurde die Eingrenzung auf andere Frankenweine erweitert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr &#8222;PS&#8220;, weniger Tradition beim neuen Bocksbeutel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine, die sich zweifelsfrei mit der Materie auskennt, ist Dietlinde Harm-Reber, Inhaberin der Hamburger Frankenwein-Vinothek <a href="https://www.der-bocksbeutel.de">&#8222;Der Bocksbeutel&#8220;</a>. Dass der traditionelle Bocksbeutel für die waschechte Fränkin eine Herzensangelegenheit ist, wäre noch allzu vorsichtig formuliert – sie lebt das Format: &#8222;Die Philosophie hinter einem Wein im Bocksbeutel ist so genial wie einfach&#8220;, beginnt sie ihre Lobeshymne und fährt fort: &#8222;Die sinnliche Harmonie, die diese runde, zum Streicheln einladende Form signalisiert, ist dem Wein darin auf den Leib geschrieben. Bei allen meinen Winzern war der Wein im Bocksbeutel immer der authentischste und in höchster Qualität; Signature-Weine würde man heute sagen.&#8220;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-1024x1024.jpeg" alt="Zwei Bocksbeutel stehen auf dem Küchentisch: links die alte Form, rechts das neue Design namens &quot;PS&quot;." class="wp-image-1122" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0271-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Alt trifft auf neu: Links die ursprüngliche Variante des Bocksbeutels, rechts die kantige Neuauflage namens &#8222;PS&#8220;.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">2015 wurde die gemütlich fränkische Weinordnung aber jäh auf die Probe gestellt, als eine Neuauflage der ikonischen Flaschenform aus der Taufe gehoben wurde: Am eckigen Bocksbeutel &#8222;PS&#8220;, benannt nach dessen Designer Peter Schmidt (ausgerechnet ein Hamburger), scheiden sich die Geister. Während beispielsweise die große wie einflussreiche <a href="https://www.gwf-frankenwein.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Winzergenossenschaft Franken</a> ihre Weine von nun an munter in die neue Form schießt, lehnen vor allem die Mitglieder des VDP, darunter das Bürgerspital Würzburg, den neuen Bocksbeutel ab. Und auch im altehrwürdigen Hamburger &#8222;Bocksbeutel&#8220; hat die neudesignte Version quasi Hausverbot: &#8222;Mit seinen abgekanteten Ecken erinnert er mehr an einen Parfümflakon als an dionysischen Genuss&#8220;, bemängelt Inhaberin Harm-Reber das neue Modell und macht deutlich: &#8222;All meine Weinlieferanten füllen, nach wie vor, ihre besten Weine in das Original. Wer das nicht für mich tut, fliegt aus der Listung.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bock auf Ausnahmen? Hier gibt&#8217;s auch Wein im Bocksbeutel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nicht nur in Franken stößt man auf diese Flaschenform in Zusammenhang mit Wein. Innerdeutsch gibt es Ausnahmen für Tauberfranken (beispielsweise die in Baden-Württemberg liegenden Orte Bad Mergentheim oder Wertheim) und &#8211; komplett fernab von Franken – für Teile des Baden-Badener Reblandes, konkret für die Stadtteile Neuweier, Steinbach-Umweg und Varnhalt. Die Baden-Badener hatten dies in den 1970er-Jahren vor dem Bundesgerichtshof erfolgreich erstritten (andernfalls wären die Badener baden gegangen &#8230;).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch im äußersten Südwesten unseres Kontinents springt uns diese Flaschenform ins Auge: In Portugal ist sie historisch ebenso gewachsen. Bekanntester Vertreter ist der <a href="https://www.mateusrose.com/de/weine/mateus-rose-original/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mateus</a>, ein halbtrockener Rosé, der seinen weltweiten Bekanntheitshöhepunkt vielleicht in den 1970er-Jahren hatte, als Weine mit ordentlich Restsüße noch en vogue waren. So existiert ein <a href="https://brutalhammer.com/juiced-on-mateus/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Foto</a>, auf dem Jimi Hendrix – in Sachen Genussmittel sicherlich kein Kostverächter – bestens gelaunt direkt aus einer Flasche Mateus trinkt. Später fand man heraus, dass auch Saddam Hussein davon ein paar Paletten in seinen Kellern bunkerte. Auch ein gestresster Diktator muss abends nach getaner Arbeit schließlich mal Fünfe gerade sein lassen, da wollen wir ihm keinen Strick draus drehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Flaschenformen, die dem Bocksbeutel stark ähneln, gibt es beispielsweise für den französischen Armagnac, den Moscato Giallo aus Südtirol sowie für Weine des chilenischen Weinguts Undurraga. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-1024x1024.jpeg" alt="Ein altes begehbares Fass in Franken mit Guckloch in Bocksbeutel-Form." class="wp-image-1139" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/06/IMG_0103-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bitte recht freundlich! In Franken dient der Bocksbeutel mancherorts auch als Türspion.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ach ja, die Sache mit dem Namen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bleibt zu guter Letzt noch das Stochern in der Mystik rund um die Namensgebung. Nun erinnert die Form fast schon automatisch an die klassische Feldflasche, deren Ursprung wiederum bis ins Altertum zurückreicht. Nicht ganz so alt ist dagegen die kreative Auseinandersetzung, was die Wortherkunft betrifft. <br>Um mit der harmlosen Variante zu beginnen, finden wir uns im Niederdeutschen wieder, wo der Booksbüdel für einen Bücherbeutel steht, den Mönche ab dem 14. Jahrhundert, später auch Ratsherren, mit sich herumtrugen. Heute würde man Herrenhandtasche dazu sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas mehr Esprit hat die Lesart, nach der die Flaschenform an den Hodensack eines Ziegenbocks erinnert. Und wer wurde fast immer von einem solchen Bock begleitet? Richtig: Weingott Dionysos! Plötzlich wird die Sache rund. <br>Gleichwohl mag dieser Aspekt nur nebensächlich sein. Statt muffigen Bücherbeuteln oder pelzigen Tier-Scrota sollten wir beim Öffnen eines Bocksbeutels vielmehr der aus dem Flaschenhals strömenden Aromen gedenken, die von erlesenen Qualitätsweinen Frankens (und wenigen anderen Regionen) wissen lassen. <br>Auf dass diese traditionsreiche Flaschenform auch in Zukunft für Qualitätsweine steht: Stößchen!</p>
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		<title>Fränkische Weinreise zu den frrränkischen Weinriesen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 May 2025 12:12:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wie kommt man am schnellsten vom Norden aus in ein deutsches Weinanbaugebiet? Auch wenn Saale-Unstrut oder der Mittelrhein per Luftlinie am dichtesten an Hamburg, Kiel oder Hannover dran sind, ist es doch am Ende der ICE, der einen in unter vier Stunden nach Würzburg ins Anbaugebiet Franken führt. Wenn der Zug denn fährt, aber versuchen wir es ab jetzt mal ohne Bahnwitze …&#160; Franken ist mit knapp über 6.100 ha Rebfläche das sechstgrößte deutsche Anbaugebiet für Qualitätswein. Ein Viertel aller Reben geht auf Silvaner zurück. Und das ist marketingmäßig ein wichtiges Pfund der Franken: Sobald einer im Frühjahr „Spargel“ schreit, eilen reflexartig zehn andere mit fränkischem Silvaner als Weinbegleitung herbei. Funktioniert jedes Jahr zuverlässig, ist auch nichts gegen einzuwenden, außer der Tatsache, dass der weitestgehend aus Wasser bestehende Spargel natürlich auch zu vielen anderen Weinen passt – auf die Beilagen und Saucen kommt es eigentlich an. Aber wir wollen uns nicht in vegetabilen Details verlieren … Hauptsache, das Kind isst Gemüse! Der Würzburger Stein: Eine Lage wie ein Gedicht Am Würzburger Hauptbahnhof angekommen, wird man zur Linken auch gleich schon feierlich vom Stein-Berg begrüßt. Diese legendäre VDP.Große Lage wuchtet sich entlang der Gleise in den meist stahlblauen Himmel über der Frankenmetropole hoch.&#160; „Kein anderer Wein will mir schmecken und ich bin verdrießlich, wenn mir mein Lieblingsgetränk abgeht.“ (Goethe über den Steinwein) Ganz ähnlich wie bei Hermann Hesse reichten auch bei mir vor vier Jahren zwei sonnige Tage in Würzburg aus, um mich von der Stadt komplett in den Bann ziehen zu lassen. Hesse hat daraufhin seine Erzählung „Narziß und Goldmund“ teilweise nach Würzburg gelegt, um dem Ort ein würdiges Denkmal zu setzen. Bei mir bleibt es ein überschaubarer Blogartikel. Ob ich dafür irgendwann auch den Literaturnobelpreis erhalte, muss an anderer Stelle entschieden werden. Jedenfalls statte ich dem Main seitdem jährlich einen Besuch ab und nehme mir vor, stets neue Weinberge rund um Würzburg zu erkunden.&#160; Was geht abt? Auf der Abtsleite einiges! Den Würzburger Stein und die Innere Leiste bei der Festung Marienberg hatte ich bei meinen vergangenen Besuchen schon durchgespielt, daher führt mich mein erster Weg dieses Mal in Richtung Abtsleite in den Süden der Stadt. Beeinflusst vom Würzburger Kessel wird es hier auch im Frühjahr schnell muckelig. Hat man es die knapp 300 Meter hochgeschafft, wird man mit einem grandiosen Blick Richtung Süden auf die VDP.Erste Lage Randersackerer Teufelskeller belohnt. Schaut man nach Westen, sticht einem direkt ein klobiger Bunker ins Auge, der sich bei genauerem Hinschauen als XXXLutz-Filiale entpuppt (als Mitarbeiter würde ich mich bei einer Nuklearkatastrophe dort sehr sicher fühlen); der Ort um den Beton-Quader herum ist übrigens Heidingsfeld – für alle Fußball-Interessierten: Hier war Werner Lorant mal zwei Jahre Spielertrainer. &#160;Aber zurück zum Fall: Im Glas setzt beispielsweise das Bürgerspital diese VDP.Erste Lage mit dem Riesling (2023) wunderbar um: Erfrischende zitrische Noten, Mineralik und eine Spur Birne – das Ganze bei 5,3 g/l Restsüße, aber alles andere als „fränkisch trocken“ (unter dem Begriff versteht man einen Restzucker-Wert von bis zu 4 g/l).