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	<title>Cinsault Archive - Traubengucker</title>
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	<title>Cinsault Archive - Traubengucker</title>
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		<title>Marokko und Algerien: Weine aus der Wüste</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Dec 2025 15:18:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der sogenannte Rebengürtel bietet optimale Bedingungen für den Anbau von Qualitätswein. Er deckt ein Gebiet ab, das sich auf der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 40. und 50. Breitengrad erstreckt (seine Entsprechung auf der Südhalbkugel liegt zwischen dem 30. und 40. Breitengrad). Dabei ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass sich diese Zonen in Zeiten des Klimawandels dynamisch verändern. Umso schwerer haben es teilweise Regionen, die im Süden jenseits des Rebengürtels liegen: etwa Sizilien, Teile Griechenlands und der Iberischen Halbinsel sowie eben der Maghreb. Spielen Weine aus Algerien, Marokko und Tunesien aus europäischer Sicht nur noch eine Exotenrolle, liegt das jedoch allem voran an politischen und gesellschaftlichen Motiven. In diesen Ländern ist Alkohol zwar nicht so restriktiv untersagt wie in anderen muslimisch geprägten Staaten wie dem Iran oder Saudi-Arabien, der öffentliche Konsum von Wein (wie auch anderen Alkoholika) wird aber auch hier nicht so gerne gesehen. Dennoch gibt es eine traditionsreiche Weinbauindustrie: Begonnen hatte das Geschäft mit den Reben bereits in der Antike mit der Ankunft der Phönizier (rund 500 v. Chr.), seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Weinproduktion im Norden Afrikas schließlich durch die unrühmliche Kolonisierung durch ein anderes Weinland: Frankreich. Der große Durst und die Rettung aus dem Süden Nehmen wir Algerien mal genauer unter die Lupe. 1830 besetzten die Franzosen erste Teile des Landes, 1847 ging Algerien schließlich komplett in eine französische Kolonie über. Und hier wird natürlich auch die Verbindung zum Wein offensichtlich, denn Frankreich sah die Ländereien jenseits des Mittelmeers als eine Art Verlängerung seines Weinanbaugebietes Languedoc. Tatsächlich entstanden auch viele Weine durch die Cuvéetierung von algerischem und südfranzösischem Wein. Als in den 1860er-Jahren die Reblauskatastrophe mit voller Härte auf Frankreich und den europäischen Kontinent traf, wurde algerischem Wein sogar die Hauptrolle zuteil. Damit vor allem der große Durst der Metropolregion Paris gelöscht werden konnte, importierte man eiligst Wein aus dem afrikanischen Norden. Von der Stilistik war das eine Cuvée aus Carignan, Mourvédre und Alicante &#8211; quasi der typisch südfranzösische und hitzebeständige Rebsortenadel -, die aber wiederum nicht an die perfekt ausbalancierten Weine des Bordeaux&#8216; rankam. Aber in der Not isst der Teufel fliegen … Algerien – koloniales Kraftwerk der Weinwelt In Zahlen: Bewirtschaftete das französische Algerien 1878 noch 60.000 Hektar Weinreben, waren es 1885 schon 100.000 Hektar*, Tendenz steigend. Betrachtet man die französische Kolonie Algerien zu Beginn der 1960er-Jahre als eigenständiges Land, wäre es zu der Zeit sogar viertgrößter Weinproduzent der Welt (hinter Italien, Frankreich und Spanien) gewesen. So sehr sich die Algerier 1962 über die Unabhängigkeit ihres Landes freuten, umso schwieriger war es, den wirtschaftlichen Einbruch durch den Quasi-Wegfall der Weinindustrie zu kompensieren. Denn nach der Unabhängigkeit blieben viele Weingüter verwaist und in den 1980ern wurde nur noch ein Zehntel dessen produziert, was noch zwei Jahrzehnte zuvor erwirtschaftet wurde. Für mehr Oran-Anreicherung! Heute zählt Algerien immerhin, hinter Südafrika, zu den größten Weinproduzenten des Kontinents. Auf knapp 70.000 Hektar Rebfläche teilen sich sieben Appellationen (AOGs) auf, die meisten davon in Küstennähe. Auf meinem Küchentisch habe ich mit dem Royal Mascara einen Vertreter der AOG Côteaux de Mascara stehen, einem Gebiet, welches sich rund um die weißglänzende Küstenstadt Oran schlängelt. So manchem Bücherfreund dürfte diese Stadt bereits als jene wenig rühmliche Kulisse vertraut sein, in die Albert Camus die Handlung seines Romans&#160;Die Pest&#160;verlegte. Auf der Seite des Maghreb-Wein-Anbieters Marokkanische Weine habe ich diesen Rotwein für 13,66 Euro bestellt, eine Cuvée aus Cinsault, Carignan, Grenache, Mourastel, Mourvèdre und Alicante Bouschet (quasi Südfrankreich in Reinform). Sein Baujahr – 2017 – fällt einem beim Einschenken direkt ins Auge: Typisch für die Region ist der Wein nahezu schwarz, im hellen Gegenlicht blitzen aber rostbraune Farbreflexe auf. In der Nase tummeln