&#160; Einer, der nach Einersheim fährt Klösterliche Stille wie in der Abtsleite gibt es in Regionalzügen dagegen nur selten. Umso schöner, dass es Noise-Cancelling-Kopfhörer gibt und die Fahrt von Würzburg nach Iphofen mit der RE10 keine halbe Stunde dauert. Am Bahnhof holt mich Winzerin Johanna Gamm vom gleichnamigen Weingut ab und fährt mich in die Weinberge von Markt Einersheim, die zum Teil von der großen Flurbereinigung der 1970er-Jahre nicht betroffen waren. Neben fränkischen Klassikern wie Silvaner, Müller-Thurgau oder Bacchus setzt das super sympathische Weingut Gamm auch auf PiWi-Sorten wie Regent oder Johanniter. Im Glas bringt etwa der Kabinett-Johanniter vom Markt Einersheimer Vogelsang riesig Spaß: Die sportliche Säure ist mit dem Restzucker bestens ausbalanciert, dazu gelbe bis teilweise exotische Primärfruchtaromen, die mich spontan auch an Scheurebe denken lassen. Noch ein Glas, bitte! Fast überflüssig zu erwähnen, dass auch die fränkische Paradedisziplin Rotling hier am Hofe verkauft und ausgeschenkt wird. Ein gemütlicher Begleiter, mit dem man es sich an einem Frühsommerabend auf einer Bank kommod einrichten kann. Escherndorfer Lump: Erste Lage, auch Erste Liga? Am nächsten Morgen karrt mich ein beeindruckend schlecht gelaunter Busfahrer nach Astheim an die Mainschleife. Zu Fuß schlendere ich zunächst die Landstraße entlang zum Escherndorfer Lump, einer Lage, die ob ihres Namens schon früh mein Interesse auf sich zog. Der dort installierte Aussichtspunkt auf die malerische Mainschleife lohnt sich aber erst wieder, wenn Bäume und Büsche zurechtgestutzt wurden (Wasser habe ich zu keiner Zeit gesehen). Der Blick von der Steillage hinunter auf Escherndorf entschädigt aber für alle in Kauf genommenen Unbilden (Büsche und Busfahrer). Die Bocksbeutelstraße ist so etwas wie die Champs-Ély­sées Escherndorfs. Hier reihen sich die wichtigsten Adressen wie Perlen aneinander. Ich bleibe an der Hausnummer 15 beim VDP Weingut von Rainer Sauer kleben.&#160; Der Silvaner &#8211; Escherndorfer Lump, VDP.Erste Lage, trocken aus dem Jahr 2023 &#8211; ist eine Granate: rauchige Mineralik, speziell Feuerstein, Kräuterwürze und dazu ein Schuss Limette und Zitrone. Bei 1 g/l Restzucker ist dieser Wein auch typisch „fränkisch trocken“ und genau das Richtige an einem knallheißen Mai-Tag. Der Riesling aus derselben Lage, aber ein Jahr älter, haut in eine ähnliche Kerbe, ist aber nicht ganz so kantig und angriffslustig. Nach Nordheim auf die Weininsel Am Escherndorfer Ufer fährt mich die seilgeführte und mit Wimpeln und Fähnchen bestückte „Mainfähre“ rüber nach Nordheim auf die Weininsel. Die Überfahrt dauert gefühlte 40 Sekunden und ist durchgehend ruhig, was den Kapitän aber nicht davon abhält, fotografierende Touristen auf der anderen Flussseite lautstark zu maßregeln, die „Sicherheitslinie“ am Anleger doch bitte nicht zu überschreiten – hier herrscht also noch Recht und Ordnung. Hat man das pittoreske Nordheim durchlaufen (die Dorfbäckerei Weinhöfle vertreibt einen vorzüglichen Flammkuchen), öffnen sich die Tore zum Paradies: Der freie Blick auf den 288 Meter hohen Kreuzberg, umrahmt von den VDP.Ersten Lagen Nordheimer Kreuzberg (Nordlage!) und Nordheimer Vögelein ist hinreißend. Oben angekommen, trifft man auf der Terroir f Aussichtsplattform auf die Weinheilige „Frankonia“ (oder wie ich zusätzlich auch auf einen sternhagelvollen Junggesellenabschied … der Busfahrer wäre mir, offen gestanden, lieber gewesen). Hinunter gehts auf der anderen Seite gute drei Kilometer quer durch den Sommeracher Katzenkopf ins gleichnamige Dorf (Sommerach, nicht Katzenkopf).Die hiesige Winzergenossenschaft kobert einen am Ortseingang direkt auf den sommerlich (hier ist der Name Programm) hergerichteten Hof. Im Glas habe ich hier den Sommeracher Katzenkopf, Silvaner, trocken: Und wieder ist er präsent, dieser intensive Kräutergarten, der sich schlagartig die Nase hochschiebt. Dazu gesellt sich eine leichte Zitrusnote bei straffem Säuregerüst.&#160; Voll karacho nach Volkach&#160; Den Busfahrplan im Hinterkopf geht es hurtigen Schenkels nordöstlich in Richtung Volkach, immer schön am Mainkanal entlang. Wer hier mit dem Auto fährt, begeht einen unverzeihlichen Frevel an der Natur, denke ich mir so, wie ich als Stadtmensch versonnen die sorgsam aufgezogenen Obstbäume bestaune.&#160; Apropos: In Volkach selbst steht das „Haus der Quitte“. Neben Seifen, Marmeladen und Nippes, den man vielleicht nicht unbedingt kaufen muss, wird allerdings auch ein Quitten-Secco feilgeboten, der furchtbar gut und erfrischend schmeckt. Da Quitte ein typisches Referenz-Aroma für Weinbeschreibungen ist, sollte der geneigte Weinfreund nicht schnurstracks an diesem spannenden Haus vorbeimarschieren.&#160; Jetzt aber wieder zum seriösen Teil: Ein Besuch beim Weingut Zur Schwane gehört natürlich zum Pflichtprogramm. Gleich mal das Große Gewächs „Am Lumpen 1655“, Silvaner, 2022, bestellt: zunächst recht verschlossen in der Nase, dann entwickelt sich aber eine herbe Kräuternote und dazu eine deutlich gegenwärtige Säure. Es mag die restsüße Quitte zuvor gewesen sein oder meine Nase musste den knapp 20 gewanderten Kilometern Tribut zahlen, leider legt mein sensorischer Kompass am vermeintlichen Höhepunkt eine Pause ein. Passiert. Der Zufall wollte es aber, dass ich Schwane-Inhaber Ralph Düker zwei Tage später in Hamburgs Frankenwein-Institution „Der Bocksbeutel“ treffen und dort seinen Blanc de Noir probieren durfte: Ein dezenter Kupferton funkelt hübsch im Glas, im Mund entfaltet sich augenblicklich ein animierender Säurezug, während am Gaumen ein feines, nobles Erdbeer-Aroma geduldig auf den Nachhall wartet. Kreislauf des Lebens (und Busfahrplans) Der Weinort Volkach hatte mal eine Bahnanbindung, die im Volksmund – aus Gründen – „Säuferbähnle“ genannt wurde. 1968 war aber Schluss mit den lustigen Bahnfahrten: Die Deutsche Bundesbahn hat die Strecke (Achtung, Wortwitz!) trockengelegt. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, soll die Zugstrecke aber in ungewisser Zukunft reaktiviert werden.&#160; Dies ist jedenfalls der Grund, weshalb ich an einem Sonnabend schon um 16.45 Uhr die letzte direkte Reiseverbindung zurück nach Würzburg nehme: die Linie 305. Beim Öffnen der Tür blicke ich in ein bekanntes Gesicht, der unfreundliche Busfahrer bittet um Einsicht in mein Deutschland-Ticket. Vielleicht waren es die wunderbaren Lagen und Weine, die ich bestaunen durfte oder doch der Quitten-Secco, aber für einen kurzen Wimpernschlag hoben sich die Mundwinkel des Busfahrers zu einem flüchtigen Lächeln.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wie kommt man am schnellsten vom Norden aus in ein deutsches Weinanbaugebiet? Auch wenn Saale-Unstrut oder der Mittelrhein per Luftlinie am dichtesten an Hamburg, Kiel oder Hannover dran sind, ist es doch am Ende der ICE, der einen in unter vier Stunden nach Würzburg ins Anbaugebiet Franken führt. Wenn der Zug denn fährt, aber versuchen wir es ab jetzt mal ohne Bahnwitze …&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Franken ist mit knapp über 6.100 ha Rebfläche das sechstgrößte deutsche Anbaugebiet für Qualitätswein. Ein Viertel aller Reben geht auf Silvaner zurück. Und das ist marketingmäßig ein wichtiges Pfund der Franken: Sobald einer im Frühjahr „Spargel“ schreit, eilen reflexartig zehn andere mit fränkischem Silvaner als Weinbegleitung herbei. Funktioniert jedes Jahr zuverlässig, ist auch nichts gegen einzuwenden, außer der Tatsache, dass der weitestgehend aus Wasser bestehende Spargel natürlich auch zu vielen anderen Weinen passt – auf die Beilagen und Saucen kommt es eigentlich an. Aber wir wollen uns nicht in vegetabilen Details verlieren … Hauptsache, das Kind isst Gemüse!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-1024x1024.jpeg" alt="Gemüsestände auf dem Würzburger Marktplatz" class="wp-image-1069" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0045-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hier gibt es nicht nur Spargel zum Silvaner zu kaufen: Der Marktplatz in Würzburgs Altstadt ist Dreh- und Angelpunkt für Connoisseure.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Würzburger Stein: Eine Lage wie ein Gedicht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Würzburger Hauptbahnhof angekommen, wird man zur Linken auch gleich schon feierlich vom Stein-Berg begrüßt. Diese legendäre <a href="https://www.vdp.de/de/die-weine/weinbergonline/region/franken">VDP.Große Lage</a> wuchtet sich entlang der Gleise in den meist stahlblauen Himmel über der Frankenmetropole hoch.&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">„Kein anderer Wein will mir schmecken und ich bin verdrießlich, wenn mir mein Lieblingsgetränk abgeht.“ (Goethe über den Steinwein)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz ähnlich wie bei Hermann Hesse reichten auch bei mir vor vier Jahren zwei sonnige Tage in Würzburg aus, um mich von der Stadt komplett in den Bann ziehen zu lassen. Hesse hat daraufhin seine Erzählung „Narziß und Goldmund“ teilweise nach Würzburg gelegt, um dem Ort ein würdiges Denkmal zu setzen. Bei mir bleibt es ein überschaubarer Blogartikel. Ob ich dafür irgendwann auch den Literaturnobelpreis erhalte, muss an anderer Stelle entschieden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedenfalls statte ich dem Main seitdem jährlich einen Besuch ab und nehme mir vor, stets neue Weinberge rund um Würzburg zu erkunden.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-1024x1024.jpeg" alt="Blick auf den Randersackerer Teufelskeller." class="wp-image-1048" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0057-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bocksbeutel für den Beelzebub: der Randersackerer Teufelskeller.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was geht abt? Auf der Abtsleite einiges!</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Den Würzburger Stein und die Innere Leiste bei der Festung Marienberg hatte ich bei meinen vergangenen Besuchen schon durchgespielt, daher führt mich mein erster Weg dieses Mal in Richtung Abtsleite in den Süden der Stadt. Beeinflusst vom Würzburger Kessel wird es hier auch im Frühjahr schnell muckelig. Hat man es die knapp 300 Meter hochgeschafft, wird man mit einem grandiosen Blick Richtung Süden auf die VDP.Erste Lage Randersackerer Teufelskeller belohnt. Schaut man nach Westen, sticht einem direkt ein klobiger Bunker ins Auge, der sich bei genauerem Hinschauen als XXXLutz-Filiale entpuppt (als Mitarbeiter würde ich mich bei einer Nuklearkatastrophe dort sehr sicher fühlen); der Ort um den Beton-Quader herum ist übrigens Heidingsfeld – für alle Fußball-Interessierten: Hier war Werner Lorant mal zwei Jahre Spielertrainer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;<br>Aber zurück zum Fall: Im Glas setzt beispielsweise das <a href="https://www.buergerspital.de/weingut/weinshop/index.html?gad_source=1&amp;gad_campaignid=21141232946&amp;gbraid=0AAAAADqHvPyGUf5OqBA2Yldv9oisTwRLg&amp;gclid=Cj0KCQjwoZbBBhDCARIsAOqMEZXgHq0Rxu5WOJsJxZBgFGWS8jv_PYenTzPerdTnggv6Q4RPLdt535waAsqMEALw_wcB" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bürgerspital</a> diese VDP.Erste Lage mit dem Riesling (2023) wunderbar um: Erfrischende zitrische Noten, Mineralik und eine Spur Birne – das Ganze bei 5,3 g/l Restsüße, aber alles andere als „fränkisch trocken“ (unter dem Begriff versteht man einen Restzucker-Wert von bis zu 4 g/l).&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Einer, der nach Einersheim fährt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Klösterliche Stille wie in der Abtsleite gibt es in Regionalzügen dagegen nur selten. Umso schöner, dass es Noise-Cancelling-Kopfhörer gibt und die Fahrt von Würzburg nach Iphofen mit der RE10 keine halbe Stunde dauert. Am Bahnhof holt mich Winzerin Johanna Gamm vom gleichnamigen Weingut ab und fährt mich in die Weinberge von Markt Einersheim, die zum Teil von der großen Flurbereinigung der 1970er-Jahre nicht betroffen waren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-1024x1024.jpeg" alt="Weinberg in Markt Einersheim" class="wp-image-1050" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0039-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Am Fuße des Steigerwalds liegen die Weinberge Markt Einersheims auf Gipskeuper-Böden.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Neben fränkischen Klassikern wie Silvaner, Müller-Thurgau oder Bacchus setzt das super sympathische <a href="https://www.weingut-gamm.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weingut Gamm</a> auch auf PiWi-Sorten wie Regent oder Johanniter. Im Glas bringt etwa der Kabinett-Johanniter vom Markt Einersheimer Vogelsang riesig Spaß: Die sportliche Säure ist mit dem Restzucker bestens ausbalanciert, dazu gelbe bis teilweise exotische Primärfruchtaromen, die mich spontan auch an Scheurebe denken lassen. Noch ein Glas, bitte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast überflüssig zu erwähnen, dass auch die fränkische Paradedisziplin <a href="https://traubengucker.de/regionen/rotling-alles-andere-als-ein-rohling/">Rotling</a> hier am Hofe verkauft und ausgeschenkt wird. Ein gemütlicher Begleiter, mit dem man es sich an einem Frühsommerabend auf einer Bank kommod einrichten kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Escherndorfer Lump: Erste Lage, auch Erste Liga</strong>?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen karrt mich ein beeindruckend schlecht gelaunter Busfahrer nach Astheim an die Mainschleife. Zu Fuß schlendere ich zunächst die Landstraße entlang zum Escherndorfer Lump, einer Lage, die ob ihres Namens schon früh mein Interesse auf sich zog. Der dort installierte Aussichtspunkt auf die malerische Mainschleife lohnt sich aber erst wieder, wenn Bäume und Büsche zurechtgestutzt wurden (Wasser habe ich zu keiner Zeit gesehen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Blick von der Steillage hinunter auf Escherndorf entschädigt aber für alle in Kauf genommenen Unbilden (Büsche und Busfahrer).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-1024x1024.jpeg" alt="Blick auf Escherndorf" class="wp-image-1044" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0099-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der kürzeste Weg ins Dorf ist nicht immer der sicherste. Die VDP.Erste Lage Escherndorfer Lump ist teilweise eine Steillage.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-1024x1024.jpeg" alt="Ein Schild im Weinberg, das zur Mäßigung aufruft." class="wp-image-1046" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0101-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wenige Schritte später wird man direkt zur Mäßigung aufgerufen.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bocksbeutelstraße ist so etwas wie die Champs-Ély­sées Escherndorfs. Hier reihen sich die wichtigsten Adressen wie Perlen aneinander. Ich bleibe an der Hausnummer 15 beim VDP Weingut von <a href="https://weingut-rainer-sauer.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rainer Sauer</a> kleben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Silvaner &#8211; Escherndorfer Lump, VDP.Erste Lage, trocken aus dem Jahr 2023 &#8211; ist eine Granate: rauchige Mineralik, speziell Feuerstein, Kräuterwürze und dazu ein Schuss Limette und Zitrone. Bei 1 g/l Restzucker ist dieser Wein auch typisch „fränkisch trocken“ und genau das Richtige an einem knallheißen Mai-Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Riesling aus derselben Lage, aber ein Jahr älter, haut in eine ähnliche Kerbe, ist aber nicht ganz so kantig und angriffslustig.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-1024x1024.jpeg" alt="Straßenschild &quot;Bocksbeutelstraße&quot;" class="wp-image-1066" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0104-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Bocksbeutelstraße im fränkischen Escherndorf &#8211; Straße der Träume.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-1024x1024.jpeg" alt="Ich trinke ein Glas im Weingut Sauer" class="wp-image-1042" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0107-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">(Bitte stören Sie den Künstler nicht bei der Arbeit.)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nach Nordheim auf die Weininsel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Escherndorfer Ufer fährt mich die seilgeführte und mit Wimpeln und Fähnchen bestückte „Mainfähre“ rüber nach Nordheim auf die Weininsel. Die Überfahrt dauert gefühlte 40 Sekunden und ist durchgehend ruhig, was den Kapitän aber nicht davon abhält, fotografierende Touristen auf der anderen Flussseite lautstark zu maßregeln, die „Sicherheitslinie“ am Anleger doch bitte nicht zu überschreiten – hier herrscht also noch Recht und Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hat man das pittoreske Nordheim durchlaufen (die <a href="https://www.weinschleifencafe.de/dorfbaeckerei.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dorfbäckerei Weinhöfle</a> vertreibt einen vorzüglichen Flammkuchen), öffnen sich die Tore zum Paradies: Der freie Blick auf den 288 Meter hohen Kreuzberg, umrahmt von den VDP.Ersten Lagen Nordheimer Kreuzberg (Nordlage!) und Nordheimer Vögelein ist hinreißend. Oben angekommen, trifft man auf der <a href="https://www.fraenkisches-weinland.de/poi/terroir_f-ein_magischer_ort_am-40703/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Terroir f Aussichtsplattform</a> auf die Weinheilige „Frankonia“ (oder wie ich zusätzlich auch auf einen sternhagelvollen Junggesellenabschied … der Busfahrer wäre mir, offen gestanden, lieber gewesen).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-1024x1024.jpeg" alt="Die &quot;Frankonia&quot; auf dem Kreuzberg auf der Maininsel" class="wp-image-1041" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0115-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die fränkische Interpretation vom Sturm auf die Bastille: Statt &#8222;Marianne&#8220; thront &#8222;Frankonia&#8220; über dem Kreuzberg auf der Maininsel – mit Bocksbeutel statt Bajonett, logisch.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hinunter gehts auf der anderen Seite gute drei Kilometer quer durch den Sommeracher Katzenkopf ins gleichnamige Dorf (Sommerach, nicht Katzenkopf).<br>Die hiesige <a href="https://www.winzer-sommerach.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Winzergenossenschaft</a> kobert einen am Ortseingang direkt auf den sommerlich (hier ist der Name Programm) hergerichteten Hof. Im Glas habe ich hier den Sommeracher Katzenkopf, Silvaner, trocken: Und wieder ist er präsent, dieser intensive Kräutergarten, der sich schlagartig die Nase hochschiebt. Dazu gesellt sich eine leichte Zitrusnote bei straffem Säuregerüst.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-1024x1024.jpeg" alt="Straßenschild &quot;Zum Katzenkopf&quot;" class="wp-image-1065" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0127-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wäre in der fränkischen Monopoly-Ausgabe so eine Art Schlossallee.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Voll karacho nach Volkach&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Den Busfahrplan im Hinterkopf geht es hurtigen Schenkels nordöstlich in Richtung Volkach, immer schön am Mainkanal entlang. Wer hier mit dem Auto fährt, begeht einen unverzeihlichen Frevel an der Natur, denke ich mir so, wie ich als Stadtmensch versonnen die sorgsam aufgezogenen Obstbäume bestaune.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos: In Volkach selbst steht das „<a href="https://www.haus-der-quitte.