sich dann Brombeere, rotes Paprikapulver, etwas Holz, Pfeffer und tertiär: Leder. Am Gaumen zeigt er sich zunächst angenehm ausgeglichen bei seidigen Tanninen und einem doch nur mittelschweren Körper (trotz der 14 Prozent Alkohol), dazu ein langer Nachhall, der in Süßholz endet. Einziger Kritikpunkt: Etwas mehr Säure hätte ihm gutgetan, so wirkt er nach dem zweiten Glas etwas dumpf. Das kann aber natürlich auch seinem Alter geschuldet sein, immerhin hatte er sein achtes Lebensjahr bereits überschritten. Marokko: Reben für Resorts Eine sehr ähnliche Weinhistorie weist Algeriens westlicher Nachbar Marokko auf. Die Römer brachten Weinreben vor allem rund um ihre Siedlung Volubilis, in der Nähe der heutigen Stadt Meknès, zum Blühen. Heute stehen auf rund 50.000 Hektar Reben, die zu Wein verarbeitet werden, den zuvorderst Touristen in Bars und Hotels trinken &#8211; ein Markt: Immerhin ist Marokko das meistbesuchte Land des Kontinents. Eine prominente Ausnahme bildet aber der Vin gris aus Boulaouane, der bis heute in den französischen Supermärkten überlebt hat. Bei Vinatis habe ich mir diese Cuvée aus Cinsault und Grenache von der Domaine de Khmis für 7,20 Euro bestellt. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin begeistert. Für diesen Preis bekommt man einen wirklich freundlichen und spaßbringenden Aperitif ins Haus, der aber auch als seriöser Essensbegleiter (etwa zu Muscheln oder Fisch) taugt. Das helle Lachsrosa changiert dabei schon deutlich ins Orangefarbene (typisch für Vin gris, mehr zum Thema gibt es hier). In der Nase: reife Erdbeeren, am Gaumen bleiben die roten Früchte natürlich weiter hängen, dazu gesellt sich etwas Pfirsich und eine Kräuternote. Insgesamt ein leichter Körper mit wirklich genau dem richtigen Maß an Säure. So bringt Sommer auch im Winter Spaß! Wenig Reife und Lederjacke – wie der Mensch so der Wein Etwas enttäuscht bin ich dagegen vom dritten Wein im Bunde, dem MD Excellence Cabernet. Dieser Wein der Domaine des Ouled Thaleb, einem der ältesten Weingüter an Marokkos Westküste in der AOG Zenata, ist ein reinsortiger Cabernet Sauvignon (bestellt habe ich ihn über Conder Wines). Und das merkt man auch gleich in der Nase: Wuchtiges Leder, Erde, etwas Pfeffer und dunkle Früchte. Im Mund wird&#8217;s dann aber rasch einseitig: Der 2022er Jahrgang zeigt sich noch sehr pubertär und unreif mit rüden Tanninen und einer sich zu sehr in den Mittelpunkt spielenden Säure. Alles andere als ein harmonischer Wein, dem sein jugendlicher Leichtsinn vielleicht noch durch ein paar Jahre im dunklen Keller ausgetrieben werden kann. Traubenhaftes Tunesien mit französisch-italienischem Einfluss Ganze sieben Appellationen (AOCs) weist das kleine Tunesien auf. Bis auf die AOC Thibar tummelt sich der Rest vom Fest in mittel- und unmittelbarer Küstennähe. Insgesamt kommt man auf knapp unter 30.000 Hektar Weinanbaufläche. Neben dem französischen Einfluss durch die unrühmliche Kolonialzeit, gab es aber auch immer wieder italienische Siedler, die hier auf der anderen Seite des Mittelmeeres ihr Glück versuchten. Und auch der Weinbau profitiert bis heute vielerorts vom Einfluss der italienischen Gemeinschaft. Die Voraussetzungen dafür, dass Weine aus Marokko, Algerien oder Tunesien sich ihrer Exotenrolle entledigen und weltweit Karriere machen, sind derzeit nicht gegeben. Zu sehr wird die Produktion und der Verkauf von Alkohol in den muslimischen Ländern unter der Knute gehalten. Der stetig wachsende Tourismus in Marokko ist aber beispielsweise eine hervorragende Basis für einen Austausch von hiesigen Weinen und der Welt dort draußen. Und, wer weiß, vielleicht animieren meine beschaulichen Kurzrezensionen aus diesem Artikel hier ja auch den ein oder anderen Leser zum Kauf eines maghrebinischen Weines, Sahara-Staub inklusive. Apropos, ich werde gleich mal meine angestaubte Tajine aus dem Keller holen und schauen, welches Gericht aus 1001 Nacht ich zum nächsten Schluck Boulaouane kredenzen kann. *(Quelle: &#8222;French Wine: A History&#8220;, Rod Phillips)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/marokko-und-algerien-weine-aus-der-wueste/">Marokko und Algerien: Weine aus der Wüste</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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<p>Der sogenannte Rebengürtel bietet optimale Bedingungen für den Anbau von Qualitätswein. Er deckt ein Gebiet ab, das sich auf der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 40. und 50. Breitengrad erstreckt (seine Entsprechung auf der Südhalbkugel liegt zwischen dem 30. und 40. Breitengrad). Dabei ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass sich diese Zonen in Zeiten des Klimawandels dynamisch verändern.</p>