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Haus der Quitte</a>“. Neben Seifen, Marmeladen und Nippes, den man vielleicht nicht unbedingt kaufen muss, wird allerdings auch ein Quitten-Secco feilgeboten, der furchtbar gut und erfrischend schmeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da Quitte ein typisches Referenz-Aroma für Weinbeschreibungen ist, sollte der geneigte Weinfreund nicht schnurstracks an diesem spannenden Haus vorbeimarschieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt aber wieder zum seriösen Teil: Ein Besuch beim <a href="https://www.schwane-weingut.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weingut Zur Schwane</a> gehört natürlich zum Pflichtprogramm. Gleich mal das Große Gewächs „Am Lumpen 1655“, Silvaner, 2022, bestellt: zunächst recht verschlossen in der Nase, dann entwickelt sich aber eine herbe Kräuternote und dazu eine deutlich gegenwärtige Säure. Es mag die restsüße Quitte zuvor gewesen sein oder meine Nase musste den knapp 20 gewanderten Kilometern Tribut zahlen, leider legt mein sensorischer Kompass am vermeintlichen Höhepunkt eine Pause ein. Passiert.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-1024x1024.jpeg" alt="Das GG &quot;Am Lumpen 1655&quot; von Schwane" class="wp-image-1064" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0139-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das GG &#8222;Am Lumpen 1655&#8220; von Schwane (die massive Speisekarte wiegt ähnlich viel wie die volle Flasche)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-1024x1024.jpeg" alt="Der Marktplatz in Volkach" class="wp-image-1040" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/05/IMG_0137-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zwischen Aperol, Stachelbeertorte und Rentnern auf E-Bikes: der Marktplatz in Volkach</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Zufall wollte es aber, dass ich Schwane-Inhaber Ralph Düker zwei Tage später in Hamburgs Frankenwein-Institution „<a href="https://www.der-bocksbeutel.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Bocksbeutel</a>“ treffen und dort seinen Blanc de Noir probieren durfte: Ein dezenter Kupferton funkelt hübsch im Glas, im Mund entfaltet sich augenblicklich ein animierender Säurezug, während am Gaumen ein feines, nobles Erdbeer-Aroma geduldig auf den Nachhall wartet. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kreislauf des Lebens (und Busfahrplans)</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Weinort Volkach hatte mal eine Bahnanbindung, die im Volksmund – aus Gründen – „Säuferbähnle“ genannt wurde. 1968 war aber Schluss mit den lustigen Bahnfahrten: Die Deutsche Bundesbahn hat die Strecke (Achtung, Wortwitz!) trockengelegt. Wie der <a href="https://www.br.de/nachrichten/bayern/mainschleifenbahn-wird-reaktiviert-strecke-volkach-wuerzburg,USUhjwk" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerische Rundfunk</a> berichtet, soll die Zugstrecke aber in ungewisser Zukunft reaktiviert werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist jedenfalls der Grund, weshalb ich an einem Sonnabend schon um 16.45 Uhr die letzte direkte Reiseverbindung zurück nach Würzburg nehme: die Linie 305. Beim Öffnen der Tür blicke ich in ein bekanntes Gesicht, der unfreundliche Busfahrer bittet um Einsicht in mein Deutschland-Ticket. Vielleicht waren es die wunderbaren Lagen und Weine, die ich bestaunen durfte oder doch der Quitten-Secco, aber für einen kurzen Wimpernschlag hoben sich die Mundwinkel des Busfahrers zu einem flüchtigen Lächeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/fraenkische-weinreise-zu-den-frrraenkischen-weinriesen/">Fränkische Weinreise zu den frrränkischen Weinriesen</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Die Euganeischen Hügel: Weine direkt an der Quelle</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Dec 2024 10:10:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt sie noch immer: Weinregionen in Italien, die man auf der Landkarte erstmal finden und selbstbewusst einkreisen muss. Die Euganeischen Hügel (Italienisch: colli euganei) zählen sicherlich dazu. Anzutreffen ist die zu Venetien gehörende Hügelgruppe südwestlich der Stadt Padua, kurz bevor der Po die natürliche Grenze zur Emilia-Romagna bildet. Namentlich wird sich auf das Volk der Eugeneer bezogen, das sich noch vor den Venetern auf der Ecke breitmachte. Klar, im Schutz der Alpen im Norden und unweit der Adria lässt es sich gut aushalten. Quasi als besonderes Schmankerl kommt hinzu, dass das Gebiet durch seine geothermischen Aktivitäten heiße Quellen generiert (welche aber wohl erst von den Römern genutzt wurden). Dies führte unter anderem dazu, dass die Euganeischen Hügel heute – neben ihrer Funktion als Naturpark – auch für ihre Kurorte wie Abano oder Montegrotto bekannt sind.&#160; Breite Palette an Sorten und Stilen Auch weinbautechnisch sitzt man hier quasi direkt an der Quelle. Sehr unterschiedliche Zusammensetzungen der Böden auf wenig Hektar machen die Arbeit für die Winzerinnen und Winzer so lukrativ wie besonders. Das Weingut Il Pianzio hat seinen Sitz mitten im Parco Regionale dei Colli Euganei. Umgeben ist es dort idyllisch von Wein, Oliven und Zypressen. Dazu gesellen sich die charakteristischen grünen Hügel, die wie aus Steckschaum in die Landschaft modelliert zu sein scheinen.&#160; Stellvertretend für die Region bietet das Haus eine ganze Breite an Weinen und Stilistiken an. Von leichtfüßigen Weißweinen (etwa Weißburgunder) und prickelnden Perlweinen in weiß und rosé geht es über markante Rotweine (vor allem aus den Bordelaiser Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon) bis hin zum bekanntesten Wein der Colli Euganei: der Fior d’Arancio, ein süßer Schaumwein mit DOCG-Siegel. Laura Selmin vom Weingut gerät bei dem Schäumer regelrecht ins Schwärmen: &#8222;Hier haben wir einen Wein, in dem die Düfte der Orangenblüte am besten zum Ausdruck kommen. Sicherlich ein süßer Wein. Aber dank eines guten Gleichgewichts zwischen Süße und Säure wirkt er nicht süßlich. Im Gegenteil: Ein angenehmer Wein, der sich sehr gut auch für herzhafte Kombinationen eignet, wie zum Beispiel mit einem weichen Ziegenkäse.&#8220; Orangen im Glas und ein seltener Halb-Sizilianer Gekeltert wird der Fior d’Arancio aus der Traube Gelber Muskateller. Diese ursprünglich griechische Rebsorte bringt würzig-aromatische Weine ins Glas und wird seit eh und je in den Euganeischen Hügeln angebaut. Entsprechend wird der Gelbe Muskateller &#8211; nicht nur im Hause Pianzio &#8211; auch trocken zu Stillwein oder nach Rosinierung der Trauben zu Dessertwein verarbeitet. Eine ähnlich große Range an Rebsorten hat das Weingut Ca Lustra Zanovello, gute sechs Kilometer von Il Pianzo in Richtung Südwesten entfernt, in seinem Portfolio. Zusätzlich sticht hier der Süßwein Nero Musqué hervor. Er wird aus der seltenen und fast verloren gegangenen Rebsorte Schwarzer Muskateller (Moscato Nero) gemacht. Allerdings findet die Produktion nicht hier in den Euganeischen Hügeln statt, sondern auf Sizilien. Auf der Mittelmeerinsel ist das Weingut mit der Universität Palermo und dem dortigen Regionalen Institut für Wein und Öl (IRVO) eine Zusammenarbeit zur Rettung dieser alten Sorte eingegangen. Tatsächlich stammen die mittlerweile auf Sizilien angebauten Rebstöcke mit Schwarzem Muskateller aus einer Handvoll Knospen, die Anfang der 2000er in den Euganeischen Hügeln gerettet wurden. Klingt kitschiger als ein Sat.1.-Film, ist aber wahr. Grund für den Transfer auf die Insel war, dass die Bestäubung in den Euganeischen Hügeln nicht immer zuverlässig funktionierte. Auf Sizilien fand man weitaus günstigere Bedingungen für die anspruchsvolle Rebsorte: &#8222;Im Laufe der Zeit haben wir die Produktion ausgeweitet, was durch die ständige Meeresbrise begünstigt wird: Wir befinden uns auf den Hügeln über dem Golf von Castellammare&#8220;, sagt Linda Zanovello vom Weingut und fügt ein besonderes Zusammenspiel aus Klima und Rebsorte an: &#8222;Wenn die Trauben ihre Reife erreichen, verwelken sie innerhalb weniger Tage und geben uns einen süßen, aber ausgewogenen, intensiven und komplexen Geschmack.&#8220; Die große Bodenoffensive der Euganeischen Hügel Gemeinsam haben Sizilien und die Euganeischen Hügel jedenfalls die teilweise aus vulkanischer Erde bestehenden Böden. Ein Qualitätsmerkmal der Colli Euganei ist aber sicherlich, dass auf wenigen Hektar ganz unterschiedliche Bodenzusammensetzungen anzutreffen sind. &#8222;Gerade weil wir unterschiedliche Böden und Klimazonen haben, gibt es viele – vielleicht zu viele – Sorten, die gute Ergebnisse liefern&#8220;, meint Linda Zanovello und schwört vor allem auf Weißen und Gelben Muskateller, Garganega, aber auch die ausgefalleneren Sorten Manzoni Bianco und Tai Bianco. &#8222;Das Ergebnis ist aufgrund der Kombination von Rebe, Boden und Klima sicherlich unterschiedlich, aber ich finde, genau das ist der Reichtum der Euganeischen Hügel: Jedes Mal, wenn man sich bewegt, auch wenn es nur ein paar Meter sind, entdeckt man andere Facetten.&#8220; Wer sich für die verschiedenen Lagen des Weinguts interessiert, der kann sich auf dieser interaktiven Karte eine Übersicht verschaffen. Auch auf dem Weingut Il Pianzio wird durch diese Voraussetzungen für jede Rebe der richtige Ort gefunden: &#8222;Ein Teil der Weinberge befindet sich an den Hängen des Monte Rua im Pianzio-Tal, wo sich die Kellerei befindet&#8220;, erklärt Laura Selmin und ergänzt: &#8222;Hier haben wir sicherlich sehr mineralische Böden, die reich an vulkanischem Mergel sind.&#8220; Serprino Frizzante &#8211; das perlt Schließlich gebe es in der zum Weingut gehörenden Anbaufläche noch Ausläufer, die in geringerem Maße mineralisch sind, einige sedimentäre Bereiche und Weinberge in der Ebene mit &#8222;sehr organischen und nährstoffreichen Böden&#8220;. Macht insgesamt eine Auswahl von 20 Rebsorten.&#160; Unter diesen 20 Rebsorten anzutreffen ist auch Glera. Vor allem bekannt ist Glera als Prosecco-Traube, die nahezu ausschließlich im Nordosten Italiens (Venetien und Friaul) verbreitet ist. Bis Ende 2009 hieß sie sogar Prosecco, wurde aus Gründen des Gebietsschutzes aber umbenannt. Ein Synonym für Glera ist jedenfalls Serprina. Und mit einer Vokalwandlung kommt die Traube als Serprino in den Colli Euganei häufig ins Glas beziehungsweise die Flasche. Wie beim Prosecco bringt Glera vor allem mit leichter Perlage noch etwas mehr Freude ins Glas. Der Serprino geht hier als Frizzante, also Halbschäumer (Perlwein), über die Theke. Und für wen die Euganeischen Hügel bislang böhmische Dörfer waren, der fängt am besten mit diesem Wein an (so ist es mir übrigens auch ergangen). Ein herrlich leichtes Terrassen-Gesöff, man möchte es direkt der Frau aus der Raffaelo-Werbung in Hand drücken.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/die-euganeischen-huegel-weine-direkt-an-der-quelle/">Die Euganeischen Hügel: Weine direkt an der Quelle</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Es gibt sie noch immer: Weinregionen in Italien, die man auf der Landkarte erstmal finden und selbstbewusst einkreisen muss. Die Euganeischen Hügel (Italienisch: colli euganei) zählen sicherlich dazu. Anzutreffen ist die zu Venetien gehörende Hügelgruppe südwestlich der Stadt Padua, kurz bevor der Po die natürliche Grenze zur Emilia-Romagna bildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Namentlich wird sich auf das Volk der Eugeneer bezogen, das sich noch vor den Venetern auf der Ecke breitmachte. Klar, im Schutz der Alpen im Norden und unweit der Adria lässt es sich gut aushalten. Quasi als besonderes Schmankerl kommt hinzu, dass das Gebiet durch seine geothermischen Aktivitäten heiße Quellen generiert (welche aber wohl erst von den Römern genutzt wurden). Dies führte unter anderem dazu, dass die Euganeischen Hügel heute – neben ihrer Funktion als Naturpark – auch für ihre Kurorte wie Abano oder Montegrotto bekannt sind.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Breite Palette an Sorten und Stilen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch weinbautechnisch sitzt man hier quasi direkt an der Quelle. Sehr unterschiedliche Zusammensetzungen der Böden auf wenig Hektar machen die Arbeit für die Winzerinnen und Winzer so lukrativ wie besonders. Das Weingut <a href="https://www.ilpianzio.it" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Il Pianzio</a> hat seinen Sitz mitten im Parco Regionale dei Colli Euganei. Umgeben ist es dort idyllisch von Wein, Oliven und Zypressen. Dazu gesellen sich die charakteristischen grünen Hügel, die wie aus Steckschaum in die Landschaft modelliert zu sein scheinen.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-1024x1024.jpeg" alt="Die Chiesa di Santa Maria Assunta vecchia in Galzignano Terme." class="wp-image-825" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8824-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Chiesa di Santa Maria Assunta vecchia in Galzignano Terme ist gleichzeitig auch das Firmenlogo von Il Pianzio.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Stellvertretend für die Region bietet das Haus eine ganze Breite an Weinen und Stilistiken an. Von leichtfüßigen Weißweinen (etwa Weißburgunder) und prickelnden Perlweinen in weiß und rosé geht es über markante Rotweine (vor allem aus den <a href="https://traubengucker.de/regionen/stierblut-saufen-bis-die-bullen-kommen/">Bordelaiser Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon</a>) bis hin zum bekanntesten Wein der Colli Euganei: der Fior d’Arancio, ein süßer Schaumwein mit DOCG-Siegel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laura Selmin vom Weingut gerät bei dem Schäumer regelrecht ins Schwärmen: &#8222;Hier haben wir einen Wein, in dem die Düfte der Orangenblüte am besten zum Ausdruck kommen. Sicherlich ein süßer Wein. Aber dank eines guten Gleichgewichts zwischen Süße und Säure wirkt er nicht süßlich. Im Gegenteil: Ein angenehmer Wein, der sich sehr gut auch für herzhafte Kombinationen eignet, wie zum Beispiel mit einem weichen Ziegenkäse.&#8220;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-1024x1024.jpeg" alt="Blick vom Weingut Il Pianzio auf die Landschaft der Euganeischen Hügel und die Kirche Chiesa di Santa Maria Assunta vecchia." class="wp-image-826" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8814-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Das, mein Sohn, wird eines Tages Dir gehören.&#8220; Ob dieser Satz jemals im Weingut Il Pianzio gefallen ist, ist nicht überliefert. Dennoch ist das der herrschaftliche Blick vom Eingang aus.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Orangen im Glas und ein seltener Halb-Sizilianer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gekeltert wird der Fior d’Arancio aus der Traube Gelber Muskateller. Diese ursprünglich griechische Rebsorte bringt würzig-aromatische Weine ins Glas und wird seit eh und je in den Euganeischen Hügeln angebaut. Entsprechend wird der Gelbe Muskateller &#8211; nicht nur im Hause Pianzio &#8211; auch trocken zu Stillwein oder nach Rosinierung der Trauben zu Dessertwein verarbeitet.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-1024x1024.jpeg" alt="Der Fior d'Arancio passito und der Nero Musqué von Ca Lustra." class="wp-image-828" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9179-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zwei süße Typen: der Fior d&#8217;Arancio passito und der Nero Musqué von Ca Lustra.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ähnlich große Range an Rebsorten hat das Weingut <a href="https://calustra.it/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ca Lustra Zanovello</a>, gute sechs Kilometer von Il Pianzo in Richtung Südwesten entfernt, in seinem Portfolio. Zusätzlich sticht hier der Süßwein Nero Musqué hervor. Er wird aus der seltenen und fast verloren gegangenen Rebsorte Schwarzer Muskateller (Moscato Nero) gemacht. Allerdings findet die Produktion nicht hier in den Euganeischen Hügeln statt, sondern auf Sizilien. Auf der Mittelmeerinsel ist das Weingut mit der <a href="https://www.unipa.it/target/international-students/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Universität Palermo</a> und dem dortigen <a href="https://www.irvos.it/en/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Regionalen Institut für Wein und Öl (IRVO)</a> eine Zusammenarbeit zur Rettung dieser alten Sorte eingegangen. Tatsächlich stammen die mittlerweile auf Sizilien angebauten Rebstöcke mit Schwarzem Muskateller aus einer Handvoll Knospen, die Anfang der 2000er in den Euganeischen Hügeln gerettet wurden. Klingt kitschiger als ein Sat.1.-Film, ist aber wahr.<br><br>Grund für den Transfer auf die Insel war, dass die Bestäubung in den Euganeischen Hügeln nicht immer zuverlässig funktionierte. Auf Sizilien fand man weitaus günstigere Bedingungen für die anspruchsvolle Rebsorte: &#8222;Im Laufe der Zeit haben wir die Produktion ausgeweitet, was durch die ständige Meeresbrise begünstigt wird: Wir befinden uns auf den Hügeln über dem Golf von Castellammare&#8220;, sagt Linda Zanovello vom Weingut und fügt ein besonderes Zusammenspiel aus Klima und Rebsorte an: &#8222;Wenn die Trauben ihre Reife erreichen, verwelken sie innerhalb weniger Tage und geben uns einen süßen, aber ausgewogenen, intensiven und komplexen Geschmack.&#8220; <br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die große Bodenoffensive der Euganeischen Hügel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam haben Sizilien und die Euganeischen Hügel jedenfalls die teilweise aus vulkanischer Erde bestehenden Böden. Ein Qualitätsmerkmal der Colli Euganei ist aber sicherlich, dass auf wenigen Hektar ganz unterschiedliche Bodenzusammensetzungen anzutreffen sind. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-1024x1024.jpeg" alt="Weinreben des Weingutes Loreggian bei Arquà Petrarca." class="wp-image-872" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_1880-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Über zu wenig Sonne hat sich hier noch nie jemand beschwert. Weinreben des Weingutes Loreggian bei Arquà Petrarca.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Gerade weil wir unterschiedliche Böden und Klimazonen haben, gibt es viele – vielleicht zu viele – Sorten, die gute Ergebnisse liefern&#8220;, meint Linda Zanovello und schwört vor allem auf Weißen und Gelben Muskateller, Garganega, aber auch die ausgefalleneren Sorten Manzoni Bianco und Tai Bianco. &#8222;Das Ergebnis ist aufgrund der Kombination von Rebe, Boden und Klima sicherlich unterschiedlich, aber ich finde, genau das ist der Reichtum der Euganeischen Hügel: Jedes Mal, wenn man sich bewegt, auch wenn es nur ein paar Meter sind, entdeckt man andere Facetten.&#8220; Wer sich für die verschiedenen Lagen des Weinguts interessiert, der kann sich auf <a href="https://calustra.it/it/terra-e-mappe/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dieser interaktiven Karte</a> eine Übersicht verschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf dem Weingut Il Pianzio wird durch diese Voraussetzungen für jede Rebe der richtige Ort gefunden: &#8222;Ein Teil der Weinberge befindet sich an den Hängen des Monte Rua im Pianzio-Tal, wo sich die Kellerei befindet&#8220;, erklärt Laura Selmin und ergänzt: &#8222;Hier haben wir sicherlich sehr mineralische Böden, die reich an vulkanischem Mergel sind.