<p>Umso schwerer haben es teilweise Regionen, die im Süden jenseits des Rebengürtels liegen: etwa Sizilien, Teile Griechenlands und der Iberischen Halbinsel sowie eben der Maghreb.</p>



<p>Spielen Weine aus Algerien, Marokko und Tunesien aus europäischer Sicht nur noch eine Exotenrolle, liegt das jedoch allem voran an politischen und gesellschaftlichen Motiven. In diesen Ländern ist Alkohol zwar nicht so restriktiv untersagt wie in anderen muslimisch geprägten Staaten wie dem Iran oder Saudi-Arabien, der öffentliche Konsum von Wein (wie auch anderen Alkoholika) wird aber auch hier nicht so gerne gesehen. Dennoch gibt es eine traditionsreiche Weinbauindustrie: Begonnen hatte das Geschäft mit den Reben bereits in der Antike mit der Ankunft der Phönizier (rund 500 v. Chr.), seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Weinproduktion im Norden Afrikas schließlich durch die unrühmliche Kolonisierung durch ein anderes Weinland: Frankreich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der große Durst und die Rettung aus dem Süden</h2>



<p>Nehmen wir Algerien mal genauer unter die Lupe. 1830 besetzten die Franzosen erste Teile des Landes, 1847 ging Algerien schließlich komplett in eine französische Kolonie über. Und hier wird natürlich auch die Verbindung zum Wein offensichtlich, denn Frankreich sah die Ländereien jenseits des Mittelmeers als eine Art Verlängerung seines Weinanbaugebietes Languedoc. Tatsächlich entstanden auch viele Weine durch die Cuvéetierung von algerischem und südfranzösischem Wein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1024x1024.jpeg" alt="Abendstimmung: Der Hafen von Sète im Languedoc." class="wp-image-1499" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/12/IMG_0953-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die französische Stadt Sète im Languedoc war besonders während der Reblauskatastrophe der wichtigste Einfuhrhafen für algerischen Wein.</figcaption></figure>



<p>Als in den 1860er-Jahren die Reblauskatastrophe mit voller Härte auf Frankreich und den europäischen Kontinent traf, wurde algerischem Wein sogar die Hauptrolle zuteil. Damit vor allem der große Durst der Metropolregion Paris gelöscht werden konnte, importierte man eiligst Wein aus dem afrikanischen Norden. Von der Stilistik war das eine Cuvée aus Carignan, Mourvédre und Alicante &#8211; quasi der typisch südfranzösische und hitzebeständige Rebsortenadel -, die aber wiederum nicht an die perfekt ausbalancierten Weine des Bordeaux&#8216; rankam. Aber in der Not isst der Teufel fliegen …</p>



<h2 class="wp-block-heading">Algerien – koloniales Kraftwerk der Weinwelt</h2>



<p>In Zahlen: Bewirtschaftete das französische Algerien 1878 noch 60.000 Hektar Weinreben, waren es 1885 schon 100.000 Hektar*, Tendenz steigend. Betrachtet man die französische Kolonie Algerien zu Beginn der 1960er-Jahre als eigenständiges Land, wäre es zu der Zeit sogar viertgrößter Weinproduzent der Welt (hinter Italien, Frankreich und Spanien) gewesen.</p>



<p>So sehr sich die Algerier 1962 über die Unabhängigkeit ihres Landes freuten, umso schwieriger war es, den wirtschaftlichen Einbruch durch den Quasi-Wegfall der Weinindustrie zu kompensieren. Denn nach der Unabhängigkeit blieben viele Weingüter verwaist und in den 1980ern wurde nur noch ein Zehntel dessen produziert, was noch zwei Jahrzehnte zuvor erwirtschaftet wurde.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1024x1024.jpeg" alt="Drei Weinflaschen aus dem Maghreb auf dem Tisch: der MD Excellence, der Royal Mascara and der Boulaouane (Vin gris)" class="wp-image-1482" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2224-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Orient-Dreier: der MD Excellence (Marokko), der Royal Mascara (Algerien) and der Boulaouane (Marokko)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Für mehr Oran-Anreicherung!</h2>