&#8220;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Serprino Frizzante &#8211; das perlt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich gebe es in der zum Weingut gehörenden Anbaufläche noch Ausläufer, die in geringerem Maße mineralisch sind, einige sedimentäre Bereiche und Weinberge in der Ebene mit &#8222;sehr organischen und nährstoffreichen Böden&#8220;. Macht insgesamt eine Auswahl von 20 Rebsorten.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-1024x1024.jpeg" alt="Der Serprino und der Fior d'Arancio von Il Pianzio." class="wp-image-827" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_9180-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Aus diesen beiden sprudelt es nur so heraus: der Serprino und der Fior d&#8217;Arancio von Il Pianzio.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesen 20 Rebsorten anzutreffen ist auch Glera. Vor allem bekannt ist Glera als Prosecco-Traube, die nahezu ausschließlich im Nordosten Italiens (Venetien und Friaul) verbreitet ist. Bis Ende 2009 hieß sie sogar Prosecco, wurde aus Gründen des Gebietsschutzes aber umbenannt. Ein Synonym für Glera ist jedenfalls Serprina. Und mit einer Vokalwandlung kommt die Traube als Serprino in den Colli Euganei häufig ins Glas beziehungsweise die Flasche. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie beim Prosecco bringt Glera vor allem mit leichter Perlage noch etwas mehr Freude ins Glas. Der Serprino geht hier als Frizzante, also Halbschäumer (Perlwein), über die Theke. Und für wen die Euganeischen Hügel bislang böhmische Dörfer waren, der fängt am besten mit diesem Wein an (so ist es mir übrigens auch ergangen). Ein herrlich leichtes Terrassen-Gesöff, man möchte es direkt der Frau aus der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=l0y6qRKy1sE">Raffaelo-Werbung</a> in Hand drücken.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-1024x1024.jpeg" alt="Das Weingut Ca Lustra, mitten in den Euganeischen Hügeln." class="wp-image-823" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/11/IMG_8841-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Weingut Ca Lustra, mitten in den Euganeischen Hügeln. (Für die Anfahrt mit dem Auto ruhig Reisekaugummis einpacken.)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/die-euganeischen-huegel-weine-direkt-an-der-quelle/">Die Euganeischen Hügel: Weine direkt an der Quelle</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Weine aus dem Siebengebirge: Wo die Riesling-Riesen hausen</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Oct 2024 12:43:25 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Siebengebirge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen … erwartet die Reisenden ein echtes Riesling-Eldorado. Aber auch andere Rebsorten wachsen im rechtsrheinischen Mittelgebirge (im Gegensatz zu den Zwergen) ganz wunderprächtig. Traubengucker war unterwegs im Siebengebirge, der nördlichen Spitze des kleinen Qualitätsanbaugebietes Mittelrhein.&#160; Märchenhaft mäandert der Rhein um die Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth, vorbei am sagenumwobenen Drachenfels stromabwärts in Richtung Bonn. Wer bei güldener Herbstsonne hier nicht zum Romantiker wird, kann sich getrost in den Schneewittchensarg legen. Nur die Bergstraße ist kleiner Das malerische Weinanbaugebiet Mittelrhein erstreckt sich von der Grenze zum Rheingau im Süden bis kurz vor die Tore Bonns im Norden. Reben hatten hier bereits die Römer mitgebracht und gepflanzt. Der größere südliche Teil&#160;des Gebiets (von Lorch bis Linz) wird als Bereich Loreley, der kleinere nördliche als Bereich Siebengebirge bezeichnet.&#160;Der Rhein dient mit seinem großen Volumen als hervorragende &#8222;Wärmflasche&#8220;, die neben den vielen Sonnenstunden das Klima in den Weinbergen zusätzlich positiv beeinflusst. Mit rund 460 Hektar Anbaufläche ist Mittelrhein das zweitkleinste Qualitätsanbaugebiet Deutschlands. Nur die Hessische Bergstraße ist mit ca. 450 Hektar Anbaufläche noch kleiner. Dabei war das Weinanbaugebiet Mittelrhein in der 1970er-Jahren noch mehr als doppelt so groß mit einer Rebfläche von über 1.000 Hektar. Der Trend ist also stark rückläufig. Entsprechend selten trifft man Weine vom Mittelrhein in Hamburger, Berliner oder Münchener Supermärkten und Weinläden. Was trinkt die Loreley so? Rebsortentechnisch thront hier über allem der Riesling: Rund 70 Prozent der Gesamtanbaufläche ist ihm gewidmet. Diesem Sonderstatus zollt auch die sogenannte&#160;Mittelrhein Riesling Charta Tribut. Spät-, Weißburgunder und Müller-Thurgau zählen zu den weiteren Hauptsorten. Prägend sind zudem die atemberaubenden Steillagen, die den Winzern allerdings einiges abverlangen. Im Gegensatz zum Bereich Loreley fußt der Bereich Siebengebirge größtenteils auf Böden vulkanischen Ursprungs. Ein wichtiger Player im Bereich Siebengebirge ist das Weingut Pieper. Mit einer Rebfläche von neun Hektar sind die Königswinterer sogar das größte Weingut Nordrhein-Westfalens. Die Weine von Felix Pieper wachsen zum Teil auf Trachyt-Boden, einem vulkanischen Gestein. So auch der Einstiegs-Riesling &#8222;Trachyt&#8220;, der mit einer feinen Mineralik, aber vor allem straffen Säure an die Riesling-Stilistik aus dem benachbarten Rheingau erinnert. Eine Schippe drauf legt der Riesling &#8222;Septimontium&#8220; (Sieben Berge), der bei ähnlichem Charakter noch eine grazile Feinwürzigkeit und angedeutete Wachsnote mitbringt – unterstützt durch einen sanften Holzeinsatz. Aber auch schmelziger Chardonnay aus dem Barrique, Gewürztraminer oder Grüner Veltliner (nach eigenen Angaben der nördlichste, der weltweit angebaut wird) hat Pieper im Angebot und zeigt stellvertretend so, was hier im kleinen Anbaugebiet Siebengebirge alles möglich ist. Diversität im Siebengebirge: Von Gelb bis Schwarzblau ist alles dabei Und diese Vielfältigkeit unterstreicht auch Winzer Kay Thiel, dessen Weingut Kay Weine in direkter Nachbarschaft zum Weingut Pieper ebenfalls in Königswinter anzutreffen ist: &#8222;Unsere Weinberge erstrecken sich ja auf 35 Rheinkilometern von Dollendorf, über Dattenberg bis nach Leutesdorf. Daran besonders ist, dass diese drei Standorte drei verschiedene Böden mitbringen: Lehm, Grauwacke und Schiefer. Drei Rieslinge, drei komplett unterschiedliche Weine!&#8220; Ähnlich wie Felix Pieper ruht sich Thiel aber auch nicht auf dem Geschäft mit dem Riesling aus. Neben Auxerrois, Blauem Arbst (eine Spätburgunder-Mutation), Schwarzblauem Riesling (eine fast ausgestorbene Sorte, die vor der kleinen Eiszeit unter anderem in Lothringen-Elsass verbreitet war) findet sich auch die Sorte Gelber Malinger in Thiels Weinberg. Warum eigentlich?&#8222;Einfache Antwort: Der stand da!&#8220;, erklärt der Winzer uns kurzer Hand und fügt ergänzend hinzu: &#8222;Wir bauen den trocken und komplett im Holz aus.&#8220; Wer jetzt neugierig geworden ist, hat im Online-Shop vom zertifizierten Bioland-Betrieb Kay Weine die Gelegenheit, diese Kreuzung aus dem 19. Jahrhundert nach Hause zu bestellen. Hauptsache, es rhönt Am südlichen Fuße des Drachenfels, direkt an einem Weinhang, liegt Rhöndorf. Bekannt geworden ist der Stadtteil Bad Honnefs vor allem als Wohnort Konrad Adenauers. Der heimelig-nostalgische Mief der alten Bonner Republik weht hier in der Tat noch durch die Gassen, was aber keineswegs despektierlich klingen soll. Bei einem Glas Federweißer und einem großzügigen Stück Zwiebelkuchen kommt hier auch der Burn-out-gefährdete Spitzenmanager aus der Großstadt schnell wieder runter. Frei nach dem Adenauer&#8217;schen Grundsatz &#8222;Keine Experimente&#8220; wird hier kompromisslos jährlich (mit Ausnahme der &#8222;Corona-Jahre&#8220;, versteht sich) das Rhöndorfer Weinfest begangen. In diesem Jahr durfte Bürgermeister Otto Neuhoff auf dem Ziepchensplatz die medizinische Fachangestellte Janina Mehr offiziell zur neuen Weinkönigin küren. Bratwurstduft, der Spielmannszug vom TV Eiche und DJ Andy gaben dem Ereignis einen würdigen Rahmen. Janina I. löst damit ihre Vorgängerin Aaliyah ab. Ihr Weinspruch lautet: &#8222;Hier in Rhöndorf, wo der Wein so fein, da lädt der Ziepchensplatz zum Verweilen ein.&#8220; Das können wir nur unterschreiben.&#160;Lang lebe die Königin!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/weine-aus-dem-siebengebirge/">Weine aus dem Siebengebirge: Wo die Riesling-Riesen hausen</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen … erwartet die Reisenden ein echtes Riesling-Eldorado. Aber auch andere Rebsorten wachsen im rechtsrheinischen Mittelgebirge (im Gegensatz zu den Zwergen) ganz wunderprächtig. Traubengucker war unterwegs im Siebengebirge, der nördlichen Spitze des kleinen Qualitätsanbaugebietes Mittelrhein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Märchenhaft mäandert der Rhein um die Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth, vorbei am sagenumwobenen Drachenfels stromabwärts in Richtung Bonn. Wer bei güldener Herbstsonne hier nicht zum Romantiker wird, kann sich getrost in den Schneewittchensarg legen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nur die Bergstraße ist kleiner</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-1024x1024.jpeg" alt="Weinberg in Königswinter im Siebengebirge" class="wp-image-687" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8665-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Weinberg am Drachenfels: Den guten Rat von Vater Rheins Wirt gibt&#8217;s gratis dazu.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das malerische Weinanbaugebiet Mittelrhein erstreckt sich von der Grenze zum Rheingau im Süden bis kurz vor die Tore Bonns im Norden. Reben hatten hier bereits die Römer mitgebracht und gepflanzt. Der größere südliche Teil&nbsp;des Gebiets (von Lorch bis Linz) wird als Bereich Loreley, der kleinere nördliche als Bereich Siebengebirge bezeichnet.&nbsp;Der Rhein dient mit seinem großen Volumen als hervorragende &#8222;Wärmflasche&#8220;, die neben den vielen Sonnenstunden das Klima in den Weinbergen zusätzlich positiv beein<em>fluss</em>t.