<p>Heute zählt Algerien immerhin, hinter Südafrika, zu den größten Weinproduzenten des Kontinents. Auf knapp 70.000 Hektar Rebfläche teilen sich sieben Appellationen (AOGs) auf, die meisten davon in Küstennähe. Auf meinem Küchentisch habe ich mit dem Royal Mascara einen Vertreter der AOG Côteaux de Mascara stehen, einem Gebiet, welches sich rund um die weißglänzende Küstenstadt Oran schlängelt. So manchem Bücherfreund dürfte diese Stadt bereits als jene wenig rühmliche Kulisse vertraut sein, in die Albert Camus die Handlung seines Romans&nbsp;<em>Die Pest</em>&nbsp;verlegte.</p>



<p>Auf der Seite des Maghreb-Wein-Anbieters <a href="https://marokkanische-weine.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marokkanische Weine</a> habe ich diesen Rotwein für 13,66 Euro bestellt, eine Cuvée aus Cinsault, Carignan, Grenache, Mourastel, Mourvèdre und Alicante Bouschet (quasi Südfrankreich in Reinform). Sein Baujahr – 2017 – fällt einem beim Einschenken direkt ins Auge: Typisch für die Region ist der Wein nahezu schwarz, im hellen Gegenlicht blitzen aber rostbraune Farbreflexe auf. In der Nase tummeln sich dann Brombeere, rotes Paprikapulver, etwas Holz, Pfeffer und tertiär: Leder. Am Gaumen zeigt er sich zunächst angenehm ausgeglichen bei seidigen Tanninen und einem doch nur mittelschweren Körper (trotz der 14 Prozent Alkohol), dazu ein langer Nachhall, der in Süßholz endet. Einziger Kritikpunkt: Etwas mehr Säure hätte ihm gutgetan, so wirkt er nach dem zweiten Glas etwas dumpf. Das kann aber natürlich auch seinem Alter geschuldet sein, immerhin hatte er sein achtes Lebensjahr bereits überschritten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1024x1024.jpeg" alt="Der schwarze Royal Mascara, einer weißen Blume gegenübergestellt." class="wp-image-1483" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2267-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Man muss nicht immer gleich schwarzsehen. Beim Royal Mascara fällt alles andere aber wirklich schwer.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Marokko: Reben für Resorts</h2>



<p>Eine sehr ähnliche Weinhistorie weist Algeriens westlicher Nachbar Marokko auf. Die Römer brachten Weinreben vor allem rund um ihre Siedlung Volubilis, in der Nähe der heutigen Stadt Meknès, zum Blühen. Heute stehen auf rund 50.000 Hektar Reben, die zu Wein verarbeitet werden, den zuvorderst Touristen in Bars und Hotels trinken &#8211; ein Markt: Immerhin ist Marokko das meistbesuchte Land des Kontinents. Eine prominente Ausnahme bildet aber der Vin gris aus <a href="https://www.boulaouane.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boulaouane</a>, der bis heute in den französischen Supermärkten überlebt hat.</p>



<p>Bei <a href="https://www.vinatis.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vinatis</a> habe ich mir diese Cuvée aus Cinsault und Grenache von der Domaine de Khmis für 7,20 Euro bestellt. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin begeistert. Für diesen Preis bekommt man einen wirklich freundlichen und spaßbringenden Aperitif ins Haus, der aber auch als seriöser Essensbegleiter (etwa zu Muscheln oder Fisch) taugt. Das helle Lachsrosa changiert dabei schon deutlich ins Orangefarbene (typisch für Vin gris, mehr zum Thema gibt es <a href="https://traubengucker.de/regionen/lothringer-wein-jetzt-wirds-exotisch/">hier</a>). In der Nase: reife Erdbeeren, am Gaumen bleiben die roten Früchte natürlich weiter hängen, dazu gesellt sich etwas Pfirsich und eine Kräuternote. Insgesamt ein leichter Körper mit wirklich genau dem richtigen Maß an Säure. So bringt Sommer auch im Winter Spaß!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1024x1024.jpeg" alt="Vin gris aus Marokko: der Boulaouane der Domaine de Khmis" class="wp-image-1486" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/11/IMG_2222-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ist das eine Fata Morgana? Nein, es ist echt: Trink das, es wird dir guttun.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wenig Reife und Lederjacke – wie der Mensch so der Wein</h2>



<p>Etwas enttäuscht bin ich dagegen vom dritten Wein im Bunde, dem MD Excellence Cabernet. Dieser Wein der Domaine des Ouled Thaleb, einem der ältesten Weingüter an Marokkos Westküste in der AOG Zenata, ist ein reinsortiger Cabernet Sauvignon (bestellt habe ich ihn über <a href="https://www.conderwines.de/domaine-ouled-thaleb-md-excellence-red">Conder Wines</a>). Und das merkt man auch gleich in der Nase: Wuchtiges Leder, Erde, etwas Pfeffer und dunkle Früchte. Im Mund wird&#8217;s dann aber rasch einseitig: Der 2022er Jahrgang zeigt sich noch sehr pubertär und unreif mit rüden Tanninen und einer sich zu sehr in den Mittelpunkt spielenden Säure. Alles andere als ein harmonischer Wein, dem sein jugendlicher Leichtsinn vielleicht noch durch ein paar Jahre im dunklen Keller ausgetrieben werden kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Traubenhaftes Tunesien mit französisch-italienischem Einfluss</h2>