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit rund 460 Hektar Anbaufläche ist Mittelrhein das zweitkleinste Qualitätsanbaugebiet Deutschlands. Nur die Hessische Bergstraße ist mit ca. 450 Hektar Anbaufläche noch kleiner. Dabei war das Weinanbaugebiet Mittelrhein in der 1970er-Jahren noch mehr als doppelt so groß mit einer Rebfläche von über <a href="https://www.vinum.eu/de/weinwissen/weinregionen/europa/deutschland/mittelrhein/">1.000 Hektar</a>. Der Trend ist also stark rückläufig. Entsprechend selten trifft man Weine vom Mittelrhein in Hamburger, Berliner oder Münchener Supermärkten und Weinläden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was trinkt die Loreley so?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rebsortentechnisch thront hier über allem der Riesling: Rund 70 Prozent der Gesamtanbaufläche ist ihm gewidmet. Diesem Sonderstatus zollt auch die sogenannte&nbsp;<a href="https://www.mittelrhein-wein.com/mittelrhein-wein/mittelrheinrieslingcharta/mittelrhein-riesling-charta-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mittelrhein Riesling Charta</a> Tribut. <br>Spät-, Weißburgunder und Müller-Thurgau zählen zu den weiteren Hauptsorten. Prägend sind zudem die atemberaubenden Steillagen, die den Winzern allerdings einiges abverlangen. Im Gegensatz zum Bereich Loreley fußt der Bereich Siebengebirge größtenteils auf Böden vulkanischen Ursprungs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein wichtiger Player im Bereich Siebengebirge ist das <a href="https://weingut-pieper.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weingut Pieper</a>. Mit einer Rebfläche von neun Hektar sind die Königswinterer sogar das größte Weingut Nordrhein-Westfalens. Die Weine von Felix Pieper wachsen zum Teil auf Trachyt-Boden, einem vulkanischen Gestein. So auch der Einstiegs-Riesling &#8222;Trachyt&#8220;, der mit einer feinen Mineralik, aber vor allem straffen Säure an die Riesling-Stilistik aus dem benachbarten Rheingau erinnert. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-1024x1024.jpeg" alt="Ein Glas Riesling im Jesuiter Hof vom Weingut Pieper" class="wp-image-690" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8684-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Solide über dem Füllstrich: Im Jesuiter Hof vom Weingut Pieper in Königswinter. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Schippe drauf legt der Riesling &#8222;Septimontium&#8220; (Sieben Berge), der bei ähnlichem Charakter noch eine grazile Feinwürzigkeit und angedeutete Wachsnote mitbringt – unterstützt durch einen sanften Holzeinsatz. Aber auch schmelziger Chardonnay aus dem Barrique, <a href="https://traubengucker.de/rubrik/elsaesser-spitzen-1-florimont/">Gewürztraminer</a> oder Grüner Veltliner (nach eigenen Angaben der nördlichste, der weltweit angebaut wird) hat Pieper im Angebot und zeigt stellvertretend so, was hier im kleinen Anbaugebiet Siebengebirge alles möglich ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Diversität im Siebengebirge: Von Gelb bis Schwarzblau ist alles dabei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und diese Vielfältigkeit unterstreicht auch Winzer Kay Thiel, dessen Weingut Kay Weine in direkter Nachbarschaft zum Weingut Pieper ebenfalls in Königswinter anzutreffen ist: &#8222;Unsere Weinberge erstrecken sich ja auf 35 Rheinkilometern von Dollendorf, über Dattenberg bis nach Leutesdorf. Daran besonders ist, dass diese drei Standorte drei verschiedene Böden mitbringen: Lehm, Grauwacke und Schiefer. Drei Rieslinge, drei komplett unterschiedliche Weine!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich wie Felix Pieper ruht sich Thiel aber auch nicht auf dem Geschäft mit dem Riesling aus. Neben Auxerrois, Blauem Arbst (eine Spätburgunder-Mutation), <a href="https://historische-rebsorten.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schwarzblauem Riesling</a> (eine fast ausgestorbene Sorte, die vor der kleinen Eiszeit unter anderem in <a href="https://traubengucker.de/regionen/lothringer-wein-jetzt-wirds-exotisch/">Lothringen</a>-Elsass verbreitet war) findet sich auch die Sorte Gelber Malinger in Thiels Weinberg. Warum eigentlich?<br>&#8222;Einfache Antwort: Der stand da!&#8220;, erklärt der Winzer uns kurzer Hand und fügt ergänzend hinzu: &#8222;Wir bauen den trocken und komplett im Holz aus.&#8220; Wer jetzt neugierig geworden ist, hat im <a href="https://www.kay-weine.de/produkt/pfaffenroettchen-2023er-malinger/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Online-Shop</a> vom zertifizierten <a href="https://www.bioland.de/verbraucher" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bioland</a>-Betrieb Kay Weine die Gelegenheit, diese Kreuzung aus dem 19. Jahrhundert nach Hause zu bestellen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-1024x1024.jpeg" alt="Weinlage Drachenfels im Siebengebirge" class="wp-image-685" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8609-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die zur Großlage Petersberg zählende Weinlage Drachenfels. Oben rechts zu sehen: Das Weinberghäuschen auf ca. 105 Meter über Normalhöhennull.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Hauptsache, es rhönt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am südlichen Fuße des Drachenfels, direkt an einem Weinhang, liegt <a href="https://www.rhoendorf.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rhöndorf</a>. Bekannt geworden ist der Stadtteil Bad Honnefs vor allem als Wohnort Konrad Adenauers. Der heimelig-nostalgische Mief der alten Bonner Republik weht hier in der Tat noch durch die Gassen, was aber keineswegs despektierlich klingen soll. Bei einem Glas Federweißer und einem großzügigen Stück Zwiebelkuchen kommt hier auch der Burn-out-gefährdete Spitzenmanager aus der Großstadt schnell wieder runter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frei nach dem Adenauer&#8217;schen Grundsatz &#8222;Keine Experimente&#8220; wird hier kompromisslos jährlich (mit Ausnahme der &#8222;Corona-Jahre&#8220;, versteht sich) das Rhöndorfer Weinfest begangen. In diesem Jahr durfte Bürgermeister Otto Neuhoff auf dem Ziepchensplatz die medizinische Fachangestellte Janina Mehr offiziell zur neuen Weinkönigin küren. Bratwurstduft, der <a href="https://spielmannszug-tveiche.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spielmannszug vom TV Eiche</a> und DJ Andy gaben dem Ereignis einen würdigen Rahmen. Janina I. löst damit ihre Vorgängerin Aaliyah ab. Ihr Weinspruch lautet: &#8222;Hier in Rhöndorf, wo der Wein so fein, da lädt der Ziepchensplatz zum Verweilen ein.&#8220; Das können wir nur unterschreiben.&nbsp;Lang lebe die Königin!</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-1024x1024.jpeg" alt="Inauguration der Rhöndorfer Weinkönigin Janina I." class="wp-image-684" style="width:840px;height:auto" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/09/IMG_8621-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jetzt wird&#8217;s festlich: Didier Deschamps alias Otto Neuhoff übergibt die Krone.  </figcaption></figure>
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		<title>Klein, aber Malo: Weine aus der Bretagne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Sep 2024 11:03:40 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn es einen Teil Frankreichs gibt, wo sich regenfeste Kleidung auch im Sommer lohnt, ist es sicherlich die Bretagne. Der äußerste Nordwesten des Hexagons, wie Franzosen ihr Land sehen, ist bekannt für seine schroffen Küsten und atemberaubenden Landschaften. Weniger berühmt ist die Bretagne dagegen für ihren Wein (und wir reden nicht von Cidre). Das hat Gründe … Knapp über 80 Jahre ist es her, da konnte die Bretagne noch mehrere tausend Hektar Rebfläche an Qualitätswein vorweisen. Allein die in den 1930er-Jahren als AOC (Appellation d’Origine Contrôlée) klassifizierten Gebiete Muscadet und Muscadet Sèvre et Maine reichten grob zusammengezählt von der Atlantikküste über 80 Kilometer entlang der Loire bis tief hinein ins Landesinnere.Diese Weinberge sind heute noch immer da, sie gehören offiziell nur nicht mehr der Bretagne an. Die Bretagne weintechnisch in der Bredouille Im Jahr 1941 entschied eine Gebietsreform (durchgeführt vom Vichy-Regime!), dass die bis dahin bretonische Hauptstadt Nantes, samt ihrer sie umgebenden Weinberge, von nun an zum Département Loire-Antlantique zu gehören hatte. Neue Hauptstadt der Bretagne wurde Rennes (keine Weinberge). Diese Aufteilung hat interessanterweise bis heute Bestand. Noch heute gibt es intensive Bestrebungen vieler Bretonen, sich wieder mit ihrer ehemaligen Hauptstadt zu vereinigen. Exemplarisch dafür dürften die Muscadet-Weine gesehen werden, auf deren Flasche die bretonische Flagge und das Label &#8222;Produit en Bretagne 5&#8220; prangt, obwohl sie eben streng genommen „nur“ aus dem Département Loire-Atlantique kommen. Auf der Homepage des Labels wird übrigens auch kein Hehl daraus gemacht, dass es den Machern um &#8222;eine wiedervereinigte Bretagne&#8220; geht. Die 5 steht in diesem Zusammenhang unter anderem für die fünf ursprünglichen Départements der Bretagne, darunter auch die abhandengekommene Provinz Loire-Atlantique. (Könnte man aus deutscher Sicht natürlich auch mal wieder mit dem Elsass probieren &#8230; kleiner Scherz!) Muscadet ist nicht Muscat Zusammengefasst lassen sich die ehemals bretonischen AOCs unter dem Gebietsnamen Pay Nantais bündeln. Tonangebend und synonym mit dem Begriff Muscadet ist die weiße Traube Melone du Bourgogne, die – Achtung, Verwechslungsgefahr – nichts mit der Muskateller-Traube (auch als Muscat zu finden) zu tun hat, geschmacklich sogar eher das genau Gegenteil ist: ein Wein, der perfekt zu Austern passt &#8211; und eben keine fette, ausladende Bukettsorte, wie der Muskateller eine ist. Eine weitere, wenn auch untergeordnete, Rolle spielt die Weißweinsorte Folle blanche (auch als Gros Plant bekannt).