<p>Ganze sieben Appellationen (AOCs) weist das kleine Tunesien auf. Bis auf die AOC Thibar tummelt sich der Rest vom Fest in mittel- und unmittelbarer Küstennähe. Insgesamt kommt man auf knapp unter 30.000 Hektar Weinanbaufläche. Neben dem französischen Einfluss durch die unrühmliche Kolonialzeit, gab es aber auch immer wieder italienische Siedler, die hier auf der anderen Seite des Mittelmeeres ihr Glück versuchten. Und auch der Weinbau profitiert bis heute vielerorts vom Einfluss der italienischen Gemeinschaft.</p>



<p>Die Voraussetzungen dafür, dass Weine aus Marokko, Algerien oder Tunesien sich ihrer Exotenrolle entledigen und weltweit Karriere machen, sind derzeit nicht gegeben. Zu sehr wird die Produktion und der Verkauf von Alkohol in den muslimischen Ländern unter der Knute gehalten. Der stetig wachsende Tourismus in Marokko ist aber beispielsweise eine hervorragende Basis für einen Austausch von hiesigen Weinen und der Welt dort draußen. Und, wer weiß, vielleicht animieren meine beschaulichen Kurzrezensionen aus diesem Artikel hier ja auch den ein oder anderen Leser zum Kauf eines maghrebinischen Weines, Sahara-Staub inklusive. Apropos, ich werde gleich mal meine angestaubte Tajine aus dem Keller holen und schauen, welches Gericht aus 1001 Nacht ich zum nächsten Schluck Boulaouane kredenzen kann.</p>



<p>*<em>(Quelle: &#8222;French Wine: A History&#8220;, Rod Phillips)</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/marokko-und-algerien-weine-aus-der-wueste/">Marokko und Algerien: Weine aus der Wüste</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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		<title>Tavel an der Tafel? Aber nur Rosé!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Apr 2025 16:16:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unter Wein-Freaks gilt die Rhône zweifelsohne als einer der großen Sehnsuchts-Flüsse. Schon auf Schweizer Gebiet kann man spätestens auf dem Genfer See herrliche Selfies mit malerischen Reben voller Chasselas machen. Spätestens hinter Lyon wird es dann aber hochkarätig: Condrieu, Hermitage und Châteauneuf-du-Pape reihen sich gen Süden an den Gestaden wie Perlen auf einer Schnur. Hier ist alles im Fluss. Gegenüber von Châteauneuf-du-Pape am rechten Rhône-Ufer liegt Tavel – die einzige Region an der Côtes du Rhône, in der ausschließlich Rosé produziert wird (kann man sich als &#8222;Fun-Fact&#8220; ruhig mal merken). Stets kurz vor der Überzuckerung Wenn an der herrschaftlich angerichteten Tafel also ein Tavel angekündigt wird, kann man sich auf einen kräftigen Rosé einstellen. Dazu lädt man dann noch die brasilianische Torwart-Legende Taffarel ein und schon hat man einen lebendig gewordenen Wortwitz bei sich im Wohnzimmer.&#160; Wieso kräftig? Anders als das Paradebeispiel eines leichten Provence-Rosés kommt sein Stellvertreter aus Tavel deutlich muskulöser daher. Ein Hauptgrund dafür ist der hohe Zuckergehalt der Grenache-Trauben. Die Region Tavel ist derart sonnenverwöhnt, dass die Trauben hier rekordverdächtige Reifegrade erzielen. Ein Alkoholgehalt von 13,5 Prozent ist hier völlig normal.Deshalb wurde in der AOC Tavel der Alkoholgehalt weiland auf einen Höchstwert von 13,5 Prozent festgelegt.&#160;Trotzdem findet man hierzulande nicht selten Tavel-Weine mit einem Alkoholvolumen von satten 14,5 Prozent. Eine Anfrage bei der AOC Tavel höchstpersönlich sowie einem der führenden Weingüter Domaine Corne-Loup (dessen Weine übrigens beim deutschen Weineinzelhändler Jacques&#8216; verkauft werden, aber dazu später mehr), warum das so sei, blieb leider unbeantwortet. Ob wir da am Ende etwas Großem investigativ auf die Schliche gekommen sind? Na, erstmal was trinken &#8230; Ohne Grenache und Cinsault kein Tavel Neben Grenache ist hier unbedingt noch die Sorte Cinsault zu erwähnen – beide müssen zu mindestens 15 Prozent im Wein enthalten sein, dürfen aber nicht mehr als 60 Prozent ausmachen. Von einer Anfrage bei der zuständigen AOC, ob das heute noch immer der Fall sei, haben wir dann aber aus Gründen abgesehen. Lange galt das Herstellungsverfahren von Tavel-Weinen als gut gehütetes Geheimnis. Mittlerweile veröffentlicht die Appellation aber immer mehr Details. Das Verfahren der Wahl ist die kalte Mazeration, die zwischen einem halben und einem ganzen Tag andauert. Manchmal wird beim anschließenden Ausbau sogar ein biologischer Säureabbau (kurz: BSA oder malolaktische Gärung) durchgeführt. Hier wird die straffe Äpfel- in Milchsäure umgewandelt und verleiht dem Wein ein weiteres Aromenspektrum, zum Beispiel Butter oder laktische Noten. Neben dem kräftig leuchtenden Farbton erkennt man einen Tavel zumeist auch schon am Gefäß: Charakteristisch ist das in vielen Fällen auf den Flaschen verwendete Signet: ein prunkvolles „T“ am Flaschenhals. (Das „T“ steht natürlich für „trinken&#8220; &#8230;) Ein Tavel-Duell als Praxistest Gehen wir ans (W)eingemachte: Vor uns stehen der Tavel der Domaine Corne-Loup von Jacques&#8216; (11,40 Euro) und der der Domaine Terre Davau von Rindchen&#8217;s (18,50 Euro), beide aus 2023, beides eine Cuvée aus Grenache, Syrah, Clairette und Cinsault. Frappierend ist in der Tat der erste fundamentale Unterschied in der Nase. Beim Corne-Loup-Tavel werden schlagartig Kindheitserinnerungen wach: Omas hausgemachte Himbeermarmelade oder die roten Em-Eukal-Drops aus dem Krämerladen um die Ecke tummeln sich hier im Glas. Also: Kirsche und Himbeere als konkurrenzlose Primäraromen. Bei einem Restzuckergehalt von 1,5 g/l und einer Gesamtsäure von 4,4 g/l sind wir aber keineswegs auf einem halbtrockenen Primitivo-Level, wo man eben auch häufig mit gekochten Früchten oder Kompott als Aroma zu tun hat, sondern haben eine vitale Säure hinten raus, die auch die 13,5 Prozent Alkohol einigermaßen gut einbettet und Lust auf einen weiteren Schluck evoziert. Schon beim letztjährigen Silvester hat der Corne-Loup zum klassischen Fleisch-Fondue gute Dienste geleistet und sich positiv in die Runde eingebracht. Ganz anders präsentiert sich der Terre Davau. Statt roter Früchte ist hier ein schwer zu fassender kräuterbasierter Aromen-Komplex in der Nase, auch etwas Pferdestall. Je länger er an der Luft ist, schält sich aber auch eine rote Fruchtnote heraus, die am ehesten an wilde Erdbeeren erinnert. Tatsächlich auch an den geliebten wie gefürchteten Uhudler, dessen amerikanische Wildreben-DNA auch diesen Walderdbeeren-Jasmin-Mix ins Glas bringt. Mit anderen Worten: Dieser Wein ist mit Sicherheit nicht Everybody&#8217;s Darling. Zu Bresaola und Fenchelsalami sorgt er hier am Tisch aber durchaus für Wohlbehagen. Wer noch nie einen Tavel vor sich im Glas hatte, sollte dies unbedingt nachholen. Ob man ihn am Ende mag oder nicht, es ist ein besonderes Erlebnis, versprochen. Getrunken werden sollten die Weine aber unbedingt wärmer als ein frischer, knackiger Rosé – wir sind hier bei 15 oder 16 Grad Celsius. Ein König sieht rosé Kleiner geschichtlicher Exkurs: Geliebt wurde der Tavel bereits innig von Ludwig XIV. Ob das ein Grund für seine diversen körperlichen Gebrechen war oder ihm lediglich half, diese besser auszuhalten, soll ein ewiges Geheimnis bleiben. Und auch der Schriftsteller Balzac war nachweislich großer Fan des Rosés aus Tavel. So liest man seine Werke von nun an mit der rosaroten Brille. Die folgerichtige Frage: Wenn Ludwig XIV. und Honoré de Balzac auf Tavel geschworen haben, schmeckt er mir dann vielleicht nicht auch? Richtig, und jetzt ist geradezu die Gelegenheit dafür. Denn ab April türmen nicht nur Weinhändler ihre sämtlichen Rosés fototapetenhaft in den Schaufenstern, Menschen holen ihren Weber-Grill aus dem Winterschlaf, schieben ihn sorgsam auf die Terrasse oder fallen mit Einweg-Grills in die Stadtparks der Republik ein. Will sagen: Ein Tavel mit seiner – im Rosé-Kontext – vierschrötigen Art ist der ideale Begleiter für eine Fleischorgie oder gegrilltes Gemüse. Auch zu einer Salami-Pizza oder Lasagne macht er eine gute Figur. Generell: Wo ein zartfrischer Rosé als Weinbegleitung nichts mehr auszurichten vermag, beginnt sein Einsatzgebiet. Bis heute verfügt der Tavel über ein sagenhaftes Renommee. Halten kann er diese Ansprüche allerdings nicht immer.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Unter Wein-Freaks gilt die Rhône zweifelsohne als einer der großen Sehnsuchts-Flüsse. Schon auf Schweizer Gebiet kann man spätestens auf dem Genfer See herrliche Selfies mit malerischen Reben voller Chasselas machen. Spätestens hinter Lyon wird es dann aber hochkarätig: Condrieu, Hermitage und Châteauneuf-du-Pape reihen sich gen Süden an den Gestaden wie Perlen auf einer Schnur. Hier ist alles im Fluss.</p>