&#160; Muscadet-Weine findet man auch zuverlässig in deutschen Weinregalen. Zwar nicht in Hülle und Fülle, aber oft als Einzelposition, mitunter auch bei Discountern. Preislich bewegen wir uns da meist in einem Bereich von bis zu zehn Euro pro Flasche. Wir sprechen also von einem Wein, der vom Können und damit auch vom Preis her gewissermaßen limitiert ist. Das ist aber keineswegs als Makel zu bewerten. Seine Säure und der knochentrockene Ausbau machen ihn zum perfekten Begleiter zu Muschel- und Fischgerichten – gerade, wenn man sich keinen Chablis leisten möchte oder kann. Bretonischer Wein (in echt jetzt) Und doch arbeiten die Bretonen fleißig an ihrem ganz eigenen Weinberg, also innerhalb der offiziellen Grenzen der Region. Südlich der malerischen Stadt Saint-Malo und unweit des Örtchens Saint-Suliac steht der Mont Garrot. Hier wachsen auf quarzhaltigem Boden rund 1.000 Reben. Sortentechnisch bleibt es angenehm überschaubar: Für Weißwein kommt nicht etwa Muscadet, sondern Chenin Blanc zum Einsatz; für den Rotwein greift man auf die PiWi-Sorte Rondo zurück. Chenin kommt vor allem an der Loire (nur etwas weiter südlich) und in Südafrika (sehr viel weiter südlich) zum Einsatz. Für die ebenfalls an der Loire gerne eingesetzte rote Traube Cabernet Franc scheint das Reizklima der Bretagne dagegen etwas zu reizend zu sein, weshalb die wetterfeste Neukreuzung Rondo den Vorzug erhielt. Abschließend lässt sich also feststellen, dass auch in der Bretagne die alte Wein-Binse &#8222;What grows together, goes together&#8220; gilt. Muscadet (oder auch Folle blanche) ist geradezu für eine Liaison mit Austern gemacht. Und damit hier keine Gerüchte aufkommen, dass die goldene American-Express-Karte des Autors etwas zu locker sitzt: Austern (von einer Größe, die Sylt-Touristen die Tränen in die Augen treibt) gelten in der Bretagne quasi als Fast Food. Für den Tarif einer Portion mit einem Glas Muscadet wird man in der &#8222;Sansibar&#8220; auf Sylt maximal aufs Klo gelassen. In diesem Sinne: santé!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/klein-aber-malo-weine-aus-der-bretagne/">Klein, aber Malo: Weine aus der Bretagne</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wenn es einen Teil Frankreichs gibt, wo sich regenfeste Kleidung auch im Sommer lohnt, ist es sicherlich die Bretagne. Der äußerste Nordwesten des Hexagons, wie Franzosen ihr Land sehen, ist bekannt für seine schroffen Küsten und atemberaubenden Landschaften. Weniger berühmt ist die Bretagne dagegen für ihren Wein (und wir reden nicht von Cidre). Das hat Gründe …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Knapp über 80 Jahre ist es her, da konnte die Bretagne noch mehrere tausend Hektar Rebfläche an Qualitätswein vorweisen. Allein die in den 1930er-Jahren als <a href="https://www.inao.gouv.fr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">AOC</a> (Appellation d’Origine Contrôlée) klassifizierten Gebiete Muscadet und Muscadet Sèvre et Maine reichten grob zusammengezählt von der Atlantikküste über 80 Kilometer entlang der Loire bis tief hinein ins Landesinnere.<br>Diese Weinberge sind heute noch immer da, sie gehören offiziell nur nicht mehr der Bretagne an.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Bretagne weintechnisch in der Bredouille</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1941 entschied eine Gebietsreform (durchgeführt vom Vichy-Regime!), dass die bis dahin bretonische Hauptstadt Nantes, samt ihrer sie umgebenden Weinberge, von nun an zum Département Loire-Antlantique zu gehören hatte. Neue Hauptstadt der Bretagne wurde Rennes (keine Weinberge). Diese Aufteilung hat interessanterweise bis heute Bestand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch heute gibt es intensive Bestrebungen vieler Bretonen, sich wieder mit ihrer ehemaligen Hauptstadt zu vereinigen. Exemplarisch dafür dürften die Muscadet-Weine gesehen werden, auf deren Flasche die bretonische Flagge und das Label &#8222;Produit en Bretagne 5&#8220; prangt, obwohl sie eben streng genommen „nur“ aus dem Département Loire-Atlantique kommen. Auf der <a href="https://www.produitenbretagne.bzh/une-bretagne-puissance-5/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Homepage des Labels</a> wird übrigens auch kein Hehl daraus gemacht, dass es den Machern um &#8222;eine wiedervereinigte Bretagne&#8220; geht. Die 5 steht in diesem Zusammenhang unter anderem für die fünf ursprünglichen Départements der Bretagne, darunter auch die abhandengekommene Provinz Loire-Atlantique. (Könnte man aus deutscher Sicht natürlich auch mal wieder mit dem <a href="https://traubengucker.de/category/rubrik/elsaesser-spitzen-rubrik/">Elsass</a> probieren &#8230; kleiner Scherz!)</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-1024x1024.jpeg" alt="Das Etikett einer Flasche Muscadet aus der Bretagne." class="wp-image-650" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_8566-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein typisches Etikett eines Muscadet-Weines: In diesem Falle stammt der Wein aus der AOC Muscadet Sèvre et Maine. Der Hinweis &#8222;Sur Lie&#8220; besagt, dass der Wein etwa ein halbes Jahr auf der Hefe lag, bevor er in Flaschen abgefüllt wurde. Das Ergebnis: mehr Struktur, Charakter sowie auch Frische.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Muscadet ist nicht Muscat</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammengefasst lassen sich die ehemals bretonischen AOCs unter dem Gebietsnamen Pay Nantais bündeln. Tonangebend und synonym mit dem Begriff Muscadet ist die weiße Traube Melone du Bourgogne, die – Achtung, Verwechslungsgefahr – nichts mit der Muskateller-Traube (auch als Muscat zu finden) zu tun hat, geschmacklich sogar eher das genau Gegenteil ist: ein Wein, der perfekt zu Austern passt &#8211; und eben keine fette, ausladende Bukettsorte, wie der Muskateller eine ist. Eine weitere, wenn auch untergeordnete, Rolle spielt die Weißweinsorte Folle blanche (auch als Gros Plant bekannt).&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-1024x1024.jpeg" alt="Ein (schöner) Mann zeigt auf ein &quot;Muscadet&quot;-Schild." class="wp-image-648" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_6976-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fast schon überflüssig, an einer bretonischen Gaststätte mit einem Schild &#8222;Muscadet&#8220; zu werben. Dieser (schöne) Mann freut sich dennoch darüber.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Muscadet-Weine findet man auch zuverlässig in deutschen Weinregalen. Zwar nicht in Hülle und Fülle, aber oft als Einzelposition, mitunter auch bei Discountern. Preislich bewegen wir uns da meist in einem Bereich von bis zu zehn Euro pro Flasche. Wir sprechen also von einem Wein, der vom Können und damit auch vom Preis her gewissermaßen limitiert ist. Das ist aber keineswegs als Makel zu bewerten. Seine Säure und der knochentrockene Ausbau machen ihn zum perfekten Begleiter zu Muschel- und Fischgerichten – gerade, wenn man sich keinen Chablis leisten möchte oder kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Bretonischer Wein (in echt jetzt)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch arbeiten die Bretonen fleißig an ihrem ganz eigenen Weinberg, also innerhalb der offiziellen Grenzen der Region. Südlich der malerischen Stadt Saint-Malo und unweit des Örtchens Saint-Suliac steht der Mont Garrot. Hier wachsen auf quarzhaltigem Boden rund 1.000 Reben. Sortentechnisch bleibt es angenehm überschaubar: Für Weißwein kommt nicht etwa Muscadet, sondern Chenin Blanc zum Einsatz; für den Rotwein greift man auf die <a href="https://traubengucker.de/regionen/rote-wuerste-weisser-wein-zu-besuch-in-europas-noerdlichstem-qualitaets-weinanbaugebiet/">PiWi</a>-Sorte Rondo zurück. Chenin kommt vor allem an der Loire (nur etwas weiter südlich) und in Südafrika (sehr viel weiter südlich) zum Einsatz. Für die ebenfalls an der Loire gerne eingesetzte rote Traube Cabernet Franc scheint das Reizklima der Bretagne dagegen etwas zu reizend zu sein, weshalb die wetterfeste Neukreuzung Rondo den Vorzug erhielt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-1024x1024.jpeg" alt="Ein Boot mit bretonischer Flagge auf dem Fluss Rance im Golf von Saint-Malo." class="wp-image-651" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4908-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Fluss Rance mündet im Golf von Saint-Malo in den Ärmelkanal. An seinen Ufern steht der Weinberg Mont Garrot (leider nicht im Sichtfeld).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Abschließend lässt sich also feststellen, dass auch in der Bretagne die alte Wein-Binse &#8222;What grows together, goes together&#8220; gilt. Muscadet (oder auch Folle blanche) ist geradezu für eine Liaison mit Austern gemacht. Und damit hier keine Gerüchte aufkommen, dass die goldene American-Express-Karte des Autors etwas zu locker sitzt: Austern (von einer Größe, die Sylt-Touristen die Tränen in die Augen treibt) gelten in der Bretagne quasi als Fast Food. Für den Tarif einer Portion mit einem Glas Muscadet wird man in der &#8222;Sansibar&#8220; auf Sylt maximal aufs Klo gelassen. In diesem Sinne: santé!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-1024x1024.jpeg" alt="Austern und Weißwein vor auf den Klippen der Bretagne." class="wp-image-647" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/08/IMG_4785-75x75.jpeg 75w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kann man zu Hause natürlich auch vor einer Fototapete servieren.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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