<p>Gegenüber von Châteauneuf-du-Pape am rechten Rhône-Ufer liegt Tavel – die einzige Region an der Côtes du Rhône, in der ausschließlich Rosé produziert wird (kann man sich als &#8222;Fun-Fact&#8220; ruhig mal merken).</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-1024x1024.jpeg" alt="Der Marktplatz von Orange in der südlichen Rhône." class="wp-image-890" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2024/12/IMG_7786-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vom Städtchen Orange ist es quasi nur noch ein Katzensprung nach Tavel. Holländische Fußballfans sucht man hier vergebens.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Stets kurz vor der Überzuckerung</h2>



<p>Wenn an der herrschaftlich angerichteten Tafel also ein Tavel angekündigt wird, kann man sich auf einen kräftigen Rosé einstellen. Dazu lädt man dann noch die brasilianische Torwart-Legende Taffarel ein und schon hat man einen lebendig gewordenen Wortwitz bei sich im Wohnzimmer.&nbsp;</p>



<p>Wieso kräftig? Anders als das Paradebeispiel eines leichten Provence-Rosés kommt sein Stellvertreter aus Tavel deutlich muskulöser daher. Ein Hauptgrund dafür ist der hohe Zuckergehalt der Grenache-Trauben. Die Region Tavel ist derart sonnenverwöhnt, dass die Trauben hier rekordverdächtige Reifegrade erzielen. Ein Alkoholgehalt von 13,5 Prozent ist hier völlig normal.<br>Deshalb wurde in der AOC Tavel der Alkoholgehalt weiland auf einen Höchstwert von 13,5 Prozent festgelegt.&nbsp;Trotzdem findet man hierzulande nicht selten Tavel-Weine mit einem Alkoholvolumen von satten 14,5 Prozent. Eine Anfrage bei der <a href="http://www.vin-tavel.com/en/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">AOC Tavel</a> höchstpersönlich sowie einem der führenden Weingüter <a href="https://www.instagram.com/domainecorneloup/?__d=1%2F" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Domaine Corne-Loup</a> (dessen Weine übrigens beim deutschen Weineinzelhändler <a href="https://www.jacques.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jacques&#8216;</a> verkauft werden, aber dazu später mehr), warum das so sei, blieb leider unbeantwortet. Ob wir da am Ende etwas Großem investigativ auf die Schliche gekommen sind? Na, erstmal was trinken &#8230;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ohne Grenache und Cinsault kein Tavel</h2>



<p>Neben Grenache ist hier unbedingt noch die Sorte Cinsault zu erwähnen – beide müssen zu mindestens 15 Prozent im Wein enthalten sein, dürfen aber nicht mehr als 60 Prozent ausmachen. Von einer Anfrage bei der zuständigen AOC, ob das heute noch immer der Fall sei, haben wir dann aber <em>aus Gründen </em>abgesehen.</p>



<p>Lange galt das Herstellungsverfahren von Tavel-Weinen als gut gehütetes Geheimnis. Mittlerweile veröffentlicht die <a href="http://www.vin-tavel.com/en/from-grape-to-wine/the-vinification" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Appellation aber immer mehr Details</a>. Das Verfahren der Wahl ist die kalte Mazeration, die zwischen einem halben und einem ganzen Tag andauert. Manchmal wird beim anschließenden Ausbau sogar ein biologischer Säureabbau (kurz: BSA oder malolaktische Gärung) durchgeführt. Hier wird die straffe Äpfel- in Milchsäure umgewandelt und verleiht dem Wein ein weiteres Aromenspektrum, zum Beispiel Butter oder laktische Noten.</p>



<p>Neben dem kräftig leuchtenden Farbton erkennt man einen Tavel zumeist auch schon am Gefäß: Charakteristisch ist das in vielen Fällen auf den Flaschen verwendete Signet: ein prunkvolles „T“ am Flaschenhals. (Das „T“ steht natürlich für „trinken&#8220; &#8230;)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Tavel-Duell als Praxistest</h2>



<p>Gehen wir ans (W)eingemachte: Vor uns stehen der Tavel der Domaine Corne-Loup von Jacques&#8216; (11,40 Euro) und der der Domaine Terre Davau von <a href="https://www.rindchen.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rindchen&#8217;s</a> (18,50 Euro), beide aus 2023, beides eine Cuvée aus Grenache, Syrah, Clairette und Cinsault.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-1024x1024.jpeg" alt="Links der Tavel der Domaine Corne-Loup, recht der von Terre Davau" class="wp-image-1014" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9936-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">T and T (AC/DC lassen grüßen):  Links der Tavel der Domaine Corne-Loup von Jacques&#8216;, rechts der Terre Davau von Rindchen&#8217;s.</figcaption></figure>



<p>Frappierend ist in der Tat der erste fundamentale Unterschied in der Nase. Beim Corne-Loup-Tavel werden schlagartig Kindheitserinnerungen wach: Omas hausgemachte Himbeermarmelade oder die roten Em-Eukal-Drops aus dem Krämerladen um die Ecke tummeln sich hier im Glas. Also: Kirsche und Himbeere als konkurrenzlose Primäraromen. Bei einem Restzuckergehalt von 1,5 g/l und einer Gesamtsäure von 4,4 g/l sind wir aber keineswegs auf einem halbtrockenen Primitivo-Level, wo man eben auch häufig mit gekochten Früchten oder Kompott als Aroma zu tun hat, sondern haben eine vitale Säure hinten raus, die auch die 13,5 Prozent Alkohol einigermaßen gut einbettet und Lust auf einen weiteren Schluck evoziert. Schon beim letztjährigen Silvester hat der Corne-Loup zum klassischen Fleisch-Fondue gute Dienste geleistet und sich positiv in die Runde eingebracht.</p>



<p>Ganz anders präsentiert sich der Terre Davau. Statt roter Früchte ist hier ein schwer zu fassender kräuterbasierter Aromen-Komplex in der Nase, auch etwas Pferdestall. Je länger er an der Luft ist, schält sich aber auch eine rote Fruchtnote heraus, die am ehesten an wilde Erdbeeren erinnert. Tatsächlich auch an den geliebten wie gefürchteten <a href="https://traubengucker.de/regionen/uhudler-der-fast-verbotene-wein/">Uhudler</a>, dessen amerikanische Wildreben-DNA auch diesen Walderdbeeren-Jasmin-Mix ins Glas bringt. Mit anderen Worten: Dieser Wein ist mit Sicherheit nicht Everybody&#8217;s Darling. Zu Bresaola und Fenchelsalami sorgt er hier am Tisch aber durchaus für Wohlbehagen.</p>



<p>Wer noch nie einen Tavel vor sich im Glas hatte, sollte dies unbedingt nachholen. Ob man ihn am Ende mag oder nicht, es ist ein besonderes Erlebnis, versprochen. Getrunken werden sollten die Weine aber unbedingt wärmer als ein frischer, knackiger Rosé – wir sind hier bei 15 oder 16 Grad Celsius. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein König sieht rosé</h2>



<p>Kleiner geschichtlicher Exkurs: Geliebt wurde der Tavel bereits innig von Ludwig XIV. Ob das ein Grund für seine diversen körperlichen Gebrechen war oder ihm lediglich half, diese besser auszuhalten, soll ein ewiges Geheimnis bleiben. Und auch der Schriftsteller <a href="https://traubengucker.de/rubrik/sy-sy-sympathische-synonyme/balzac/">Balzac</a> war nachweislich großer Fan des Rosés aus Tavel. So liest man seine Werke von nun an mit der rosaroten Brille.<br></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-1024x1024.jpeg" alt="Eine nicht mehr volle Flasche Tavel." class="wp-image-1005" srcset="https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-1024x1024.jpeg 1024w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-300x300.jpeg 300w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-150x150.jpeg 150w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-768x768.jpeg 768w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-1536x1536.jpeg 1536w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-2048x2048.jpeg 2048w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-1140x1140.jpeg 1140w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-75x75.jpeg 75w, https://traubengucker.de/wp-content/uploads/2025/04/IMG_9411-1320x1320.jpeg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Da ist mehr drin gewesen.</figcaption></figure>



<p>Die folgerichtige Frage: Wenn Ludwig XIV. und Honoré de Balzac auf Tavel geschworen haben, schmeckt er mir dann vielleicht nicht auch? Richtig, und jetzt ist geradezu die Gelegenheit dafür. Denn ab April türmen nicht nur Weinhändler ihre sämtlichen Rosés fototapetenhaft in den Schaufenstern, Menschen holen ihren Weber-Grill aus dem Winterschlaf, schieben ihn sorgsam auf die Terrasse oder fallen mit Einweg-Grills in die Stadtparks der Republik ein.</p>



<p>Will sagen: Ein Tavel mit seiner – im Rosé-Kontext – vierschrötigen Art ist der ideale Begleiter für eine Fleischorgie oder gegrilltes Gemüse. Auch zu einer Salami-Pizza oder Lasagne macht er eine gute Figur. Generell: Wo ein zartfrischer Rosé als Weinbegleitung nichts mehr auszurichten vermag, beginnt sein Einsatzgebiet.</p>



<p>Bis heute verfügt der Tavel über ein sagenhaftes Renommee. Halten kann er diese Ansprüche allerdings nicht immer.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://traubengucker.de/regionen/tavel-an-der-tafel-aber-nur-rose/">Tavel an der Tafel? Aber nur Rosé!</a> erschien zuerst auf <a href="https://traubengucker.de">Traubengucker</a>.</p>
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